Tumorerkrankung
Darmtumor beim Pferd
Bei einem Darmtumor beim Pferd handelt es sich um eine Neubildung des Darms — eine insgesamt seltene, wegen ihrer unspezifischen Anzeichen aber oft erst spät erkannte Erkrankung. Der häufigste bösartige Darmtumor des Pferdes ist das Lymphom, ein Tumor der Lymphzellen (Taylor et al.). Daneben werden Adenokarzinome, Leiomyome und Leiomyosarkome (gut- und bösartige Tumoren der glatten Muskulatur), Hämangiosarkome, Nervenscheidentumoren und Karzinoide beschrieben. Eine Sonderstellung nehmen die gutartigen Lipome (Fettgewebstumoren) ein: Sie sind bei älteren Pferden häufig und können — an einem Stiel hängend — Darmschlingen abschnüren und so eine lebensbedrohliche Kolik auslösen (Edwards und Proudman).
Symptome
Die Anzeichen sind meist unspezifisch und können auf viele andere Erkrankungen hindeuten. Typisch sind wiederkehrende oder chronische Kolikanzeichen, die kommen und gehen, Gewichtsverlust trotz zunächst erhaltenen Appetits, verminderter Appetit, Durchfall oder Kotwasser im Wechsel mit Verstopfung, wiederkehrende Fieberschübe sowie eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz. Bei den strangulierenden Lipomen steht dagegen die akute, hochgradige Kolik im Vordergrund — ein Notfall. Differentialdiagnostisch müssen unter anderem chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Tumoren anderer Bauchorgane, Abszesse in der Bauchhöhle, Leber- und Nierenerkrankungen sowie Darmparasiten bedacht werden.
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Diagnose
Am Anfang stehen ein vollständiges Blutbild und die Blutchemie. Die rektale Untersuchung und eine gründliche Ultraschalluntersuchung des Bauchraums können eine Umfangsvermehrung oder verdickte Darmwände zeigen; auch die Untersuchung von Bauchhöhlenflüssigkeit (Punktat) kann Hinweise liefern — beim Lymphom finden sich darin gelegentlich Tumorzellen. Wo möglich, wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und feingeweblich auf Tumorart und Bösartigkeit untersucht; in manchen Fällen gelingt die endgültige Diagnose erst bei einer Bauchoperation.
Behandlung
Wird der Tumor rechtzeitig erkannt, ist die Behandlung der Wahl die chirurgische Entfernung des betroffenen Darmabschnitts — am wirksamsten, solange sich noch keine Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet haben. Strangulierende Lipome werden im Rahmen der Kolikoperation entfernt; hier ist die Prognose bei rechtzeitigem Eingriff gut. Beim Lymphom und bei fortgeschrittenen bösartigen Tumoren ist die Prognose dagegen ernst; belastbare Überlebenszahlen gibt es beim Pferd nicht. Eine konsequente Schmerz- und Kolikbehandlung sowie eine angepasste Fütterung begleiten jede Therapie.
Dendritische Zelltherapie
Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Dem Pferd wird durch den Haustierarzt Blut entnommen, daraus werden im Labor dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen und aufbereitet; anschließend erhält das Pferd die Zellen per Injektion zurück. Nach der operativen Entfernung eines bösartigen Darmtumors ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt — lange, für geschwächte Pferde belastende Transporte entfallen — und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Darmtumor des Pferdes liegen bislang nicht vor.
Einen Überblick zu allen Formen finden Sie auf der Seite Tumorarten bei Pferden.
Quellen
Taylor SD, Pusterla N, Vaughan B et al. (2006): Intestinal neoplasia in horses. J Vet Intern Med 20(6):1429–1436.
Bacci B, Stent AW, Walmsley EA (2020): Equine Intestinal Lymphoma: Clinical-Pathological Features, Immunophenotype, and Survival. Vet Pathol 57(3):369–376.
Edwards GB, Proudman CJ (1994): An analysis of 75 cases of intestinal obstruction caused by pedunculated lipomas. Equine Vet J 26(1):18–21.
Knottenbelt DC, Patterson-Kane JC, Snalune KL (2015): Clinical Equine Oncology. Edinburgh, Elsevier.
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Häufige Fragen
Welche Darmtumoren kommen beim Pferd vor?
Der häufigste bösartige Darmtumor des Pferdes ist das Lymphom, also ein Tumor der Lymphzellen. Daneben werden Adenokarzinome, Leiomyome und Leiomyosarkome (gut- und bösartige Tumoren der glatten Muskulatur), Hämangiosarkome, Nervenscheidentumoren und Karzinoide beschrieben. Eine Sonderstellung nehmen die gutartigen Lipome (Fettgewebstumoren) ein: Sie sind bei älteren Pferden häufig und können, an einem Stiel hängend, Darmschlingen abschnüren und so eine lebensbedrohliche Kolik auslösen.
Woran erkenne ich einen Darmtumor beim Pferd?
Die Anzeichen sind meist unspezifisch: typisch sind wiederkehrende oder chronische Kolikanzeichen, Gewichtsverlust trotz zunächst erhaltenen Appetits, Durchfall oder Kotwasser im Wechsel mit Verstopfung, wiederkehrende Fieberschübe sowie eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz. Bei den strangulierenden Lipomen (gestielten Fettgewebstumoren, die Darmschlingen abschnüren) steht dagegen die akute, hochgradige Kolik im Vordergrund — ein Notfall. Wegen der unspezifischen Anzeichen wird die Erkrankung oft erst spät erkannt.
Wie wird ein Darmtumor beim Pferd diagnostiziert?
Am Anfang stehen in der Regel ein vollständiges Blutbild und die Blutchemie. Die rektale Untersuchung und der Ultraschall des Bauchraums können eine Umfangsvermehrung oder verdickte Darmwände zeigen; auch die Untersuchung von Bauchhöhlenflüssigkeit (Punktat) kann Hinweise liefern, beim Lymphom finden sich darin gelegentlich Tumorzellen. Wo möglich, wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen; in manchen Fällen gelingt die endgültige Diagnose erst bei einer Bauchoperation.
Ist ein Darmtumor beim Pferd heilbar?
Wird der Tumor rechtzeitig erkannt, ist die Behandlung der Wahl die chirurgische Entfernung des betroffenen Darmabschnitts — am wirksamsten, solange sich noch keine Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet haben. Strangulierende Lipome werden im Rahmen der Kolikoperation entfernt; hier ist die Prognose bei rechtzeitigem Eingriff gut. Beim Lymphom und bei fortgeschrittenen bösartigen Tumoren ist die Prognose dagegen ernst.
Wie lange lebt ein Pferd mit Darmtumor?
Belastbare Überlebenszahlen gibt es beim Pferd nicht; die Aussichten hängen von der Tumorart und dem Zeitpunkt der Erkennung ab. Bei rechtzeitig operierten strangulierenden Lipomen ist die Prognose in der Regel gut, beim Lymphom und bei fortgeschrittenen bösartigen Tumoren gilt sie als ernst. Eine konsequente Schmerz- und Kolikbehandlung sowie eine angepasste Fütterung begleiten jede Therapie.
Was bringt die dendritische Zelltherapie beim Darmtumor des Pferdes?
Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Aus dem Blut des Pferdes werden im Labor dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen und dem Tier per Injektion zurückgegeben. Nach der operativen Entfernung eines bösartigen Darmtumors ist sie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren, und lässt sich gut mit den etablierten Verfahren kombinieren. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Darmtumor des Pferdes liegen bislang nicht vor.