Toceranib (Palladia) bei Katzen mit Tumorerkrankungen
Bei Toceranibphosphat — Handelsname Palladia — handelt es sich um einen sogenannten Tyrosinkinasehemmer. Das sind Medikamente, die bestimmte Signalwege blockieren, über die Tumorzellen zum Wachstum angeregt werden und über die sich Tumoren neue Blutgefäße bilden.
Zugelassen ist der Wirkstoff für nicht operable Mastzelltumoren beim Hund. Darüber hinaus wird er beim Hund auch bei anderen Tumoren eingesetzt, etwa beim Sarkom der Analdrüsen oder beim Osteosarkom, also einem bösartigen Knochentumor. Breit angewendet wurde er zunächst vor allem in Nordamerika, inzwischen liegen auch aus anderen Erdteilen Erfahrungen vor.
Bei der Katze ist Toceranib nicht zugelassen. Es wird dort nur selten und versuchsweise zur Tumorbehandlung eingesetzt — also außerhalb der Zulassung und nach sorgfältiger Abwägung im Einzelfall. Diese Seite fasst zusammen, was über Wirkung und Verträglichkeit bei der Katze bekannt ist.
Wie Toceranib wirkt
Tyrosinkinasen sind Enzyme, die Wachstumssignale innerhalb der Zelle weiterleiten. Bei vielen Tumoren sind sie dauerhaft aktiviert, sodass die Zelle sich unkontrolliert teilt. Toceranib hemmt mehrere dieser Enzyme gleichzeitig — unter anderem den Rezeptor KIT, der beim Mastzelltumor eine zentrale Rolle spielt, sowie Rezeptoren, über die der Tumor die Neubildung von Blutgefäßen steuert.
Beim Hund werden unter der Behandlung normalerweise nur milde Nebenwirkungen berichtet, vor allem gastrointestinale Störungen wie Durchfall, Erbrechen und Übelkeit. Es wurden jedoch auch schwerere Nebenwirkungen beschrieben, zum Beispiel Leber- und Muskelschädigungen. Der Einsatz muss deshalb in jedem Fall genau abgewogen werden.
Die Untersuchung aus Liverpool
Forscher der Klinik für Kleintiere der Universität Liverpool sind der Frage nachgegangen, wie es um Verträglichkeit und Wirkung bei Katzen bestellt ist. Dafür wurden die Krankenunterlagen zahlreicher Katzen gesichtet und 14 Tiere in die Auswertung eingeschlossen.
Aufnahmekriterien waren, dass die Katze mindestens zwei Wochen lang Toceranib erhalten hatte und dass vergleichende Blutuntersuchungen von vor dem Behandlungsbeginn vorlagen. Die Mehrzahl der Tiere litt an Mastzelltumoren, andere hatten bösartige Tumoren des Epithels, also des Deckgewebes. Bei Behandlungsbeginn waren die Katzen im Durchschnitt etwa zehn Jahre alt. Sie erhielten dreimal wöchentlich eine Dosis von durchschnittlich 2,78 mg/kg Toceranibphosphat.
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Verträglichkeit und Nebenwirkungen bei der Katze
Bei 10 der 14 Katzen wurden Nebenwirkungen festgestellt. Im Vordergrund standen:
- Symptome einer Myelodepression, also einer Unterdrückung des Knochenmarks, mit entsprechenden Veränderungen im Blutbild
- gastrointestinale Erscheinungen, das heißt milde Magen-Darm-Symptome
- Veränderungen der Leberwerte
- zeitweise Erhöhungen der Nierenwerte
Besonders schwerwiegend war die Situation bei zwei der 14 Katzen: Sie entwickelten eine ausgeprägte Lebertoxizität, also eine Schädigung der Leber. Eine weitere Katze starb an Herzversagen; ein Zusammenhang mit Toceranib ließ sich hier allerdings nicht sicher herstellen.
Wirkung auf die Tumorerkrankung
Behandelt wurden vor allem Mastzelltumore und Epithelialtumoren. Die Tumoren sprachen folgendermaßen an:
- eine Katze zeigte eine vollständige Remission, also einen vollständigen Rückgang der Tumorerkrankung
- zwei Katzen zeigten eine teilweise Remission
- bei fünf Katzen kam die Erkrankung zum Stillstand, das Tumorgeschehen vergrößerte sich also zumindest nicht
Insgesamt hielt die Wirkung im Median 90 Tage an, also etwa drei Monate. Das ist der Zeitraum, den man bei einem Ansprechen in der Regel erwarten kann.
Im Gegensatz zu anderen Berichten zeigte sich in dieser Auswertung keine Wirkung bei Katzen mit einem Plattenepithelkarzinom. Wiles et al. haben den Einsatz von Toceranib beim oralen Plattenepithelkarzinom der Katze gesondert untersucht; die Datenlage zu dieser Indikation ist insgesamt dünn und uneinheitlich.
Kombination mit Meloxicam
Der gleichzeitige Einsatz von Meloxicam in niedriger Dosierung scheint nach einer Untersuchung von Keepman einen positiven Einfluss auf Tumorgröße, Lebensqualität und Schmerzempfinden der behandelten Katzen zu haben. Es handelt sich dabei um eine Phase-I-Studie zur Dosisfindung — belastbare Aussagen zur Wirksamkeit lassen sich daraus noch nicht ableiten.
Schlussfolgerungen
Zieht man diese Untersuchung heran, müssen behandelnder Tierarzt und Halter genau abwägen, ob die mögliche Gefahr für Knochenmark, Verdauungstrakt und vor allem Leber in Kauf genommen wird. Dem gegenüber steht eine Wirkung auf den Tumor, die man im Mittel über etwa drei Monate erwarten kann, und die bei einem Teil der Tiere ausbleibt.
Die Entscheidung ist damit keine rein medizinische, sondern immer auch eine Abwägung darüber, was Ihrer Katze in ihrer Situation zuzumuten ist. Regelmäßige Blutkontrollen, insbesondere der Leberwerte, gehören bei einer solchen Behandlung dazu.
Behandlung von Katzen ohne Toceranib
Als immunologische Behandlungsoption kommt bei tumorerkrankten Katzen die dendritische Zelltherapie in Betracht, zum Beispiel beim Mastzelltumor. Damit lassen sich kutane, also an der Haut gelegene Mastzelltumoren behandeln — vom einzelnen Tumor, etwa am Ohr, bis hin zum multizentrischen Geschehen an mehreren Stellen.
Die Therapie arbeitet mit körpereigenen Zellen und ist entsprechend schonend: Sie belastet Leber, Nieren und Knochenmark nicht und verbessert die Prognose hinsichtlich Lebensqualität und Lebenserwartung. Sie kann beim gewohnten Haustierarzt durchgeführt werden; die Kosten sind mit denen einer Chemotherapie vergleichbar und häufig günstiger. Welche Behandlung im Einzelfall die richtige ist, sollte mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden.
Quellen
Harper A, Blackwood L (2017): Toxicity and response in cats with neoplasia treated with toceranib phosphate, J Feline Med Surg 19(6):619–623, doi:10.1177/1098612X16643198
Wiles V et al. (2017): Retrospective evaluation of toceranib phosphate (Palladia) in cats with oral squamous cell carcinoma, J Feline Med Surg 19(2):185–193, doi:10.1177/1098612X15622237
Keepman S (2020): Safety evaluation of low dose meloxicam with toceranib phosphate (Palladia) in cancer bearing cats: a phase I dose-finding study, VCS Virtual Annual Conference 2020
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Häufige Fragen
Ist Toceranib (Palladia) für Katzen zugelassen?
Nein. Toceranibphosphat ist ein Tyrosinkinasehemmer und für nicht operable Mastzelltumoren beim Hund zugelassen. Bei der Katze wird er nur selten und versuchsweise eingesetzt — also außerhalb der Zulassung und nach sorgfältiger Abwägung im Einzelfall.
Wie wirkt Toceranib?
Tyrosinkinasen sind Enzyme, die Wachstumssignale innerhalb der Zelle weiterleiten; bei vielen Tumoren sind sie dauerhaft aktiviert. Toceranib hemmt mehrere dieser Enzyme gleichzeitig, unter anderem den Rezeptor KIT, der beim Mastzelltumor eine zentrale Rolle spielt, sowie Rezeptoren, über die der Tumor die Neubildung von Blutgefäßen steuert.
Welche Nebenwirkungen hat Toceranib bei der Katze?
In einer Untersuchung der Universität Liverpool traten bei 10 von 14 Katzen Nebenwirkungen auf, vor allem eine Myelodepression (Unterdrückung des Knochenmarks) und Magen-Darm-Beschwerden, dazu Veränderungen der Leberwerte und zeitweise erhöhte Nierenwerte. Bei zwei Katzen kam es zu einer schwerwiegenden Lebertoxizität; ein Todesfall durch Herzversagen ließ sich dem Wirkstoff nicht sicher zuordnen.
Wie gut wirkt Toceranib bei Katzen mit Tumorerkrankungen?
In der Untersuchung an 14 Katzen erreichte eine Katze eine vollständige Remission, also einen vollständigen Rückgang der Tumorerkrankung, zwei Katzen eine Teilremission; bei fünf Tieren kam die Erkrankung zum Stillstand. Angesprochen haben vor allem Mastzelltumore und Epithelialtumoren.
Wie lange hält die Wirkung von Toceranib bei Katzen an?
In der Untersuchung hielt die Wirkung im Median 90 Tage an, also etwa drei Monate. Das ist der Zeitraum, den man bei einem Ansprechen in der Regel erwarten kann — bei einem Teil der Tiere bleibt eine Wirkung ganz aus.
Wirkt Toceranib beim Plattenepithelkarzinom der Katze?
In der beschriebenen Auswertung zeigte sich — im Gegensatz zu anderen Berichten — keine Wirkung bei Katzen mit Plattenepithelkarzinom. Wiles et al. haben den Einsatz beim oralen Plattenepithelkarzinom gesondert untersucht; die Datenlage zu dieser Indikation ist insgesamt dünn und uneinheitlich.
Gibt es für Katzen eine Behandlung ohne Toceranib?
Als immunologische Behandlungsoption kommt die dendritische Zelltherapie in Betracht, etwa beim Mastzelltumor — vom einzelnen Tumor an der Haut bis hin zum multizentrischen Geschehen. Sie arbeitet mit körpereigenen Zellen, belastet Leber, Nieren und Knochenmark nicht und verbessert die Prognose hinsichtlich Lebensqualität und Lebenserwartung.