Lungentumor beim Hund
Bei einem Lungentumor beim Hund handelt es sich um eine Neubildung von Gewebe in der Lunge — entweder dort selbst entstanden (primärer Lungentumor) oder als Absiedlung eines Tumors aus einem anderen Organ (sekundärer Lungentumor, also eine Metastase). Umgangssprachlich wird ein Lungentumor beim Hund häufig Lungenkrebs genannt; im engeren Sinn meint Lungenkrebs den bösartigen, also malignen Lungentumor.
Während Lungenkrebs beim Menschen relativ häufig auftritt, ist er beim Hund seltener. Das Durchschnittsalter der Tiere bei einem primären Lungentumor liegt bei ungefähr 11 Jahren. Anaplastische Sarkome, also besonders entdifferenzierte bösartige Bindegewebstumore, treten früher auf, mit etwa 7,5 Jahren. Bei Boxern, Dobermännern, Australian Shepherds, Irischen Settern und Berner Sennenhunden wird eine Häufung berichtet. Über Risikofaktoren für den Lungentumor beim Hund ist bislang nichts bekannt.
Auftreten des Lungentumors bei Hunden
Beim Lungentumor muss immer unterschieden werden, ob es sich tatsächlich um einen sogenannten primären Tumor handelt, er also in der Lunge entstanden ist, oder ob die Veränderung aus den Metastasen (Tochtergeschwülsten) einer anderen Tumorerkrankung hervorgeht. Primäre Tumorbildungen können in allen Bereichen und Gewebsschichten der Lunge auftreten.
In den meisten Fällen bildet sich das Tumorgewebe allerdings nicht zuerst in der Lunge. Durch ihre zentrale Stellung im Blut-Stoffwechsel und ihre anatomische Lage im Körper ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Tumore aus anderen Organen in die Lunge streuen — häufig etwa aus einem Mammatumor, also einem Tumor der Milchleiste. Metastasiert ein Tumor in die Lunge, ist das ein weiterer gefährlicher Schritt im Krankheitsverlauf.
Symptome des Lungentumors beim Hund
In den Anfangsstadien macht sich ein Lungentumor beim Hund zunächst durch Husten bemerkbar. Betroffen sind häufig ältere Hunde. Das Husten tritt anfangs eher sporadisch auf, im weiteren Verlauf geht es in ein chronisches Hustengeschehen über. Dabei wird nur selten Hustenschleim nach oben gefördert. Erkrankt der Hund zusätzlich an einem grippalen Infekt, werden mit dem Husten auch Schleim, Blut oder Eiter ausgeschieden.
Dieser Husten wird von Tierhaltern wie auch von Tierärzten zunächst meist als bakterielle Infektion, Grippe oder Erkältung gewertet. Hält das Symptom über einen längeren Zeitraum an, sollten Sie es jedoch nicht übergehen: Gerade in der kalten Jahreszeit sollte nicht vorschnell auf einen bloßen grippalen Infekt geschlossen werden.
Atemnot mit einem damit einhergehenden Sauerstoffmangel tritt anfangs nur selten auf. Diese Symptome äußern sich in der Regel erst, wenn sich der Tumor weiter in der Lunge ausgebreitet und vergrößert oder bereits Metastasen gebildet hat. Den Sauerstoffmangel erkennen Sie zum Beispiel am Schnappen nach Luft und an einer starken Bewegung der Brustwand beim Atmen, die Atemnot an Kurzatmigkeit. Auffällig ist zudem, dass sich die Beschwerden im Liegen verstärken — die Lunge wird dabei zusammengepresst.
Weitere Anzeichen eines Lungentumors bei Ihrem Hund können sein:
- ein hartnäckiger Husten, der mit der Zeit immer schlimmer wird
- schnelles Atmen, damit genug Sauerstoff in die Lunge gelangt
- Verringerung der Leistungsfähigkeit und der Leistungsbereitschaft
- schneller und auffälliger Gewichtsverlust bis hin zur Abmagerung
- verändertes Fressverhalten, das zwischen akuter Fressverweigerung und Herunterschlingen schwankt
- Schwellungen und Schmerzen an den Extremitäten (Beine, Pfoten)
- Lahmheiten im Bereich der Vordergliedmaßen
- Verlust des Fells
- erhöhte Temperatur bis hin zu Fieber
- Ansammlung von Flüssigkeit in der Lunge — selten, aber möglich
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Verhaltensänderungen bei Lungentumoren
In einigen Fällen verändert sich auch das Verhalten der Hunde. Sie wirken dann apathisch, lassen sich nur noch wenig anfassen und sind ängstlich. Der Lungentumor hat ohne Metastasierung zwar keine direkten Auswirkungen auf das Gehirn, jedoch kann sich der Hund nicht verbal verständigen und seinem Leiden Ausdruck verleihen. Diese Hilflosigkeit ist der Grund für die Veränderung des Verhaltens — auch gegenüber den Tierhaltern.
Wenn der Tumor streut
Erfolgt eine Metastasierung aus der Lunge, greift die Erkrankung also auf andere Organe über, kommen entsprechend weitere Symptome hinzu. Dazu zählen Erbrechen, Durchfall, Schluckstörungen — im Ruhezustand wie beim Fressen — sowie Schock-Symptome. Auch Lahmheit, Herzstörungen und Herzschäden können dann Anzeichen der Erkrankung sein.
Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie bereits beim kleinsten Verdacht auf einen Lungentumor tierärztlichen Rat einholen. Kommen mehrere dieser Anzeichen zusammen, ist die Erkrankung meist schon weit fortgeschritten. Woran Sie das späte Krankheitsstadium erkennen und was für die Lebensqualität Ihres Hundes dann noch möglich ist, lesen Sie unter Lungenkrebs beim Hund im Endstadium.
Diagnose des Lungentumors beim Hund
Bei einer Untersuchung kann der Tierarzt häufig bereits recht schnell eine Veränderung der Atemgeräusche bemerken. Oft ist eine Routinekontrolle eines älteren Tieres der Anlass für die Entdeckung der Erkrankung. Um unterscheiden zu können, ob ein Lungentumor vorliegt oder eine andere Erkrankung wie eine Lungenentzündung oder ein Asthma, wird zunächst eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. Allerdings muss das Tumorgewebe bereits eine erhebliche Größe erreicht haben, um im Röntgenbild erkennbar zu werden.
Für eine genauere Untersuchung bietet sich daher eine Computertomographie (CT) an. Sie klärt insbesondere, ob es sich um einen Einzeltumor oder um verstreute Lungentumore handelt — eine Unterscheidung, von der die weiteren Behandlungsschritte abhängen. Je nach Ausbreitung über die Lunge und insbesondere bei einer Vielzahl von Tumorknoten wird die Lebenserwartung negativ beeinflusst.
Lungenkarzinome, also bösartige Tumore des Deckgewebes der Lunge, werden nach Lee et al. folgendermaßen in Stadien eingeteilt:
1. Tumor (T)
| Stadium | Größe des Lungentumors (cm) | einzeln/mehrere | Organbeteiligung |
|---|---|---|---|
| T1 | kleiner/gleich 3 | einzeln | keine |
| T2 | 3 bis 5 | einzeln | Hauptbronchien, viszerale Pleura |
| T3 | 5 bis 7 | separate Knoten im selben Lungenflügel | Brustwand, Perikard, Nervus phrenicus |
| T4 | größer 7 | separate Knoten in Lungenflügeln derselben Körperseite | Mediastinum, Zwerchfell, Herz, große Blutgefäße, Nervus recurrens, Luftröhre, Speiseröhre, Wirbelsäule |
2. Lymphknotenbeteiligung (N)
| Stadium | Befund |
|---|---|
| N0 | keine Lymphknotenmetastase |
| N1 | Lymphknotenbeteiligung auf der gleichen Seite wie die Tumorveränderung |
| N2 | entfernte Lymphknotenbeteiligung |
3. Metastasen (M)
| Stadium | Befund |
|---|---|
| M0 | keine Fernmetastasen |
| M1 | maligne Flüssigkeitsansammlung, Beteiligung von Lungenflügeln der anderen Seite, Metastasen außerhalb des Brustkorbs |
Stadieneinteilung für Lungentumoren beim Hund
| Stadium | Kombination |
|---|---|
| Stadium 1 | T1, N0, M0 |
| Stadium 2 | T2, N0, M0 · T3, N0, M0 · T1–2, N1, M0 |
| Stadium 3 | T4, N0, M0 · T3–4, N1, M0 · T1–4, N2, M0 |
| Stadium 4 | T1–4, N1–2, M1 |
Die Behandlung des Lungentumors bei Ihrem Hund
Bei der Behandlung eines Lungentumors muss zunächst unterschieden werden, ob es sich um einen einzelnen Tumor oder um mehrere Tumorknoten handelt. Ist der Tumor gut zu erreichen, sollte eine chirurgische Entfernung durchgeführt werden. Dabei wird häufig der gesamte betroffene Lungenlappen entfernt (Lobektomie). Die Begleitlymphknoten sollten biopsiert werden, also durch eine Gewebeprobe untersucht werden, um das Stadium der Erkrankung feststellen zu können.
Nicht chirurgisch behandelt werden kann der Hund, wenn der Tumor schlecht erreichbar ist oder zu viele Tumorknoten vorhanden sind. Dasselbe gilt bei einer Ausbreitung in andere Organe. Auszuschließen ist eine Operation ebenso bei Vorerkrankungen, die eine Narkose nicht zulassen.
Eine Bestrahlungsbehandlung ist häufig nur dann möglich, wenn es sich um einen einzelnen Tumor handelt. Durch diese Therapie kann der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst werden. Eine Chemotherapie zeigt bei an Lungenkrebs erkrankten Hunden dagegen häufig nur eine geringe Lebensverlängerung. Zur Linderung der Krankheitssymptome werden verschiedene, auf das Lungengewebe wirkende Arzneimittel eingesetzt, zum Teil auch per Inhalation.
Behandlung mit der dendritischen Zelltherapie
Der Lungentumor beim Hund kann mit der dendritischen Zelltherapie behandelt werden. Dabei lässt sich diese Behandlungsform mit der Chirurgie oder der Bestrahlungstherapie kombinieren oder auch einzeln einsetzen. Bei der dendritischen Zelltherapie handelt es sich um eine Immuntherapie mit körpereigenen Abwehrzellen: Das Immunsystem wird so gestärkt, dass es die Tumorzellen erkennen und gezielt angreifen kann. Ziel ist eine gute Lebensqualität und eine Lebensverlängerung für Ihren Hund. Die Behandlung kann beim Haustierarzt durchgeführt werden, sodass nur wenige Tierarztbesuche nötig sind — für Ihren Hund bedeutet das deutlich weniger Stress als der Besuch einer weit entfernten Tierklinik.
Einen experimentellen Ansatz, der auf den Wachstumsfaktor-Rezeptor HER2 zielt, beschreiben wir unter Neuer Therapieansatz beim aggressiven Lungentumor beim Hund.
Prognose und Lebenserwartung
Je eher ein Lungentumor diagnostiziert wird, desto besser ist in der Regel die Prognose. Wie lange ein Hund mit einem Lungentumor lebt, hängt vom Zeitpunkt der Diagnose, vom Stadium der Erkrankung und von der Zahl der Tumorknoten ab; ausführlich beschrieben ist das unter Lebenserwartung vom Hund mit Lungentumor.
Eine Diagnose wie diese ist für Sie als Halter eine schwere Nachricht. Auch wenn nicht jeder Lungentumor operabel ist, bleibt fast immer etwas zu tun, was Ihrem Hund das Atmen erleichtert und ihm gute Zeit zurückgibt — und diese Zeit ist es wert, gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt abgewogen zu werden.
Quellen
- Lee BM et al. (2020): Retrospective evaluation of a modified human lung cancer stage classification in dogs with surgically excised primary pulmonary carcinomas, Vet Comp Oncol 18:590-598
- Culp WT, Rebhun RB (2020): Pulmonary Neoplasia in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed, St. Louis, MO, 507-514
- Polton GA et al. (2008): Impact of primary tumour stage on survival in dogs with solitary lung tumours, DOI: 10.1111/j.1748-5827.2007.00403.x
- Plavec T (2022): Lungentumoren in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 489-497
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich einen Lungentumor bei meinem Hund?
Erstes Anzeichen ist meist ein Husten, der zunächst sporadisch auftritt und im weiteren Verlauf in ein chronisches Hustengeschehen übergeht; Hustenschleim wird dabei nur selten nach oben gefördert. Dazu kommen nachlassende Leistungsfähigkeit, ein auffällig schneller Gewichtsverlust und ein verändertes Fressverhalten. Betroffen sind häufig ältere Hunde.
Mein Hund hustet seit Wochen — kann das nur eine Erkältung sein?
Der Husten wird von Tierhaltern wie von Tierärzten zunächst meist als bakterielle Infektion, Grippe oder Erkältung gewertet. Hält er über einen längeren Zeitraum an, sollten Sie ihn jedoch nicht übergehen und den Hund untersuchen lassen — gerade in der kalten Jahreszeit sollte nicht vorschnell auf einen bloßen grippalen Infekt geschlossen werden.
Wann tritt bei einem Lungentumor Atemnot auf?
Atemnot mit einhergehendem Sauerstoffmangel tritt anfangs nur selten auf. Sie äußert sich in der Regel erst, wenn sich der Tumor weiter in der Lunge ausgebreitet und vergrößert oder bereits Metastasen gebildet hat. Erkennbar ist sie an Kurzatmigkeit, am Schnappen nach Luft und an einer starken Bewegung der Brustwand; im Liegen verstärken sich die Beschwerden.
Verändert sich das Verhalten meines Hundes bei einem Lungentumor?
In einigen Fällen ja: Die Hunde wirken apathisch, lassen sich nur noch wenig anfassen und sind ängstlich. Der Tumor wirkt ohne Metastasierung zwar nicht direkt auf das Gehirn, doch der Hund kann seinem Leiden nicht sprachlich Ausdruck verleihen — diese Hilflosigkeit erklärt die Veränderung im Verhalten, auch gegenüber den Haltern.
Entsteht ein Lungentumor beim Hund immer direkt in der Lunge?
In den meisten Fällen bildet sich das Tumorgewebe nicht zuerst in der Lunge. Durch ihre zentrale Stellung im Blut-Stoffwechsel und ihre anatomische Lage ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Tumore aus anderen Organen in die Lunge streuen, also Metastasen bilden — häufig etwa aus einem Mammatumor, einem Tumor der Milchleiste.
Wie wird ein Lungentumor beim Hund festgestellt?
Oft bemerkt der Tierarzt schon bei der Untersuchung veränderte Atemgeräusche; nicht selten ist eine Routinekontrolle eines älteren Tieres der Anlass. Zur Abgrenzung von einer Lungenentzündung oder einem Asthma wird zunächst geröntgt, wobei der Tumor dafür bereits eine erhebliche Größe haben muss. Genauer klärt eine Computertomographie, ob ein Einzeltumor oder verstreute Tumorknoten vorliegen.
Kann ein Lungentumor beim Hund operiert werden?
Ist der Tumor gut zu erreichen, sollte er chirurgisch entfernt werden; dabei wird häufig der gesamte betroffene Lungenlappen entfernt und die Begleitlymphknoten werden biopsiert, um das Stadium zu bestimmen. Nicht möglich ist eine Operation in der Regel bei zu vielen Tumorknoten, schlechter Erreichbarkeit, Ausbreitung in andere Organe oder wenn Vorerkrankungen eine Narkose ausschließen. Ergänzend oder als alleinige Behandlung kann die dendritische Zelltherapie eingesetzt werden, die auf Lebensqualität und Lebensverlängerung zielt.