Früherkennung des Hämangiosarkoms beim Hund

Die Früherkennung des Hämangiosarkoms beim Hund ist deshalb so schwierig, weil der Tumor lange keine Beschwerden verursacht: Wenn ein Hämangiosarkom klinisch auffällt, liegen häufig bereits Tochtergeschwülste vor. Seit einigen Jahren wird deshalb an Bluttests gearbeitet, die die Erkrankung erkennen sollen, bevor Symptome auftreten. Die Verfahren sind vielversprechend, aber noch jung — und ihre Verfügbarkeit hat sich zuletzt mehrfach geändert.

Inhaltsverzeichnis

Maschinelles Lernen: die Minnesota-Studie

Forscher des Animal Cancer Care and Research Program der University of Minnesota stellten 2020 auf der Jahrestagung der Veterinary Cancer Society ein Testverfahren vor, das hämangiosarkom-assoziierte Zellen im Blut mit Hilfe maschinellen Lernens erkennt (DePauw et al. 2020).

Trainiert wurde der Test an 125 Blutproben mit bekanntem Befund: 28 Hunde mit Hämangiosarkom, 29 mit anderen Krebsarten, 27 mit gutartigen Veränderungen und 41 gesunde Tiere. Anschließend wandten die Forscher das Verfahren prospektiv auf 209 klinisch gesunde Hunde der Rassen Golden Retriever, Boxer und Portugiesischer Wasserhund an. Für die Erkennung des Hämangiosarkoms wurden eine Spezifität von 95 % — also ein geringer Anteil falsch-positiver Ergebnisse — und eine Sensitivität von etwa 89 % berichtet. Bei einem Teil der Hunde, für die der Test eine Tumorerkrankung vorhersagte, wurde in der Folgezeit tatsächlich Krebs diagnostiziert.

Diese Ergebnisse gelten als Proof of Concept, also als Machbarkeitsnachweis: Sie stammen aus einer Kongresspräsentation und begleitenden Abstracts, eine vollständige, begutachtete Publikation der prospektiven Daten steht aus. Ob eine frühere Diagnose die Prognose tatsächlich verbessert, ist damit noch nicht belegt.

Verfügbarkeit kommerzieller Tests

Der Markt der Krebs-Früherkennungstests für Hunde ist in Bewegung:

  • OncoK9 (PetDx): Der 2021 eingeführte Liquid-Biopsy-Test — eine Blutuntersuchung auf Tumor-Erbgut — wurde im März 2024 eingestellt; das Unternehmen hat den Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen beendet. Der Test ist seither nicht mehr erhältlich.
  • K9-LiquiDX (CanCan Diagnostics): In Europa bietet die Ausgründung der Universität Edinburgh einen Liquid-Biopsy-Test zur Erkennung und Verlaufskontrolle von Tumorerkrankungen beim Hund an. Unabhängige, begutachtete Validierungsdaten speziell zum Hämangiosarkom sind bislang spärlich; wer den Test erwägt, sollte die Aussagekraft im Einzelfall mit der behandelnden Tierärztin oder dem behandelnden Tierarzt besprechen.

Unabhängig von kommerziellen Tests bleibt für Risikorassen — etwa Deutscher Schäferhund, Golden Retriever und Labrador Retriever — die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung mit Ultraschall des Bauchraums der praktisch wichtigste Weg, Veränderungen an Milz oder Leber früh zu entdecken.

Prognosemarker in der Forschung

Neben der Früherkennung wird an Markern gearbeitet, die den Verlauf einer bereits diagnostizierten Erkrankung vorhersagen sollen. So war in der Untersuchung von Gulay et al. (2022) eine hohe Expression des Enzyms KDM2B (Histon-Lysindemethylase 2B) im Tumorgewebe mit fortgeschrittenem Stadium und kürzerem Überleben verbunden. Praxisangebote der Labore gibt es dazu bislang nicht.

Einordnung für die Praxis

Bluttests zur Früherkennung des Hämangiosarkoms sind ein aktives Forschungsfeld mit ermutigenden ersten Daten — aber noch kein etablierter Standard. Ein unauffälliges Testergebnis schließt eine Erkrankung nicht aus, ein auffälliges beweist sie nicht; jedes positive Ergebnis erfordert eine bildgebende Abklärung. Für Hunde mit erhöhtem Risiko erscheint derzeit die Kombination aus regelmäßiger klinischer Vorsorge und — wo verfügbar und gewünscht — einem Bluttest der pragmatische Weg.

Quellen

  • DePauw T et al. (2020): Machine Learning for Early Detection of Hemangiosarcoma, Presentation, Veterinary Cancer Society Annual Conference 2020
  • Gulay KCM et al. (2022): The expression of histone lysine demethylase 2B in canine hemangiosarcoma is associated with disease progression, Vet Comp Oncol 20(2):529–534, doi: 10.1111/vco.12796

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