Tumorerkrankung
Darmtumor beim Hund
Bei einem Darmtumor beim Hund handelt es sich um eine Neubildung des Darms — vom Zwölffingerdarm bis zum Enddarm. Darmtumoren sind beim Hund verhältnismäßig selten, die gefundenen Veränderungen sind jedoch in der Mehrzahl bösartig; für den Dünndarm werden bis zu 90 % angegeben. Betroffen sind vor allem Hunde im Alter zwischen 6 und 12 Jahren, Rüden etwas häufiger als Hündinnen. Weil die Beschwerden lange unspezifisch bleiben — wechselnde Durchfälle, Erbrechen, Gewichtsverlust —, wird die Diagnose oft spät gestellt. Eine frühe Abklärung verbessert die Aussichten deutlich, denn nach vollständiger Entfernung sind bei mehreren Tumorarten lange Überlebenszeiten belegt.
Welche Tumoren im Darm vorkommen
Der häufigste Tumor des Dünndarms ist das intestinale Lymphom — ein Tumor der Lymphzellen, der diffus oder als umschriebene Masse auftreten kann. Daneben kommen Adenokarzinome (von den Drüsenzellen der Schleimhaut ausgehend), Leiomyosarkome (Tumoren der glatten Muskulatur), gastrointestinale Stromatumoren (GIST), Mastzelltumoren, Plasmozytome und weitere seltene Tumorarten vor. Gutartige Formen wie Adenome (Polypen) und Leiomyome sind seltener, kommen aber vor allem im Enddarm vor. Tumoren im Bereich des Afters gehen dagegen meist von den Analbeutel- und Zirkumanaldrüsen aus — sie sind ein eigenes Krankheitsbild.
Dünndarm
Tumoren des Dünndarms machen sich häufig durch Gewichtsverlust, Erbrechen und Durchfall bemerkbar; bei ausgedehnten Lymphomen kommt es durch die gestörte Nährstoffaufnahme (Malabsorption) zu Eiweißverlust und Abmagerung. Für das Adenokarzinom des Dünndarms ist die Prognose nach vollständiger Entfernung besser als lange angenommen: In der Untersuchung von Smith et al. (JAVMA 2019) betrug die mediane Überlebenszeit nach der Operation — teils mit ergänzender Chemotherapie — 544 Tage; 60 % der Hunde lebten länger als ein Jahr. Einzelheiten und die weiteren Tumorarten sind auf der Seite zum Dünndarmtumor dargestellt.
Dickdarm und Enddarm
Im Dickdarm und Enddarm ist das Adenokarzinom der häufigste bösartige Tumor. Die Prognose hängt stark von der Wuchsform ab: Nach der klassischen Untersuchung von Church et al. an 78 Hunden überlebten Tiere mit gestielten, polypenartigen Tumoren im Median 32 Monate, mit knotigen Formen 12 Monate und mit ringförmig (anulär) wachsenden Formen nur wenige Wochen bis Monate. Eine Übersicht über die Tumorarten des Dickdarms mit ihren Kennzahlen bietet die Seite zum Dickdarmtumor.
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Symptome
Typisch sind lang anhaltender oder wiederkehrender Durchfall im Wechsel mit Verstopfung, Erbrechen, Blut im Kot (frisch rot oder — bei Blutungen in vorderen Darmabschnitten — schwarz als Teerstuhl), Pressen beim Kotabsatz, Gewichtsverlust und Bauchschmerzen. Im fortgeschrittenen Stadium kann der Tumor den Darm verlegen — es droht ein Darmverschluss (Ileus), ein Notfall. Eine ausführliche Übersicht bietet die Seite zu den Symptomen des Darmtumors.
Diagnose
Am Anfang stehen die klinische Untersuchung mit Abtasten des Bauches, ein großes Blutbild und die Ultraschalluntersuchung des Bauchraums; eine Computertomographie kann die Ausdehnung genauer darstellen. Die endgültige Diagnose wird durch eine Biopsie (Gewebeprobe) gesichert — je nach Lage endoskopisch oder im Rahmen einer Bauchoperation (Laparotomie). Zum Staging (der Ermittlung des Krankheitsstadiums) gehören die Beurteilung der Bauchlymphknoten und der Leber, da Darmtumoren bevorzugt dorthin streuen.
Behandlung
Die Behandlung der Wahl ist — außer beim Lymphom — die chirurgische Entfernung des betroffenen Darmabschnitts mit ausreichendem Sicherheitsabstand und Kontrolle der örtlichen Lymphknoten. Beim intestinalen Lymphom ist die Chemotherapie die Behandlung der Wahl. Für die adjuvante (unterstützende) Chemotherapie nach der Entfernung anderer Darmtumoren gibt es keine randomisierten Studien; sie wird im Einzelfall abgewogen. Die Bestrahlung spielt im Bauchraum wegen der empfindlichen Nachbarorgane nur eine untergeordnete Rolle. Begleitend ist eine an die erkrankten Darmabschnitte angepasste Fütterung sinnvoll. Auch mit Metastasen sind bei einzelnen Tumorarten noch lange Verläufe möglich — beim Leiomyosarkom überlebten Hunde, die die Zeit nach der Operation überstanden, im Median 21 Monate (Cohen et al.).
Dendritische Zelltherapie
Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Aus dem Blut des Hundes werden dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen, im Labor aufbereitet und dem Tier per Injektion zurückgegeben. Nach der bestmöglichen operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Darmtumor des Hundes liegen bislang nicht vor. Informationen zu Tumoren des Magens finden sich auf der Seite zum Magentumor beim Hund.
Eine Gesamtübersicht zu Diagnose und Behandlung verschiedener Tumorarten bietet unsere Themenseite Tumor beim Hund.
Quellen
Selmic LE (2020): Intestinal Tumors. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 460–468.
Kessler M (2022): Tumoren des Dünndarms; Tumoren des Kolons und Rektums. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie. 4. Aufl., Stuttgart, 443–452.
Smith AA, Frimberger AE, Moore AS (2019): Retrospective study of survival time and prognostic factors for dogs with small intestinal adenocarcinoma treated by tumor excision with or without adjuvant chemotherapy. J Am Vet Med Assoc 254(2):243–250.
Church EM, Mehlhaff CJ, Patnaik AK (1987): Colorectal adenocarcinoma in dogs: 78 cases (1973–1984). J Am Vet Med Assoc 191(6):727–730.
Cohen M, Post GS, Wright JC (2003): Gastrointestinal leiomyosarcoma in 14 dogs. J Vet Intern Med 17(1):107–110.
Russell KN et al. (2007): Clinical and immunohistochemical differentiation of gastrointestinal stromal tumors from leiomyosarcomas in dogs: 42 cases (1990–2003). J Am Vet Med Assoc 230(9):1329–1333.
Crawshaw J et al. (1998): Prognosis for dogs with nonlymphomatous, small intestinal tumors treated by surgical excision. J Am Anim Hosp Assoc 34(6):451–456.
Von Babo V, Höinghaus R, Bühler V, Schröder H, Eberle N (2015): Magen-Darm-Tumoren beim Hund. Prakt Tierarzt 96(8):760–769.
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Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Häufige Fragen
Welche Symptome hat ein Darmtumor beim Hund?
Typisch sind lang anhaltender oder wiederkehrender Durchfall im Wechsel mit Verstopfung, Erbrechen, Blut im Kot (frisch rot oder bei Blutungen in vorderen Darmabschnitten schwarz als Teerstuhl), Pressen beim Kotabsatz, Gewichtsverlust und Bauchschmerzen. Weil die Beschwerden lange unspezifisch bleiben, wird die Diagnose oft spät gestellt. Im fortgeschrittenen Stadium kann der Tumor den Darm verlegen — dann droht ein Darmverschluss (Ileus), ein Notfall.
Sind Darmtumoren beim Hund immer bösartig?
Darmtumoren sind beim Hund verhältnismäßig selten, die gefundenen Veränderungen sind jedoch in der Mehrzahl bösartig — für den Dünndarm werden bis zu 90 % angegeben. Der häufigste Tumor des Dünndarms ist das intestinale Lymphom, im Dickdarm und Enddarm ist das Adenokarzinom der häufigste bösartige Tumor. Gutartige Formen wie Adenome (Polypen) und Leiomyome sind seltener und kommen vor allem im Enddarm vor.
Wie wird ein Darmtumor beim Hund festgestellt?
Am Anfang stehen die klinische Untersuchung mit Abtasten des Bauches, ein großes Blutbild und die Ultraschalluntersuchung des Bauchraums; eine Computertomographie kann die Ausdehnung genauer darstellen. Die endgültige Diagnose wird durch eine Biopsie (Gewebeprobe) gesichert, je nach Lage endoskopisch oder im Rahmen einer Bauchoperation. Zum Staging gehören die Beurteilung der Bauchlymphknoten und der Leber, da Darmtumoren bevorzugt dorthin streuen.
Wie wird ein Darmtumor beim Hund behandelt?
Die Behandlung der Wahl ist — außer beim Lymphom — die chirurgische Entfernung des betroffenen Darmabschnitts mit ausreichendem Sicherheitsabstand und Kontrolle der örtlichen Lymphknoten; beim intestinalen Lymphom ist die Chemotherapie die Behandlung der Wahl. Die Bestrahlung spielt im Bauchraum wegen der empfindlichen Nachbarorgane nur eine untergeordnete Rolle. Begleitend ist eine an die erkrankten Darmabschnitte angepasste Fütterung sinnvoll.
Wie lange lebt ein Hund mit Darmkrebs?
Das hängt stark von Tumorart und Wuchsform ab. Beim Dünndarm-Adenokarzinom betrug die mediane Überlebenszeit nach vollständiger Entfernung 544 Tage, 60 % der Hunde lebten länger als ein Jahr. Im Dickdarm überlebten Hunde mit gestielten, polypenartigen Adenokarzinomen im Median 32 Monate, mit knotigen Formen 12 Monate, mit ringförmig wachsenden Formen nur wenige Wochen bis Monate; beim Leiomyosarkom sind auch mit Metastasen im Median 21 Monate belegt.
Kann die dendritische Zelltherapie beim Darmtumor des Hundes eingesetzt werden?
Nach der bestmöglichen operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Dabei werden dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) aus dem Blut des Hundes gewonnen, im Labor aufbereitet und per Injektion zurückgegeben; die Behandlung erfolgt beim Haustierarzt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Darmtumor des Hundes liegen bislang nicht vor.