Autoimmunerkrankung

Symmetrische lupoide Onychodystrophie (SLO) beim Hund

Bei der symmetrischen lupoiden Onychodystrophie — kurz SLO, auch symmetrische lupoide Onychomadesis genannt — handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung des Krallenbetts. Onychomadesis bedeutet das Ablösen der Krallenplatte; „lupoid” verweist darauf, dass das feingewebliche Bild dem des diskoiden Lupus erythematosus ähnelt.

Kennzeichnend ist ein Verlauf, den Halter meist sehr genau datieren können: Innerhalb von Tagen beginnt ein Hund, an einer Pfote zu lecken und zu lahmen, eine Kralle löst sich — und über die folgenden drei bis vier Monate folgen weitere Krallen an allen vier Pfoten.

Welche Hunde betroffen sind

Die SLO tritt gehäuft bei bestimmten Rassen auf, was auf eine genetische Veranlagung schließen lässt:

  • Gordon Setter
  • Deutscher Schäferhund
  • Bearded Collie
  • Rhodesian Ridgeback
  • Riesenschnauzer

Daneben ist sie bei einer Reihe weiterer Rassen beschrieben. Beim Gordon Setter scheint ein bestimmter Haplotyp — also eine gemeinsam vererbte Kombination von Genvarianten — deutlich mit der Erkrankung verbunden zu sein. Interessanterweise sind bei norwegischen Gordon Settern Rüden im Krankengut überrepräsentiert.

Das Erkrankungsalter liegt zwischen 2 und 7 Jahren, im Mittel bei knapp 4 Jahren. Es sind also überwiegend junge, ansonsten gesunde Hunde betroffen.

Symptome und Verlauf

Der Beginn ist plötzlich. Typisch ist die Kombination aus:

  • Schmerz und Lahmheit ohne erkennbare Verletzung
  • auffälligem Belecken der Zehen — häufig das erste, was Haltern auffällt
  • Ablösen der Krallenplatte: Zunächst löst sich eine Kralle, dann weitere
  • Ausbreitung auf mehrere Pfoten innerhalb weniger Wochen
  • fehlgebildeten Krallen, die nachwachsen: kurz, trocken, verformt und brüchig

Bemerkenswert ist, was fehlt: Die betroffenen Hunde haben sonst nichts. Kein Fieber, keine Hautveränderungen am übrigen Körper, kein gestörtes Allgemeinbefinden. Die Erkrankung spielt sich ausschließlich an den Krallen ab — und ist dort ausgesprochen schmerzhaft. Eine bakterielle Sekundärinfektion des Krallenbetts kommt häufig hinzu und verstärkt die Beschwerden.

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Was im Gewebe geschieht

Feingeweblich findet sich eine Interface-Dermatitis, also eine Entzündung an der Grenzfläche zwischen Ober- und Lederhaut, mit Bildung subepidermaler Spalten, einer Vakuolisierung der Basalzellen und deren Apoptose — dem programmierten Zelltod. Hinzu kommen ein lymphoplasmazytäres Infiltrat unterhalb der Oberhaut, eine Fibroplasie (Neubildung von Bindegewebe) und einzelne Makrophagen.

Charakteristisch ist die Anordnung: Das entzündliche Infiltrat bildet ein Band parallel zur Basalmembran — ein sogenanntes lichenoides Muster, wie es auch beim diskoiden Lupus erythematosus zu sehen ist. Ergänzend besteht eine örtliche Pigmentinkontinenz, bei der Farbstoff aus zerstörten Zellen ins umliegende Gewebe austritt.

Weil bei einem Teil der Hunde zusätzlich antinukleäre Antikörper nachweisbar sind — Autoantikörper gegen Bestandteile des Zellkerns —, wird vermutet, dass SLO und Lupus autoimmun bedingt und miteinander verwandt sein könnten.

Der Weg zur Diagnose

Zuerst müssen die häufigeren Ursachen ausgeschlossen werden: bakterielle Infektionen, Pilzinfektionen und ein Befall mit Demodexmilben, geprüft über eine zytologische Untersuchung, also die Beurteilung einzelner Zellen.

Für die feingewebliche Sicherung wird eine befallene Kralle verwendet. Das bedeutet in der Praxis die Amputation der dritten Zehenglieds an einem betroffenen Zeh — ein Eingriff, vor dem viele Halter zu Recht zurückschrecken. Er ist nicht in jedem Fall zwingend: Bei einem jungen Hund einer prädisponierten Rasse mit dem typischen symmetrischen Verlauf an allen vier Pfoten wird häufig zunächst behandelt und die Biopsie zurückgestellt.

Ein wichtiger Hinweis zur Blutuntersuchung: Anders als beim Lupus sind bei der SLO antinukleäre Antikörper nicht durchgehend nachweisbar. Ein negativer Test schließt die Erkrankung also nicht aus.

Was sonst dahinterstecken kann

  • bakterielle Entzündungen des Krallenbetts und Pilzinfektionen
  • Demodikose (Haarbalgmilbenbefall)
  • Verletzungen und wiederholte mechanische Überlastung — allerdings selten an allen vier Pfoten zugleich
  • Leishmaniose, die ebenfalls zu Krallenveränderungen führen kann
  • Pemphigus foliaceus und Lupusformen mit Beteiligung der Krallenfalten
  • tumoröse Veränderungen an einzelnen Zehen, die aber nicht symmetrisch auftreten

Die Symmetrie ist hier das entscheidende Argument: Was an allen vier Pfoten gleichzeitig geschieht, hat in aller Regel eine innere Ursache.

Behandlung

Die Behandlung steht auf mehreren Beinen:

  • Krallenpflege: Die Krallen werden kurz und sauber getrimmt; lose Krallenplatten sollten unter Narkose entfernt werden — sie sind eine dauerhafte Schmerzquelle und ein Eintrittstor für Bakterien.
  • Schmerzbehandlung: Sie gehört von Anfang an dazu. Die SLO tut wirklich weh, und ein Hund, der vor Schmerz kaum auftritt, braucht nicht nur eine ursächliche Therapie.
  • Behandlung der Sekundärinfektion, sofern das Krallenbett bakteriell infiziert ist.
  • Nicotinamid zusammen mit Doxycyclin wurde mit Erfolg eingesetzt und ist wegen der guten Verträglichkeit häufig der erste Schritt.
  • Immunsuppressive Behandlung mit Prednisolon in Kombination mit Ciclosporin, Azathioprin oder Pentoxifyllin bei unzureichendem Ansprechen.
  • Essenzielle Fettsäuren als ergänzende Zusatzversorgung.

Wichtig ist die Geduld: Eine Kralle wächst langsam. Ob eine Behandlung wirkt, lässt sich frühestens nach mehreren Monaten beurteilen — und der Erfolg zeigt sich zuerst daran, dass keine weiteren Krallen mehr verloren gehen, nicht daran, dass die vorhandenen wieder schön aussehen.

Nach den vorliegenden Informationen kann bei der SLO auch eine Behandlung mit dendritischen Zellen erfolgreich in Betracht gezogen werden. Dabei werden aus einer Blutprobe des Hundes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken, und stellen damit eine sinnvolle Ergänzung zu den etablierten medikamentösen Wegen dar.

Prognose

Die SLO ist keine lebensbedrohliche Erkrankung, aber sie verlangt Ausdauer. In der Regel ist eine über viele Monate, häufig über Jahre fortgeführte Behandlung nötig; setzt man sie zu früh ab, gehen erneut Krallen verloren.

Das realistische Ziel ist nicht die perfekte Kralle, sondern der schmerzfreie Hund. Viele betroffene Tiere behalten dauerhaft verformte, brüchige Krallen — laufen damit aber völlig normal, sobald die Entzündung unter Kontrolle ist und die Krallen regelmäßig kurz gehalten werden. Wenn Sie das von Anfang an wissen, ersparen Sie sich die Enttäuschung über ein Krallenbild, das sich nicht mehr ändern wird, und erkennen den eigentlichen Erfolg: einen Hund, der wieder gern läuft.

Eine Übersicht über die verwandten Lupusformen finden Sie unter Lupus erythematosus des Hundes, eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd auf der Übersichtsseite.

Quellen

Tizard IR (2023): Symmetric Lupoid Onychomadesis (Onychodystrophy). In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 201–202

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Häufige Fragen

Was ist die symmetrische lupoide Onychomadesis (SLO) beim Hund?

Die SLO ist eine akute Erkrankung, bei der Hunde über einen längeren Zeitraum, meist von 3 bis 4 Monaten, mehrere Krallen an allen vier Pfoten verlieren. Das feingewebliche Bild ähnelt dem des diskoiden Lupus erythematodes; der Nachweis von antinukleären Antikörpern (ANA, Autoantikörper gegen Zellkernbestandteile) deutet darauf hin, dass beide Krankheiten autoimmun bedingt und miteinander verwandt sein könnten.

Welche Hunderassen sind von der SLO betroffen?

Die Krankheit tritt bei Gordon Settern, Deutschen Schäferhunden, Bearded Collies, Rhodesian Ridgebacks und Riesenschnauzern auf, daneben bei einigen anderen Rassen. Diese Rassenprävalenz lässt auf eine genetische Veranlagung schließen; bei Gordon Settern scheint ein bestimmter genetischer Haplotyp, also eine vererbte Merkmalskombination im Erbgut, signifikant mit der SLO verbunden zu sein. Bei Norwegischen Gordon Settern sind männliche Tiere im Krankengut überrepräsentiert.

Woran erkenne ich eine SLO bei meinem Hund?

Betroffene Hunde erkranken in der Regel im Alter von 2 bis 7 Jahren, im Mittel mit knapp 4 Jahren. Sie zeigen plötzliches Unbehagen, Schmerzen und Lahmheit sowie ein Belecken der Zehen; die Nägel fallen ab, und eine oder mehrere Krallenplatten lösen sich. Innerhalb weniger Wochen kann sich der Zustand auf mehrere Pfoten ausbreiten; die nachwachsenden Krallen sind kurz, trocken, deformiert und brüchig.

Wie wird die SLO beim Hund diagnostiziert?

Zunächst müssen bakterielle und Pilzinfektionen sowie ein Befall mit Demodexmilben durch eine zytologische Untersuchung (Zelluntersuchung) ausgeschlossen werden. Für die Histologie, also die feingewebliche Untersuchung, sollte eine befallene Kralle verwendet werden. Das Bild ähnelt dem eines kutanen Lupus erythematodes; im Gegensatz zum Lupus sind bei der SLO jedoch nicht durchgehend antinukleäre Antikörper (ANA) nachweisbar.

Wie wird die SLO beim Hund behandelt?

Neben der Behandlung von Sekundärinfektionen sollten die Nägel gut getrimmt und lose Nägel unter Narkose entfernt werden. Angebracht ist eine immunsuppressive, also das Immunsystem dämpfende Therapie mit Prednisolon und Cyclosporin, Azathioprin oder Pentoxifyllin; auch eine Therapie mit Nicotinamid und Doxycyclin wurde mit Erfolg eingesetzt. Ergänzend wurde eine Zusatzversorgung mit essenziellen Fettsäuren empfohlen.

Kann eine dendritische Zelltherapie bei der SLO helfen?

Nach den vorhandenen Informationen kann eine immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen, also körpereigenen Immunzellen mit steuernder Funktion im Immunsystem, bei der SLO erfolgreich in Betracht gezogen werden. Sie stellt damit eine sinnvolle Ergänzung zu den etablierten medikamentösen Behandlungsansätzen dar.

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