Systemischer Lupus erythematosus bei Pferden
Beim systemischen Lupus erythematosus (SLE) handelt es sich um eine sehr seltene Autoimmunerkrankung des Pferdes, bei der sich das Immunsystem gegen Bestandteile des eigenen Zellkerns richtet. Sie tritt vor allem als generalisierte, also den ganzen Körper betreffende Hauterkrankung auf. Die Tiere entwickeln eine exfoliative Dermatitis — eine mit starker Abschuppung einhergehende Hautentzündung —, gekennzeichnet von Haarausfall, Ulzerationen an den Übergängen von Haut zu Schleimhaut, Schuppung und Krustenbildung. Einige betroffene Pferde können fast völlig haarlos sein.
Der SLE ist beim Pferd deutlich seltener als bei Hund und Katze und es gibt nur wenige veröffentlichte Fälle. Das prägt alles, was auf dieser Seite steht: Die Beschreibungen beruhen auf einer schmalen Datengrundlage und belastbare Aussagen zu Verlauf und Behandlungserfolg gibt es kaum.
Hautveränderungen — das führende Bild
Die exfoliative Dermatitis ist das auffälligste und meist erste Zeichen. Sie zeigt sich als:
- großflächige, oft grobe Abschuppung
- Haarausfall, in ausgeprägten Fällen bis zur nahezu vollständigen Haarlosigkeit
- Ulzerationen, also Geschwüre, an den Übergängen von Haut zu Schleimhaut — Lippen, Nüstern, Augenlider, Genitalbereich
- Krustenbildung
- Leukodermie, also Pigmentverlust, im Gesicht und am Rumpf
Der Pigmentverlust ist dabei ein aufschlussreicher Befund: Er zeigt, dass die Entzündung die pigmentbildenden Zellen in der untersten Schicht der Oberhaut zerstört. Genau dort sitzt beim Lupus der Angriff — an der Grenzfläche zwischen Oberhaut und Lederhaut.
Beteiligung weiterer Organe
Zu den systemischen Krankheitserscheinungen gehören Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Darüber hinaus können betroffene Pferde aufweisen:
- Uveitis — eine Entzündung im Augeninneren; beim Pferd ist diese besonders ernst zu nehmen, da wiederkehrende Uveitiden eine der häufigsten Ursachen für Erblindung sind
- Glomerulonephritis — eine Entzündung der Nierenkörperchen mit Eiweißverlust über den Urin
- Synovitis — eine Entzündung der Gelenkinnenhaut mit Steifheit und wechselnder Lahmheit
- Lymphadenopathie — Lymphknotenschwellungen, verbunden mit Lymphödem in den unteren Gliedmaßen
- Antiglobulin-positive Anämie — eine Blutarmut, bei der sich Antikörper auf den roten Blutkörperchen nachweisen lassen
- Thrombozytopenie — ein Mangel an Blutplättchen, erkennbar an punktförmigen Einblutungen in Schleimhäuten und Haut
Die Kombination ist typisch für den Lupus insgesamt: mehrere entzündliche Befunde in Organen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Wer bei einem Pferd mit schuppender Haut zugleich angelaufene Beine, ein gerötetes Auge und wiederkehrendes Fieber sieht, sollte an ein gemeinsames Grundgeschehen denken.
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Diagnose
Besteht der Verdacht auf einen systemischen Lupus erythematosus, sollte ein LE-Test durchgeführt werden, mit dem das Vorliegen einer autoimmunen Erkrankung nachgewiesen werden soll. Einschränkend gilt: Lupus-Erythematosus-Zelltests sind bei dieser Spezies nicht eindeutig. Betroffene Pferde sind zudem positiv für antinukleäre Antikörper (ANA).
Darüber hinaus sollten mindestens zwei weitere durch den SLE hervorgerufene autoimmune Befunde festgestellt werden. Dazu können neben den Hautläsionen gehören:
- eine hämolytische Anämie
- eine Thrombozytopenie
- eine Glomerulonephritis
Hautbiopsie. Sie ist der aussagekräftigste Einzelbefund. Hautbiopsien zeigen eine Interface-Dermatitis mit Lymphozyten, Plasmazellen und Histiozyten, eine Basalzelldegeneration sowie IgG-Ablagerungen auf der Basalmembran der Haut. Übersetzt: Die Entzündung sitzt genau an der Grenze zwischen Oberhaut und Lederhaut, zerstört dort die unterste Zellreihe, und es lassen sich Antikörper an dieser Grenzschicht nachweisen. Diese Kombination ist für den Lupus charakteristisch.
Ergänzend gehören zur Abklärung ein großes Blutbild, Organwerte, eine Urinuntersuchung auf Eiweiß und eine augenärztliche Untersuchung.
Abgrenzung zu ähnlichen Erkrankungen
Eine schuppende, krustige Hauterkrankung mit Haarausfall ist beim Pferd deutlich häufiger etwas anderes als ein Lupus. Abzugrenzen sind insbesondere:
- Pemphigus foliaceus — die häufigste Autoimmunerkrankung der Pferdehaut; sie beginnt typischerweise mit Pusteln und Krusten an Kopf und Gliedmaßen
- Equine Sarkoidose (generalisierte granulomatöse Erkrankung) — sie erzeugt ein sehr ähnliches Bild aus Abschuppung, Haarverlust und Gewichtsverlust
- Dermatophytose, also Pilzbefall — bei jungen Pferden und in Beständen häufig
- Photosensibilisierung — meist auf unpigmentierte Areale beschränkt, oft mit Lebererkrankung verbunden
- Ektoparasiten, unter anderem Milben und Onchozerken
- Nährstoff- und Spurenelementmängel
Diese Abgrenzung ist keine Formalie: Mehrere dieser Erkrankungen werden völlig anders behandelt, und eine Pilzerkrankung unter Kortison verschlimmert sich rasch.
Behandlung
Die Behandlung erfordert die Gabe von Glukokortikoiden in immunsuppressiven Dosen. Diese müssen möglicherweise durch andere Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Cyclosporin ergänzt werden. Begleitend werden die betroffenen Organsysteme gezielt mitversorgt: die Uveitis augenärztlich, die Nierenbeteiligung über Fütterung und Kreislaufmedikation, die Haut über eine schonende Pflege ohne austrocknende Shampoos.
Immunologische Behandlung. Um die Dosierung der Glukokortikoide herabsetzen und die erheblichen Folgen einer Kortisonbehandlung eindämmen zu können, sollte zusätzlich eine immunologische Behandlung eingeleitet werden. Die dendritische Zelltherapie setzt an der Steuerung des Immunsystems an: Dendritische Zellen entscheiden mit darüber, ob ein Gewebe angegriffen oder toleriert wird. Aus dem Blut des Pferdes gewonnen und entsprechend aufbereitet, können sie die Toleranz gegenüber körpereigenem Gewebe fördern.
Gerade beim Pferd hat dieser Ansatz einen besonderen Stellenwert — nicht weil er den Lupus sicher beherrschen würde, sondern weil die Alternative, eine hochdosierte Dauerbehandlung mit Kortison, bei dieser Tierart mit einem eigenen, erheblichen Risiko einhergeht.
Das Hufrehe-Risiko unter Kortison
Systemisch verabreichte Glukokortikoide stehen beim Pferd im Verdacht, eine Hufrehe auszulösen oder zu begünstigen. Wie hoch dieses Risiko genau ist, wird fachlich unterschiedlich bewertet — für einige Präparate ist es besser belegt als für andere. Unstrittig ist, dass die Gefahr bei Pferden mit Stoffwechselstörungen — wie dem Equinen Metabolischen Syndrom oder dem Equinen Cushing-Syndrom — sowie bei bereits vorbelasteten Hufen deutlich höher liegt.
Für die Praxis bedeutet das:
- vor Behandlungsbeginn den Stoffwechselstatus abklären
- Hufrehe-Warnzeichen kennen: Trippeln, Trachtenfußung, wechselndes Entlasten, warme Hufe, verstärkter Pulsschlag an der Zehenarterie
- die niedrigste wirksame Dosis anstreben und früh mit dosissparenden Maßnahmen kombinieren
- den Beschlag und den Untergrund im Blick behalten
Genau das ist der Grund, warum eine Behandlung, die den Kortisonbedarf senkt, beim Pferd mehr ist als eine Bequemlichkeit.
Prognose
Die Prognose ist sehr vorsichtig zu stellen: Die Behandlung der bisher beschriebenen Fälle bei Pferden ist erfolglos geblieben. Diese Aussage beruht allerdings auf sehr wenigen dokumentierten Fällen — sie beschreibt den bisherigen Erkenntnisstand, keine naturgesetzliche Unausweichlichkeit.
Praktisch bedeutsam ist deshalb zweierlei:
- Die Abgrenzung zu den ähnlich aussehenden, aber besser behandelbaren Erkrankungen muss sorgfältig erfolgen — der häufigere Fall ist der behandelbare.
- Wo die Diagnose steht, müssen Behandlung und Verlauf engmaschig tierärztlich begleitet werden, mit klaren Kriterien dafür, was sich in welchem Zeitraum bessern soll.
Wenn Sie ein Pferd mit dieser Diagnose begleiten: Es ist in Ordnung, nach einer zweiten Meinung zu fragen, und es ist ebenso in Ordnung, Grenzen zu ziehen. Was zählt, ist, dass Ihr Pferd frei von Schmerz bleibt, frisst, sich bewegt und Zuwendung annimmt. Diese Fragen sind bei einer Erkrankung mit unsicherer Prognose die verlässlicheren Wegweiser als jeder Laborwert.
Quellen
- Tizard IR (2023): Equine Systemic Lupus. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals. Elsevier, St. Louis, MO, S. 197–198
- Reed SM, Bayly WM, Sellon DC (Hrsg.) (2018): Equine Internal Medicine. 4. Auflage, Elsevier, St. Louis, MO
- Scott DW, Miller WH (2011): Equine Dermatology. 2. Auflage, Elsevier, St. Louis, MO
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Häufige Fragen
Was ist der systemische Lupus erythematosus beim Pferd?
Der systemische Lupus erythematosus (SLE) ist eine sehr seltene Autoimmunerkrankung des Pferdes, die als generalisierte, also den ganzen Körper betreffende Hauterkrankung auftritt. Die Tiere entwickeln eine sogenannte exfoliative Dermatitis, das heißt eine mit starker Abschuppung einhergehende Hautentzündung mit Haarausfall, Ulzerationen (Geschwüren) an den Übergängen von Haut zu Schleimhaut sowie Krustenbildung. Einige betroffene Pferde können fast völlig haarlos sein.
Welche Symptome zeigt ein Pferd mit systemischem Lupus?
Neben den Hautveränderungen entwickelt sich eine Leukodermie, also ein Pigmentverlust, im Gesicht und am Rumpf; zu den systemischen Krankheitserscheinungen gehören Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Betroffene Pferde können außerdem eine Uveitis (Entzündung im Augeninneren), eine Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen), eine Synovitis (Gelenkinnenhautentzündung) sowie Lymphknotenschwellungen mit Lymphödem in den unteren Gliedmaßen aufweisen. Auch eine Antiglobulin-positive Anämie (immunbedingte Blutarmut) und eine Thrombozytopenie, also ein Mangel an Blutplättchen mit Gefäßeinblutungen, können sich entwickeln.
Wie wird der systemische Lupus beim Pferd diagnostiziert?
Bei Verdacht sollte ein LE-Test durchgeführt werden, mit dem vor allem das Vorliegen einer autoimmunen Erkrankung nachgewiesen werden soll; allerdings sind LE-Zelltests bei dieser Spezies nicht eindeutig. Zusätzlich sollten mindestens zwei weitere durch den SLE hervorgerufene Autoimmunsymptomatiken festgestellt werden, etwa eine hämolytische Anämie, eine Thrombozytopenie oder eine Glomerulonephritis. Hautbiopsien (Gewebeproben der Haut) zeigen eine Interface-Dermatitis mit IgG-Ablagerungen, also Antikörperablagerungen, auf der Basalmembran der Haut.
Wie wird der systemische Lupus beim Pferd behandelt?
Die Behandlung erfordert die Gabe von Glukokortikoiden (cortisonähnlichen Entzündungshemmern) in immunsuppressiven, also das Immunsystem unterdrückenden Dosen; diese müssen möglicherweise durch weitere Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Cyclosporin ergänzt werden. Um die Dosierung der Glukokortikoide herabsetzen und die erheblichen Folgen einer Kortisonbehandlung eindämmen zu können, sollte zusätzlich eine immunologische Behandlung eingeleitet werden.
Wie ist die Prognose bei Lupus beim Pferd?
Die Prognose ist sehr vorsichtig zu stellen: Die Behandlung der bisher beschriebenen Fälle bei Pferden ist leider erfolglos geblieben. Umso wichtiger ist es, die Erkrankung frühzeitig einzuordnen und die Therapie engmaschig tierärztlich zu begleiten.