Die Lupus-Polyarthritis bei Hunden und Katzen
Bei der Lupus-Polyarthritis handelt es sich um eine nicht erosive Entzündung mehrerer Gelenke, die im Rahmen eines systemischen Lupus erythematosus auftritt. „Nicht erosiv” bedeutet: Anders als bei der rheumatoiden Arthritis werden die Gelenkflächen nicht zerstört — die Entzündung sitzt in der Gelenkinnenhaut, der Knorpel bleibt erhalten.
Sie gehört zu den häufigsten Anzeichen des systemischen Lupus beim Hund. Schätzungen zufolge leiden bis zu 90 Prozent der betroffenen Hunde unter einer solchen Arthritis. Für die Praxis heißt das: Ein Hund mit unklarer, wechselnder Lahmheit und Fieber sollte auf einen Lupus hin untersucht werden — die Gelenke sind hier oft das erste sichtbare Zeichen einer Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft.
Symptome
Betroffene Hunde entwickeln:
- Steifheit und anhaltende Lahmheit, insbesondere nach Ruhephasen — der Hund „läuft sich ein”
- deutlich schmerzhafte Gelenke beim Abtasten
- häufig wechselnde Lahmheit: Mal ist das eine Bein betroffen, mal das andere
- begleitend Fieber, Mattigkeit und Appetitlosigkeit
Das klinische Bild einer akuten Synovitis, also einer Entzündung der Gelenkinnenhaut, ähnelt dem anderer nicht erosiver Polyarthritiden. Die Gelenke selbst sehen im Röntgenbild lange unauffällig aus — das ist ein wichtiger Unterschied zur rheumatoiden Arthritis und ein Grund, warum diese Erkrankung ohne Gelenkpunktion leicht übersehen wird.
Begleiterkrankungen
Weil der systemische Lupus mehrere Organsysteme betrifft, kommen weitere Befunde hinzu:
- Vereinzelt tritt gleichzeitig eine chronische Entzündung der Skelettmuskulatur auf, eine Polymyositis verbunden mit einem Megaösophagus, also einer Erweiterung und Erschlaffung der Speiseröhre. Diese Kombination ist praktisch bedeutsam, weil ein Megaösophagus das Risiko für eine Lungenentzündung durch verschlucktes Futter erhöht.
- Einige Nova Scotia Duck Tolling Retriever entwickeln zusätzlich eine steroidresistente Meningitis-Arteriitis, also eine Entzündung der Hirnhäute und ihrer Gefäße, die auf Kortison nicht anspricht. Bei dieser Rasse ist die Anfälligkeit mit der doppelten Anlage eines bestimmten genetischen Haplotyps verbunden.
- Bei einigen Hunden mit systemischem Lupus wurde eine begleitende sterile noduläre Pannikulitis beschrieben, eine Entzündung des Unterhautfettgewebes.
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Der Weg zur Diagnose
Voraussetzung für die Diagnose ist die sichere Feststellung eines systemischen Lupus. Dafür müssen drei Dinge zusammenkommen:
- eine Krankheitsbeteiligung mehrerer Organsysteme
- ein signifikanter Titer antinukleärer Antikörper im Serum — also von Autoantikörpern gegen Bestandteile des Zellkerns
- immunpathologische Befunde, die auf einen Lupus hinweisen
Die meisten betroffenen Hunde weisen antinukleäre Antikörper auf. Hinzu kommt die Gelenkpunktion: Sie zeigt eine entzündliche, aber sterile Gelenkflüssigkeit mit erhöhter Zellzahl und grenzt das Geschehen so von einer bakteriell bedingten Gelenkentzündung ab.
Was sonst dahinterstecken kann
- die rheumatoide Arthritis des Hundes — erosiv, mit Zerstörung der Gelenkflächen
- das Polyarthritis-Polymyositis-Syndrom, bei dem antinukleäre Antikörper und Rheumafaktoren gerade negativ ausfallen
- die idiopathische, also ursächlich ungeklärte nicht erosive Polyarthritis
- bakterielle Gelenkentzündungen und durch Zecken übertragene Infektionen
- reaktive Polyarthritiden als Begleiterscheinung von Infektionen, Tumorerkrankungen oder Arzneimitteln
Behandlung
Behandelt wird wie beim systemischen Lupus: mit immunsuppressiven und entzündungshemmenden Medikamenten. Betroffene Hunde benötigen diese möglicherweise lebenslang.
Zum Vorgehen gehören außerdem:
- eine konsequente Schmerzbehandlung in der akuten Phase
- kontrollierte Bewegung statt vollständiger Ruhigstellung
- regelmäßige Kontrollen von Blutbild, Nieren- und Leberwerten unter der Dauerbehandlung
- die Überwachung der übrigen Organsysteme, insbesondere der Nieren
Weil die Behandlung über Jahre laufen muss, lohnt der Blick auf ergänzende Wege. Bei der Behandlung mit dendritischen Zellen werden aus einer Blutprobe des Hundes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken, und lassen sich mit der bestehenden Medikation kombinieren, mit dem Ziel, die Dauerdosis zu senken.
Die Lupus-Polyarthritis bei Katzen
Bei Katzen wird eine mit dem systemischen Lupus verbundene Polyarthritis sehr selten festgestellt. Tritt sie auf, dann meist zusammen mit einer Hautentzündung, Fieber und einer Glomerulonephritis, also einer Entzündung der Nierenkörperchen.
Zur Abklärung muss Gelenkflüssigkeit entnommen und untersucht werden. Zusätzlich sollten betroffene Katzen auf das feline Immundefizienzvirus und auf FeLV getestet werden.
Bemerkenswert ist der Laborbefund: Betroffene Katzen zeigen in der Regel keine Rheumafaktoren und sind negativ auf antinukleäre Antikörper; ihre Immunglobulinwerte im Serum liegen weitgehend im Normbereich. Ein unauffälliger Bluttest schließt die Erkrankung bei dieser Tierart also nicht aus — mehr dazu auf der Seite zum systemischen Lupus erythematosus bei Katzen.
Prognose
Die Aussichten richten sich nicht nach den Gelenken, sondern nach dem Lupus insgesamt. Weil die Arthritis nicht erosiv verläuft, bleibt die Beweglichkeit bei gut eingestellter Behandlung meist erhalten — anders als bei der rheumatoiden Arthritis droht kein fortschreitender Gelenkverfall.
Entscheidend für den Verlauf ist, welche weiteren Organe betroffen sind; eine Nierenbeteiligung ist dabei der wichtigste ungünstige Faktor. Für Sie als Halter bedeutet das: die Lahmheit ist das, was Sie sehen — die regelmäßigen Blut- und Harnkontrollen sind das, was den Verlauf tatsächlich bestimmt.
Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.
Quellen
Tizard IR (2023): Lupus Polyarthritis. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 222–223
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Häufige Fragen
Was ist eine Lupus-Polyarthritis beim Hund?
Die Lupus-Polyarthritis ist eine nicht-erosive Gelenkentzündung, das heißt eine Entzündung mehrerer Gelenke ohne Zerstörung der Gelenkflächen, die im Rahmen eines systemischen Lupus erythematosus auftritt. Sie gehört zu den häufigsten Anzeichen dieser Autoimmunerkrankung: Man schätzt, dass bis zu 90 % der Lupus-Patienten unter den Hunden an einer solchen Arthritis leiden.
Woran erkenne ich eine Lupus-Polyarthritis bei meinem Hund?
Betroffene Hunde entwickeln Steifheit und anhaltende Lahmheit, insbesondere nach Ruhephasen; die Gelenke sind beim Abtasten deutlich schmerzhaft. Vereinzelt kommt gleichzeitig eine chronische Entzündung der Skelettmuskulatur (Polymyositis) mit einer Veränderung an der Speiseröhre (Megaösophagus) vor. Einige Nova Scotia Duck Tolling Retriever können zudem eine steroidresistente Meningitis-Arteriitis entwickeln; bei dieser Rasse ist die Anfälligkeit genetisch bedingt.
Wie wird die Diagnose Lupus-Polyarthritis gestellt?
Voraussetzung ist die sichere Feststellung eines systemischen Lupus. Dafür müssen eine Krankheitsbeteiligung mehrerer Organsysteme, ein signifikanter Titer antinukleärer Antikörper (ANA, also Abwehrstoffe gegen Bestandteile des Zellkerns) im Blut sowie immunpathologische Merkmale nachgewiesen werden, die auf einen Lupus hinweisen. Das klinische Bild der akuten Gelenkkapselentzündung (Synovitis) ähnelt dem anderer nicht-erosiver Polyarthritiden.
Wie wird die Lupus-Polyarthritis behandelt?
Die Behandlung erfolgt wie beim systemischen Lupus, in der Regel mit immunsuppressiven (das Immunsystem dämpfenden) und entzündungshemmenden Medikamenten. Betroffene Hunde benötigen diese Medikamente möglicherweise lebenslang.
Gibt es die Lupus-Polyarthritis auch bei Katzen?
Bei Katzen wird eine mit dem systemischen Lupus verbundene Polyarthritis sehr selten festgestellt; sie tritt dann meist in Verbindung mit Hautentzündung (Dermatitis), Fieber und Glomerulonephritis (einer Entzündung der Nierenkörperchen) auf. Zur Abklärung wird Gelenkflüssigkeit analysiert, zudem sollten Katzen auf das Feline Immundefizienz-Virus und FeLV getestet werden. Betroffene Katzen zeigen in der Regel keine Rheumafaktoren und sind ANA-negativ.