Perianaltumor beim Hund

Bei einem Perianaltumor beim Hund handelt es sich um eine Neubildung der Perianal- oder Zirkumanaldrüsen. Das sind kleine Drüsenpakete, die in der Haut rund um den After liegen und wegen ihres leberzellähnlichen Aufbaus auch als sogenannte hepatoide Drüsen bezeichnet werden. Versprengte Drüsenpakete finden sich darüber hinaus im Bereich der Vorhaut, der Rute, der Hinterbeine und des Rumpfes — auch dort können deshalb Perianaltumoren entstehen.

Die weitaus häufigste Form ist das gutartige perianale Adenom. Deutlich seltener ist das bösartige perianale Adenokarzinom. Beide sind vom Adenokarzinom des Analbeutels abzugrenzen, das aus einer anderen Drüsenart hervorgeht und sich anders verhält.

Welche Hunde bekommen einen Perianaltumor?

Perianaltumoren zeigen ein deutlich geschlechtsgebundenes Verhalten: Ihr Wachstum wird durch Androgene, also männliche Geschlechtshormone, angeregt und durch Östrogene gehemmt. Betroffen sind daher vor allem unkastrierte, meist ältere Rüden. Bei Hündinnen kommt das perianale Adenom sehr selten vor; tritt es auf, dann in der Regel bei kastrierten Tieren, bei denen die hemmende Wirkung der Östrogene fehlt.

Eine Prädisposition, also eine erhöhte Neigung zu dieser Erkrankung, besteht für Cocker Spaniel, Beagle, Bulldoggen und Samojeden.

Welche Tumorarten kommen an den Perianaldrüsen vor?

An den Perianaldrüsen können sowohl gutartige als auch bösartige Veränderungen entstehen. Es handelt sich dabei um Umbildungen spezialisierter Talgdrüsen.

  • Perianales Adenom: die gutartige Form und mit Abstand die häufigste. Sie tritt oberflächlich in der wenig behaarten Umgebung des Afters auf, häufig gleich an mehreren Stellen, und ist beim Rüden testosteronabhängig.
  • Perianales Adenokarzinom: die bösartige Form, die selten vorkommt. Sie wächst meist als einzelner Tumor, kann jedoch invasiv, also in das umliegende Gewebe hinein, wachsen. Hormonell ist sie nicht abhängig.
  • Adenokarzinom des Analbeutels: Dieser Tumor geht nicht von den Talgdrüsen, sondern von den apokrinen Schweißdrüsen des Analbeutels aus. Er liegt in der Unterhaut links und rechts vom After, fühlt sich fest und nicht verschieblich an und ist eine eigene Erkrankung mit eigener Prognose.

Was zunächst als relativ harmloses kleines Adenom beginnt, kann bei weiterem Wachstum in ein schwer kontrollierbares Adenokarzinom übergehen. Entnommenes Gewebe sollte deshalb in jedem Fall in einem spezialisierten Labor auf Bösartigkeit untersucht werden.

Symptome: Woran erkennen Sie einen Perianaltumor?

Je nach Lage des Tumors — am After selbst oder an einem versprengten, also an anderer Stelle liegenden Drüsenpaket — entdecken Sie die Veränderung früher oder leider später. Häufig sind mehrere unterschiedlich große Umfangsvermehrungen gleichzeitig vorhanden.

Zunächst handelt es sich um sanfte Veränderungen der Hautoberfläche rund um den unteren Ruten- und Analbereich. Bei weiterem Wachstum kann es zu geschwürig-eitrigen, blutigen Veränderungen kommen. Diese können über Kontakt vom Analbereich auf die Unterseite der Rute übergehen — man spricht dann von Abklatschmetastasen.

Typische Anzeichen sind:

  • einzelne oder mehrere Knoten in der unbehaarten Haut rund um den After
  • blutige Stellen dort, wo der Hund sitzt oder liegt
  • nässende, geschwürige Bezirke mit unangenehmem Geruch
  • vermehrtes Lecken und Beißen in der Analgegend
  • Knoten an Vorhaut, Rute oder Hinterbeinen

Warum blutet die Analgegend bei meinem Hund?

Zu Beginn der Erkrankung fällt vielen Haltern nichts weiter auf als einzelne Blutstropfen an der Analrosette oder an der Liegestelle des Hundes. Das liegt daran, dass die dünne Haut über dem wachsenden Drüsenpaket leicht einreißt und der Tumor gut durchblutet ist. Verstärkt wird das durch die mechanische Belastung beim Sitzen und beim Kotabsatz sowie durch das Lecken des Hundes.

Blut in der Analgegend ist deshalb ein frühes und ernst zu nehmendes Warnzeichen — behalten Sie auch den „hinteren Teil” Ihres Hundes im Auge und lassen Sie solche Stellen abklären, solange sie noch klein sind.

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Metastasierung von Perianaltumoren

Wird der Tumor gut chirurgisch entfernt und, vor allem bei männlichen Tieren, die hormonelle Situation mit kontrolliert, kommt es normalerweise nicht zu einem Wiederauftreten. Über Metastasen, also Tochtergeschwülste, wird bei etwa 15 % der erkrankten Tiere berichtet; die Wahrscheinlichkeit steigt mit der Größe des Primärtumors.

Beim bösartigen perianalen Adenokarzinom erfolgt die Streuung zunächst in die lokalen Lymphknoten und erst danach in entferntere Körperregionen. Es wird berichtet, dass die Metastasierungsrate hier bis zu 50 % erreichen kann, besonders wenn der Tumor an derselben Stelle wiederholt auftritt.

Diagnose des Perianaltumors

Am Anfang steht die gründliche Untersuchung der Analregion einschließlich der rektalen Untersuchung, bei der auch die Analbeutel und die Lymphknoten im Beckenbereich beurteilt werden. Eine zytologische Untersuchung, also die Beurteilung einzelner Zellen aus einer Feinnadelaspiration, ist beim Perianaltumor nur eingeschränkt aussagekräftig: Gut- und bösartige Zellen lassen sich hier schwer voneinander unterscheiden. Gesichert wird die Diagnose deshalb durch die feingewebliche Untersuchung des entnommenen Gewebes.

Besteht der Verdacht auf einen bösartigen Prozess, sollten Röntgenaufnahmen des Brustraums sowie Röntgen und Ultraschall der Bauchhöhle erfolgen, um nach Metastasen zu suchen. Beim Adenokarzinom des Analbeutels gehören zusätzlich die Bestimmung des Kalziums im Blutserum und die Kontrolle der Nierenwerte dazu, da hier häufig eine Hyperkalzämie, also ein erhöhter Kalziumspiegel, auftritt.

Behandlung des Perianaltumors beim Hund

Chirurgische Entfernung

Grundlegende Behandlung ist die zügige chirurgische Entfernung der veränderten Hautbezirke. Beim gutartigen Adenom genügt in der Regel die Entfernung des Knotens; beim bösartigen Adenokarzinom wird weit im gesunden Gewebe umschnitten, gegebenenfalls zusammen mit veränderten Lymphknoten.

Kastration

Da das perianale Adenom beim Rüden testosteronabhängig ist, gehört die Kastration zur Behandlung dazu. Sie entzieht dem Tumor seinen Wachstumsreiz: Nach der Kastration liegt die Rate des Wiederauftretens unter 10 %. Beim bösartigen perianalen Adenokarzinom bringt die Kastration dagegen keinen Vorteil, weil dieser Tumor hormonell nicht abhängig ist.

Bestrahlung

Ist eine Operation wegen Größe oder Lage des Tumors nicht möglich, kommt die Bestrahlung in Betracht, um den Tumor örtlich zu kontrollieren.

Dendritische Zelltherapie

Wegen der Gefahr der Metastasierung sollte bei einem bösartigen Befund eine Nachbehandlung mit dendritischen Zellen erwogen werden. Bei dieser immunologischen Behandlung werden körpereigene Zellen so aufbereitet, dass das Abwehrsystem die verbliebenen Tumorzellen erkennt und angreift — auch dann, wenn diese bereits in andere Organe gewandert sind. Sie verbessert die Prognose hinsichtlich Lebensqualität und Lebenserwartung und ist auch dann eine Option, wenn nicht operiert werden kann. Die Behandlung kann beim gewohnten Haustierarzt durchgeführt werden; die Kosten sind mit denen einer Chemotherapie vergleichbar und häufig günstiger.

Prognose und Lebenserwartung beim Perianaltumor

Die Prognose hängt entscheidend davon ab, welche Tumorart vorliegt.

Beim perianalen Adenom ist sie sehr gut: Nach chirurgischer Entfernung und Kastration liegt die Rate des Wiederauftretens unter 10 %, und die Lebenserwartung des Hundes wird durch die Erkrankung in der Regel nicht eingeschränkt. Ein gutartiges Adenom ist damit eine Diagnose, mit der man Ihrem Hund gut helfen kann.

Beim perianalen Adenokarzinom ist die Prognose mittelmäßig. Bei Tumoren unter 5 cm Durchmesser ist sie günstiger; ein Wiederauftreten Monate nach der Operation muss jedoch einkalkuliert werden. Auch beim Adenokarzinom des Analbeutels gilt die Prognose als mittelmäßig, wobei hier zusätzlich die Hyperkalzämie und ihre Folgen für die Nieren zu berücksichtigen sind.

Entscheidend ist in allen Fällen, wie früh der Tumor erkannt und behandelt wird. Je kleiner die Veränderung zum Zeitpunkt der Operation ist, desto vollständiger lässt sie sich entfernen und desto besser sind die Aussichten. Wenn Sie also Blut an der Liegestelle bemerken, warten Sie damit nicht ab — genau in dieser frühen Phase lässt sich am meisten für Ihren Hund erreichen.

Einteilung der Perianal- und Analtumoren beim Hund

Die nachfolgende Tabelle stellt die Unterschiede zwischen den Tumoren der Perianaldrüsen und dem Tumor des Analbeutels gegenüber:

PerianaldrüsePerianaldrüseAnalbeutel
GutartigBösartigBösartig
ZellartTalgdrüseTalgdrüseSchweißdrüse (apokrin)
TumorartPerianales AdenomPerianales AdenokarzinomAdenokarzinom des Analbeutels
Häufigkeit des Auftretenshäufig bei unkastrierten Rüden, sehr selten bei Hündinnenseltengelegentlich
Hormonelle FaktorenRüde: testosteronabhängig

Hündin: kastrierte Tiere, Östrogen fehlend

keinekeine
Position und Aussehenoberflächlich in der unbehaarten Umgebung des Afters, einzeln oder multipel, auch an Vorhaut und Rutenormalerweise einzelner Tumor, kann invasiv wachsenUnterhaut links und rechts vom After, fest und nicht verschieblich, kann klein sein und dennoch Lymphknotenmetastasen aufweisen
Paraneoplastisches Syndromneinsehr selten Hyperkalzämie25 bis 50 % der Tiere haben eine Hyperkalzämie
Metastasierungsmusterkeinszunächst in die lokalen Lymphknoten, dann in entferntere Körperstellen; Metastasierungsrate bis zu 50 %, besonders bei wiederholtem örtlichem Auftretenzunächst in die lokalen Lymphknoten, dann in entferntere Körperstellen
Weiterführende Untersuchungenzytologische Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Zellen schwierigRöntgen und Ultraschall der Bauchhöhle, Röntgen des BrustbereichesRöntgen und Ultraschall der Bauchhöhle, Röntgen des Brustbereiches,

Kalziumbestimmung im Blutserum, Nierenwerte

BehandlungKastration, chirurgische Entfernungweites Umschneiden der Veränderungen, ggf. mit veränderten Lymphknoten,

Bestrahlung und/oder immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen, wenn keine Operation möglich ist

Kastration bringt keinen Vorteil

weites Umschneiden der Veränderungen, ggf. mit veränderten Lymphknoten,

Bestrahlung und/oder immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen, wenn keine Operation möglich ist

Prognosesehr gut, weniger als 10 % Wiederauftreten nach Kastrationmittlere Prognose bei Tumoren kleiner als 5 cm; ein Wiederauftreten Monate nach der Operation muss einkalkuliert werdenmittlere Prognose

Quellen

Liptak JM, Turek MM (2020): Perianal Tumors. In: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., Elsevier, St. Louis, MO, 468–470

Turek MM, Withrow SJ (2013): Perianal Tumors. In: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 5th Ed., Elsevier, St. Louis, MO

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Häufige Fragen

Was ist ein Perianaltumor beim Hund?

Ein Perianaltumor ist eine Neubildung der Perianal- oder Zirkumanaldrüsen — kleiner Drüsenpakete in der Haut rund um den After, die wegen ihres Aufbaus auch hepatoide Drüsen genannt werden. Versprengte Drüsenpakete liegen zudem an Vorhaut, Rute, Hinterbeinen und Rumpf. Gutartige Veränderungen werden als Adenome, bösartige als Adenokarzinome bezeichnet.

Warum blutet mein Hund am After?

Zu Beginn fallen häufig nur einzelne Blutstropfen an der Analrosette oder an der Liegestelle auf. Die dünne Haut über dem wachsenden Drüsenpaket reißt leicht ein, und der Tumor ist gut durchblutet; Sitzen, Kotabsatz und Lecken verstärken das. Blut in der Analgegend ist ein frühes Warnzeichen und sollte tierärztlich abgeklärt werden.

Sind Perianaltumore beim Hund immer bösartig?

Nein. Die weitaus häufigste Form ist das gutartige perianale Adenom des unkastrierten Rüden, das bösartige perianale Adenokarzinom ist selten. Was zunächst ein harmloses kleines Adenom ist, kann bei weiterem Wachstum jedoch in ein schwer kontrollierbares Adenokarzinom übergehen — entnommenes Gewebe sollte deshalb immer im spezialisierten Labor untersucht werden.

Warum sind vor allem unkastrierte Rüden betroffen?

Das Wachstum der Perianaltumoren wird durch Androgene, also männliche Geschlechtshormone, angeregt und durch Östrogene gehemmt. Deshalb erkranken vor allem unkastrierte, meist ältere Rüden. Bei Hündinnen tritt das Adenom sehr selten und dann meist bei kastrierten Tieren auf, denen die hemmende Wirkung der Östrogene fehlt. Eine Prädisposition besteht für Cocker Spaniel, Beagle, Bulldoggen und Samojeden.

Hilft eine Kastration beim Perianaltumor?

Beim gutartigen perianalen Adenom ja: Der Tumor ist beim Rüden testosteronabhängig, und nach der Kastration liegt die Rate des Wiederauftretens unter 10 %. Beim bösartigen perianalen Adenokarzinom bringt die Kastration dagegen keinen Vorteil, weil dieser Tumor hormonell nicht abhängig ist.

Streut ein Perianaltumor in andere Organe?

Über Metastasen, also Tochtergeschwülste, wird bei etwa 15 % der erkrankten Tiere berichtet, abhängig von der Größe des Primärtumors. Beim perianalen Adenokarzinom erfolgt die Streuung zunächst in die lokalen Lymphknoten und dann in entferntere Körperstellen; die Metastasierungsrate kann hier bis zu 50 % erreichen, besonders bei wiederholtem örtlichem Auftreten.

Wie ist die Lebenserwartung bei einem Perianaltumor?

Beim gutartigen Adenom wird die Lebenserwartung nach chirurgischer Entfernung und Kastration in der Regel nicht eingeschränkt. Beim perianalen Adenokarzinom gilt die Prognose als mittelmäßig — bei Tumoren unter 5 cm günstiger, ein Wiederauftreten Monate nach der Operation muss jedoch einkalkuliert werden. Entscheidend ist, wie früh der Tumor erkannt und behandelt wird.

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