Tumorerkrankung
Behandlung von Pferden bei einem Melanom
Die Behandlung eines Melanoms beim Pferd richtet sich nach Lage, Größe und Ausbreitung des Tumors. Bei einem Melanom handelt es sich um einen Tumor der pigmentbildenden Zellen (Melanozyten), der vor allem Schimmel betrifft: Bei über 80 % der Schimmel über 15 Jahren lassen sich melanozytäre Tumoren nachweisen (Pimenta et al.). Typische Lokalisationen sind die Schweifrübe, die Region um den After (perianal), die äußeren Geschlechtsteile, die Lippen, die Augenlider und die Ohrspeicheldrüse (Parotis). Melanome des Pferdes wachsen meist langsam, können aber mit der Zeit erheblich an Größe zunehmen, aufbrechen und in ein bösartiges Verhalten übergehen. Eine möglichst frühe Entscheidung über die Behandlung ist deshalb wichtig.
Früh behandeln statt abwarten
Lange galt die Empfehlung, ruhende — also noch nicht aufgebrochene — Melanome beim Pferd in Ruhe zu lassen, um den Tumor nicht zu „aktivieren”. Diese Auffassung gilt nach heutigem Kenntnisstand als überholt: Es gibt keine Belege dafür, dass die Entfernung eines Melanoms das Tumorwachstum anregt. Stattdessen wird empfohlen, Melanome möglichst früh zu entfernen, solange sie klein sind (MacKay). Kleine Knoten lassen sich mit geringem Aufwand und guten Ergebnissen entfernen, während große oder aufgebrochene (ulzerierte) Melanome chirurgisch deutlich schwieriger zu behandeln sind. Unabhängig davon sollte der gesamte Organismus im Blick behalten werden, da Melanome beim Pferd auch innere Organe befallen können.
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Chirurgische Entfernung
Die chirurgische Entfernung ist die am besten belegte Behandlung des Melanoms beim Pferd. Eine strukturierte Literaturübersicht von Yi et al. fand für die Chirurgie eine lokale Ansprechrate von etwa 93 % — bezogen auf die örtliche Tumorkontrolle der beschriebenen Fälle. Der Eingriff erfolgt in der Regel großflächig mit Sicherheitsabstand, damit umliegende Tumorzellen mit entfernt werden und die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs (des Wiederauftretens des Tumors) sinkt. Auch eine Entfernung mit Laserhilfe ist möglich. Da bei Schimmeln im Laufe des Lebens häufig neue Melanome entstehen, sind regelmäßige Nachkontrollen sinnvoll.
Selbst ausgedehnte Melanome in der Afterregion sind einer Operation zugänglich: Somm et al. beschreiben bei 11 Pferden die chirurgische Entfernung perianaler Melanome mit anschließender Rekonstruktion des Afters — durchgeführt am stehenden, sedierten Pferd. Dadurch entfallen die Risiken einer Vollnarkose, und die Blutungsneigung erschien geringer. Für Halter bedeutet das: Auch ein bereits groß gewordenes Melanom unter dem Schweif ist kein Grund, eine Behandlung von vornherein auszuschließen.
Weitere Verfahren
Die klassische Strahlentherapie und die systemische — also den ganzen Körper betreffende — Chemotherapie konnten beim equinen Melanom in der Vergangenheit keine großen Erfolge aufweisen. Darüber hinaus werden in der Literatur unter anderem die Kryotherapie (Vereisung), die intratumorale Chemotherapie (das Einspritzen eines Chemotherapeutikums wie Cisplatin direkt in den Tumor) sowie verschiedene immunologische Ansätze beschrieben (MacKay). Die Studienlage zu diesen Verfahren ist uneinheitlich; die Auswahl sollte gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt getroffen werden.
Cimetidin
Ein älterer Bericht von Goetz et al. beschrieb Rückbildungen von Melanomen unter Cimetidin (einem Magensäureblocker) bei drei Pferden. In nachfolgenden Untersuchungen ließ sich diese Wirkung jedoch nicht bestätigen; ein Nutzen von Cimetidin beim equinen Melanom gilt daher als nicht belegt (MacKay).
Dendritische Zelltherapie
Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung: Dem Pferd wird durch den Haustierarzt Blut entnommen, daraus werden im Labor dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen und aufbereitet; anschließend erhält das Pferd die Zellen per Injektion zurück. Nach der operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt — lange Transporte in Spezialkliniken, die für Pferde mit erheblichem Stress verbunden sein können, entfallen dabei — und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim equinen Melanom liegen bislang nicht vor.
Homöopathie
Manche Tierhalter setzen ergänzend auf homöopathische Mittel. Diese können die Behandlung begleiten und das Allgemeinbefinden unterstützen, sollten jedoch nicht als alleinige Behandlungsmethode eingesetzt werden — ein Nachweis einer Wirkung auf das Tumorwachstum liegt nicht vor. Ausführliche Informationen finden sich auf der Seite zur Homöopathie beim Pferd mit Melanom.
Quellen
Pimenta J et al. (2023): Equine Melanocytic Tumors: A Narrative Review. Animals 13(2):247. https://www.mdpi.com/2076-2615/13/2/247
Yi Z et al. (2023): Interventions for treatment of cutaneous melanoma in horses: a structured literature review. Vet Res Commun 47:347–360. https://doi.org/10.1007/s11259-022-10023-8
MacKay RJ (2019): Treatment options for melanoma of gray horses. Vet Clin North Am Equine Pract 35(2):311–325. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31279435/
Goetz TE et al. (1990): Cimetidine for treatment of melanomas in three horses. J Am Vet Med Assoc 196(3):449–452. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2298676/
Somm F, Fürst AE, Jackson MA (2026): Surgical excision of melanomas in the anal region and reconstruction of the anus in 11 horses. Equine Vet Educ. https://doi.org/10.1111/eve.70060
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Häufige Fragen
Soll man ein Melanom beim Pferd entfernen lassen oder besser abwarten?
Die frühere Empfehlung, ruhende Melanome in Ruhe zu lassen, um den Tumor nicht zu „aktivieren“, gilt nach heutigem Kenntnisstand als überholt — es gibt keine Belege dafür, dass die Entfernung das Tumorwachstum anregt. Stattdessen wird empfohlen, Melanome möglichst früh zu entfernen, solange sie klein sind. Kleine Knoten lassen sich mit geringem Aufwand und guten Ergebnissen entfernen, während große oder aufgebrochene (ulzerierte) Melanome chirurgisch deutlich schwieriger zu behandeln sind.
Wie erfolgversprechend ist die Operation eines Melanoms beim Pferd?
Die chirurgische Entfernung ist die am besten belegte Behandlung: Eine strukturierte Literaturübersicht fand eine lokale Ansprechrate von etwa 93 %, bezogen auf die örtliche Tumorkontrolle der beschriebenen Fälle. Der Eingriff erfolgt in der Regel großflächig mit Sicherheitsabstand, damit umliegende Tumorzellen mit entfernt werden und das Rezidivrisiko (Wiederauftreten) sinkt. Da bei Schimmeln im Laufe des Lebens häufig neue Melanome entstehen, sind regelmäßige Nachkontrollen sinnvoll.
Welche Pferde bekommen Melanome?
Das Melanom ist ein Tumor der pigmentbildenden Zellen (Melanozyten) und betrifft vor allem Schimmel: Bei über 80 % der Schimmel über 15 Jahren lassen sich melanozytäre Tumoren nachweisen. Typische Stellen sind die Schweifrübe, die Region um den After, die äußeren Geschlechtsteile, die Lippen, die Augenlider und die Ohrspeicheldrüse.
Helfen Bestrahlung oder Chemotherapie beim Melanom des Pferdes?
Die klassische Strahlentherapie und die systemische, also den ganzen Körper betreffende Chemotherapie konnten beim equinen Melanom in der Vergangenheit keine großen Erfolge aufweisen. Beschrieben werden außerdem die Kryotherapie (Vereisung), die intratumorale Chemotherapie — das Einspritzen eines Chemotherapeutikums direkt in den Tumor — sowie verschiedene immunologische Ansätze. Die Studienlage zu diesen Verfahren ist uneinheitlich; die Auswahl sollte gemeinsam mit dem behandelnden Tierarzt getroffen werden.
Hilft Cimetidin gegen Melanome beim Pferd?
Ein älterer Bericht beschrieb Rückbildungen von Melanomen unter Cimetidin (einem Magensäureblocker) bei drei Pferden. In nachfolgenden Untersuchungen ließ sich diese Wirkung jedoch nicht bestätigen — ein Nutzen von Cimetidin beim equinen Melanom gilt daher als nicht belegt.
Was bringt die dendritische Zelltherapie nach der Melanom-Operation?
Nach der operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Dabei werden aus dem Blut des Pferdes im Labor dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen und dem Tier per Injektion zurückgegeben; die Behandlung erfolgt beim Haustierarzt, sodass lange Transporte in Spezialkliniken entfallen. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim equinen Melanom liegen bislang nicht vor.