Tumorerkrankung
Maulhöhlentumor beim Hund
Bei einem Maulhöhlentumor beim Hund handelt es sich um eine Umfangsvermehrung in der Mundhöhle — am Zahnfleisch, am Gaumen, an Zunge, Lefzen oder im Rachen. Ob von einem Maulhöhlentumor, einem Mundhöhlentumor oder einem Tumor im Maul die Rede ist: Gemeint ist dasselbe. Tumoren der Maulhöhle machen etwa 6 bis 7 % aller Tumorerkrankungen des Hundes aus; die Maulhöhle ist damit die vierthäufigste Tumorlokalisation. Der Begriff sagt noch nichts über die Gut- oder Bösartigkeit aus: In den Auswertungen von Universitätskliniken erwies sich etwas mehr als die Hälfte der eingesandten Veränderungen als bösartig (Cray et al. 2020) — in der Allgemeinpraxis ist der Anteil harmloser Befunde deutlich höher. Nicht zu den Maulhöhlentumoren zählen Tumoren der Speicheldrüsen, die im Beitrag zum Speicheldrüsenkrebs bei Hund und Katze vorgestellt werden.
Welche Tumorarten kommen in der Maulhöhle vor?
Bösartige Tumoren: Der häufigste bösartige Maulhöhlentumor des Hundes ist das maligne Melanom in der Maulhöhle — es stellt etwa 30 bis 40 % der oralen Tumoren. An zweiter Stelle steht das Plattenepithelkarzinom der Maulhöhle mit etwa 17 bis 25 %, gefolgt vom Fibrosarkom der Maulhöhle mit etwa 8 bis 25 %. Seltener finden sich Osteosarkom, Mastzelltumor und weitere Tumorarten.
Gutartige Tumoren: Am häufigsten sind die sogenannten Epuliden — Zubildungen am Zahnfleisch, die heute überwiegend als peripheres odontogenes Fibrom bezeichnet werden — sowie Papillome (Warzen). Eine Sonderstellung nimmt das Ameloblastom ein: Es ist gutartig, kann aber örtlich den Knochen zerstören. Mehr zu den gutartigen Zahnfleischveränderungen auf der Seite zum Zahnfleischtumor beim Hund.
Eine tabellarische Gegenüberstellung der wichtigsten oralen Tumorarten mit ihren Kennzahlen bietet die Übersichtsseite zu den oralen Tumoren bei Hund und Katze.
Symptome
Die Beschwerden entwickeln sich oft schleichend und werden leicht mit Zahnproblemen verwechselt:
- Mundgeruch, teils eitrig oder faulig
- vermehrtes, mitunter blutiges Speicheln
- Blutungen aus dem Maul
- verändertes Kau- und Fressverhalten, einseitiges Kauen, Fallenlassen von Futter
- verminderte Futteraufnahme bis zur Futterverweigerung, Gewichtsverlust
- lockere oder ausfallende Zähne bei sonst zahngesunden Tieren
- sichtbare Schwellungen oder Umfangsvermehrungen an Zahnfleisch, Gaumen oder Rachen
- Gesichtsasymmetrie, also einseitige Schwellungen an Kiefer oder unter dem Auge
Tumoren im hinteren Maul- und Rachenbereich bleiben besonders lange unbemerkt, weil sie beim flüchtigen Blick ins Maul nicht zu sehen sind.
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Früherkennung und Vorsorge
Weil Maulhöhlentumoren häufig spät entdeckt werden, ist die regelmäßige Kontrolle der Mundhöhle die wichtigste Vorsorge: beim Zähneputzen zu Hause und bei jeder tierärztlichen Untersuchung, bei älteren Hunden ausdrücklich einschließlich einer Zahnkontrolle. Es hilft, mit dem Hund das Öffnen des Fangs zu üben, damit auch der hintere Maulbereich einsehbar ist. Veränderungen, die sich nicht innerhalb kurzer Zeit zurückbilden, gehören in tierärztliche Abklärung.
Diagnose
Die gründliche Untersuchung der Maulhöhle erfolgt in der Regel in Narkose. Dazu gehören:
- Inspektion und Abtasten der gesamten Mundhöhle einschließlich Rachen und Mandeln
- Gewebeprobe (Biopsie): Nur die feingewebliche Untersuchung bestimmt die Tumorart — und damit Behandlung und Prognose. Auch gezogene Zähne sollten im Verdachtsfall eingesandt werden.
- Bildgebung: Zahnröntgen und in vielen Fällen eine Computertomographie (CT), um die Ausdehnung in Kieferknochen und Nachbarstrukturen zu erfassen
- Staging, also die Suche nach Absiedlungen: Untersuchung und gegebenenfalls Probenentnahme der Unterkieferlymphknoten sowie Röntgen oder CT von Brust- und Bauchraum. Wie wichtig das ist, zeigen Goldschmidt et al. (2023): Beim Fernstaging von Hunden mit oralen Tumoren fand sich bei rund 28 % mindestens ein metastasen- oder prognoserelevanter Befund — am häufigsten beim malignen Melanom.
Die TNM-Stadieneinteilung der oralen Tumoren ist auf der Übersichtsseite tabellarisch dargestellt.
Verlauf und Prognose
Die Prognose hängt von der Tumorart, der Größe, dem Stadium und der Lage ab. Als Faustregel gilt: Je weiter der Tumor in Richtung Rachen liegt, desto ungünstiger — Veränderungen im vorderen Maulbereich werden früher entdeckt und lassen sich chirurgisch besser erreichen. Konkrete Überlebenszeiten nach Tumorart hat die Seite zur Lebenserwartung beim Maulhöhlentumor zusammengestellt.
Behandlung
Chirurgie ist die Behandlung der Wahl: die vollständige Entfernung des Tumors mit Sicherheitsabstand. Am Kiefer kann das die Entfernung eines Knochenabschnitts bedeuten (Mandibulektomie bzw. Maxillektomie) — Eingriffe, die von Hunden in der Regel erstaunlich gut toleriert werden. Die Operation sollte nicht überhastet, sondern nach Bildgebung und Bestimmung des Gewebetyps geplant werden. Ist ein Eingriff wegen Größe, Lage oder Allgemeinzustand nicht möglich oder würde er das Tier unverhältnismäßig einschränken, wird darauf verzichtet.
Strahlentherapie: Sie kommt nach unvollständiger Entfernung, bei nicht operablen Tumoren oder — je nach Tumorart — als Teil eines Kombinationskonzepts in Betracht; strahlenempfindlich sind vor allem Melanom und akanthomatöses Ameloblastom.
Elektrochemotherapie: ein lokales Verfahren, bei dem kurze Strompulse die Aufnahme eines Chemotherapeutikums in die Tumorzellen verstärken; es wird von spezialisierten Praxen zunehmend bei Maulhöhlentumoren eingesetzt.
Chemotherapie: Ihre Rolle ist bei den meisten oralen Tumoren des Hundes begrenzt; sie wird vor allem bei metastasierter Erkrankung im Einzelfall erwogen.
Dendritische Zelltherapie: Nach der operativen Entfernung eines bösartigen Maulhöhlentumors ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und lässt sich mit den etablierten Verfahren, auch der Strahlentherapie, kombinieren. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit bei Maulhöhlentumoren liegen bislang nicht vor.
Lokalisationen im Überblick
Je nach Sitz des Tumors informieren eigene Seiten ausführlicher:
- Zahnfleischtumor beim Hund — einschließlich der gutartigen Epuliden
- Tumor im Kiefer — wenn der Knochen beteiligt ist
- Zungentumor beim Hund
- Tumoren der Mandeln
Quellen
- Liptak JM (2020): Oral Tumors, in: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.), Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 432–448
- Kessler M (2022): Tumoren der Maulhöhle, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 403 ff.
- Cray M, Selmic LE, Ruple A (2020): Demographics of dogs and cats with oral tumors presenting to teaching hospitals: 1996–2017, J Vet Sci 21(5):e70, doi: 10.4142/jvs.2020.21.e70
- Goldschmidt S et al. (2023): The diagnostic yield of preoperative screening for oral cancer in dogs over 15 years, part 1: locoregional screening, J Am Vet Med Assoc 261(S2), doi: 10.2460/javma.23.05.0299
- Goldschmidt S et al. (2023): The diagnostic yield of preoperative screening for oral cancer in dogs over 15 years, part 2: distant screening, J Am Vet Med Assoc 261(S2):S24–S33, doi: 10.2460/javma.23.05.0300
- McCartan L, Argyle D (2012): Tumoren der Maulhöhle — Ein Überblick, Veterinary Focus 22(03):10–16, doi: 10.1055/s-0034-1381879
- Kohn B, Schwarz G (Hrsg.) (2017): Tumoren von Mundhöhle, Zähnen und Rachen, in: Praktikum der Hundeklinik, 12. Aufl., Stuttgart
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Häufige Fragen
Ist ein Maulhöhlentumor beim Hund immer bösartig?
Nein — der Begriff sagt zunächst nichts über die Gut- oder Bösartigkeit aus. In Auswertungen von Universitätskliniken erwies sich etwas mehr als die Hälfte der eingesandten Veränderungen als bösartig, in der Allgemeinpraxis ist der Anteil harmloser Befunde deutlich höher. Häufige gutartige Zubildungen sind Epuliden (Zubildungen am Zahnfleisch) und Papillome, also Warzen.
Woran erkenne ich einen Tumor im Maul meines Hundes?
Typische Anzeichen sind Mundgeruch, vermehrtes oder blutiges Speicheln, Blutungen aus dem Maul, einseitiges Kauen, verminderte Futteraufnahme sowie lockere Zähne bei sonst zahngesunden Tieren. Auch sichtbare Schwellungen an Zahnfleisch, Gaumen oder Rachen und eine Gesichtsasymmetrie können auffallen. Tumoren im hinteren Maul- und Rachenbereich bleiben oft lange unbemerkt, weil sie beim flüchtigen Blick ins Maul nicht zu sehen sind.
Welche Maulhöhlentumoren sind beim Hund am häufigsten?
Der häufigste bösartige Maulhöhlentumor ist das maligne Melanom mit etwa 30 bis 40 % der oralen Tumoren, gefolgt vom Plattenepithelkarzinom (etwa 17 bis 25 %) und dem Fibrosarkom (etwa 8 bis 25 %). Bei den gutartigen Veränderungen dominieren Epuliden — Zubildungen am Zahnfleisch — sowie Papillome. Insgesamt machen Tumoren der Maulhöhle etwa 6 bis 7 % aller Tumorerkrankungen des Hundes aus.
Wie stellt der Tierarzt fest, ob es sich um einen bösartigen Tumor handelt?
Entscheidend ist die Gewebeprobe (Biopsie): Nur die feingewebliche Untersuchung bestimmt die Tumorart — und damit Behandlung und Prognose. Die gründliche Untersuchung der Maulhöhle erfolgt in der Regel in Narkose, dazu kommen Zahnröntgen, in vielen Fällen eine Computertomographie sowie das Staging, also die Suche nach Absiedlungen in Lymphknoten, Brust- und Bauchraum.
Wie wird ein Maulhöhlentumor beim Hund behandelt?
Behandlung der Wahl ist die vollständige chirurgische Entfernung mit Sicherheitsabstand — am Kiefer kann das die Entfernung eines Knochenabschnitts bedeuten, was Hunde in der Regel erstaunlich gut tolerieren. Je nach Tumorart kommen Strahlentherapie oder Elektrochemotherapie hinzu; die Rolle der Chemotherapie ist bei den meisten oralen Tumoren begrenzt. Nach der Entfernung eines bösartigen Tumors ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren.
Wie ist die Prognose bei einem Maulhöhlentumor beim Hund?
Die Prognose hängt von der Tumorart, der Größe, dem Stadium und der Lage ab. Als Faustregel gilt: Je weiter der Tumor in Richtung Rachen liegt, desto ungünstiger — Veränderungen im vorderen Maulbereich werden früher entdeckt und lassen sich chirurgisch besser erreichen.