Hämangiosarkom der Haut beim Hund
Bei einem Hämangiosarkom der Haut beim Hund handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Blutgefäßzellen, der auf oder unter der Haut entsteht. Man spricht auch vom kutanen Hämangiosarkom — kutan bedeutet „die Haut betreffend”. Anders als die gefürchteten Hämangiosarkome der inneren Organe hat die auf die Haut beschränkte Form nach vollständiger chirurgischer Entfernung in vielen Fällen eine vergleichsweise günstige Prognose. Entscheidend ist die Tiefe: Je tiefer der Tumor sitzt, desto ungünstiger verläuft die Erkrankung in der Regel.
Inhaltsverzeichnis
- Formen nach Tiefe
- Ursachen und Risikofaktoren
- Symptome
- Diagnose
- Behandlung
- Prognose
- Fallbeispiele
- Quellen
Formen nach Tiefe
Beim Hämangiosarkom im Bereich der Haut werden drei Formen unterschieden:
- Dermal (kutan): Der Tumor ist auf die Haut selbst beschränkt. Diese Form hat die günstigste Prognose.
- Subkutan (hypodermal): Der Tumor sitzt in der Unterhaut. Die Metastasierungstendenz — also die Neigung, Tochtergeschwülste zu bilden — ist deutlich höher.
- Intramuskulär: Der Tumor wächst in der Muskulatur. Diese Form verhält sich am aggressivsten und ähnelt biologisch den Hämangiosarkomen der inneren Organe.
Wichtig ist außerdem die Abgrenzung in zwei Richtungen: Ein Knoten in der Haut kann auch ein gutartiges Hämangiom sein — und ein Hauttumor kann umgekehrt die Metastase eines inneren Hämangiosarkoms sein. Deshalb sollte immer der ganze Körper untersucht werden.
Ursachen und Risikofaktoren
Für das dermale Hämangiosarkom gilt die UV-Strahlung des Sonnenlichts als wesentlicher Risikofaktor. Betroffen sind bevorzugt kurzhaarige, hell oder dünn behaarte und wenig pigmentierte Hunde, und die Tumoren entstehen bevorzugt an sonnenexponierten, spärlich behaarten Stellen — typischerweise am Bauch und in der Leistengegend. In der Untersuchung von Szivek et al. (2012) an 94 Hunden mit dermalem Hämangiosarkom galten unter anderem Whippet, Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Italienisches Windspiel, Beagle und Dalmatiner als prädisponierte Rassen. Für die tiefer gelegenen Formen ist eine auslösende Ursache nicht bekannt.
Symptome
Das Hämangiosarkom der Haut macht sich in erster Linie örtlich bemerkbar:
- rötliche, blaurote bis schwarze Knoten oder Erhebungen in oder auf der Haut, oft nur wenige Millimeter groß
- teils mehrere Knoten gleichzeitig, vor allem am Bauch
- bei subkutanem Sitz eine weiche bis derbe Umfangsvermehrung unter der Haut, die von außen unauffällig sein kann
- Blutungsneigung: Die Knoten können aufbrechen und bluten
Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder blasse Schleimhäute sind bei der reinen Hautform selten; treten sie auf, muss an eine Beteiligung innerer Organe gedacht werden.
Diagnose
Ob es sich bei einer Hautveränderung um ein Hämangiosarkom handelt, lässt sich nur feingeweblich klären:
- Biopsie: Die Entnahme einer Gewebeprobe sichert die Diagnose und bestimmt die Tiefenausdehnung — die wichtigste prognostische Information.
- Ultraschall des Bauchraums und Herzultraschall: Sie klären, ob innere Organe — Milz, Leber, rechter Herzvorhof — beteiligt sind. Erst dieser Ausschluss macht aus dem Hautbefund eine „reine” Hautform.
- Röntgen des Brustkorbs: zur Suche nach Lungenmetastasen.
- Computertomographie (CT): bei größeren oder tief sitzenden Tumoren zur Operationsplanung und zur genauen Bestimmung der Ausdehnung.
Behandlung
Chirurgie ist die Behandlung der Wahl. Der Tumor wird vollständig und mit ausreichendem Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe entfernt; die Breite des Abstands richtet sich nach Lokalisation, Größe und Tiefe des Tumors. Ob die Entfernung vollständig gelungen ist, beurteilt die pathologische Untersuchung der Schnittränder.
Nach unvollständiger Entfernung oder bei tiefer sitzenden Formen kommen ergänzend in Betracht:
- Strahlentherapie: zur lokalen Behandlung des Operationsgebiets, wenn Tumorzellen verblieben sein könnten.
- Chemotherapie: vor allem bei subkutanen und intramuskulären Formen mit ihrem höheren Metastasierungsrisiko. Bei nicht resezierbaren subkutanen Hämangiosarkomen sprachen in der Untersuchung von Wiley et al. (2010) rund 39 % der Tumoren auf eine doxorubicinbasierte Chemotherapie an; die mediane Ansprechdauer war mit 53 Tagen allerdings kurz, und ein Überlebensvorteil ließ sich nicht belegen.
- Dendritische Zelltherapie: Nach der Operation ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien speziell zum Hämangiosarkom der Haut liegen bislang nicht vor; prospektive Daten existieren für das Hämangiosarkom der Milz (Spiller et al. 2024).
Prognose
Die Prognose hängt von der Tiefe ab. Für das auf die Haut beschränkte, chirurgisch entfernte Hämangiosarkom berichteten Szivek et al. (2012) eine mediane Überlebenszeit von 987 Tagen — also deutlich über zweieinhalb Jahren. Örtliche Rezidive, also das Wiederauftreten am Ort der Operation, und neue Hauttumoren an anderer Stelle sind allerdings häufig; regelmäßige Kontrollen sind deshalb wichtig. Subkutane und intramuskuläre Formen verlaufen ungünstiger, weil sie häufiger metastasieren — ihre Prognose nähert sich der des viszeralen Hämangiosarkoms an.
Fallbeispiele
Die folgenden Berichte schildern den Verlauf einzelner Patienten; allgemeine Aussagen zu Wirksamkeit oder Prognose lassen sich daraus nicht ableiten:
Quellen
- Szivek A et al. (2012): Clinical outcome in 94 cases of dermal haemangiosarcoma in dogs treated with surgical excision: 1993–2007, Vet Comp Oncol 10(1):65–73, doi: 10.1111/j.1476-5829.2011.00282.x
- Wiley JL et al. (2010): Efficacy of doxorubicin-based chemotherapy for non-resectable canine subcutaneous haemangiosarcoma, Vet Comp Oncol 8(3):221–233, doi: 10.1111/j.1476-5829.2010.00221.x
- Mullin C, Clifford CA (2020): Hemangiosarcoma, in: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.), Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 773–778
- Kessler M (2022): Hämangiom und Hämangiosarkom, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 327 ff.
- Spiller V, Vetter M, Dettmer-Richardt C, Grammel T (2024): Prospective study of successful autologous dendritic cell therapy in dogs with splenic stage II hemangiosarcoma, The Veterinary Journal 306:106196, doi: 10.1016/j.tvjl.2024.106196
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