Tumorerkrankung
Paraneoplastische Syndrome bei Hund und Katze
Paraneoplastische Syndrome sind eine wichtige und oft übersehene Folge und Nebenerscheinung von Krebserkrankung. Obwohl sie in der Humanmedizin häufiger erkannt und untersucht werden, treten paraneoplastische Syndrome häufig auch bei unseren Tierarztpatienten auf. Sie können im Krankheitsverlauf oft mehr Morbidität und Mortalität verursachen als der Tumor selbst. Unabhängig davon, ob sie lebensbedrohlich sind oder nur die Lebensqualität bedrohen, erfordern paraneoplastische Syndrome oft einen medizinischen Eingriff, und es ist unerlässlich, dass wir sie erkennen und behandeln, wenn sie auftreten.
Die Definition des Paraneoplastischen Syndroms ist “eine neoplasma-assoziierte Veränderung der Körperstruktur oder -funktion, die weit entfernt vom Tumor auftritt ”
Gewöhnlich verursacht durch Substanzen, die vom Tumor produziert werden, kann das Paraneoplastische Syndrom in fast allen Körpersystemen auftreten. Anzeichen der Erkrankung können lange, oft Monate oder Jahre vor der Entdeckung des Primärtumors vorhanden sein. Oft ist es zunächst das Paraneoplastische Syndrom selbst, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, und aufgrund dessen entdecken wir den Tumor. Eine große Anzahl an Tumoren und Tumorarten können die Veränderungen verursachen. Deshalb sind die auftretenden Störungen von äußerst vielfältiger Natur.
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Verschiedene Organbereiche werden befallen durch paraneoplastische Syndrome
- Gastrointestinal – Krebskachexie, Ulzerationen der Magen-Darmschleimhaut
- Endokrin - Hyperkalzämie, Hypoglykämie, Hyperöstrogenie, Akromegalie
- Hämatologisch – Anämie, Erythrozytose, Thrombozytopänie, Polyzythämie, Eosinophilie, Intravasale Koagulation
- kutan - Noduläre Dermatofibrose, superf. nekrolytische Dermatitis, feline paraneoplastische Alopezie, Exfoliative Dermatitis
- nephrologsich - Glomerulonephritis
- Neurologisch – Myasthenia gravis, peripheere Neuropathie
- Andere Organsysteme - Hypertrophische Osteopathie, Fieber(schübe)
Aus dieser Aufstellung ist ersichtlich, dass das Paraneoplastische Syndrom ein breites Spektrum von Erkrankungen umfasst, die alle durch Substanzen verursacht werden, die von Tumorzellen produziert werden. Häufig ist die Erkrankung bzw. ein Teilsymptom das erste Anzeichen des Syndroms. Es ist wichtig, dass der behandelnde Tierarzt sich dann auf die oft schwierige Suche nach der eigentlichen Ursache, nämlich der Krebsbehandlung begibt. Leider ist es oft das Paraneoplastische Syndrom selbst, das zum Todes des Tieres führt. In der Regel ist die Beseitigung des Primärtumors die beste Behandlung für das PNS, jedoch müssen unterstützende Therapien ebenfalls durchgeführt werden. Es ist wichtig, die verräterischen Anzeichen des Syndroms zu erkennen, da sie oft die wichtigsten Teile des Puzzles sind.
Zu den hämatologischen paraneoplastischen Veränderungen zählt auch die Blutungsneigung von Tumorpatienten, die eine eigene diagnostische und therapeutische Herangehensweise erfordert.
Quellen:
Fox C (2020:) Paraneoplastic Syndromes – Pieces of the Puzzle, Virtual Annual Conference, VCS 2020
Bailey DB (2020): Paraneoplastic Syndromes in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, 98-112
Winger K (2022): Paraneoplastische Syndrome in: Kessler M Kleintieronkologie, Stuttgart, 49 - 61
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Häufige Fragen
Was ist ein paraneoplastisches Syndrom bei Hund und Katze?
Ein paraneoplastisches Syndrom ist definiert als eine neoplasma-assoziierte Veränderung der Körperstruktur oder -funktion, die weit entfernt vom Tumor auftritt. Verursacht wird es gewöhnlich durch Substanzen, die vom Tumor produziert werden, und es kann in fast allen Körpersystemen auftreten.
Kann ein paraneoplastisches Syndrom schon vor der Krebsdiagnose auftreten?
Ja, Anzeichen können lange, oft Monate oder Jahre vor der Entdeckung des Primärtumors vorhanden sein. Häufig ist es zunächst das paraneoplastische Syndrom selbst, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht und aufgrund dessen der Tumor überhaupt entdeckt wird.
Welche Organe können von einem paraneoplastischen Syndrom betroffen sein?
Das Spektrum ist breit: Betroffen sein können der Magen-Darm-Trakt (etwa durch Krebskachexie, also tumorbedingte Abmagerung, oder Schleimhautulzerationen), das Hormonsystem (etwa Hyperkalzämie oder Hypoglykämie), das Blutbild (etwa Anämie oder Thrombozytopänie), die Haut, die Nieren und das Nervensystem. Auch Fieberschübe und die hypertrophische Osteopathie werden beschrieben.
Wie gefährlich ist ein paraneoplastisches Syndrom?
Paraneoplastische Syndrome können im Krankheitsverlauf oft mehr Morbidität und Mortalität, also Krankheitslast und Sterblichkeit, verursachen als der Tumor selbst. Leider ist es nicht selten das Syndrom selbst, das zum Tod des Tieres führt; umso wichtiger ist es, die Anzeichen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Wie wird ein paraneoplastisches Syndrom behandelt?
In der Regel ist die Beseitigung des Primärtumors die beste Behandlung des paraneoplastischen Syndroms. Zusätzlich müssen jedoch unterstützende Therapien durchgeführt werden, denn unabhängig davon, ob das Syndrom lebensbedrohlich ist oder die Lebensqualität bedroht, erfordert es oft einen eigenen medizinischen Eingriff.