Tumorerkrankung

Das Myelom von Hund und Katze

Für die Besitzer eines Hundes oder einer Katze ist es wichtig, die bei einem Myelom auftretenden Krankheitserscheinungen richtig zu deuten:

Multiple Myelome sind selten bei Tieren, sie machen weniger als 1 % der Tumorerkrankungen aus. Allerdings sind sie für 8 % der Tumoren des blutbildenden Systems und rund 4 % der primären und sekundären Knochentumoren verantwortlich. Ältere Hunde mit einem Durchschnittsalter zwischen 9 und 10 Jahren (mit einer Altersspanne von 3 bis 14 Jahren) erkranken am multiplen Myelom. In einigen Untersuchungen scheinen Deutsche Schäferhunde gehäuft im Krankengut aufzutreten.

Bei Katzen ist das prozentuale Vorkommen des multiplen Myeloms nicht bekannt, es ist hier eine seltenere Erkrankung als beim Hund. Es wurde bei Katzen im Alter von 12 bis 15 Jahren gefunden.

Entstehung von Myelomerkrankungen

Myelom-bedingte Störungen entstehen, wenn sich eine Plasmazelle oder eine Immunglobulin-produzierende B-Lymphozyten-Vorläuferzelle umwandelt und proliferiert, um eine klonale neoplastische Population ähnlicher Zellen zu bilden. Man geht davon aus, dass diese Population in den meisten Fällen monoklonal ist (d.h. von einer Einzelzelle abstammt), da sie typischerweise homogenes Immunglobulin produzieren. In seltenen Fällen gibt es aber auch Beispiele für biklonale und polyklonale Neoplasien.

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Welche wichtigen klinischen Veränderungen und Erfahrungen gibt es beim Myelom von Hund und Katze?

  • klonale neoplastische Formen von Plasmazellen;
  • sie umfassen multiples Myelom, extramedulläres Plasmozytom, Makroglobulinämie (Waldenströmsche Krankheit und plasmazelluläre Leukämie);
  • Hunde und Katzen mit einem multiplen Myelom haben eine große Menge an klinischen Erscheinungen und klinisch-pathologischen Veränderungen, die aus der Zirkulation von großen Mengen an veränderten Zellen, aber auch von der Organ- oder Knocheninfiltration durch neoplastische Zellen herrühren;
  • die Diagnose eines multiplen Myeloms erfolgt anhand von Knochenmarksuntersuchungen oder einer Plasmozytose eines inneren Organs, dem Vorhandensein von Knochenmarksläsionen und des Vorkommens von Myelom-Proteinen im Blutserum oder Urin (sogenannte M-Komponente - Anzeichen für Monoklonalität);
  • die meisten Hunde (mehr als 80 %) reagieren auf eine Behandlung mit Melphalan und Prednisolon und erfreuen sich anhaltender Remissionen der Erkrankung. Es wird eine mittlere Überlebenszeit von 1,5 bis 2,5 Jahren berichtet. Bei den meisten Katzen (ungefähr 50 bis 80 %) führt eine Chemotherapie, in diesem Fall mit Cyclophosphamid und Prednisolon, zu einer positiven klinischen Reaktion. Leider hält dieser Erfolg deutlich kürzer an mit Überlebenszeiten zwischen 4 und 13 Monaten;
  • Solitäre knöcherne und orale Plasmozytome und Hautplasmozytome können durch chirurgische Entfernung geheilt werden;
  • Hautveränderungen einer Plasmozytose dagegen, die in hoher Anzahl angetroffen werden, müssen wie ein multiples Myelom als eine aggressive Erkrankung angesehen werden;
  • Lokale Veränderungen, die sich nicht in Haut und Oralbereich befinden, können zunächst auf den Erkrankungsbereich beschränkt sein und damit auch lokal behandelt werden (z.B. mit Chirurgie oder Bestrahlung). Es kann allerdings immer zu einer systemischen Ausbreitung kommen, deshalb sollten regelmäßige Nachuntersuchungen erfolgen.

Krankheitssymptome beim Myelom

Erste klinische Erscheinungen können bis zu einem Jahr vor der (endgültigen) Diagnose eines malignen Myeloms bei den Tieren gefunden werden. Dabei kommen die Veränderungen in unterschiedlicher Frequenz bei Hund und Katze vor:

1. Klinische Anzeichen eines multiplen Myeloms beim Hund

Beschriebenes KrankheitsymptomBeobachtete Häufigkeit
Lethargie und Schwäche58 %
Fressunlust und Gewichtsabnahme36 %
Lahmheit35 %
Blutungsneigung28 %
Abnorme Befunde am Fundus und übrigen Auge32 %
Polyurie/Polydipsie30 %
Ausfallserscheinungen ZNS8 %

2. Klinische Anzeichen eines multiplen Myeloms der Katze

Beschriebene KrankheitssymptomeBeobachtete Häufigkeit
Lethargie und Schwäche40 - 100 %
Futterverweigerung33- 100 %
Blasse Schleimhäute30 - 100 %
Polyurie/Polydipsie13 - 40 %
Erbrechen/Durchfall10 - 30 %
Austrocknung20 - 33 %
Tastbare Organvergrößerung20 - 25 %
Lahmheit7 - 25 %
Herzgeräusch0 - 45 %
Hinterhandparese/-paralyse0 - 45 %
Blutungsneigung0 - 40 %
Zentralnervöse Symptome13 - 30 %
Gleichzeitig plasmazellulärer Tumor der Haut0 - 30 %
Veränderungen des Fundus und im Auge13 - 33 %
Lymphadenopathie0 - 10 %

Diagnose des multiplen Myeloms

Am häufigsten wird das multiple Myelom anhand der bei der mikroskopischen Untersuchung gefundenen Veränderungen bei Knochenmarksschnitten in punkto einer Plasmozytose und durch das im Röntgenbild mit dem Vorhandensein von osteolytischen Prozessen an den Knochen erkannt. Weiterhin kann das Vorkommen des M-Proteins im Blutserum oder Urin nachgewiesen werden. Dazu sollten die einschlägigen Blut- und Urinuntersuchungen durchgeführt werden.

Durch die immunhistochemische und molekulare Diagnostik kann eine feinere Unterscheidung der Gewebestrukturen erreicht werden. Die Untersuchung mit Ultraschall kann die Beteiligung von Bauchorganen (Anschwellung von Leber und/oder Milz) und die Beteiligung von Lymphknoten nachweisen. Röntgenaufnahmen zeigen das Ausmaß der Veränderungen und die Auflösungserscheinungen an den Knochen.

Behandlung des multiplen Myeloms

Nach der eindeutigen Diagnose wird normalerweise eine Chemotherapie vorgeschlagen, die die vorhandene Tumorbürde verringert. Dabei reagieren Hunde besser und länger auf diese Behandlungsform. Die Reaktion auf die Behandlung wird danach bewertet, wie gut die Krankheitssymptome (Lahmheit, Knochenläsionen, Organvergrößerungen) zurückgedrängt werden. Zu einem völligen Verschwinden des multiplen Myeloms kommt es normalerweise nicht.

Teddy et al. berichten dabei über ein Behandlungsprotokoll beim multiplen Myelom mit wiederholten Zyklen von Melphalan in der Dosierung “10 Tage Behandlung anschließend 10 behandlungsfreie Tage” (10/10), das am Veterinary College der Cornell University eingesetzt wurde. Bei den daraus entwickelten Behandlungsversuchen hat sich diese 10/10 Dosierung als genauso effektiv wie die tägliche Gabe von Melphalan erwiesen. Über die Behandlung eines Myeloms bei einer Katze wird hier berichtet: https://todaysveterinarynurse.com/articles/multiple-myeloma-in-a-cat/

Vorhandene Störungen (Hyperkalzämie, Nierenschädigungen) müssen symptomatisch behandelt werden. Insgesamt muss im Krankheitsprozess immer wieder nachgesteuert werden. Einen anderen Behandlungsansatz verfolgten Ciccarelli et al. von der Universität Bari. Sie setzten sehr erfolgreich Thalidomid zur Behandlung des multiplen Myeloms ein.

Immunologische Ansätze beim Myelom

Aus der Tiermedizin liegen zur immunologischen Behandlung des multiplen Myeloms bislang keine veröffentlichten Studien vor. Aus der Humanmedizin gibt es dagegen Erfahrung: Verheye et al. fassen zusammen, dass Impfungen mit dendritischen Zellen bei Myelompatienten sicher und durchführbar sind und eine Abwehrreaktion gegen den Tumor auslösen, dass dauerhafte klinische Erfolge bislang aber begrenzt geblieben sind.

Mit der dendritischen Zelltherapie konnten wir in jüngerer Zeit bei polyklonalen Myelomen – also den seltenen Formen, bei denen die entarteten Plasmazellen nicht auf eine einzige Ursprungszelle zurückgehen – interessante Behandlungsverläufe beobachten. Die vorhandenen Untersuchungs- und Behandlungsunterlagen werden von unserem Team derzeit sehr genau studiert, um dazu eine fundierte Aussage treffen zu können. Belastbare Angaben zu Ansprechraten oder Überlebenszeiten lassen sich daraus bislang nicht ableiten.

Die Prognose beim multiplen Myelom von Hund und Katze

Unter den geschilderten Maßnahmen zeigen die Hunde eine gute Lebensqualität und eine mittlere Überlebenszeit von 540 bis über 600 Tagen. Es wird dabei von Ein-, Zwei- und Dreijahresüberlebenszeiten von 81, 55 und 33 % berichtet. Dennoch ist das multiple Myelom eine grundsätzlich tödlich verlaufende Erkrankung bei Hund und Katze. Und bei der Katze müssen zudem noch weitaus kürzere mittlere Überlebenszeiten in Kauf genommen werden. Dies umso mehr, da die Tiere häufig immunologisch beeinträchtigt erscheinen und deshalb immer wieder krankheitsanfällig sind.

Quellen:

Teddy L (2020): Cyclical 10-day-dosing of melphalan for the treatment of canine myeloma, Virtual Annual Conference, VCS 2020

Teddy L (2023): Cyclical 10-day dosing of melphalan for canine multiple myeloma, https://doi.org/10.1111/vco.12916

Vail DM (2020): Myeloma-related Disorders in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 739-748

Schmidt JM, Meichner K (2022): Multiples Myelom und andere Plasmazelltumoren in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., 802- 809

Ciccarelli S et al. (2025): Preliminary Evaluation of Thalidomide as a Rescue Therapy for Canine Multiple Myeloma, Poster, Esvonc Conference, 2025

Ciccarelli S et al (2026): Thalidomide as a rescue protocol for treatment of multiple myeloma in dogs:
preliminary data from a multicentre retrospective study, https://doi.org/10.3389/fvets.2025.1695122

Verheye E et al. (2022): Dendritic Cell-Based Immunotherapy in Multiple Myeloma: Challenges, Opportunities, and Future Directions, Int J Mol Sci 23(2):904, https://doi.org/10.3390/ijms23020904

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Häufige Fragen

Wie häufig ist das multiple Myelom bei Hund und Katze?

Multiple Myelome sind selten bei Tieren, sie machen weniger als 1 % der Tumorerkrankungen aus, sind aber für 8 % der Tumoren des blutbildenden Systems und rund 4 % der Knochentumoren verantwortlich. Betroffen sind ältere Hunde mit einem Durchschnittsalter zwischen 9 und 10 Jahren; Deutsche Schäferhunde scheinen in einigen Untersuchungen gehäuft aufzutreten. Bei Katzen ist die Erkrankung noch seltener als beim Hund und wurde im Alter von 12 bis 15 Jahren gefunden.

Welche Symptome zeigt ein Hund mit multiplem Myelom?

Am häufigsten werden Lethargie und Schwäche (58 %), Fressunlust und Gewichtsabnahme (36 %), Lahmheit (35 %), Veränderungen am Auge (32 %), vermehrtes Trinken und Harnabsatz (Polyurie/Polydipsie, 30 %) sowie eine Blutungsneigung (28 %) beobachtet. Erste klinische Erscheinungen können bereits bis zu einem Jahr vor der endgültigen Diagnose auftreten.

Wie wird ein multiples Myelom bei Hund und Katze festgestellt?

Am häufigsten wird die Diagnose über die mikroskopische Untersuchung des Knochenmarks (Nachweis einer Plasmozytose, also einer Vermehrung von Plasmazellen) und über Röntgenbilder mit osteolytischen, das heißt knochenauflösenden Veränderungen gestellt. Zusätzlich kann das sogenannte M-Protein, ein von den Tumorzellen gebildetes Eiweiß, im Blutserum oder Urin nachgewiesen werden. Ultraschalluntersuchungen zeigen eine Beteiligung von Bauchorganen wie Leber und Milz sowie von Lymphknoten.

Wie wird das multiple Myelom bei Hund und Katze behandelt?

Nach eindeutiger Diagnose wird in der Regel eine Chemotherapie vorgeschlagen, die die Tumorbürde verringert; zu einem völligen Verschwinden der Erkrankung kommt es normalerweise nicht. Mehr als 80 % der Hunde reagieren auf eine Behandlung mit Melphalan und Prednisolon mit anhaltenden Remissionen, bei Katzen führt eine Chemotherapie mit Cyclophosphamid und Prednisolon in ungefähr 50 bis 80 % der Fälle zu einer positiven Reaktion. Begleitende Störungen wie Hyperkalzämie (erhöhter Kalziumspiegel) oder Nierenschädigungen müssen symptomatisch behandelt werden; als weiterer Ansatz wurde Thalidomid erfolgreich eingesetzt.

Kommt beim Myelom auch eine Immuntherapie infrage?

Veröffentlichte tiermedizinische Studien zur immunologischen Behandlung des multiplen Myeloms gibt es bislang nicht; aus der Humanmedizin ist bekannt, dass Impfungen mit dendritischen Zellen gut vertragen werden, anhaltende klinische Erfolge dort aber begrenzt blieben. Bei den seltenen polyklonalen Myelomen werten wir derzeit eigene Behandlungsverläufe mit der dendritischen Zelltherapie aus. Belastbare Aussagen zu Ansprechraten oder Überlebenszeiten stehen noch aus.

Wie lange lebt ein Hund mit multiplem Myelom?

Unter der Behandlung zeigen Hunde eine gute Lebensqualität und eine mittlere Überlebenszeit von 540 bis über 600 Tagen; berichtet werden Ein-, Zwei- und Dreijahresüberlebensraten von 81, 55 und 33 %. Bei Katzen hält der Behandlungserfolg deutlich kürzer an, mit Überlebenszeiten zwischen 4 und 13 Monaten.

Ist das multiple Myelom bei Hund und Katze heilbar?

Das multiple Myelom ist eine grundsätzlich tödlich verlaufende Erkrankung bei Hund und Katze, die Behandlung zielt auf ein Zurückdrängen der Krankheitssymptome. Eine Ausnahme bilden Hautplasmozytome und einzelne orale extramedulläre Plasmozytome (Plasmazelltumoren außerhalb des Knochenmarks), die durch chirurgische Entfernung geheilt werden können. Treten Hautveränderungen dagegen in hoher Anzahl auf, müssen sie wie ein multiples Myelom als aggressive Erkrankung angesehen werden.

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