Tumorerkrankung
Plattenepithelkarzinom beim Pferd
Beim Plattenepithelkarzinom handelt es sich um eine der häufigsten Tumorarten beim Pferd — insgesamt gilt es als zweit- oder dritthäufigste Tumorerkrankung dieser Tierart. Als Ursache wird vor allem eine Veränderung der Haut durch UV-Strahlung angenommen. Das Durchschnittsalter der erkrankten Tiere beträgt ungefähr 12 Jahre, Wallache erkranken häufiger als Hengste und Stuten. Pferde mit nichtpigmentierter Haut (Schimmel- und Palominofarben) sind für einen Befall prädestiniert; besonders genannt werden Appaloosa, Pinto und American Paint Horses. Für Plattenepithelkarzinome im Augenbereich sind Haflinger anfällig, aber auch schwere Rassen wie Belgier, Shire und Clydesdale Horses.
Esel und Maultiere werden dagegen selten von Plattenepithelkarzinomen befallen, ohne dass dafür bislang ein Grund ersichtlich wäre.
Die Immuntherapie aus körpereigenen Zellen ist eine schonende Behandlungsmöglichkeit beim Plattenepithelkarzinom. Sie greift den Tumor gezielt an und bekämpft damit neben den Symptomen auch die Ursache. Bei einem frühen Beginn der Behandlung verbessert die dendritische Zelltherapie die Prognose Ihres Pferdes hinsichtlich Lebensqualität und Lebenserwartung deutlich.
Entstehung des Plattenepithelkarzinoms
Plattenepithelkarzinome entstehen aus Epithelzellen (den Deckzellen der Haut), die durch äußere Einwirkung verändert werden — vor allem durch die dauernde Einwirkung von ultravioletter (Sonnen-)Strahlung. Man geht davon aus, dass die Ursache eine Veränderung der DNA in den Epithelzellen ist. Infolgedessen kommt es zu einer allmählichen tumorösen Entartung der Zellen. Besonders gefährdet sind hellhäutige Pferderassen. Die Krankheit ist nicht ansteckend. Dabei sehen Tierärzte bereits erste, noch in der Haut liegende Veränderungen wie die aktinische Keratose oder ein Plattenepithelkarzinom in situ (ein auf die oberste Zellschicht begrenzter Tumor) als Vorläufer eines voll ausgebildeten Plattenepithelkarzinoms an.
Faktoren, die die Entstehung eines Plattenepithelkarzinoms beeinflussen:
-
UV-Strahlung, die zu Veränderungen der Hautstruktur führt
-
chronische, schlecht heilende Wunden
-
der Einfluss des Equinen Papillomavirus
Stadien des Plattenepithelkarzinoms beim Pferd
| Grad I | Gut differenziert mit zahlreichen dyskeratotischen Zellen, hervorgehobene Keratininseln, interzelluläre Verknüpfungen |
| Grad II | Mäßig differenziert mit zahlreichen Dyskeratosen, gelegentliche Keratininseln, schlecht definierte interzelluläre Verknüpfungen |
| Grad III | Schlecht differenzierte Zellen mit unterbrochener Keratinisierung und atypischen mitotischen Bildern |
Nach einer bestmöglichen chirurgischen Entfernung des Tumorgewebes kommt es häufig schnell wieder zu einem Rezidiv (Wiederauftreten). Deshalb sollte die dendritische Zelltherapie umgehend nach einem operativen Eingriff eingeleitet werden. Dabei arbeiten wir mit Ihrem Haustierarzt zusammen, um gemeinsam ein gutes Behandlungsergebnis zu erreichen.
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Auftreten des Plattenepithelkarzinoms beim Pferd
Laut einer Studie aus Großbritannien sind etwa 19 % der Tumoren bei Pferden Plattenepithelkarzinome. Eine weitere Studie aus den USA besagt, dass Plattenepithelkarzinome beim Pferd — neben den Melanomen und Equinen Sarkoiden — zu den drei häufigsten Hauttumoren gehören.
Weiterhin ist das Plattenepithelkarzinom der am häufigsten vorkommende Tumor an den Augenlidern (periokulares Plattenepithelkarzinom) sowie im Penis- und Vorhautbereich (peniles Plattenepithelkarzinom des Schlauches). Das Karzinom tritt aber auch häufig in der Perianalgegend auf, also in der Region um den After und den Schließmuskelbereich.
Das Problem bei dieser Erkrankung: Sie entsteht häufig an anatomisch schwierig zu behandelnden Körperregionen — zum Beispiel rund um das Auge, an den Augenlidern, der Nickhaut sowie im Präputial- und Analbereich. Campos Schweitzer et al. berichten darüber hinaus über ein Plattenepithelkarzinom bei einer Warmblutstute im Bereich von Kehlkopf und Luftröhre.
Das Plattenepithelkarzinom gehört zu den durch UV-Strahlen induzierten Tumoren. Deshalb findet man es häufig okular, also am Auge. Im Zusammenhang mit der Entstehung im Präputialbereich wird häufig auf eine Mitbeteiligung des Papillomavirus (eines Warzen erzeugenden Virus) hingewiesen.
- Appaloosa und American Paint Horse haben eine erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit für Plattenepithelkarzinome
- Auch „Cob Horses”, also mittelgroße Pferde, sind besonders anfällig
- Stuten haben generell ein geringeres Risiko für einen Befall
- Plattenepithelkarzinome zeigen häufig eine ausgeprägte Metastasierungstendenz, bilden also Tochtergeschwülste
Andere Tumorlokalisationen für ein Plattenepithelkarzinom beim Pferd
- Verdauungstrakt: Hier handelt es sich vor allem um den Bereich der Mundhöhle (Zunge, Mundschleimhaut) oder von Schlundkopf und Speiseröhre. Die betroffenen Tiere sind meistens älter als 8 Jahre. Eine chirurgische Entfernung ist schwierig.
- Atemwege: Das Plattenepithelkarzinom ist die häufigste Tumorart in Nase, Nasennebenhöhlen, Luftsäcken sowie Schlund- und Kehlkopf. Dabei kann teilweise eine Entstehung in der Mundhöhle (Zahnfach, Mundschleimhaut) mit Durchbruch in den Atembereich beobachtet werden. Meist sind ältere Pferde über 15 Jahre von diesen eher seltenen Tumoren betroffen.
- Harnblase: Das Plattenepithelkarzinom ist der häufigste Blasentumor. Betroffen sind vor allem ältere Pferde.
Symptome eines Plattenepithelkarzinoms bei Ihrem Pferd
Symptome eines Plattenepithelkarzinoms finden Sie in den meisten Fällen auf der Haut Ihres Pferdes. Die ersten Anzeichen können sein:
- ein unter der Haut liegendes Knötchen,
- Warzen oder
- schuppige Stellen auf der Haut.
Falls Ihnen Veränderungen auf der Haut Ihres Pferdes auffallen, sollten Sie diese auf jeden Fall beobachten und bei Bedarf tierärztlich untersuchen lassen. Auch die Stellen, die nicht mit Fell bedeckt sind — Augen, After, Maul und Maulschleimhäute — sollten Sie im Blick behalten und gelegentlich kontrollieren lassen. Denn auch dort kann ein Plattenepithelkarzinom entstehen.
Der Verlauf einer Erkrankung mit einem Plattenepithelkarzinom beim Pferd
Das Plattenepithelkarzinom ist eine sehr hartnäckige und aggressive Tumorerkrankung. Sie wächst infiltrativ, breitet sich also in das umliegende Gewebe aus, und kann wieder auftreten (Rezidiv). Das bedeutet: Trotz einer chirurgischen Entfernung ist die Gefahr einer Wiederkehr des Tumors nicht ausgeschlossen. Die Prognose ist deshalb schwierig zu stellen, da es darauf ankommt, mehrere Behandlungsoptionen aufeinander abzustimmen, um eine lange Abheilung des Tumorgeschehens zu erreichen.
Behandlung des Plattenepithelkarzinoms beim Pferd
Wie die Therapie im Einzelfall aussieht, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: vom Zeitpunkt der Diagnose, also der Ausbreitung der Veränderung, und von der Lokalisation, das heißt der betroffenen Körperregion. Zur Verfügung stehen die Operation, die örtliche Chemotherapie, die Bestrahlung einschließlich der photodynamischen Therapie sowie die dendritische Zelltherapie. In der Regel werden mehrere dieser Verfahren miteinander kombiniert.
Operation
In einigen Fällen reicht eine Operation zur Behandlung aus — etwa dann, wenn der Krebs sehr früh entdeckt wird. Dann kann radikal, also sehr großflächig, operiert werden. Dabei werden häufig auch die regionalen Lymphknoten entfernt, also jene in der Nähe des Tumors. Eine Operation gestaltet sich jedoch oft kompliziert, da sich das Plattenepithelkarzinom nicht selten an schwer erreichbaren Stellen befindet. In der Regel werden deshalb zusätzlich weitere Behandlungsmethoden eingesetzt. Diese sollen verhindern, dass sich übrig gebliebene Tumorzellen im Körper des Pferdes erneut ausbreiten und ein weiterer Tumor entsteht.
Örtliche Chemotherapie
Die Chemotherapie wird meist zusätzlich zu einer Operation eingesetzt, erweist sich beim Pferd aber häufig als ungünstig. Durch die eingesetzten Chemotherapeutika kann es zu erheblichen Irritationen von Haut und Schleimhäuten kommen, was wiederum starke Abwehrreaktionen bei den behandelten Pferden hervorruft. Hinzu kommt die Gefahr, dass Tierarzt, Betreuungspersonal und Besitzer mit den giftigen Arzneistoffen in Kontakt geraten.
Bestrahlung und photodynamische Therapie
Die Strahlentherapie ist eine weitere, allerdings selten nutzbare Option. Anzahl und Intensität der Bestrahlungen unterscheiden sich; ist der Krebs weiter fortgeschritten, ist meist eine intensivere Behandlung notwendig. In der Regel müssen die Pferde dafür stationär aufgenommen werden. Eine Spezialform ist die photodynamische Therapie, bei der mit photosensitiven, also lichtempfindlichen Substanzen und einem dazu passenden Laser behandelt wird.
Behandlung mit der dendritischen Zelltherapie
Bei Ihrem Pferd wurde ein Plattenepithelkarzinom diagnostiziert und Sie suchen nach der bestmöglichen Behandlung — das ist eine schwere Situation, und Sie sind damit nicht allein. Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Mithilfe körpereigener dendritischer Zellen wird das Immunsystem des Pferdes so gestärkt, dass der Körper den eigenständigen Kampf gegen den bösartigen Tumor wieder aufnimmt. Sie greift den Tumor an seinem Ursprung an, erhöht die Lebenserwartung und verbessert die Lebensqualität des Tieres.
Die immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen wurde bei Pferden in zahlreichen Erkrankungsfällen bereits erfolgreich nach einer chirurgischen (Teil-)Entfernung des Plattenepithelkarzinoms eingesetzt. Eine Gefährdung von Patient und menschlichen Kontaktpersonen ist dabei ausgeschlossen. Um Ihr Pferd wieder fit zu bekommen, sind nur wenige Behandlungsschritte notwendig, die vom Haustierarzt durchgeführt werden können; ein Aufenthalt in einer Klinik ist nicht nötig.
Über die erfolgreiche Behandlung einer Stute mit dendritischen Zellen, die ein Plattenepithelkarzinom im Bereich der Analrosette hatte, berichten Arnold et al. Einen weiteren Behandlungsfall haben wir hier dokumentiert.
Quellen:
Arnold C, Dreher I, Grammel T, Schusser GF (2017): Immunotherapy of a squamous cell carcinoma in the perianal region using autologous dendritic cells in a horse, Equine Veterinary Education 30 (11), 576–582
Campos Schweitzer A et al. (2019): Laryngotracheales Plattenepithelkarzinom bei einer Warmblutstute, Der Praktische Tierarzt 07/2019, 672–679
Knottenbelt DC et al. (2015): Squamous Cell Carcinoma, in: Equine Clinical Oncology, Edinburgh, 220–235
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Häufige Fragen
Wie häufig ist das Plattenepithelkarzinom beim Pferd?
Das Plattenepithelkarzinom gilt als zweit- oder dritthäufigste Tumorerkrankung des Pferdes. Laut einer Studie aus Großbritannien sind etwa 19 % der Tumoren bei Pferden Plattenepithelkarzinome; eine US-Studie zählt sie neben Melanomen und Equinen Sarkoiden zu den drei häufigsten Hauttumoren. Esel und Maultiere sind, anders als Pferde, selten betroffen.
Was verursacht ein Plattenepithelkarzinom beim Pferd?
Als Hauptursache wird die dauernde Einwirkung ultravioletter (Sonnen-)Strahlung angenommen, die zu einer Veränderung der DNA in den Epithelzellen (den Deckzellen der Haut) und damit zu einer allmählichen tumorösen Entartung führt. Daneben beeinflussen chronische, schlecht heilende Wunden und das Equine Papillomavirus die Entstehung. Die Krankheit ist nicht ansteckend.
Welche Pferde sind besonders gefährdet?
Das Durchschnittsalter der erkrankten Tiere beträgt ungefähr 12 Jahre; Wallache erkranken häufiger als Hengste und Stuten. Pferde mit nichtpigmentierter Haut (Schimmel- und Palominofarben) sind prädestiniert, genannt werden besonders Appaloosa, Pinto und American Paint Horses. Für Plattenepithelkarzinome im Augenbereich sind Haflinger sowie schwere Rassen wie Belgier, Shire und Clydesdale Horses anfällig.
Wo tritt das Plattenepithelkarzinom beim Pferd auf und wie erkenne ich es?
Es ist der am häufigsten vorkommende Tumor an den Augenlidern sowie im Penis- und Vorhautbereich und tritt auch häufig in der Perianalgegend (der Region um den After) auf; seltener sind Verdauungstrakt, Atemwege und Harnblase betroffen. Erste Anzeichen können ein unter der Haut liegendes Knötchen, Warzen oder schuppige Stellen sein. Auch nicht mit Fell bedeckte Stellen wie Augen, After und Maulschleimhäute sollten beobachtet und gelegentlich tierärztlich kontrolliert werden.
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es beim Plattenepithelkarzinom des Pferdes?
Zur Verfügung stehen die Operation, die örtliche Chemotherapie, die Bestrahlung einschließlich der photodynamischen Therapie sowie die dendritische Zelltherapie. Eine alleinige Operation ist nur bei früher, radikaler Entfernung sinnvoll — was oft schwierig ist, da der Tumor an anatomisch schwer erreichbaren Stellen sitzt. Die örtliche Chemotherapie erweist sich häufig als ungünstig, weil sie Haut und Schleimhaut erheblich irritiert und Kontaktpersonen den giftigen Arzneistoffen aussetzt. In der Regel werden deshalb mehrere Verfahren kombiniert.
Was leistet die dendritische Zelltherapie beim Plattenepithelkarzinom?
Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Mithilfe körpereigener dendritischer Zellen wird das Immunsystem des Pferdes so gestärkt, dass der Körper den Kampf gegen den bösartigen Tumor wieder aufnimmt. Sie greift den Tumor an seinem Ursprung an, erhöht die Lebenserwartung und verbessert die Lebensqualität. Sie wurde bereits in zahlreichen Fällen erfolgreich nach einer chirurgischen (Teil-)Entfernung eingesetzt und kann vom Haustierarzt durchgeführt werden, ein Klinikaufenthalt ist nicht nötig.
Wie ist die Prognose beim Plattenepithelkarzinom des Pferdes?
Das Plattenepithelkarzinom ist eine sehr hartnäckige und aggressive Tumorerkrankung: Es wächst infiltrativ, breitet sich also in umliegendes Gewebe aus, zeigt häufig eine ausgeprägte Metastasierungstendenz und kann trotz chirurgischer Entfernung wieder auftreten. Die Prognose ist deshalb schwierig zu stellen; entscheidend ist, mehrere Behandlungsoptionen aufeinander abzustimmen, um eine lange Abheilung des Tumorgeschehens zu erreichen.