Nierentumor beim Hund: Die Lebenserwartung

Die Lebenserwartung beim Hund mit einem Nierentumor hängt vor allem von der Tumorart ab — und davon, ob die betroffene Niere operativ entfernt werden kann. Pauschale Aussagen führen hier in die Irre: Zwischen den einzelnen Tumorarten liegen deutliche Unterschiede, und einzelne Hunde leben nach der Operation noch mehrere Jahre.

Belegte Überlebenszeiten

Die größte Auswertung primärer Nierentumoren beim Hund (Bryan et al., 82 Hunde) fand deutliche Unterschiede zwischen den Tumorarten: Hunde mit Karzinomen — der häufigsten Gruppe — überlebten im Median 16 Monate, mit Sarkomen 9 Monate und mit einem Nephroblastom 6 Monate. Die Spanne war groß: Einzelne Hunde lebten fast fünf Jahre nach der Diagnose. Beim Nierenlymphom richtet sich die Prognose nach dem Ansprechen auf die Chemotherapie und wird gesondert beurteilt.

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Was die Prognose beeinflusst

Drei Faktoren wiegen am schwersten. Erstens die Tumorart, wie oben beschrieben. Zweitens das Vorliegen von Tochtergeschwülsten (Metastasen) bei Diagnosestellung — sie verschlechtern die Aussichten erheblich, denn Nierenzellkarzinome streuen bevorzugt in Lunge und Leber. Drittens die Frage, ob die zweite Niere gesund und leistungsfähig ist: Nur dann ist die Entfernung der erkrankten Niere möglich. Auch der Allgemeinzustand des meist älteren Patienten geht in die Entscheidung ein.

Behandlung und Lebenserwartung

Die Behandlung der Wahl ist bei einseitigem, örtlich begrenztem Befall die operative Entfernung der betroffenen Niere samt Harnleiter. Auch bei fortgeschrittener Erkrankung kann der Eingriff die Lebensqualität verbessern, weil er Schmerzen und Blutungen beendet. Eine wirksame Chemotherapie gegen Nierenzellkarzinome ist beim Hund nicht etabliert; beim Nierenlymphom ist die Chemotherapie dagegen die Behandlung der Wahl. Nach der Operation ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Nierentumor des Hundes liegen bislang nicht vor.

Lebensqualität

Nach der Entfernung einer Niere kommen Hunde in der Regel gut zurecht, solange die verbliebene Niere gesund ist; regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte sind dennoch sinnvoll. Bei jeder Entscheidung sollte gelten: Eine Verlängerung der Lebenszeit ist nur dann ein Gewinn, wenn der Hund diese Zeit schmerzfrei und mit Appetit verbringen kann.

Quellen

Bryan JN et al. (2006): Primary renal neoplasia of dogs. J Vet Intern Med 20(5):1155–1160.

Fulkerson CM, Knapp DW (2020): Tumors of the Urinary System. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 645–656.

Meuten DJ, Meuten TLK (2017): Tumors of the Urinary System. In: Meuten DJ (Hrsg.): Tumors in Domestic Animals. 5. Aufl., Wiley.

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