Tumorerkrankung

Knochenkrebs beim Pferd

Knochenkrebs beim Pferd — in der Regel ein Osteosarkom, also ein bösartiger Tumor der knochenbildenden Zellen — ist eine sehr seltene Erkrankung. Die Literatur besteht überwiegend aus Einzelfallberichten; die größte veröffentlichte Serie umfasst acht Fälle (Bush et al.). Die meisten beschriebenen Osteosarkome des Pferdes sitzen am Kopf, vor allem am Unterkiefer (Mandibula). Anders als beim Hund scheint das equine Osteosarkom nur selten Tochtergeschwülste (Metastasen) zu bilden — das Hauptproblem ist das örtlich zerstörende Wachstum.

Vorkommen

In der Fallserie von Bush et al. lagen sechs von acht Osteosarkomen am Kopf, je drei im Bereich von Unterkiefer und Oberkiefer. Das Alter der betroffenen Pferde reichte von sechs Monaten bis 20 Jahren (Median sieben Jahre) — betroffen sind also keineswegs nur junge Tiere, auch wenn viele der älteren Fallberichte junge Pferde beschreiben. Verlässliche Zahlen zur Häufigkeit existieren nicht; gesicherte Risikofaktoren sind nicht bekannt. Grundsätzlich können auch die Gliedmaßen und das übrige Skelett betroffen sein.

Primäre und sekundäre Knochentumoren

Primäre Knochentumoren entstehen direkt im Knochen — beim Pferd neben dem Osteosarkom etwa auch gutartige Neubildungen wie Osteome. Sekundäre Knochentumoren sind dagegen Absiedlungen (Metastasen) von Tumoren anderer Organe, die in den Knochen einwachsen oder streuen. Die Unterscheidung ist für Behandlung und Prognose entscheidend und gelingt nur über die feingewebliche Untersuchung.

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Symptome

Die Anzeichen richten sich nach dem Sitz des Tumors. Am Kiefer fallen zunächst harte, langsam zunehmende Auftreibungen (Umfangsvermehrungen) auf; hinzukommen können Schwierigkeiten beim Kauen, vermehrtes Speicheln, Maulgeruch oder einseitiger Nasenausfluss. An den Gliedmaßen stehen Lahmheit, Schonhaltung und schmerzhafte Schwellungen im Vordergrund; bei fortgeschrittener Zerstörung des Knochens sind Knochenbrüche ohne entsprechenden Anlass möglich. Daneben können unspezifische Anzeichen auftreten, die zunächst nicht eindeutig zuzuordnen sind: Fressunlust (Inappetenz), Gewichtsverlust, Mattigkeit bis hin zur Leistungsverweigerung oder erhöhte Temperatur.

Diagnose

Zunächst müssen häufigere Ursachen wie Zahnerkrankungen, Knochenentzündungen oder Verletzungsfolgen ausgeschlossen werden. Bildgebende Verfahren — Röntgen, am Kopf zunehmend die Computertomographie — zeigen das Ausmaß der Knochenzerstörung und der Zubildungen. Die endgültige Diagnose wird durch eine Biopsie (Gewebeprobe) mit feingeweblicher Untersuchung gesichert. Zur Vorsorge gegen Überraschungen sollte auch der übrige Organismus untersucht werden, auch wenn eine Metastasierung beim equinen Osteosarkom selten beschrieben ist.

Behandlung

Wo es die Lage zulässt, ist die möglichst vollständige chirurgische Entfernung die Behandlung der Wahl — am Unterkiefer kann das eine Teilresektion (die Entfernung eines Kieferabschnitts) bedeuten. Ergänzend oder bei nicht vollständig entfernbaren Tumoren wird in der Literatur die Strahlentherapie beschrieben. Belastbare Zahlen zu Überlebenszeiten gibt es beim Pferd nicht; in der Serie von Bush et al. blieb ein chirurgisch behandeltes Pferd 14 Monate rezidivfrei. Eine konsequente Schmerzbehandlung ist in jedem Fall Bestandteil der Therapie. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto eher ist eine vollständige Entfernung möglich.

Dendritische Zelltherapie

Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Dem Pferd wird durch den Haustierarzt Blut entnommen, daraus werden im Labor dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen und aufbereitet; anschließend erhält das Pferd die Zellen per Injektion zurück. Nach der operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt — lange Transporte in Spezialkliniken entfallen — und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Knochenkrebs des Pferdes liegen bislang nicht vor.

Einen Überblick zu allen Formen finden Sie auf der Seite Tumorarten bei Pferden.

Quellen

Bush JM, Fredrickson RL, Ehrhart EJ (2007): Equine osteosarcoma: a series of 8 cases. Vet Pathol 44(2):247–249.

Leonardi L et al. (2012): Osteosarcoma of the mandible in a horse. Vet Sci Res 3(1):44–47.

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Häufige Fragen

Was ist Knochenkrebs beim Pferd?

Knochenkrebs beim Pferd ist in der Regel ein Osteosarkom, also ein bösartiger Tumor der knochenbildenden Zellen, und eine sehr seltene Erkrankung — die Literatur besteht überwiegend aus Einzelfallberichten, die größte veröffentlichte Serie umfasst acht Fälle. Die meisten beschriebenen Osteosarkome sitzen am Kopf, vor allem am Unterkiefer (Mandibula); grundsätzlich können aber auch die Gliedmaßen und das übrige Skelett betroffen sein. Das Alter der betroffenen Pferde reichte in der größten Fallserie von sechs Monaten bis 20 Jahren.

Woran erkenne ich Knochenkrebs beim Pferd?

Die Anzeichen richten sich nach dem Sitz des Tumors: Am Kiefer fallen zunächst harte, langsam zunehmende Auftreibungen auf, dazu können Schwierigkeiten beim Kauen, vermehrtes Speicheln, Maulgeruch oder einseitiger Nasenausfluss kommen. An den Gliedmaßen stehen Lahmheit, Schonhaltung und schmerzhafte Schwellungen im Vordergrund; bei fortgeschrittener Knochenzerstörung sind Knochenbrüche ohne entsprechenden Anlass möglich. Daneben können unspezifische Anzeichen wie Fressunlust (Inappetenz), Gewichtsverlust, Mattigkeit oder erhöhte Temperatur auftreten.

Streut Knochenkrebs beim Pferd in andere Organe?

Anders als beim Hund scheint das Osteosarkom des Pferdes nur selten Tochtergeschwülste (Metastasen) zu bilden; das Hauptproblem ist das örtlich zerstörende Wachstum des Tumors. Zur Sicherheit sollte dennoch der übrige Organismus untersucht werden.

Wie wird Knochenkrebs beim Pferd diagnostiziert?

Zunächst müssen häufigere Ursachen wie Zahnerkrankungen, Knochenentzündungen oder Verletzungsfolgen ausgeschlossen werden. Bildgebende Verfahren — Röntgen, am Kopf zunehmend die Computertomographie — zeigen das Ausmaß der Knochenzerstörung; die endgültige Diagnose wird durch eine Biopsie (Gewebeprobe) mit feingeweblicher Untersuchung gesichert. Nur so lässt sich auch unterscheiden, ob es sich um einen primären Knochentumor oder um die Absiedlung (Metastase) eines Tumors aus einem anderen Organ handelt.

Ist Knochenkrebs beim Pferd heilbar?

Wo es die Lage zulässt, ist die möglichst vollständige chirurgische Entfernung die Behandlung der Wahl — am Unterkiefer kann das eine Teilresektion, also die Entfernung eines Kieferabschnitts, bedeuten; ergänzend wird in der Literatur die Strahlentherapie beschrieben. Belastbare Zahlen zu Überlebenszeiten gibt es beim Pferd nicht; in der größten Fallserie blieb ein chirurgisch behandeltes Pferd 14 Monate rezidivfrei, also ohne Wiederauftreten des Tumors. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto eher ist eine vollständige Entfernung möglich.

Welche Rolle spielt die dendritische Zelltherapie beim Knochenkrebs des Pferdes?

Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Aus dem Blut des Pferdes werden im Labor dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen und dem Tier per Injektion zurückgegeben. Nach der operativen Entfernung des Tumors ist sie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren; sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Knochenkrebs des Pferdes liegen bislang nicht vor.

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