Autoimmunerkrankung

Vesikuläre Form des kutanen Lupus erythematosus beim Hund

Bei der vesikulären Form des kutanen Lupus erythematosus handelt es sich um eine Sonderform des auf die Haut beschränkten Lupus, die nahezu ausschließlich bei einigen Hütehundrassen auftritt: bei Rauhaarcollies, Border Collies, Shetland Sheepdogs und Mischlingen dieser Rassen. Früher wurde sie als „ulzerative Dermatose der Shelties und Collies” beschrieben — heute ist klar, dass es sich um eine Lupusform handelt (Olivry et al. 2018).

Kennzeichnend sind schlaffe Bläschen (Vesikel), die rasch aufreißen und Erosionen hinterlassen, also oberflächliche Hautdefekte. Betroffen sind vor allem die wenig behaarten Hautbezirke an Bauch, Achseln und Leisten. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei etwa 5,5 Jahren, die Spanne reicht von 2 bis 11 Jahren (Olivry et al. 2018).

Welche Rolle das Sonnenlicht spielt

Wie bei den anderen kutanen Lupusformen steht am Anfang sehr wahrscheinlich ein Schaden durch UV-Strahlung (Tizard 2023). Das erklärt zugleich die auffällige Verteilung: Betroffen ist die dünn behaarte Haut an Bauch, Achseln und Leisten — also genau jene Bezirke, die ein Hund der Sonne aussetzt, wenn er sich auf den Rücken legt oder über heißen Boden läuft.

Entsprechend zeigt die Erkrankung einen jahreszeitlichen Rhythmus: Sie flammt in den sonnenreichen Monaten auf und beruhigt sich im Winter (Olivry et al. 2018). Für die Betreuung ist das eine wichtige Information — der Schutz vor Sonne wirkt hier vorbeugend und nicht erst, wenn die ersten Bläschen da sind.

Symptome und Verteilung

Am Anfang stehen ein Erythem, also eine Rötung, und mehrere schlaffe Bläschen. Weil sie nur dünn überdeckt sind, reißen sie rasch auf und blättern ab. Zurück bleiben Erosionen und Geschwüre mit einer sehr charakteristischen Form: ringförmig, bogig oder geschlängelt begrenzt, mit auffallend scharfem, wie ausgestanzt wirkendem Rand (Olivry et al. 2018).

Betroffen sind:

  • die dünn behaarte Haut des Bauches
  • die Achselhöhlen
  • die Leistengegend
  • die konkaven, also der Innenseite zugewandten Flächen der Ohrmuscheln
  • die perimukosalen Bezirke, das heißt die Übergänge zur Schleimhaut

Sekundäre bakterielle Infektionen der veränderten Haut sind häufig und können das Bild überlagern (Tizard 2023). Die Veränderungen sind schmerzhaft; betroffene Hunde legen sich ungern ab und wirken empfindlich beim Anfassen von Bauch und Achseln.

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Der Weg zur Diagnose

Gesichert wird die Diagnose durch die feingewebliche Untersuchung einer Hautprobe. Typisch ist eine lymphozytenreiche Interface-Dermatitis: eine Entzündung an der Grenzfläche zwischen Ober- und Lederhaut mit ausgeprägter Vakuolisierung der Basalzellen — der untersten Zelllage der Oberhaut —, die zur Apoptose führt, also zum programmierten Zelltod. Das Ausmaß dieses Zelluntergangs reicht aus, um die Oberhaut abzuheben und die Bläschen entstehen zu lassen. Bis zur Hälfte der einwandernden Lymphozyten sind CD8-positive zytotoxische T-Zellen, also gewebeschädigende Abwehrzellen; CD4-positive Zellen kommen seltener vor, daneben finden sich Langerhans-Zellen (Tizard 2023; Olivry et al. 2018).

In der direkten Immunfluoreszenz zeigen sich IgG-Ablagerungen um Blutgefäße und in den Basalzellen. Ein Unterschied zu den übrigen kutanen Lupusformen ist bemerkenswert: Im Serum der meisten betroffenen Hunde lassen sich antinukleäre Antikörper nachweisen, also Autoantikörper gegen Bestandteile des Zellkerns, dazu Antikörper gegen Kollagen Typ VII (Tizard 2023). Anders als beim diskoiden Lupus kann der Bluttest hier also durchaus positiv ausfallen — die Diagnose stützt sich dennoch auf die Gewebeprobe.

Was sonst dahinterstecken kann

Bläschen und scharf begrenzte Erosionen am Unterbauch haben mehrere mögliche Ursachen (Olivry et al. 2018):

  • die Pemphigoid-Erkrankungen und die Epidermolysis bullosa acquisita, bei der sich ebenfalls Antikörper gegen Kollagen Typ VII finden
  • die Pemphigus-Erkrankungen
  • arzneimittelbedingte Hautreaktionen einschließlich des Erythema multiforme
  • Verbrennungen und Sonnenbrand, auch als auslösender Vorschaden
  • bakterielle Hautinfektionen, die als Zweitproblem regelmäßig hinzukommen

Behandlung

Die Behandlung ruht auf drei Säulen (Olivry et al. 2018; Tizard 2023):

  • UV-Schutz. Meiden der Mittagssonne, Schatten und Sonnenschutzmittel für die unbehaarten Bezirke. Bei dieser Form ist das kein Zusatz, sondern die Grundlage — ohne konsequenten Sonnenschutz kommt die Erkrankung im nächsten Sommer zuverlässig zurück.
  • Glukokortikoide. Zur Einleitung wird in der Regel Prednisolon in einer Dosierung um 2 mg pro Kilogramm Körpergewicht täglich eingesetzt, anschließend schrittweise auf die niedrigste noch wirksame Erhaltungsdosis reduziert.
  • Calcineurin-Hemmer und weitere Immunsuppressiva. Ciclosporin hat sich als steroidsparender Kombinationspartner bewährt, alternativ kommt Azathioprin infrage. Ergänzend wird Tacrolimus örtlich eingesetzt.

Hinzu kommt die Behandlung der bakteriellen Sekundärinfektion, solange offene Stellen bestehen.

Weil die Erkrankung schubweise wiederkehrt und über Jahre begleitet werden muss, lohnt der Blick auf ergänzende immunologische Behandlungswege. Bei der Behandlung mit dendritischen Zellen werden aus einer Blutprobe körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken, und lassen sich mit der bestehenden Medikation kombinieren.

Prognose

Die Prognose ist gut. In der Übersichtsarbeit von Olivry und Mitarbeitern (2018) erreichten rund 64 Prozent der Hunde unter Behandlung eine vollständige oder nahezu vollständige Rückbildung der Hautveränderungen.

Der erste Schub sieht dramatisch aus — großflächig offene Haut am Bauch ist ein Anblick, der Halter zu Recht erschreckt. Die Erfahrung zeigt aber, dass sich diese Erkrankung mit einer konsequenten Kombination aus Sonnenschutz und Behandlung gut führen lässt. Wer den jahreszeitlichen Rhythmus kennt und im Frühjahr rechtzeitig gegensteuert, verhindert die meisten weiteren Schübe.

Eine Übersicht über alle Formen finden Sie auf der Seite Lupus erythematosus des Hundes, eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd auf der Übersichtsseite.

Quellen

Die Angaben auf dieser Seite stützen sich auf die folgenden Arbeiten:

  • Olivry T, Linder KE, Banovic F (2018): Cutaneous lupus erythematosus in dogs: a comprehensive review. BMC Veterinary Research 14:132. doi:10.1186/s12917-018-1446-8 — frei zugänglich (Open Access)
  • Tizard IR (2023): Vesicular CLE. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, S. 200

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Häufige Fragen

Was ist die vesikuläre Form des kutanen Lupus erythematosus beim Hund?

Sie ist eine Sonderform des auf die Haut beschränkten Lupus, bei der sich schlaffe Bläschen bilden, die rasch aufreißen und Erosionen hinterlassen — oberflächliche Hautdefekte mit ringförmig-bogiger Form und auffallend scharfem Rand. Früher wurde sie als „ulzerative Dermatose der Shelties und Collies" beschrieben.

Welche Hunderassen bekommen vesikulären Lupus?

Die Erkrankung ist nahezu ausschließlich auf Rauhaarcollies, Border Collies, Shetland Sheepdogs und Mischlinge dieser Rassen beschränkt. Das mediane Erkrankungsalter liegt bei etwa 5,5 Jahren, die Spanne reicht von 2 bis 11 Jahren.

An welchen Körperstellen zeigt sich der vesikuläre Lupus?

Vor allem an den wenig behaarten Hautbezirken des Bauches, in den Achselhöhlen und in der Leistengegend, dazu an den nach innen gewandten Flächen der Ohrmuscheln und an den Übergängen zur Schleimhaut. Diese Verteilung ist kein Zufall: Es sind genau die Stellen, die ein Hund der Sonne aussetzt, wenn er sich auf den Rücken legt.

Warum flammt der vesikuläre Lupus im Sommer auf?

Am Anfang der Erkrankung steht sehr wahrscheinlich ein Schaden der Haut durch UV-Strahlung. Entsprechend zeigt sie einen jahreszeitlichen Rhythmus: In den sonnenreichen Monaten kommt es zu Schüben, im Winter beruhigt sie sich. Konsequenter Sonnenschutz wirkt deshalb vorbeugend und sollte nicht erst begonnen werden, wenn die ersten Bläschen da sind.

Wie wird der vesikuläre Lupus beim Hund diagnostiziert?

Über die feingewebliche Untersuchung einer Hautprobe: Typisch ist eine lymphozytenreiche Entzündung an der Grenzfläche zwischen Ober- und Lederhaut mit Untergang der Basalzellen, wodurch sich die Oberhaut abhebt und Bläschen entstehen. Anders als bei den übrigen kutanen Lupusformen lassen sich im Blut der meisten betroffenen Hunde antinukleäre Antikörper und Antikörper gegen Kollagen Typ VII nachweisen.

Wie wird der vesikuläre Lupus beim Hund behandelt?

Auf drei Wegen zugleich: konsequenter UV-Schutz als Grundlage, Glukokortikoide zur Einleitung — in der Regel Prednisolon um 2 mg pro Kilogramm täglich mit anschließender Reduktion — sowie Ciclosporin oder Azathioprin als steroidsparende Kombinationspartner, ergänzt um Tacrolimus örtlich. Solange offene Stellen bestehen, wird zusätzlich die bakterielle Sekundärinfektion behandelt.

Wie ist die Prognose beim vesikulären Lupus?

Gut: In der Übersichtsarbeit von Olivry und Mitarbeitern (2018) erreichten rund 64 Prozent der Hunde unter Behandlung eine vollständige oder nahezu vollständige Rückbildung der Hautveränderungen. Der erste Schub sieht dramatisch aus, die Erkrankung lässt sich mit Sonnenschutz und Behandlung aber gut führen — wer im Frühjahr rechtzeitig gegensteuert, verhindert die meisten weiteren Schübe.

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