Nierentumor beim Hund

Bei einem Nierentumor beim Hund handelt es sich um eine Neubildung der Niere — primär in der Niere entstanden oder als Tochtergeschwulst (Metastase) eines anderen Tumors. Primäre Nierentumoren sind selten: Sie machen etwa 1 % aller Tumorerkrankungen des Hundes aus. Rund zwei Drittel gehen vom Drüsengewebe aus, der häufigste Einzeltyp ist das Nierenzellkarzinom mit etwa 50 bis 60 % der primären Nierentumoren. Betroffen sind vor allem ältere Hunde — das mittlere Alter liegt bei etwa acht Jahren —, Rüden etwa doppelt so häufig wie Hündinnen.

Tumorarten

Die Niere kann von sehr unterschiedlichen Tumorarten befallen werden. Am häufigsten ist das Nierenzellkarzinom, ein bösartiger Tumor des Nierengewebes; daneben kommen Übergangszellkarzinome des Nierenbeckens, Sarkome (etwa Hämangiosarkome) und beim jungen Hund das Nephroblastom vor. Gutartige Adenome und Fibrome sind selten. Eine Sonderstellung nimmt das Lymphom ein, das die Nieren häufig beidseitig befällt und anders behandelt wird. Auch Metastasen anderer Tumoren siedeln sich in der gut durchbluteten Niere ab — die Unterscheidung zwischen primärem und sekundärem Nierentumor ist deshalb für Behandlung und Prognose entscheidend.

Eine erbliche Sonderform

Beim Deutschen Schäferhund ist ein erbliches Syndrom beschrieben, das beidseitige Nierenzystadenokarzinome mit knotigen Hautveränderungen (nodulare Dermatofibrose) und bei Hündinnen mit Gebärmutter-Leiomyomen verbindet. Ursache ist eine Mutation im Folliculin-Gen (BHD/FLCN); das Syndrom entspricht dem Birt-Hogg-Dubé-Syndrom des Menschen (Lingaas et al.). Knotige Hautveränderungen bei einem Deutschen Schäferhund im mittleren Alter sollten deshalb Anlass sein, die Nieren mit Ultraschall zu untersuchen.

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Symptome

Die Anzeichen sind lange unspezifisch. Häufig fallen Blut im Urin, Mattigkeit, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust auf; bei größeren Tumoren kann eine Umfangsvermehrung im Bauch tastbar sein, und die Dehnung der Nierenkapsel verursacht Schmerzen im Rücken- und Flankenbereich mit entsprechender Bewegungsunlust. Eine ausführliche Übersicht bietet die Seite zu den Symptomen des Nierentumors.

Diagnose

Ein großes Blutbild einschließlich der Nierenwerte zeigt, wie gut die Nierenfunktion noch ist; häufig finden sich eine leichte Blutarmut (Anämie) und eine Vermehrung neutrophiler Granulozyten. Bei manchen Hunden liegt umgekehrt eine Polyzythämie vor — eine Vermehrung roter Blutkörperchen, weil der Tumor das blutbildungsanregende Hormon Erythropoetin produziert. Bildgebend sind Ultraschall und Computertomographie führend; die CT klärt zugleich, ob die zweite Niere gesund ist und der Tumor operabel wäre. Die endgültige Diagnose liefert die feingewebliche Untersuchung — meist am entfernten Organ, da eine Punktion die Gefahr der Blutung und Zellverschleppung birgt.

Behandlung

Bei einseitigem, örtlich begrenztem Befall und funktionstüchtiger Gegenseite ist die operative Entfernung der betroffenen Niere samt Harnleiter (Nephroureterektomie) die Behandlung der Wahl. Auch bei bereits fortgeschrittener Erkrankung kann der Eingriff sinnvoll sein, um Schmerzen und Blutungen zu beenden. Beim Nierenlymphom ist dagegen die Chemotherapie die Behandlung der Wahl. Eine wirksame Chemotherapie gegen Nierenzellkarzinome ist beim Hund nicht etabliert; die Datenlage ist dünn.

Prognose

Die Prognose richtet sich nach der Tumorart. In der bislang größten Auswertung (Bryan et al., 82 Hunde) betrug die mediane Überlebenszeit bei Karzinomen 16 Monate, bei Sarkomen 9 Monate und beim Nephroblastom 6 Monate. Metastasen zum Zeitpunkt der Diagnose verschlechtern die Aussichten deutlich. Einzelheiten finden sich auf der Seite zur Lebenserwartung beim Nierentumor.

Dendritische Zelltherapie

Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Aus dem Blut des Hundes werden dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen, im Labor aufbereitet und dem Tier per Injektion zurückgegeben. Nach der operativen Entfernung der betroffenen Niere ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren — gerade weil eine wirksame Chemotherapie hier fehlt. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Nierentumor des Hundes liegen bislang nicht vor.

Quellen

Fulkerson CM, Knapp DW (2020): Tumors of the Urinary System. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 645–656.

Bryan JN et al. (2006): Primary renal neoplasia of dogs. J Vet Intern Med 20(5):1155–1160.

Lingaas F et al. (2003): A mutation in the canine BHD gene is associated with hereditary multifocal renal cystadenocarcinoma and nodular dermatofibrosis in the German Shepherd dog. Hum Mol Genet 12(23):3043–3053.

Meuten DJ, Meuten TLK (2017): Tumors of the Urinary System. In: Meuten DJ (Hrsg.): Tumors in Domestic Animals. 5. Aufl., Wiley.

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