Es ist keine Epilepsie – Paroxysmal Exercise-Induced Dyskinesia (PED)
Forscher der Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule in Hannover berichteten über die Untersuchungen einer familiär bedingten sogenannten Paroxysmal Exercise-Induced Dyskinesia. Diese anfallsartig auftretende durch Belastung ausgelöste Bewegungsstörung wurde dabei an Shelties (Shetland Sheepdogs) untersucht.
Die Merkmale der Erkrankung:
- Anfallsartiges Auftreten
- Keine dauerhafte Beeinträchtigung
- Dauer 2 bis 30 Minuten
- Zitterattacken, z. B. mit Pfotenheben
- Tiere sind wach
- Auslöser: äußere Reize, z.B. heißes Wetter
- Aber auch: körperliche und emotionale Belastung
- Spielen
Ursache der Paroxysmal Exercise-Induced Dyskinesia
Die Forscher der TiHo fanden bei den Anfällen der Dyskinesie einen Abfall des Blutzuckerspiegels auf einen niedrigen Normalwert fest. Als Zeichen der fehlerhaften Energiegewinnung zeigten die Shelties einen erhöhten Laktatspiegel im Urin. Bei dem Vergleich der Proben der vier erkrankten mit 117 gesunden Shetland Sheepdogs konnte eine Punktmutation als Ursache der Erkrankung gefunden werden:
Genausschnitt PCK-2-Enzym - Vergleich der Aminosäuren
| Gesund | Asparagin | Alanin | Arginin Basen CGG | Valin | Leucin |
|---|---|---|---|---|---|
| Erkrankt | Asparagin | Alanin | Glutamin Basen CAG | Valin | Leucin |
Diese Punktmutation von Arginin zu Glutamin ist wahrscheinlich der Auslöser der Erkrankung. Auch bei Proben anderer Rassen konnte die Mutation nicht gefunden werden.
Behandlung der Paroxysmal Exercise-Induced Dyskinesia
„Die Vermutung, dass diese Erkrankung zu Energiegewinnungsproblemen führt, ist die Grundlage für eine Behandlungsform: eine energiereiche Ernährung soll helfen.“ So die Aussage der Tierärzte. Sie setzen eine Fütterung ein, die frei von Gluten und reich an Eiweißen sowie der Aminosäure Tryptophan war.
Zusätzlich wurden breit wirkende Antiepileptika eingesetzt. Die Besitzer wurden angehalten die Tiere von Stressoren fern zu halten.
Die Behandlungkombination beinhaltet also:
- Diätempfehlungen
- Antiepileptika
- Beseitigung von Stressoren
Quelle: TIHO-Anzeiger 03/2020, 5-6
Häufige Fragen
Was ist Paroxysmal Exercise-Induced Dyskinesia (PED) beim Hund?
PED ist eine anfallsartig auftretende, durch Belastung ausgelöste Bewegungsstörung (Dyskinesie). Untersucht wurde sie von Forschern der Kleintierklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover an Shelties (Shetland Sheepdogs), bei denen die Erkrankung familiär bedingt auftrat.
Ist PED dasselbe wie Epilepsie?
Nein, es handelt sich nicht um Epilepsie, sondern um eine Bewegungsstörung. Ein wichtiger Unterschied: Die Tiere sind während der Attacken wach, und es bleibt keine dauerhafte Beeinträchtigung zurück.
Wie äußert sich ein PED-Anfall und wie lange dauert er?
Typisch sind Zitterattacken, zum Beispiel mit Pfotenheben, die anfallsartig auftreten. Ein Anfall dauert in der Regel 2 bis 30 Minuten. Auslöser können äußere Reize wie heißes Wetter sein, aber auch körperliche und emotionale Belastung oder Spielen.
Was ist die Ursache der PED?
Beim Vergleich von vier erkrankten mit 117 gesunden Shetland Sheepdogs fanden die Forscher eine Punktmutation im Gen des PCK-2-Enzyms, bei der die Aminosäure Arginin durch Glutamin ersetzt ist. Diese Mutation ist wahrscheinlich der Auslöser der Erkrankung und führt zu Problemen bei der Energiegewinnung — erkennbar an einem Abfall des Blutzuckerspiegels während der Anfälle und einem erhöhten Laktatspiegel im Urin.
Wie wird PED beim Hund behandelt?
Die Behandlung kombiniert drei Bausteine: eine energiereiche Fütterung, die glutenfrei sowie reich an Eiweißen und der Aminosäure Tryptophan ist, dazu breit wirkende Antiepileptika (Medikamente gegen Anfälle) und das Fernhalten der Tiere von Stressoren, also belastenden Reizen.