Tumorerkrankung

Rhabdomyosarkom beim Hund

Bei einem Rhabdomyosarkom handelt es sich um einen bösartigen Tumor beim Hund, der aus der quergestreiften Muskulatur hervorgeht – also aus jener Muskulatur, die der Hund willentlich bewegt, sowie aus dem Herzmuskel. Rhabdomyosarkome gehören zu den Weichteilsarkomen, sind beim Hund insgesamt selten und zeichnen sich durch schnelles, infiltratives Wachstum (Einwachsen in das umliegende Gewebe) und eine hohe Neigung zur Metastasierung aus, das heißt zur Absiedlung von Tochtergeschwülsten in andere Organe.

Vorkommen: welche Hunde erkranken?

Auffällig ist das junge Alter vieler Patienten: Betroffen sind vor allem Hunde im Alter von ein bis zwei Jahren. So berichten Connell et al. in ihrer Auswertung von 25 Rhabdomyosarkom-Patienten ebenfalls von überwiegend jungen Tieren; in Einzelfällen wurden Erkrankungen aber auch bei Hunden bis zum Alter von acht Jahren und darüber beobachtet. Besonders typisch für junge, großwüchsige Hunde ist die sogenannte botryoide Form in der Harnblase – ein traubenförmig in das Blasenlumen wachsender Tumor.

Es können alle Hunderassen erkranken; männliche und weibliche Tiere sind in gleicher Zahl betroffen.

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Spezifische Symptome des Rhabdomyosarkoms beim Hund

Bei einem Rhabdomyosarkom kommt es zu einem überraschend schnellen Wachstum des Tumorgewebes und damit zu sich rasch verstärkenden Schwellungen an den betroffenen Körperbereichen. Welche Beschwerden Ihr Hund zeigt, hängt davon ab, wo der Tumor sitzt:

  • Harnblase: Störungen des Urinabsatzes, blutiger Urin, häufiger Harndrang
  • Gliedmaßen, Wirbelsäule und Rückenmark: zunehmende Lahmheit, Schmerzhaftigkeit und Bewegungseinschränkung
  • Kehlkopf: Atemgeräusche, Atemnot, veränderte Stimme, Schluckbeschwerden
  • Augenhöhle: Anschwellung, Vorwölbung oder Verdrängung des Auges
  • Herz: Leistungsschwäche, Atemnot, Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel

Leider metastasiert das Rhabdomyosarkom sehr häufig: Connell et al. fanden bei 16 der 25 untersuchten Tiere bereits Metastasen. Mit der Erkrankung gehen zudem oft erhebliche Schmerzen einher – vor allem bei Tumoren an Gliedmaßen und Wirbelsäule sowie im Hals-, Gesichts- und Augenbereich. Eine konsequente Schmerzbehandlung gehört deshalb von Anfang an dazu.

Unspezifische Symptome des Rhabdomyosarkoms bei Ihrem Hund

Wie auch andere Tumorarten kann sich das Rhabdomyosarkom zunächst hinter unspezifischen Symptomen verstecken. Veränderungen im Verhalten des Hundes können ein erstes Zeichen sein – sowohl gesteigerte Reizbarkeit als auch beginnende Apathie (Teilnahmslosigkeit) oder Desinteresse. Auch Appetitlosigkeit, allgemeine Unlust und eine damit einhergehende Gewichtsabnahme sind möglicherweise Anzeichen einer Krebserkrankung.

Diagnose

Die Feinnadelaspiration (Entnahme einzelner Zellen mit einer dünnen Nadel) liefert bei Sarkomen häufig keinen eindeutigen Befund. Gesichert wird die Diagnose in der Regel durch eine Biopsie, also eine Gewebeprobe, und deren feingewebliche Untersuchung – oft ergänzt um immunhistochemische Färbungen, mit denen sich der muskuläre Ursprung der Tumorzellen nachweisen lässt. Röntgen, Ultraschall und Computertomographie dienen dazu, Ausdehnung und Tiefe des Tumors zu beurteilen und nach Metastasen in Lunge, Lymphknoten und anderen Organen zu suchen.

Behandlung des Rhabdomyosarkoms bei Ihrem Hund

Durch das schnelle und tiefe Hineinwachsen des Rhabdomyosarkoms in benachbarte Organe ist es meistens unmöglich, den Tumor als Ganzes mit ausreichendem Sicherheitsabstand chirurgisch zu entfernen. Wo eine Operation möglich ist, bleibt sie dennoch die wichtigste Maßnahme, um die Tumormasse zu verkleinern und die Beschwerden zu lindern.

Zur Erhaltung der Lebensqualität und zur Lebensverlängerung muss deshalb frühzeitig über weiterführende Behandlungen nachgedacht werden, die zugleich die beginnende Metastasierung eingrenzen sollen:

  • Eine Chemotherapie, meist auf Basis von Doxorubicin oder Vincristin, wird in der Literatur beschrieben; die Datenlage beruht allerdings auf kleinen Fallserien, sodass sich ihr Nutzen nicht sicher beziffern lässt.
  • Eine Bestrahlung kann bei örtlich begrenzten, nicht vollständig entfernbaren Tumoren zur lokalen Kontrolle beitragen.
  • Die dendritische Zelltherapie ist eine ergänzende immunologische Behandlung, bei der körpereigene Zellen aus einer Blutprobe so aufbereitet werden, dass sie das Immunsystem gezielt gegen die Tumorzellen richten. Sie ist gut verträglich, lässt sich mit Operation und Chemotherapie kombinieren und kommt gerade dann in Betracht, wenn Tumorgewebe im Körper verbleiben musste oder eine Metastasierung droht.

Einen ausführlichen Fallbericht zu zwei gleichzeitig aufgetretenen embryonalen Rhabdomyosarkomen bei einem erwachsenen Hund finden Sie in unserer Fachinformation.

Prognose

Die Prognose ist wegen des aggressiven Wachstums und der hohen Metastasierungsrate insgesamt vorsichtig zu stellen; sie hängt von der Lokalisation, davon, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte, und vom Vorliegen von Metastasen ab. Das ist für Sie als Halter eine schwere Nachricht. Umso mehr steht bei der Behandlung im Vordergrund, Ihrem Hund Schmerzen zu nehmen und ihm so lange wie möglich gute, gemeinsame Zeit zu erhalten.

Quellen

Connell DR et al. (2020): Biological behaviour and ezrin expression in canine rhabdomyosarcomas: 25 cases (1990–2012). Vet Comp Oncol, https://doi.org/10.1111/vco.12594

Resende AR et al. (2022): Orbital rhabdomyosarcoma in a young Labrador Retriever. ESVO Meeting Berlin, 29. September – 2. Oktober 2022.

Szardus-Uljanow O et al. (2023): A primary multiple pleomorphic rhabdomyosarcoma of the heart in an adult dog. BMC Vet Res, https://doi.org/10.1186/s12917-023-03701-5

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Häufige Fragen

Was ist ein Rhabdomyosarkom beim Hund?

Ein Rhabdomyosarkom ist ein bösartiger Tumor, der aus der quergestreiften Muskulatur des Hundes hervorgeht; auch der Herzmuskel kann befallen sein. Er gehört zu den Weichteilsarkomen, wächst schnell in das umliegende Gewebe ein und metastasiert häufig, das heißt, er bildet Tochtergeschwülste in anderen Organen.

Welche Hunde bekommen ein Rhabdomyosarkom?

Betroffen sind vor allem junge Hunde im Alter von ein bis zwei Jahren; in Einzelfällen wurden auch Hunde bis zum Alter von acht Jahren und darüber beobachtet. Bei großwüchsigen Junghunden ist die botryoide Form in der Harnblase typisch. Es können alle Rassen erkranken, männliche und weibliche Tiere gleich häufig.

Welche Symptome zeigt ein Hund mit Rhabdomyosarkom?

Typisch ist eine rasch wachsende Schwellung, deren Folgen vom Sitz des Tumors abhängen: Harnabsatzstörungen und blutiger Urin bei der Blase, zunehmende Lahmheit und Schmerzen an Gliedmaßen oder Wirbelsäule, Atemgeräusche und Atemnot am Kehlkopf, Vorwölbung des Auges bei Tumoren der Augenhöhle. Daneben können unspezifische Zeichen wie Appetitlosigkeit, Teilnahmslosigkeit und Gewichtsabnahme auftreten.

Hat mein Hund bei einem Rhabdomyosarkom Schmerzen?

Oft ja, vor allem bei Tumoren an Gliedmaßen und Wirbelsäule sowie im Hals-, Gesichts- und Augenbereich. Eine konsequente Schmerzbehandlung gehört deshalb von Anfang an zur Therapie.

Kann ein Rhabdomyosarkom operiert werden?

Durch das schnelle und tiefe Einwachsen in benachbarte Organe ist eine vollständige Entfernung mit Sicherheitsabstand meist nicht möglich. Wo eine Operation machbar ist, verkleinert sie die Tumormasse und lindert Beschwerden; anschließend sollte frühzeitig über weiterführende Behandlungen nachgedacht werden, auch um die Metastasierung einzugrenzen – bei Connell et al. hatten 16 von 25 Hunden bereits Metastasen.

Welche Behandlung gibt es, wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden kann?

In Frage kommen eine Chemotherapie, deren Nutzen wegen kleiner Fallserien nicht sicher beziffert werden kann, eine Bestrahlung zur örtlichen Kontrolle und die dendritische Zelltherapie: eine gut verträgliche Immuntherapie mit körpereigenen Zellen, die sich mit Operation und Chemotherapie kombinieren lässt und besonders dann sinnvoll ist, wenn Tumorgewebe im Körper verbleiben musste.

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