Zeckenbefall beim Hund kann Nierenprobleme verursachen
Bei den sogenannten Zeckenkrankheiten handelt es sich um Infektionen, die über den Stich einer Zecke auf den Hund übertragen werden — allen voran die Borreliose und die Ehrlichiose, eine Erkrankung der weißen Blutzellen. Dass diese Infektionen den Hund noch Jahre später belasten können, zeigen zwei Auswertungen aus den USA: Beide fanden bei Hunden mit durchgemachter Zeckenkrankheit deutlich häufiger eine chronische Nierenerkrankung.
Wie wurde untersucht?
Ausgewertet wurden die Krankengeschichten von Hunden, die nachweislich mit den Erregern in Kontakt gekommen waren, also Antikörper gegen Borrelien beziehungsweise Ehrlichien im Blut trugen. Grundlage waren mehrere hunderttausend Blutproben aus US-amerikanischen Laboren. Bei diesen Tieren wurden im späteren Lebensalter wiederholt Blut- und Urinwerte kontrolliert, um eine Gefährdung der Nieren als Folge des Zeckenbefalls abzuklären.
Genutzt wurde dabei der in der Tiermedizin relativ neue Biomarker SDMA (symmetrisches Dimethylarginin) für die Nierenfrühdiagnostik — ein Wert, der eine nachlassende Nierenleistung deutlich früher anzeigt als das länger bekannte Kreatinin. Beide Marker wurden über einen längeren Zeitraum gemeinsam beobachtet.

Zeckenkrankheiten gefährden die Nieren
Die Ergebnisse lassen aufhorchen. Hunde, die Antikörper gegen Borrelien zeigten, hatten nach der Auswertung von Drake et al. ein um rund 43 % höheres Risiko, eine chronische Nierenerkrankung zu entwickeln (relatives Risiko 1,43). Noch deutlicher fiel das Ergebnis bei Hunden aus, die mit Ehrlichien in Kontakt gekommen waren: In der Untersuchung von Burton et al. war ihr Risiko in Gebieten, in denen die Ehrlichiose verbreitet ist, um rund 112 % erhöht — das relative Risiko lag bei 2,12, das Risiko war also gut doppelt so hoch wie bei nicht betroffenen Tieren.
Wichtig für die Einordnung: Beide Studien zeigen einen statistisch belegten Zusammenhang zwischen Zeckenkrankheit und chronischer Nierenerkrankung. Ein Beweis für Ursache und Wirkung ist das nicht — darauf weisen die Untersucher selbst ausdrücklich hin. Für die Praxis bleibt der Befund dennoch bedeutsam: Diese Hunde gehören zur Risikogruppe und sollten entsprechend beobachtet werden.
Wie muss ich als Besitzer handeln?
Der Ratschlag der Untersucher lautet: Bei Hunden, die in früheren Jahren von einer Zeckenkrankheit betroffen waren, sollten mindestens bei der jährlichen tierärztlichen Routineuntersuchung die Blut- und Harnwerte bestimmt werden. So lässt sich eine beginnende Gefährdung der Nieren früh erkennen und gegensteuern — und genau darin liegt der Nutzen: Eine chronische Nierenerkrankung, die früh auffällt, lässt sich über Ernährung und Behandlung deutlich besser begleiten als eine, die erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkt wird.
Vorbeugen gegen Zecken
- Denken Sie früh an die Vorbeugung und vertrauen Sie nicht allein auf Hausmittel, sondern sprechen Sie intensiv mit Ihrem Haustierarzt. Am besten ist die Vorbeugung schon beim ersten Besuch in der Praxis ein Thema.
- Besondere Vorsicht gilt bei einer Auslandsreise: Welche Erreger im Zielgebiet vorkommen, sollten Sie vorher klären und den Schutz darauf abstimmen.
- Bei Hunden, die aus südeuropäischen Ländern eingeführt werden, müssen ein Zeckenbefall und die daraus folgenden Erkrankungen von Anfang an beobachtet werden.
Und wenn eine Zeckenkrankheit gefunden wurde?
Nach einer erfolgreich abgeheilten Zeckenerkrankung ist es wichtig, das Immunsystem weiter dauerhaft zu stärken und die Nierenwerte im Blick zu behalten. Der Kontrolltermin einmal im Jahr ist dabei das Mindeste — bei Hunden, die zusätzlich älter werden oder andere Vorerkrankungen haben, kann Ihr Tierarzt kürzere Abstände empfehlen.
Und Katzen mit Zeckenbefall?
Bei Katzen werden Erkrankungen durch Erreger aus Zecken zunehmend häufiger gefunden. Es gelten ähnliche Hinweise wie beim Hund: Versuchen Sie, die Katze gegen Zeckenbefall zu schützen, um späteren Erkrankungen vorzubeugen.
Quellen
- Drake C, Coyne M, McCrann DJ, Buch J, Mack R (2021): Risk of development of chronic kidney disease after exposure to Borrelia burgdorferi and Anaplasma spp. Top Companion Anim Med 42:100491
- Burton W, Drake C, Ogeer J et al. (2020): Association between exposure to Ehrlichia spp. and risk of developing chronic kidney disease in dogs. J Am Anim Hosp Assoc 56(3):159–164
Häufige Fragen
Können Zecken bei Hunden Nierenprobleme verursachen?
Zwei Auswertungen aus den USA legen einen Zusammenhang nahe: Hunde mit Antikörpern gegen Borrelien hatten ein um rund 43 % höheres Risiko, eine chronische Nierenerkrankung zu entwickeln. Bei Hunden, die mit Ehrlichien in Kontakt gekommen waren, war das Risiko in Verbreitungsgebieten um rund 112 % erhöht, also gut doppelt so hoch wie bei nicht betroffenen Tieren.
Heißt das, die Zeckenkrankheit hat die Nieren meines Hundes geschädigt?
Nicht zwingend. Beide Studien zeigen einen statistisch belegten Zusammenhang zwischen durchgemachter Zeckenkrankheit und chronischer Nierenerkrankung, aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung — darauf weisen die Untersucher selbst ausdrücklich hin. Für die Praxis bedeutet es, dass diese Hunde zur Risikogruppe gehören und beobachtet werden sollten.
Wie wurde der Zusammenhang untersucht?
Ausgewertet wurden die Krankengeschichten von Hunden, die Antikörper gegen Borrelien beziehungsweise Ehrlichien trugen; Grundlage waren mehrere hunderttausend Blutproben aus US-amerikanischen Laboren. Bei diesen Tieren wurden im späteren Lebensalter wiederholt Blut- und Urinwerte kontrolliert — darunter der Biomarker SDMA (symmetrisches Dimethylarginin), der eine nachlassende Nierenleistung früher anzeigt als Kreatinin.
Mein Hund hatte früher eine Zeckenkrankheit — was sollte ich jetzt tun?
Die Untersucher raten, bei diesen Hunden mindestens einmal jährlich im Rahmen der Routineuntersuchung die Blut- und Harnwerte bestimmen zu lassen. Eine chronische Nierenerkrankung, die früh auffällt, lässt sich über Ernährung und Behandlung deutlich besser begleiten als eine, die erst im fortgeschrittenen Stadium bemerkt wird.
Wie beuge ich einem Zeckenbefall beim Hund vor?
Denken Sie früh an die Vorbeugung und vertrauen Sie nicht allein auf Hausmittel, sondern besprechen Sie das Thema mit Ihrem Haustierarzt — am besten schon beim ersten Besuch in der Praxis. Besondere Vorsicht gilt bei Auslandsreisen; auch bei Hunden, die aus südeuropäischen Ländern eingeführt werden, müssen Zeckenbefall und Folgeerkrankungen von Anfang an beobachtet werden.
Sind auch Katzen durch Zecken gefährdet?
Bei Katzen werden Erkrankungen durch Erreger aus Zecken zunehmend häufiger gefunden. Es gelten ähnliche Hinweise wie beim Hund: Versuchen Sie, die Katze gegen Zeckenbefall zu schützen, um späteren Erkrankungen vorzubeugen.