Die rheumatoide Arthritis des Hundes

Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine komplexe autoimmune Erkrankung bei Hunden, die in drei Phasen abläuft: Produktion von Autoantikörpern, Entzündung der Gelenksflüssigkeit, Zerstörung der Gelenkfläche.

Im Einzelnen stellen sich die Phasen folgendermassen dar:

  • Phase 1 - Die Produktion von Autoantikörpern: Die für die Erkrankung charakteristischen Autoantikörper richten sich gegen zwei Hauptgruppen von Autoantigenen: Immunglobulin G (IgG) und bestimmte Proteine.

  • Phase 2: Entwicklung einer Entzündung der Gelenksflüssigkeit: Schließlich geht die RA von der systemischen Produktion scheinbar nicht-pathogener Autoantikörper zur Konzentration auf die Gelenke und zur Entwicklung einer akuten Entzündung der Gelenksflüssigkeit über. Es ist unklar, was genau diesen Wechsel auslöst, aber er könnte auf die einzigartige Struktur der Blutgefäße im Gelenk zurückzuführen sein.

  • Phase 3: Zerstörung der Gelenkfläche: Mit dem Fortschreiten der Krankheit vermehren sich die Zellen der Synovialschleimhaut, kleine Blutgefäße und Fibroblasten. Die Synovialschleimhaut verdickt sich durch die Vermehrung der ansässigen Synovialfibroblasten und das Eindringen von Makrophagen enorm. Diese entzündete Synovia bildet schließlich eine Schicht aus invasivem Granulationsgewebe (Pannus genannt), das in den Gelenkspalt hineinwächst, wo es den Gelenkknorpel, die Bänder und den Knochen infiltriert und zerstört.

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Rheumatoide Arthritis des Hundes wird selten festgestellt

Die rheumatische Arthritis ist eine selten auftretende Krankheit. Am häufigsten tritt sie bei Toy-Rassen mittleren Alters und Shetland Sheepdogs auf. Rüden und Hündinnen sind in gleichem Maße von der Erkrankung betroffen. Erkrankte Hunde können chronisch depressiv, lethargisch, appetitlos und fiebrig sein. Weitere Symptome sind Lahmheit, Steifheit und Bewegungsunlust, die in der Regel nach dem Ruhen (z. B. direkt nach dem Aufwachen am Morgen) am stärksten ausgeprägt ist. Die Tiere können sehr unwillig sein zu gehen oder zu stehen. Die Arthritis ist symmetrisch mit einer Schwellung der Gelenksflüssigkeit als Folge der Ergüsse in die Gelenke hinein. Die Gelenke werden warm, da der Blutfluss zunimmt. Da die Entzündung auf den Bereich dieser Flüssigkeit beschränkt ist, wird die Haut aber selten rot. Als Folge der systemischen Wirkungen von an der Erkrankung beteiligten Interleukin (IL1) und sogenanntem Tumornekrosefaktor (TNFα) kann das Tier Depressionen und Müdigkeit zeigen. Auch eine Muskelatrophie kann sichtbar werden. Einige Tiere können lediglich Lahmheit ohne systemische Anzeichen zeigen. Die Krankheit betrifft vor allem die unteren Gelenke. Hier ist es insbesondere der Bereich der Mittelhand- und Mittelfussgelenke. Diese weisen eine symmetrische Schwellung auf und entwickeln Steifheit. Allmählich entstehen aus fortschreitendem Krankheitsgeschehen hörbare Gelenkgeräusche, Gewebsschwäche und Achsenabweichungen der Gelenke (Subluxation). Die Rheumatoide Arthritis des Hundes neigt zu einem progressiven Verlauf und führt schließlich zu schweren Gelenkerosionen und Deformierungen. In fortgeschrittenen Fällen können die betroffenen Gelenke durch die Bildung von knöchernen Versteifungen verschmelzen. Die radiologischen Befunde sind unterschiedlich, aber die auftretende Schwellung betrifft in der Regel nur die Weichteile.

Diagnose und Krankheitszeichen der rheumatoiden Arthritis des Hundes

Die Diagnose der rheumatoiden Arthritis des Hundes basiert auf 10 Punkten, die für die menschliche Erkrankungsform festgelegt wurden:

1. Steifheit der Gelenke

2. Schmerzen bei Manipulationen an mindestens einem Gelenk

3. Gelenksentzündung, die seit mindestens drei Monaten besteht

4. Weichteilschwellung um das Gelenk

5. Typische Röntgenveränderungen mit unregelmäßigen Gelenkoberflächen, Knochenzerstörung unter dem Gelenkknorpel, die zu ausgestanzten Läsionen entlang der Gelenkoberfläche führt, Verlust der Mineralisierung an den Knochenenden, Verkalkung im Weichteilgewebe um das Gelenk, Vergrößerung oder Verkleinerung des Gelenkspalts und ausgedehnte Knochenzerstörung, die zu einer groben Gelenkdeformität führt

6. Entzündliche, aber sterile (also nicht durch Bakterien verunreinigte) Gelenkflüssigkeit

7. Symmetrische Verformungen der Mittelhand- und Mittelfuss-Gelenke

8. Vorhandensein von Rheumafaktoren im Blut (Serum)

9. Charakteristische Histopathologie in der Gelenkflüssigkeit (Synovia) wie Granulationsgewebebildung (sog. Pannus)

10. Läsionen außerhalb des Gelenkes, wie z. B. eine Lymphknotenschwellung

Die meisten dieser Anzeichen sollten bereits seit mindestens 6 Wochen vorhanden sein. Sind fünf positiv, deutet dies auf eine rheumatische Arthritis hin. Sind sieben oder mehr positiv, gilt dies als Diagnose.

Behandlung der rheumatoiden Arthritis des Hundes

Die Behandlung der rheumatoiden Arthritis des Hundes ist in der Regel nicht zufriedenstellend. Im Allgemeinen können leichte Fälle konservativ mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAIDs) behandelt werden. Dazu gehören Carprofen, Deracoxib, Etodolac, Firocoxib, Meloxicam und Tepoxalin. NSAIDs sind im Allgemeinen die erste Wahl bei der Behandlung früh erkannter, leichter Fälle. Kortikosteroide wie Prednisolon sollten für späte, schwere Fälle reserviert werden, bei denen sich NSAID’s als unzureichend erwiesen haben. Steroidinjektionen in die betroffenen Gelenke führen in der Regel zu einer raschen Linderung und klinischen Remission. Allerdings sind rheumatoide Gelenke nach wie vor Belastungen ausgesetzt, die Knochenerosion wird möglicherweise nicht aufgehalten, und die Kortikosteroide können die Heilung verzögern und eine weitere Degeneration der Gelenke ermöglichen. Die Anwendung von Kortikosteroiden kann daher dazu führen, dass die Gelenkschäden unvermindert fortschreiten.

Eine kurzfristige (2-wöchige) systemische Glukokortikosteroidtherapie, gefolgt von einer Dosisreduzierung, kann wirksam sein. Ist das Ansprechen nicht zufriedenstellend, kann Prednisolon mit anderen Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Cyclophosphamid kombiniert werden. Neuere Immunsuppressiva wie Leflunomid oder Methotrexat können ebenfalls wirksam sein, obwohl die Daten über ihre Wirksamkeit begrenzt sind.

Über eine immunologische Behandlung sollte nachgedacht werden. Wir beraten Sie gerne.

Behandlungsansätze beim Menschen mit Rheumatoider Arthritis

Über das hier ausgeführte Behandlungsbild bei Hunden werden bei Menschen zahlreiche weitere Konzepte genutzt;

  • Monoklonale Antikörper gegen TNFα (Infliximab), CD4, Thymozyten oder IL2R haben dazu beigetragen, Knochenerosionen beim Menschen zu verhindern, ebenso wie die Verabreichung von rekombinanten, an IgG gebundenen TNFα-Rezeptoren (Etanercept).

  • Langsam wirkende Immunsuppressiva wie Goldsalze, Natriumaurothiomalat und Aurothioglukose sowie Antimalariamittel wie Chloroquin werden ebenfalls beim Menschen eingesetzt, sind jedoch teuer, die Ergebnisse sind unbeständig, und die Erfahrungen mit diesen Mitteln bei Tieren sind begrenzt.

  • Ein geeigneter chirurgischer Eingriff kann die Gelenkstabilität verbessern und die Schmerzen lindern.

  • Die Prognose der Rheumatischen Arthritis ist bei Zwei- und Vierbeinern aufgrund der fortschreitenden Gelenkzerstörung im Allgemeinen schlecht, und es kann eine lebenslange Behandlung erforderlich sein.

Quelle: Tizard IR (2023): Rheumatoid Arthritis in: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 203-213

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Häufige Fragen

Was ist eine rheumatoide Arthritis beim Hund?

Die rheumatoide Arthritis ist eine komplexe Autoimmunerkrankung, bei der sich Abwehrstoffe des Körpers (Autoantikörper) unter anderem gegen körpereigenes Immunglobulin G richten. Sie verläuft in drei Phasen: Produktion von Autoantikörpern, Entzündung der Gelenkflüssigkeit und schließlich Zerstörung der Gelenkfläche. Dabei bildet die entzündete Gelenkinnenhaut ein einwachsendes Granulationsgewebe (Pannus), das Gelenkknorpel, Bänder und Knochen infiltriert und zerstört.

Woran erkenne ich eine rheumatoide Arthritis bei meinem Hund?

Typisch sind Lahmheit, Steifheit und Bewegungsunlust, die in der Regel nach dem Ruhen — etwa direkt nach dem Aufwachen am Morgen — am stärksten ausgeprägt sind. Die Gelenkschwellung ist symmetrisch und betrifft vor allem die Mittelhand- und Mittelfußgelenke; die Gelenke werden durch den vermehrten Blutfluss warm. Dazu können Fieber, Appetitlosigkeit, Müdigkeit und ein Rückgang der Muskulatur (Muskelatrophie) kommen.

Welche Hunde erkranken an rheumatoider Arthritis?

Die rheumatoide Arthritis wird insgesamt selten festgestellt. Am häufigsten tritt sie bei Toy-Rassen mittleren Alters und beim Shetland Sheepdog auf; Rüden und Hündinnen sind in gleichem Maße betroffen.

Wie wird die Diagnose rheumatoide Arthritis beim Hund gestellt?

Die Diagnose stützt sich auf zehn Kriterien, die ursprünglich für die menschliche Erkrankungsform festgelegt wurden — darunter Gelenksteifheit, typische Röntgenveränderungen, eine entzündliche, aber sterile (also nicht bakteriell verunreinigte) Gelenkflüssigkeit und Rheumafaktoren im Blut. Die meisten Anzeichen sollten seit mindestens sechs Wochen bestehen. Sind fünf Punkte positiv, deutet dies auf eine rheumatoide Arthritis hin; ab sieben positiven Punkten gilt die Diagnose als gestellt.

Wie wird die rheumatoide Arthritis des Hundes behandelt?

Leichte, früh erkannte Fälle werden in der Regel konservativ mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAIDs) wie Carprofen oder Meloxicam behandelt. Kortikosteroide wie Prednisolon bleiben späten, schweren Fällen vorbehalten und können bei unzureichendem Ansprechen mit Immunsuppressiva (das heißt das Immunsystem dämpfenden Medikamenten) wie Azathioprin oder Cyclophosphamid kombiniert werden. Insgesamt ist das Behandlungsergebnis in der Regel nicht zufriedenstellend; auch über eine immunologische Behandlung sollte nachgedacht werden.

Ist die rheumatoide Arthritis beim Hund heilbar?

Die Prognose ist aufgrund der fortschreitenden Gelenkzerstörung im Allgemeinen schlecht, und es kann eine lebenslange Behandlung erforderlich sein. Die Erkrankung neigt zu einem progressiven Verlauf mit schweren Gelenkerosionen und Deformierungen; in fortgeschrittenen Fällen können betroffene Gelenke durch knöcherne Versteifungen verschmelzen.

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