Tumorerkrankung

Die Lebenserwartung bei Katzen mit einem Osteosarkom

Die Lebenserwartung bei Katzen mit einem Osteosarkom — dem häufigsten Knochenkrebs der Katze — ist deutlich besser, als viele Besitzer nach der Diagnose befürchten. Anders als beim Hund metastasiert das feline Osteosarkom seltener und später; nach einer vollständigen chirurgischen Entfernung sind Überlebenszeiten von mehreren Jahren möglich. Entscheidend sind die Lokalisation (der Sitz des Tumors), die Vollständigkeit der Entfernung und das Krankheitsstadium bei Diagnose.

Belegte Überlebenszeiten

Für das Osteosarkom der Gliedmaßen nach Amputation liegen mehrere Fallserien vor: Nakano et al. (67 Katzen) berichten eine mediane Überlebenszeit von 527 Tagen, Kimura et al. (76 Katzen mit primären Knochentumoren der Gliedmaßen) 469 Tage bei einer Ein-Jahres-Überlebensrate von 57 %. In der italienischen SIONCOV-Serie (Marconato et al., 56 Katzen) war die mediane Überlebenszeit der operierten Katzen bei Studienende noch nicht erreicht; ein und zwei Jahre nach der Diagnose lebten noch 66 % beziehungsweise 55 % der operierten Tiere — gegenüber 25 % und 0 % der unbehandelten. In älteren Serien überlebten amputierte Katzen im Median mehrere Jahre (Bitetto et al.: rund 49 Monate). Osteosarkome der Gliedmaßen verlaufen dabei günstiger als die des Stammskeletts: Heldmann et al. fanden mittlere Überlebenszeiten von 11,8 Monaten (appendikulär) gegenüber 6,1 Monaten (axial) — Letzteres vor allem, weil Tumoren an Schädel, Wirbelsäule oder Becken oft nicht vollständig entfernt werden können.

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Was die Prognose beeinflusst

Drei Faktoren wiegen am schwersten. Erstens die Vollständigkeit der Entfernung: Nach örtlicher Tumorentfernung ohne Amputation wurden Lokalrezidive (das Wiederauftreten am selben Ort) bei rund 44 % der Katzen beschrieben — die Amputation ist an den Gliedmaßen deshalb die sicherere Wahl. Zweitens Metastasen zum Zeitpunkt der Diagnose: In der Serie von Kimura et al. verkürzten bereits vorhandene Lungenmetastasen die mediane Überlebenszeit von 573 auf 152 Tage. Drittens die Lokalisation, wie oben beschrieben. Ein früher Behandlungsbeginn verbessert die Aussichten entsprechend.

Behandlung und Lebenserwartung

Die Therapie der Wahl ist die bestmögliche chirurgische Entfernung — an den Gliedmaßen in der Regel die Amputation, mit der Katzen erfahrungsgemäß sehr gut zurechtkommen. Eine adjuvante Chemotherapie wird bei der Katze bislang nicht routinemäßig empfohlen; ihr Stellenwert wird angesichts der höheren Metastasierungsraten in neueren Fallserien diskutiert. Bei nicht operierbaren Tumoren kann eine Kombination aus Schmerztherapie, gegebenenfalls Bestrahlung und Bisphosphonaten (Medikamenten, die den Knochenabbau hemmen) erwogen werden; belastbare Überlebensdaten gibt es für diesen Weg nicht.

Dendritische Zelltherapie

Nach der Amputation oder der bestmöglichen operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Osteosarkom der Katze liegen bislang nicht vor.

Quellen

Nakano Y et al. (2022): Outcome of appendicular or scapular osteosarcoma treated by limb amputation in cats: 67 cases (1997–2018). J Am Vet Med Assoc 260(S1):S24–S28.

Kimura S et al. (2026): Diagnosis and clinical outcome of cats with primary appendicular bone tumors: 76 cases. J Am Vet Med Assoc 264(8):1005–1013.

Marconato L et al. (2024): A retrospective Italian Society of Veterinary Oncology (SIONCOV) study of 56 cats with appendicular osteosarcoma. Vet Comp Oncol 22(2):198–203.

Heldmann E et al. (2000): Feline osteosarcoma: 145 cases (1990–1995). J Am Anim Hosp Assoc 36(6):518–521.

Bitetto WV et al. (1987): Osteosarcoma in cats: 22 cases (1974–1984). J Am Vet Med Assoc 190(1):91–93.

Kessler M (2022): Primäre Knochentumoren der Katze. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie. 4. Aufl., Stuttgart, 643–646.

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Häufige Fragen

Wie lange lebt eine Katze mit Osteosarkom nach einer Amputation?

Für das Osteosarkom der Gliedmaßen nach Amputation liegen mehrere Fallserien vor: Nakano et al. berichten eine mediane Überlebenszeit von 527 Tagen, Kimura et al. 469 Tage bei einer Ein-Jahres-Überlebensrate von 57 %. In der italienischen SIONCOV-Serie lebten ein beziehungsweise zwei Jahre nach der Diagnose noch 66 % und 55 % der operierten Tiere; in älteren Serien überlebten amputierte Katzen im Median mehrere Jahre (Bitetto et al.: rund 49 Monate). Überlebenszeiten von mehreren Jahren sind nach vollständiger chirurgischer Entfernung also möglich.

Wovon hängt die Lebenserwartung beim Osteosarkom der Katze ab?

Drei Faktoren wiegen am schwersten: erstens die Vollständigkeit der Entfernung — nach örtlicher Tumorentfernung ohne Amputation wurden Lokalrezidive (das Wiederauftreten am selben Ort) bei rund 44 % der Katzen beschrieben. Zweitens Metastasen zum Zeitpunkt der Diagnose: Bereits vorhandene Lungenmetastasen verkürzten in der Serie von Kimura et al. die mediane Überlebenszeit von 573 auf 152 Tage. Drittens die Lokalisation, also der Sitz des Tumors; ein früher Behandlungsbeginn verbessert die Aussichten entsprechend.

Ist ein Osteosarkom am Bein oder am Körperstamm gefährlicher?

Osteosarkome der Gliedmaßen verlaufen günstiger als die des Stammskeletts: Heldmann et al. fanden mittlere Überlebenszeiten von 11,8 Monaten bei Tumoren der Gliedmaßen (appendikulär) gegenüber 6,1 Monaten am Stammskelett (axial). Das liegt vor allem daran, dass Tumoren an Schädel, Wirbelsäule oder Becken oft nicht vollständig entfernt werden können.

Kommt meine Katze mit drei Beinen zurecht?

Ja, mit der Amputation kommen Katzen erfahrungsgemäß sehr gut zurecht; an den Gliedmaßen ist sie die sicherere Wahl, weil sie dem Lokalrezidiv vorbeugt. Nach der Amputation oder der bestmöglichen operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie — eine Immuntherapie mit körpereigenen Immunzellen — eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren; kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Osteosarkom der Katze liegen bislang allerdings nicht vor.

Hilft eine Chemotherapie beim Osteosarkom der Katze?

Eine adjuvante Chemotherapie (also eine unterstützende Chemotherapie nach der Operation) wird bei der Katze bislang nicht routinemäßig empfohlen. Ihr Stellenwert wird angesichts der höheren Metastasierungsraten in neueren Fallserien allerdings diskutiert — die Studienlage ist offen.

Was ist möglich, wenn der Tumor nicht operiert werden kann?

Bei nicht operierbaren Tumoren kann eine Kombination aus Schmerztherapie, gegebenenfalls Bestrahlung und Bisphosphonaten (Medikamenten, die den Knochenabbau hemmen) erwogen werden; belastbare Überlebensdaten gibt es für diesen Weg nicht. Zum Vergleich: In der SIONCOV-Serie lebte von den unbehandelten Katzen nach einem Jahr noch etwa ein Viertel, nach zwei Jahren keines der Tiere mehr.

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