Milzentfernung beim Hund (Splenektomie)
Die Milz wird beispielweise bei einem Milztumor oder einem Milzriss entfernt, um eine Lebensgefahr auszuschließen. Ein Hund kann ohne seine Milz sehr gut weiterleben und hat nach der Entfernung eine normale Lebenserwartung. Dennoch bestehen Risiken bei der Milzentfernung, die zum Beispiel aufgrund einer Milzdrehung oder bei einem Milzriss auftreten. Die Kosten werden bei versicherten Tieren normalerweise von einer OP-Versicherung getragen.
Bei der Milzentfernung beim Hund — fachlich Splenektomie — handelt es sich um die vollständige operative Entfernung der Milz. Sie ist der Standardeingriff bei einer Umfangsvermehrung der Milz und zugleich der einzige Weg, die entscheidende Frage zu beantworten: ob die Veränderung gut- oder bösartig ist. Ein Hund kann ohne Milz gut weiterleben. Den Überblick über das Krankheitsbild gibt die Seite Milztumor beim Hund.
Wann die Milz entfernt wird
- Umfangsvermehrung der Milz — der häufigste Anlass. Da sich die Dignität, also die Frage gut- oder bösartig, vor der Entfernung nicht bestimmen lässt und auch gutartige Knoten einreißen können, wird in der Regel zur Operation geraten.
- Tumorbedingte Ruptur: Reißt ein Milztumor ein und blutet in die freie Bauchhöhle, beseitigt allein die Operation die Blutungsquelle — beschrieben auf der Seite Milztumor beim Hund geplatzt.
- Milzriss durch stumpfes Trauma, etwa nach einem Verkehrsunfall — siehe Milzriss beim Hund.
- Milzdrehung: Dreht sich die Milz um ihren Gefäßstiel, bricht ihre Durchblutung zusammen, meist als Folge einer Magendrehung. Ist das Gewebe nicht mehr ausreichend durchblutet, wird das Organ entfernt.
Warum das gesamte Organ entfernt wird
Eine naheliegende Frage lautet, warum nicht nur der Knoten herausgeschnitten wird. Dafür gibt es zwei Gründe.
Die Milz ist ein Gefäßorgan: Sie besteht im Wesentlichen aus einem weitmaschigen Netz blutgefüllter Räume und wird über den Milzstiel von mehreren großen Gefäßen versorgt. Eine Schnittfläche im Milzgewebe lässt sich deshalb nur schwer sicher verschließen — es droht eine Nachblutung. Zudem versorgen die Gefäße das Organ abschnittsweise; wird ein Ast unterbunden, verliert der zugehörige Bereich seine Durchblutung.
Hinzu kommt, dass Veränderungen der Milz häufig nicht nur an einer Stelle vorliegen: Knotige Hyperplasie und Hämangiosarkom treten oft mehrherdig auf, und kleine Herde entgehen der Beurteilung mit Auge und Hand. Bliebe Milzgewebe zurück, bliebe damit der Zweifel — und bei einem bösartigen Befund möglicherweise Tumorgewebe.
Ablauf des Eingriffs
Vor einer geplanten Operation stehen Ultraschall des Bauchraums, Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, ein Herzultraschall und ein Blutbild mit Gerinnungswerten. Auf eine Punktion oder Biopsie der Milz wird vor der Operation in der Regel verzichtet, weil die Blutungsgefahr zu hoch ist. Im Notfall entfällt ein Teil dieser Diagnostik; im Vordergrund stehen dann Kreislaufstabilisierung mit Infusionen, Schmerzmittel und gegebenenfalls eine Bluttransfusion.
Der Eingriff erfolgt in Vollnarkose über einen Bauchschnitt in der Mittellinie. Der Chirurg stellt den Milzstiel dar, unterbindet die zuführenden Gefäße — mit Ligaturen, Clips oder Gefäßversiegelungsgeräten — und löst das Organ heraus. Anschließend wird die Bauchhöhle systematisch abgesucht, auf Blutungsquellen und auf Veränderungen an Leber und Bauchnetz. Ein unkomplizierter Eingriff dauert in der Regel unter einer Stunde.
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Risiken der Milzentfernung
Die Splenektomie ist ein etablierter, aber kein risikofreier Eingriff. Drei Punkte stehen im Vordergrund:
- Blutung — während der Operation aus den Gefäßen des Milzstiels, danach als Nachblutung. Bei erheblichem Blutverlust kann eine Transfusion nötig werden; bei Stewart et al. (2020) erhielt knapp die Hälfte der Notfallpatienten eine solche.
- Herzrhythmusstörungen: In den Stunden bis Tagen nach dem Eingriff treten häufig ventrikuläre Arrhythmien auf, also Extraschläge, die von der Herzkammer ausgehen. Man nimmt an, dass Blutverlust, Sauerstoffmangel und Kreislaufveränderungen daran beteiligt sind. Meist bleiben sie folgenlos; deshalb wird nach der Operation überwacht und bei Bedarf ein EKG geschrieben.
- Narkoserisiko — es steigt mit Alter, Blutarmut, Schockzustand sowie Herz- und Nierenerkrankungen und lässt sich vor einem geplanten Eingriff durch Voruntersuchung und Kreislaufstabilisierung senken, im Notfall nur begrenzt.
Trotzdem ist eine verbreitete Fehlinformation zu korrigieren: Die Aussage, ein Hund überstehe eine solche Operation „in den meisten Fällen nicht”, ist falsch. In den prospektiven Untersuchungen von Stewart et al. lag das perioperative Überleben bei 93 bis 95 % — also der Anteil der Hunde, die Operation und Klinikaufenthalt bis zur Entlassung überstehen, Notfallpatienten eingeschlossen. Der Eingriff wird in aller Regel überstanden; entscheidend für die Prognose ist der histologische Befund.
Die pathologische Untersuchung
Die entnommene Milz gehört in die pathologisch-histologische Untersuchung — und zwar vollständig oder in ausreichend vielen, gezielt entnommenen Abschnitten, je nach Absprache mit dem Labor. Beides ist fachlich vertretbar; entscheidend ist, dass nicht nur eine einzelne Probe aus dem auffälligsten Knoten eingesandt wird.
Der Grund liegt in der Beschaffenheit des Gewebes: Gutartige und bösartige Abschnitte können in derselben Milz nebeneinander liegen, und beim Hämangiosarkom finden sich Tumorzellen oft in schmalen Randbereichen neben ausgedehnten Blutungs- und Nekrosezonen, also abgestorbenem Gewebe. Wird zu sparsam beprobt, kann ein bösartiger Befund übersehen werden.
Leben ohne Milz
Die Milz erfüllt drei Aufgaben. Sie filtert das Blut: Gealterte oder beschädigte rote Blutkörperchen werden dort abgebaut, ebenso Bakterien und Blutparasiten. Sie dient als Blutspeicher, aus dem bei Belastung oder Blutverlust rote Blutkörperchen in den Kreislauf abgegeben werden. Und sie ist Teil der Immunabwehr: In ihrem lymphatischen Gewebe reagieren Lymphozyten, eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, auf Erreger im Blut.
Fällt das Organ weg, übernehmen andere Gewebe diese Aufgaben weitgehend: Die Leber baut gealterte rote Blutkörperchen ab, das Knochenmark gleicht den Wegfall des Blutspeichers aus, und die Abwehraufgaben verteilen sich auf Lymphknoten, Leber und Knochenmark. Häufig zeigt sich vorübergehend eine Vermehrung der Blutplättchen (Thrombozytose), in der Regel ohne Krankheitswert. Verharmlosen sollte man den Verlust dennoch nicht: Es wird angenommen, dass Hunde ohne Milz gegenüber Blutparasiten empfindlicher sind — ein konsequenter Zeckenschutz erscheint deshalb sinnvoll. Belastbare Zahlen dazu liegen kaum vor.
Nachsorge
Klinikaufenthalt. Nach dem Eingriff bleibt der Hund in der Regel ein bis mehrere Tage in Überwachung: Kreislauf, Herzrhythmus, Schmerzbehandlung und der rote Blutfarbstoff werden kontrolliert, um eine Nachblutung früh zu erkennen.
Wundkontrolle. Die Bauchnaht wird täglich angesehen; Rötung, Schwellung, Nässen oder ein Auseinanderweichen der Wundränder gehören umgehend in tierärztliche Hand. Belecken muss zuverlässig verhindert werden. Hautfäden werden meist nach zehn bis vierzehn Tagen gezogen.
Belastungsaufbau. In den ersten zwei Wochen gilt Leinenzwang mit kurzen Spaziergängen; Springen, Treppensteigen und Toben sind zu vermeiden, damit die Bauchwand fest verheilt. Danach wird die Belastung schrittweise gesteigert, nach etwa vier Wochen ist die volle Belastbarkeit üblicherweise wiederhergestellt. Zurück in die Praxis führen erneute Schwäche, blasse Schleimhäute, ein zunehmender Bauchumfang, anhaltendes Erbrechen oder Fieber.
Kosten
Was der Eingriff kostet, hängt vom Aufwand ab — geplante Operation oder Notfall, Umfang der Voruntersuchungen, Narkosedauer, Bluttransfusion, Dauer der stationären Überwachung und die Untersuchung im Pathologielabor. Die Spannen und ihre Zusammensetzung sind auf der Seite zu den OP-Kosten beim Milztumor dargestellt.
Wie es nach dem Befund weitergeht
Bei gutartigem Befund — etwa knotiger Hyperplasie, Hämatom oder Hämangiom — ist der Hund mit der vollständigen Entfernung der Milz in der Regel geheilt, und die Lebenserwartung entspricht der eines gleichaltrigen gesunden Hundes. Eine weitere Tumorbehandlung ist nicht angezeigt; Näheres auf der Seite zum gutartigen Milztumor beim Hund.
Bei bösartigem Befund — meist ein Hämangiosarkom — ist die Prognose ungünstiger, weil dieser Tumor früh Tochtergeschwülste in anderen Organen bildet, bevorzugt in Leber, Bauchnetz und Lunge. Die Milzentfernung beseitigt den Ausgangstumor, nicht aber bereits gestreute Herde. Die Überlebenszeiten nach Stadien und die Frage nach einer Chemotherapie behandelt die Seite zur Lebenserwartung beim Milztumor.
Nach der vollständigen Entfernung und gesichertem bösartigem Befund ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Option, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren: Dendritische Zellen präsentieren anderen Abwehrzellen Merkmale des Tumors und richten die Abwehr dadurch auf ihn aus. Für das Hämangiosarkom der Milz im Stadium II berichten Spiller et al. (2024) bei 42 behandelten Hunden ein medianes Überleben von 203 Tagen, in der Teilgruppe mit mindestens drei Applikationen von 256 Tagen. Die Fallzahl ist klein und eine randomisierte Kontrollgruppe fehlt; ein Heilungsversprechen lässt sich daraus nicht ableiten.
Quellen
- Stewart SD et al. (2020): Prospective observational study of dogs with splenic mass rupture suggests potentially lower risk of malignancy and more favourable perioperative outcomes, Vet Comp Oncol, doi: 10.1111/vco.12621
- Stewart SD (2021): Two prospective trials demonstrate lower risk for malignancy in canine hemoperitoneum secondary to ruptured splenic tumors, Veterinary Cancer Society, Proceedings Virtual Conference 2021
- Kessler M (2022): Milztumoren des Hundes, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 515–523
- Kohn B, Schwarz G (2017): Praktikum der Hundeklinik, 12. Aufl., Stuttgart
- Spiller V, Vetter M, Dettmer-Richardt C, Grammel T (2024): Prospective study of successful autologous dendritic cell therapy in dogs with splenic stage II hemangiosarcoma, The Veterinary Journal 306:106196, doi: 10.1016/j.tvjl.2024.106196
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