Autoimmunerkrankung

Polyarthritis der Greyhounds

Bei der Polyarthritis der Greyhounds handelt es sich um eine erosive Entzündung mehrerer Gelenke — also um eine Gelenkentzündung, bei der Gewebe zerstört wird. Sie weicht von der rheumatoiden Arthritis des Hundes deutlich ab und gilt als eigenständiges Krankheitsbild dieser Rasse.

Gefunden wird sie bei jungen Greyhounds, vorwiegend im Alter von 3 bis 30 Monaten. Damit ist die Rassezugehörigkeit zusammen mit dem jungen Alter der wichtigste erste Hinweis.

Unterschiede zur rheumatoiden Arthritis

Sicher unterscheiden lassen sich die beiden Erkrankungen in der Regel erst bei der Untersuchung nach dem Tod. Dann jedoch wird der Unterschied deutlich:

BefundPolyarthritis der GreyhoundsRheumatoide Arthritis
Gelenkentzündungsubakut, nichteitrigchronisch, ausgeprägt entzündlich
Knorpelausgedehnte Zerstörung des tiefen Knorpels, oberflächlicher Knorpel relativ verschontZerstörung von der Oberfläche her durch einwachsenden Pannus
Knochennur minimale Schädigungausgeprägte Erosionen, im Verlauf Verformung und Versteifung
Granulationsgewebe (Pannus)mäßig ausgeprägtreichlich, gewebezerstörend
Veränderungen außerhalb der Gelenkekeinemöglich, etwa Lymphknotenschwellung
Alter3 bis 30 Monatemittleres Alter

Bemerkenswert ist der umgekehrte Angriffsweg: Während bei der rheumatoiden Arthritis der Knorpel von der Gelenkoberfläche her zerstört wird, sitzt der Schaden hier in der Tiefe, während die Oberfläche zunächst intakt aussieht.

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung bei Autoimmunerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Wie möchten Sie Kontakt aufnehmen?

Unser Telefon ist gerade nicht besetzt — wir rufen Sie am nächsten Werktag zurück.

Unser Telefon ist noch nicht besetzt — wir rufen Sie heute ab 8:30 Uhr zurück.

Liegt schon eine Diagnose vor? (optional)
Bekommt Ihr Tier schon Medikamente dagegen? (optional)

E-Mail oder Telefon — eins genügt.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Was am lebenden Tier möglich ist

Auch wenn die endgültige Abgrenzung schwierig bleibt, ist die Abklärung zu Lebzeiten keineswegs sinnlos. Sinnvoll sind:

  • die Gelenkpunktion mehrerer Gelenke mit zytologischer Untersuchung der Gelenkflüssigkeit — sie trennt die sterile von der bakteriellen Entzündung und ist damit die wichtigste erste Untersuchung
  • Röntgenaufnahmen mehrerer Gelenke, die zeigen, ob eine erosive oder eine nicht erosive Form vorliegt
  • der Ausschluss von Infektionen, insbesondere von durch Zecken übertragenen Erkrankungen
  • die Untersuchung auf antinukleäre Antikörper und Rheumafaktoren, um andere immunvermittelte Formen einzugrenzen

Der praktische Wert liegt weniger in der exakten Benennung als in der Behandlungsentscheidung: Eine sterile, erosive Polyarthritis bei einem jungen Greyhound wird immunsuppressiv behandelt — unabhängig davon, ob sie am Ende diesen Namen trägt.

Was sonst dahinterstecken kann

  • bakterielle Gelenkentzündungen und durch Zecken übertragene Infektionen
  • die nicht erosiven immunvermittelten Polyarthritiden, darunter das Polyarthritis-Polymyositis-Syndrom
  • Wachstums- und Entwicklungsstörungen der Gelenke bei jungen Hunden
  • bei dieser Rasse zusätzlich die eigenständige Vaskulitis der Greyhounds, die jedoch Haut und Nieren betrifft und nicht die Gelenke

Ursache

Die Ursache dieser Polyarthritis und die auslösenden Faktoren sind unbekannt. Hinweise auf eine infektiöse Ursache liegen nicht vor.

Das ist eine ehrliche, aber unbefriedigende Auskunft. Für die Betreuung betroffener Hunde bedeutet sie vor allem: Es gibt keinen Erreger zu bekämpfen und keinen vermeidbaren Auslöser, den man in Zukunft meiden könnte.

Behandlung

Da es keine eigenen Behandlungsstudien zu dieser Sonderform gibt, orientiert sich das Vorgehen an den übrigen erosiven Polyarthritiden:

  • entzündungshemmende Schmerzmittel in leichten Fällen
  • Glukokortikoide in immunsuppressiver Dosierung bei ausgeprägtem Verlauf, anschließend Reduktion auf die niedrigste wirksame Erhaltungsdosis
  • weitere Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Leflunomid, wenn die Erhaltungsdosis zu hoch bleibt
  • kontrollierte Bewegung und Gewichtsmanagement, um die betroffenen Gelenke zu entlasten

Weil es sich um junge Hunde handelt, die diese Medikamente unter Umständen über viele Jahre benötigen, sollte eine ergänzende Behandlung mit dendritischen Zellen geprüft werden. Dabei werden aus einer Blutprobe des Hundes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken und lassen sich mit der bestehenden Medikation kombinieren.

Prognose

Belastbare Verlaufszahlen liegen nicht vor — die Erkrankung ist selten und bislang wenig untersucht. Günstig ist, dass die Knochenschädigung minimal bleibt und keine Veränderungen außerhalb der Gelenke auftreten: Es handelt sich also nicht um eine Erkrankung, die den ganzen Körper erfasst.

Ungünstig ist der Zeitpunkt: Es trifft junge Hunde, bei denen sich der Knorpelschaden über viele Jahre auswirkt. Umso wichtiger ist es, bei einem jungen Greyhound mit wechselnder Lahmheit und geschwollenen Gelenken früh zu punktieren, statt über Monate mit Schmerzmitteln zu behandeln — die entscheidende Information steckt in der Gelenkflüssigkeit.

Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.

Quellen

Tizard IR (2023): Polyarthritis of Greyhounds. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 213

Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners

Kostenlose Erstberatung bei Autoimmunerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.

Wie möchten Sie Kontakt aufnehmen?

Unser Telefon ist gerade nicht besetzt — wir rufen Sie am nächsten Werktag zurück.

Unser Telefon ist noch nicht besetzt — wir rufen Sie heute ab 8:30 Uhr zurück.

Liegt schon eine Diagnose vor? (optional)
Bekommt Ihr Tier schon Medikamente dagegen? (optional)

E-Mail oder Telefon — eins genügt.

Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.

Häufige Fragen

Was ist die Polyarthritis der Greyhounds?

Die Polyarthritis der Greyhounds ist eine erosive Entzündung mehrerer Gelenke, also eine Gelenkentzündung mit Gewebezerstörung, die von der normalen rheumatoiden Arthritis des Hundes abweicht. Sie stellt damit ein eigenständiges Krankheitsbild dieser Rasse dar.

In welchem Alter tritt die Polyarthritis der Greyhounds auf?

Die Erkrankung wird bei jungen Greyhounds gefunden, vorwiegend im Alter von 3 bis 30 Monaten. Die betroffene Hunderasse kann daher bereits Hinweise auf den Kern der Erkrankung geben.

Wie unterscheidet sich die Greyhound-Polyarthritis von der rheumatoiden Arthritis?

Der Unterschied kann normalerweise nur durch eine Autopsie, also eine Untersuchung nach dem Tod, geklärt werden. Typisch ist eine subakute, nichteitrige Gelenkentzündung mit ulzerierten Erosionen und ausgedehnten Nekrosen (Absterben von Gewebe) des tiefen Gelenkknorpels, während der oberflächliche Knorpel relativ verschont bleibt. Anders als bei der rheumatoiden Arthritis finden sich nur eine minimale Knochenschädigung, eine mäßige Bildung von Granulationsgewebe (Pannus) und keine Läsionen außerhalb der Gelenke.

Was ist die Ursache der Polyarthritis der Greyhounds?

Die Ursachen dieser Polyarthritis sowie ihre auslösenden Faktoren sind unbekannt. Hinweise auf eine infektiöse Ursache, also eine Auslösung durch Krankheitserreger, liegen nicht vor.

Kostenlose Erstberatung durch unser tierärztliches Team.