Tumorerkrankung
Weichteilsarkom der Katze - wie teilt man die Tumoren ein?
Englische Forscher haben sich in einer Studie damit beschäftigt, Rasse-, Geschlechts- oder Altersvorkommen für Haut- und Unterhaut-Weichteilsarkome bei Katzen festzuhalten. Gleichzeitig sollten anatomische Lokalisationen aufgezeichnet werden. Das zweite Ziel der Untersuchung war es, klinische Ergebnisse zu erhalten und die histologischen Merkmale der Tumore zu bewerten. Dadurch sollte ein Grading System entwickelt werden, um für die Prognose wichtige Parameter zu identifizieren.
Um diese retrospektive Untersuchung zu machen wurden die Aufzeichnungen eines großen Referenzlabors nach Einsendungen von Katzenpatienten durchsucht, die von Januar 2012 bis Dezember 2013 mit einem Weichteilsarkom diagnostiziert wurden. Rasse, Alter, Geschlecht und Kastrationsstatus der Katze sowie die anatomische Lage des Tumors wurden erfasst. Die in der Haustierarztpraxis ermittelten klinischen Ergebnisse wurden mithilfe eines Fragebogens an die einsendenden Praxen erfasst. Anschließend wurden die histologischen Merkmale der Tumore der Patienten mit den Krankheitsverläufen abgeglichen.
Keine Prädispositionen in der Studie erkennbar
Bei den in die Untersuchung einbezogenen Katzen konnten keine Prädispositionen für das Geschlecht, den Kastrationsstatus oder die Rasse gefunden werden. Die meisten Weichteilsarkome treten bei Katzen mittleren und höheren Alters auf. Die häufigste anatomische Lokalisation war der Rumpf. 47 Fälle hatten einen bekannten klinischen Ausgang und Gewebeproben, die im Labor für eine histologische Beurteilung des Tumors zur Verfügung standen. 22 Katzen waren an den Folgen des Tumors verstorben, 25 an anderen Krankheitserscheinungen.
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Deutliche Unterschiede in den Überlebenszeiten je nach Grading
Signifikante Unterschiede in der medianen Überlebenszeit, dem Mitoseindex und dem histologischen Score konnten zwischen den Katzen festgestellt werden, die an einer tumorbedingten Erkrankung starben und denen, die nicht starben.
Ein neuartiges Grading System, das auf diese Tumore angewendet wurde, ergab signifikante Unterschiede in der medianen Überlebenszeit zwischen Katzen mit niedriggradigen (mediane Überlebenszeit = 900,5 Tage), mittelgradigen (514 Tage) und hochgradigen Tumoren (283 Tage).
Die Autoren wandten das folgende Grading System für Haut- und Unterhaut-Weichteilsarkome der in die Untersuchung einbezogenen Katzen an:
| Mitotischer Index | Anzahl Mitosen je Gesichtsfeld |
|---|---|
| 1 | 0-9 |
| 2 | 10 - 19 |
| 3 | ≥19 |
| Tumornekrose | Tumornekrose anteilig an Tumorfläche |
|---|---|
| 0 | Keine Nekrose |
| 1 | Bis zu 50 % |
| 2 | Mehr als 50 % |
| Entzündungsindex | |
|---|---|
| 1 | Keiner, minimal oder sehr gering |
| 2 | Gering bis mittel |
| 3 | Schwer |
| Histologischer Grad | Anzahl Punkte aus Mitotischem Index, Tumornekrose und Entzündungsindex |
|---|---|
| I. low grade (niedriggradig) | Bis zu 3 |
| II. intermediate grade (mittelgradig) | 4 oder 5 |
| III. high grade (hochgradig) | 6 und mehr |
Grading System - Hilfe für eine Prognosefindung für Katzen mit Weichteilsarkom
Das in dieser Studie erstmals für Weichteilsarkome der Haut und Unterhaut bei Katzen angewandte histologische Grading System, dieser häufigen Tumoren, ist eine gute prognostische Hilfe für den behandelnden Tierarzt und kann so in der Praxis angewendet werden.
Nitrini et al nennen Infrarot-Thermographie als eine Möglichkeit zwischen gut- und bösartigen Hautprozessen zu unterscheiden.
Ein lokal auftretendes Rezidiv ist häufig die Ursache für ein schlechtes Behandlungsergebnis bei Weichteilsarkomen. Eine metastatische Erkrankung wird eher selten gesehen. Deshalb ist eine Einteilung nach dem Grading System schon beim Primärtumor eine große Hilfe für die Prognosebestimmung in der täglichen Praxis. Das von den Forschern vorgeschlagene Grading System beinhaltet Merkmale, die auf den routinemäßig mit Hämatoxylin und Eosin gefärbten Schnitten beurteilt werden können, welche sowieso bei der Untersuchung im Labor festgestellt werden. Da - wie in der Studie gefunden - der histologische Grad des Tumors einen Hinweis auf die Überlebenszeit für die Katze bietet, sollte eine Bestimmung nach diesem Grading System regelmäßig durchgeführt werden.
Einen Überblick zu allen Formen finden Sie auf der Seite Tumore bei Katzen.
Quellen:
Liptak JM, Christensen NI (2020): Feline Sarcomas and Injection-Site Sarcomas in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO. 418-425
Nitrini AG et al. (2021): Thermographic assessment of skin and soft tissue tumors in cats, J Fel Med Surg, Vol. 23 (6) 513-518
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Häufige Fragen
Wie lange lebt eine Katze mit einem Weichteilsarkom?
Das hängt nach der zitierten englischen Studie wesentlich vom histologischen Grad des Tumors ab. Katzen mit niedriggradigen Haut- und Unterhaut-Weichteilsarkomen erreichten eine mediane Überlebenszeit von 900,5 Tagen, mit mittelgradigen Tumoren 514 Tage und mit hochgradigen Tumoren 283 Tage. Der histologische Grad bietet damit einen Hinweis auf die zu erwartende Überlebenszeit.
Was bedeutet das Grading beim Weichteilsarkom der Katze?
Das Grading ist eine feingewebliche Einstufung des Tumors, die aus drei Merkmalen errechnet wird: dem mitotischen Index (also der Zahl der Zellteilungen je Gesichtsfeld), dem Anteil der Tumornekrose (abgestorbenes Tumorgewebe) und dem Entzündungsindex. Aus der Punktsumme ergibt sich der histologische Grad: bis 3 Punkte niedriggradig (low grade), 4 oder 5 Punkte mittelgradig, 6 und mehr Punkte hochgradig. Beurteilt werden diese Merkmale an den routinemäßig mit Hämatoxylin und Eosin gefärbten Gewebeschnitten aus dem Labor.
Welche Katzen bekommen ein Weichteilsarkom?
In der Studie konnten keine Prädispositionen (also erkennbaren Anfälligkeiten) für Geschlecht, Kastrationsstatus oder Rasse gefunden werden. Die meisten Weichteilsarkome treten bei Katzen mittleren und höheren Alters auf; die häufigste anatomische Lokalisation war der Rumpf.
Streut ein Weichteilsarkom bei der Katze?
Eine metastatische Erkrankung, also eine Absiedlung von Tochtergeschwülsten, wird bei Weichteilsarkomen der Katze eher selten gesehen. Häufige Ursache für ein schlechtes Behandlungsergebnis ist stattdessen ein lokal auftretendes Rezidiv, das heißt ein Wiederauftreten des Tumors an derselben Stelle. Deshalb ist die Einteilung nach dem Grading System schon beim Primärtumor eine große Hilfe für die Prognosebestimmung.
Wie lässt sich erkennen, ob eine Hautveränderung der Katze gut- oder bösartig ist?
Grundlage ist die histologische, also feingewebliche Beurteilung einer Gewebeprobe im Labor, auf der auch das beschriebene Grading System beruht. Nitrini et al. nennen darüber hinaus die Infrarot-Thermographie (eine Wärmebildmessung) als eine Möglichkeit, zwischen gut- und bösartigen Hautprozessen zu unterscheiden.