Lupus erythematosus des Hundes
Beim Lupus erythematosus des Hundes handelt es sich nicht um eine einzelne Erkrankung, sondern um eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem bildet Autoantikörper — fehlgeleitete Abwehrstoffe — gegen körpereigene Eiweiße. Wie sich die Erkrankung äußert, hängt davon ab, gegen welche Strukturen sich diese Antikörper richten und welches Gewebe dadurch geschädigt wird.
Grundsätzlich werden zwei Gruppen unterschieden: die kutanen Formen, die auf die Haut beschränkt bleiben, und der systemische Lupus erythematosus, der mehrere Organsysteme betrifft — gegebenenfalls mit Hautbeteiligung. Diese Unterscheidung ist mehr als eine Formalie: Sie entscheidet über Diagnostik, Behandlung und Prognose.
Die Formen des kutanen Lupus im Überblick
Der kutane, also auf die Haut beschränkte Lupus erythematosus wird nach Art und Verteilung der Hautveränderungen in fünf Ausprägungen eingeteilt. Für die meisten von ihnen bestehen deutliche Rassedispositionen, also erkennbar erhöhte Anfälligkeiten bestimmter Rassen — ein Umstand, der in der Praxis oft den entscheidenden ersten Hinweis liefert.
| Form des kutanen Lupus erythematosus | Prädisposition | Lokalisation der Hautveränderungen | Art der Hautveränderungen |
|---|---|---|---|
| [vesikulär](/vesikulaere-form-des-kutanen-lupus-erythomatosus-beim-hund/ "vesikulärer kutaner lupus hund") | Collie-Artige, Shetland Sheepdog, Border Collie | Bauch, Achsel, Innenschenkel, seltener mukokutane Übergänge | Scharf begrenzte, runde bis flächige Erosionen mit gerötetem Rand |
| [exfoliativ](/exfoliativer-kutaner-lupus-erythematosus-des-hundes/ "exfoliativer kutaner Lupus Hund") | Deutsch Kurzhaar, Magyar Vizsla; überwiegend weibliche Tiere | Beginn an Schnauze, Rücken und Ohrmuschel, später Ausbreitung nach unten; 30 % mit Lymphknotenschwellung | Schuppenbildung, fleckiger Haarausfall, Keratinmanschetten um die Haarschäfte („follicular casts"), 25 % mit Krusten oder Geschwüren |
| [mukokutan](/mukokutaner-lupus-erythematosus-des-hundes/ "mukokutaner lupus hund") | rund die Hälfte Deutscher oder Belgischer Schäferhund; häufiger Hündinnen | After- und Dammregion, Genitalbereich, seltener Nasenspiegel, Lippen, Augenumgebung | Symmetrische, sehr schmerzhafte Erosionen; Abheilung ohne Narben |
| [fazial diskoid](/kutaner-diskoider-lupus-erythematosus-des-hundes/ "diskoider lupus hund") | Collie, Deutscher Schäferhund, Siberian Husky, Shetland Sheepdog; mehr Rüden | Nasenspiegel, Ausbreitung auf Schnauze, Lippen und Ohrmuschel möglich | Rötung, Pigmentverlust, Schuppen- und Krustenbildung |
| generalisiert diskoid | keine Geschlechtsbevorzugung | über den Körper verteilt, vor allem Hals, Rücken und seitlicher Brustkorb; 40 % mit Veränderungen an Genitale und Haut-Schleimhaut-Grenzen | Runde, „diskoide" Plaques mit haarlosem Zentrum und gerötetem Randsaum; Abheilung mit Narbenbildung |
Nach Klopfleisch (2020)
Die Unterformen unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern auch im Erkrankungsalter. Der vesikuläre Lupus trifft Hunde im Median mit etwa 5,5 Jahren, der mukokutane mit etwa 6 Jahren — der exfoliative dagegen sehr junge Hunde: In einer Übersichtsarbeit lag das mediane Alter bei Krankheitsbeginn bei nur 8 Monaten (Olivry et al. 2018).
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Wie der kutane Lupus entsteht
Am Anfang steht sehr wahrscheinlich ein Schaden an der Haut durch UV-Strahlung. Sonnenlicht veranlasst empfängliche Keratinozyten — die Zellen der Oberhaut — dazu, Zytokine zu bilden, also entzündungsfördernde Botenstoffe. Diese aktivieren die örtliche angeborene Abwehr. Über weitere Immunkaskaden entsteht ein Entzündungszyklus, der sich selbst immer weiter verstärkt.
Dabei geraten Bestandteile absterbender Hautzellen in die Umgebung und werden dem Immunsystem als Autoantigene präsentiert, also als körpereigene Strukturen, die fälschlich als fremd eingestuft werden. Das begünstigt die Bildung antinukleärer Antikörper — Autoantikörper, die sich gegen Bestandteile des Zellkerns richten. Feingeweblich zeigt sich das charakteristische Bild einer Interface-Dermatitis: eine Entzündung genau an der Grenzfläche zwischen Ober- und Lederhaut, mit Untergang der untersten Zelllage der Oberhaut.
Dass Sonnenlicht der Auslöser ist, hat eine unmittelbar praktische Folge: Konsequenter Sonnenschutz ist bei diesen Hunden kein Zusatz, sondern Teil der Behandlung.
Der systemische Lupus erythematosus
Der systemische Lupus erythematosus beginnt meist bei Hunden mittleren Alters und zeigt keine Geschlechtsbevorzugung. Anders als die kutanen Formen bleibt er nicht auf die Haut beschränkt, sondern kann eine Vielzahl von Organsystemen betreffen:
- Polyarthritis, also die Entzündung mehrerer Gelenke — häufig mit wechselnden Lahmheiten
- Glomerulonephritis, die Entzündung der Nierenkörperchen, mit Eiweißverlust über den Harn
- Veränderungen an Haut und Haut-Schleimhaut-Grenzen
- Vergrößerung der Lymphknoten
- Blutbildveränderungen wie Anämie und Mangel an Blutplättchen
Für die Einordnung als systemischer Lupus reicht ein einzelner auffälliger Befund nicht aus. Gefordert werden der sichere Nachweis antinukleärer Antikörper und die nachgewiesene Beteiligung mehrerer Organsysteme. Wie vielfältig das Spektrum dieser Autoantikörper ist und wie unterschiedlich aussagekräftig die einzelnen Zielstrukturen sind, hat Pisetsky (2019) für den systemischen Lupus zusammengefasst. Wechselnde Lahmheiten als führendes Zeichen finden sich auch bei der Lupus-Polyarthritis von Hund und Katze.
Der Weg zur Diagnose
Der Weg unterscheidet sich je nach vermuteter Form:
- Kutane Formen: Entscheidend ist die Hautbiopsie, also die feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe aus dem betroffenen Bereich. Der Nachweis antinukleärer Antikörper fällt hier in der Regel negativ oder nur schwach positiv aus und taugt deshalb nicht als Suchtest.
- Systemische Form: Hier steht der Nachweis antinukleärer Antikörper im Vordergrund, ergänzt um Blutbild, Organwerte, Harnuntersuchung, Gelenkpunktion und Bildgebung, um die betroffenen Organsysteme zu erfassen.
Zunächst müssen Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ähnliche Hautveränderungen verursachen — insbesondere die Pemphigus-Erkrankungen, bakterielle und pilzbedingte Hautinfektionen, Leishmaniose sowie Hautveränderungen durch Arzneimittel. Bis zur gesicherten Diagnose vergehen deshalb häufig mehrere Wochen.
Behandlung
Grundlage ist die Dämpfung der fehlgeleiteten Immunreaktion. Wie weitgehend sie ausfallen muss, hängt stark von der Form ab:
- Sonnenschutz bei allen kutanen Formen: Meiden der Mittagssonne, Sonnenschutzmittel für unpigmentierte Hautbezirke
- örtliche Behandlung mit Glukokortikoiden oder Calcineurin-Hemmern wie Tacrolimus bei umschriebenen Veränderungen
- Glukokortikoide zum Einnehmen, meist Prednisolon, bei ausgedehnten oder systemischen Verläufen
- steroidsparende Kombinationen: Tetrazyklin-Antibiotika zusammen mit Niacinamid, Ciclosporin, Azathioprin oder Hydroxychloroquin
- Retinoide bei stark schuppenden Formen
Die Behandlung muss in der Regel über Jahre oder lebenslang fortgeführt werden. Und genau hier liegt die eigentliche Herausforderung: Nicht die Erkrankung allein, sondern die Summe aus Erkrankung und Dauermedikation bestimmt am Ende, wie es einem Hund geht.
Deshalb lohnt der Blick auf ergänzende immunologische Behandlungswege. Bei der Behandlung mit dendritischen Zellen werden aus einer Blutprobe des Hundes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken. Sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken, und lassen sich mit der bestehenden Medikation kombinieren — mit dem Ziel, die notwendige Kortisondosis zu senken.
Prognose
Die Aussichten sind besser als der Name der Erkrankung vermuten lässt. Für die meisten kutanen Unterformen gilt die Prognose nach gesicherter Diagnose als gut; beim vesikulären Lupus erreichten in einer Auswertung rund zwei Drittel der Hunde eine vollständige oder nahezu vollständige Rückbildung der Veränderungen.
Eine Ausnahme bildet der exfoliative kutane Lupus des Deutsch Kurzhaars und des Magyar Vizsla: Er spricht auf die verfügbaren Behandlungen nur begrenzt an und hat unter den kutanen Formen die ungünstigste Prognose. Der systemische Lupus wiederum richtet sich in seinem Verlauf danach, welche Organe betroffen sind — eine Nierenbeteiligung ist dabei der wichtigste ungünstige Faktor.
Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.
Quellen
Tizard IR (2023): Cutaneous (Discoid) Lupus Erythematosus. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 198–199
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Häufige Fragen
Was ist Lupus erythematosus beim Hund?
Der Lupus erythematosus des Hundes ist keine einzelne Erkrankung, sondern eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, bei denen sich Autoantikörper gegen körpereigene Eiweiße richten. Unterschieden werden Formen, die auf die Haut beschränkt bleiben (kutaner Lupus), und der systemische Lupus, der mehrere Organsysteme betrifft — vor allem Gelenke, Nieren, Blutbild und Haut.
Welche Formen des kutanen Lupus gibt es beim Hund?
Fünf: die vesikuläre, die exfoliative, die mukokutane sowie die fazial diskoide und die generalisiert diskoide Form. Für die meisten bestehen deutliche Rassedispositionen — Collie-artige Hunde bei der vesikulären Form, Deutsch Kurzhaar und Magyar Vizsla bei der exfoliativen, Deutscher und Belgischer Schäferhund bei der mukokutanen Form. Auch das Erkrankungsalter unterscheidet sich deutlich: Der exfoliative Lupus trifft sehr junge Hunde, im Median mit etwa 8 Monaten.
Welche Rolle spielt Sonnenlicht beim kutanen Lupus?
Am Anfang steht sehr wahrscheinlich ein Schaden an der Haut durch UV-Strahlung: Sonnenlicht veranlasst empfängliche Zellen der Oberhaut, entzündungsfördernde Botenstoffe zu bilden, woraus ein sich selbst verstärkender Entzündungszyklus entsteht. Daraus folgt unmittelbar praktisch: Das Meiden der Mittagssonne und Sonnenschutz für unpigmentierte Hautbezirke sind kein Zusatz, sondern Teil der Behandlung.
Welche Symptome zeigt der systemische Lupus erythematosus beim Hund?
Der systemische Lupus beginnt meist bei Hunden mittleren Alters und zeigt keine Geschlechtsbevorzugung. Auftreten können eine Polyarthritis (Entzündung mehrerer Gelenke) mit wechselnden Lahmheiten, eine Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen) mit Eiweißverlust über den Harn, Veränderungen an Haut und Haut-Schleimhaut-Grenzen, Lymphknotenschwellungen sowie Blutbildveränderungen.
Wie wird Lupus beim Hund diagnostiziert?
Bei den kutanen Formen ist die Hautbiopsie entscheidend; der Nachweis antinukleärer Antikörper fällt hier meist negativ oder nur schwach positiv aus und taugt nicht als Suchtest. Beim systemischen Lupus ist es umgekehrt: Gefordert sind der sichere Nachweis antinukleärer Antikörper und die Beteiligung mehrerer Organsysteme, erfasst über Blutbild, Organwerte, Harnuntersuchung, Gelenkpunktion und Bildgebung.
Wie wird Lupus beim Hund behandelt?
Bei umschriebenen Hautveränderungen genügen oft Sonnenschutz und eine örtliche Behandlung mit Glukokortikoiden oder Tacrolimus. Bei ausgedehnten oder systemischen Verläufen kommen Glukokortikoide zum Einnehmen hinzu, kombiniert mit steroidsparenden Mitteln wie Tetrazyklin und Niacinamid, Ciclosporin, Azathioprin oder Hydroxychloroquin. Ergänzend kann eine Behandlung mit toleranzfördernden dendritischen Zellen dazu beitragen, die notwendige Kortisondosis zu senken.
Ist Lupus beim Hund heilbar?
Eine dauerhafte Heilung ist die Ausnahme; die Behandlung muss in der Regel über Jahre oder lebenslang fortgeführt werden. Die Aussichten sind dennoch besser als der Name vermuten lässt: Für die meisten kutanen Formen gilt die Prognose nach gesicherter Diagnose als gut. Ausnahmen sind der exfoliative kutane Lupus, der nur begrenzt auf Behandlung anspricht, und der systemische Lupus mit Nierenbeteiligung.