Autoimmunerkrankung

Dendritische Zelltherapie bei Autoimmunerkrankungen

Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung, die nicht nur bei Tumorerkrankungen, sondern auch bei Autoimmunerkrankungen von Hund, Katze und Pferd eingesetzt wird. Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich die körpereigene Abwehr gegen den eigenen Organismus — die Behandlung zielt darauf, diese fehlgeleitete Reaktion zu normalisieren, statt das Immunsystem insgesamt zu unterdrücken. Auf dieser Seite finden Sie das Wirkprinzip, die Einsatzgebiete, den Ablauf und eine ehrliche Einordnung der Studienlage. Einen Überblick über die Krankheitsbilder selbst gibt die Seite Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd.

Wie die Behandlung wirkt

Dendritische Zellen sind die Dirigenten des Immunsystems: Sie entscheiden mit, worauf die Abwehr reagiert — und worauf nicht. Diese zweite Aufgabe ist weniger bekannt, aber ebenso wichtig: Im gesunden Organismus sorgen dendritische Zellen dafür, dass körpereigenes Gewebe toleriert wird. Fachleute sprechen von Immuntoleranz.

Bei der Behandlung einer Autoimmunerkrankung wird genau diese Funktion genutzt. Aus einer Blutprobe des Patienten werden im Labor Monozyten (eine Gruppe der weißen Blutkörperchen) gewonnen und zu dendritischen Zellen ausgereift — anders als bei der Tumorbehandlung jedoch so, dass sie nicht aktivierend, sondern regulierend wirken. Nach der Rückgabe sollen diese Zellen auf eine Normalisierung der Immunreaktion hinwirken: Die überschießende Reaktion gegen das eigene Gewebe wird gedämpft, ohne dass die Abwehr insgesamt lahmgelegt wird. Darin liegt der grundsätzliche Unterschied zur klassischen Immunsuppression, die das gesamte Immunsystem bremst.

DZ Dendritische Zelle TUMORERKRANKUNG Antwort zu schwach Tumorzellen bleiben unerkannt Therapie: Zellen aktivieren AUTOIMMUNERKRANKUNG Antwort fehlgeleitet Abwehr richtet sich gegen den eigenen Körper Therapie: Zellen normalisieren DZ Dendritische Zelle zu schwach fehlgeleitet TUMORERKRANKUNG Antwort zu schwach — Tumorzellen bleiben unerkannt Therapie: Zellen aktivieren AUTOIMMUNERKRANKUNG Antwort fehlgeleitet — Abwehr richtet sich gegen den eigenen Körper Therapie: Zellen normalisieren
Ein Mechanismus, zwei Richtungen: Bei Tumorerkrankungen reagiert das Immunsystem zu schwach, bei Autoimmunerkrankungen fehlgeleitet — die dendritische Zelle (DZ), der Dirigent des Immunsystems, ist in beiden Fällen der Ansatzpunkt.

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Für welche Erkrankungen sie in Betracht kommt

Die immunologische Behandlung kommt grundsätzlich bei autoimmun bedingten Erkrankungen von Hund, Katze und Pferd in Betracht, insbesondere:

  • wenn Schübe trotz laufender Behandlung wiederkehren — die Erkrankung also unter Cortison oder anderen Immunsuppressiva nicht dauerhaft zur Ruhe kommt;
  • wenn die Dauermedikation schlecht vertragen wird und eine Perspektive gesucht wird, sie unter tierärztlicher Kontrolle reduzieren zu können;
  • ergänzend zur bestehenden Behandlung, um die Krankheitskontrolle zu unterstützen.

Behandelt wurden in der Praxis von Dr. Grammel unter anderem Patienten mit Erkrankungen der Haut (etwa Pemphigus), immunbedingten Erkrankungen der Blutzellen, Gelenkentzündungen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Ob die Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom Krankheitsbild, vom bisherigen Verlauf und vom Allgemeinbefinden ab — Befunde, Blutwerte und die Medikamentenhistorie genügen für eine erste Einschätzung.

Ablauf der Behandlung

Der Ablauf entspricht dem der Tumorbehandlung und findet vollständig beim vertrauten Haustierarzt statt — ohne Narkose, ohne Klinikaufenthalt: Blutentnahme in der Praxis, Abholung per gekühltem Expressversand, neun Tage Herstellung im Labor, anschließend die Injektion in die Haut. Üblich sind drei Applikationen im Abstand von jeweils vier Wochen; von der ersten Blutentnahme bis zum Abschluss vergehen damit etwa drei Monate. Bei chronischen Verläufen wird das weitere Vorgehen — etwa Auffrischungsbehandlungen — individuell mit dem behandelnden Tierarzt abgestimmt.

Zusammenspiel mit Cortison und Immunsuppressiva

Eine wichtige Frage vieler Halter gleich vorweg: Die laufende Medikation wird für die Behandlung nicht abgesetzt. Cortison (Prednisolon) und andere Immunsuppressiva sind gerade im akuten Schub oft unverzichtbar, und ein abruptes Absetzen kann gefährlich sein. Die dendritische Zelltherapie wird mit der bestehenden Behandlung kombiniert. Spricht der Patient an, kann der behandelnde Tierarzt prüfen, ob sich die Medikamente schrittweise reduzieren lassen — das ist ein häufiges Behandlungsziel, aber eine Entscheidung, die immer anhand des Verlaufs und nie pauschal getroffen wird.

Nebenwirkungen

Die Behandlung verwendet Zellen des eigenen Tieres. Beschrieben sind gelegentlich eine kurzzeitig erhöhte Körpertemperatur und eine leichte Abgeschlagenheit für ein bis zwei Tage nach der Injektion; beides wird als Zeichen der einsetzenden Immunreaktion gewertet und klingt in der Regel ohne Behandlung ab. Die rechtlichen Hinweise zu den Gesundheitsaussagen auf dieser Website gelten auch für diese Seite.

Studienlage

Ehrlichkeit gehört zur Beratung, deshalb in aller Klarheit: Die Behandlung von Autoimmunerkrankungen mit dendritischen Zellen ist ein junges Feld, und kontrollierte Studien an Hunden, Katzen und Pferden liegen bislang nicht in dem Umfang vor wie für die Tumorbehandlung. Die wissenschaftliche Grundlage kommt derzeit vor allem aus der Humanmedizin, wo sogenannte tolerogene dendritische Zellen in frühen klinischen Studien untersucht wurden — unter anderem bei der rheumatoiden Arthritis (Benham et al. 2015), beim Typ-1-Diabetes (Giannoukakis et al. 2011) und bei Morbus Crohn (Jauregui-Amezaga et al. 2015). Diese Studien waren in erster Linie Sicherheitsstudien; sie sprechen für eine gute Verträglichkeit des Ansatzes, Wirksamkeitsnachweise im großen Maßstab stehen noch aus.

In der eigenen Praxis konnte Dr. Grammel bei Autoimmunpatienten häufig gute Ergebnisse erzielen — mit einer Besserung des Allgemeinbefindens und einer Beruhigung der Schübe. Solche Behandlungserfahrungen ersetzen keine kontrollierte Studie; sie sind aber der Grund, warum die immunologische Behandlung bei geeigneten Patienten als Option angeboten wird. Wie einzelne Verläufe aussehen, zeigen künftig die Fallbeispiele.

Quellen

  • Benham H, Nel HJ, Law SC et al. (2015): Citrullinated peptide dendritic cell immunotherapy in HLA risk genotype-positive rheumatoid arthritis patients, Science Translational Medicine 7(290):290ra87
  • Giannoukakis N, Phillips B, Finegold D, Harnaha J, Trucco M (2011): Phase I (safety) study of autologous tolerogenic dendritic cells in type 1 diabetic patients, Diabetes Care 34(9), 2026–2032
  • Jauregui-Amezaga A, Cabezón R, Ramírez-Morros A et al. (2015): Intraperitoneal administration of autologous tolerogenic dendritic cells for refractory Crohn’s disease: a phase I study, Journal of Crohn’s and Colitis 9(12), 1071–1078
  • Tizard IR (2024): Veterinary Immunology, 11. Auflage, Elsevier, St. Louis, MO

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Häufige Fragen

Wie wirkt die dendritische Zelltherapie bei einer Autoimmunerkrankung?

Anders als bei der Tumorbehandlung sollen die dendritischen Zellen hier keine Abwehrreaktion anstoßen, sondern beruhigen: Sie werden im Labor so aufbereitet, dass sie auf eine Normalisierung der fehlgeleiteten Immunreaktion hinwirken. Die Behandlung nutzt damit denselben Mechanismus, über den der Körper gesundes Gewebe normalerweise vor der eigenen Abwehr schützt.

Für welche Autoimmunerkrankungen kommt die Behandlung infrage?

Grundsätzlich bei autoimmun bedingten Erkrankungen von Hund, Katze und Pferd — etwa bei Erkrankungen der Haut wie dem Pemphigus, bei immunbedingten Blutzell-Erkrankungen, Gelenkentzündungen oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Ob sie im Einzelfall sinnvoll ist, beurteilt das tierärztliche Team anhand der Befunde und des bisherigen Verlaufs.

Muss das Cortison für die Behandlung abgesetzt werden?

Nein. Die Behandlung kann mit der bestehenden Medikation kombiniert werden; ein eigenmächtiges Absetzen von Cortison oder anderen Immunsuppressiva wäre sogar gefährlich. Ob und in welchen Schritten die Medikamente im Verlauf reduziert werden können, entscheidet der behandelnde Tierarzt anhand des Ansprechens.

Wie läuft die Behandlung ab und wie lange dauert sie?

Der Ablauf entspricht dem der Tumorbehandlung: Blutentnahme beim Haustierarzt, neun Tage Herstellung im Labor, dann die Injektion in die Haut — üblich sind drei Applikationen im Abstand von jeweils vier Wochen, also rund drei Monate. Narkose oder Klinikaufenthalt sind nicht erforderlich.

Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Da mit körpereigenen Zellen behandelt wird, ist die Behandlung in der Regel gut verträglich. Beschrieben sind gelegentlich eine kurzzeitig erhöhte Körpertemperatur und leichte Abgeschlagenheit für ein bis zwei Tage nach der Injektion.

Was kostet die Behandlung?

Die Kosten sind mit denen einer längeren immunsuppressiven Behandlung vergleichbar; vor Behandlungsbeginn erhalten Sie ein individuelles schriftliches Angebot, das Sie auch bei Ihrer Tierkrankenversicherung einreichen können.

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