Exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund (Autoimmun-Typ 2)
Bei der autoimmunen Bauchspeicheldrüsenentzündung Typ 2 handelt es sich um ein Verkümmern der Bauchspeicheldrüse in Verbindung mit einer Infiltration von Lymphozyten und Plasmazellen. Sie ist die häufigste Ursache der exokrinen Pankreasinsuffizienz beim Hund — also des Mangels an Verdauungsenzymen.
Der Unterschied zur Pankreatitis Typ 1 ist grundlegend: Die Typ-2-Erkrankung geht nicht mit Anomalien im IgG4-Spiegel einher und betrifft keine anderen Organe als die Bauchspeicheldrüse. Sie ist eine gezielte, örtlich begrenzte Zerstörung — nicht Teil einer Systemerkrankung.
Was bei der Erkrankung geschieht
Der Autoimmunangriff führt zu einer selektiven Zerstörung der Azinuszellen — jener Zellen, die die Verdauungsenzyme produzieren. Im Endstadium ist kein Azinusgewebe mehr vorhanden. Die untergegangenen Zellen werden durch atypisches Parenchym, duktale Strukturen und Fettgewebe ersetzt. Große Lymphozytenansammlungen können vorhanden sein und Follikel bilden.
Aufschlussreich sind Biopsien aus subklinischen Fällen, also von Hunden, die noch keine Beschwerden zeigen: Bei ihnen ist die Lymphozyteninfiltration in der Grenzzone zwischen betroffenem und nicht betroffenem Gewebe am stärksten ausgeprägt. Der Angriff frisst sich also von einer Front aus vorwärts.
Bei den infiltrierenden Lymphozyten handelt es sich hauptsächlich um CD4+- und CD8+-T-Zellen, daneben finden sich Plasmazellen. Die CD8+-T-Zellen — die zytotoxischen, also zerstörenden Zellen — sind mit Bereichen von Pankreasnekrosen verknüpft und überwiegen dort, wo die Azinuszellen zerstört sind. Einige dieser Hunde haben zusätzlich geringe Mengen an Antikörpern gegen Pankreas-Azinuszellen.
Entscheidend für das Verständnis: Die Inselzellen, die das Insulin produzieren, bleiben bei dieser Form typischerweise verschont. Deshalb entwickeln diese Hunde in der Regel keinen Diabetes — im Unterschied zur Typ-1-Erkrankung und zur gewöhnlichen chronischen Pankreatitis.
Vererbung und betroffene Rassen
Die Erkrankung hat eine hohe Erblichkeit, wie ihr Vorkommen bei bestimmten Rassen zeigt:
- Deutscher Schäferhund
- Rauhhaar-Collie
- daneben beschrieben bei jugendlichen Windhunden, Beagles und English Settern
Genetische Studien haben ergeben, dass bestimmte MHC-Gene mit der Erkrankung in Verbindung stehen. Eine genetische Ausstattung, die ein neuartiges DLA-88-Allel der Klasse I enthält, ist in hohem Maße mit der Krankheit assoziiert; andere Haplotypen — also Kombinationen von Genvarianten — bieten möglicherweise einen Schutz. Offensichtliche geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es nicht.
Für die Zucht ist das bedeutsam: Bei betroffenen Linien tritt die Erkrankung gehäuft auf, und da sie sich lange stumm entwickelt, kann ein Zuchttier bereits erkrankt sein, ohne Beschwerden zu zeigen.
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Anzeichen
Die Anzeichen treten in der Regel im Alter von 1 bis 5 Jahren auf — also bei jungen, erwachsenen Hunden, was für eine chronische Verdauungserkrankung ungewöhnlich früh ist.
- Gewichtsverlust trotz guten, oft gesteigerten Appetits
- massiger Kot in großer Menge
- Fettkot oder weicher, lockerer Stuhlgang von blasser, gelblicher oder grauer Farbe
- Durchfall mit ausgeprägten Blähungen
- Anzeichen von Bauchbeschwerden
- struppiges, glanzloses Fell
- Fressen von Kot oder ungewöhnlichen Dingen aus Nährstoffmangel
Wichtig: Viele Fälle bleiben subklinisch, solange noch ausreichend Azinusgewebe vorhanden ist. Die Bauchspeicheldrüse verfügt über erhebliche Reserven — sichtbar wird der Mangel erst, wenn der weit überwiegende Teil der Enzymproduktion ausgefallen ist. Ein unauffälliger Hund kann also bereits mitten in der Erkrankung stehen.
Das Leitmuster „frisst viel, magert ab, setzt riesige, helle, fettige Kotmengen ab” ist charakteristisch genug, um zügig gezielt zu testen, statt Futtersorten durchzuprobieren.
Diagnose: TLI und PLI
Die exokrine Pankreasfunktion lässt sich am besten mit Pankreasfunktionstests aus dem Blut beurteilen. Zwei Tests werden empfohlen — sie messen Verschiedenes und dürfen nicht verwechselt werden.
TLI — Trypsin-ähnliche Immunreaktivität. Er misst die Menge an Trypsinogen, die aus der Bauchspeicheldrüse in den Blutkreislauf gelangt ist. Niedrige Werte weisen auf eine Pankreasinsuffizienz hin, und zwar oft schon, bevor eine klinische Erkrankung auftritt. Der TLI ist der beste Test für die exokrine Pankreasinsuffizienz, kann jedoch bei einer akuten Entzündung fälschlicherweise erhöht sein. Die Blutentnahme erfolgt nüchtern.
PLI — Pankreaslipase-Immunreaktivität. Sie gilt als der beste Test, um den Schweregrad der Entzündung zu messen. Die Lipase tritt aus geschädigten Azinuszellen in den Blutkreislauf aus und lässt sich dort bestimmen.
Kurz gefasst: Der TLI beantwortet die Frage „Wie viel Drüse ist noch da?”, der PLI die Frage „Wie stark entzündet ist sie gerade?”.
Ergänzend gehören Cobalamin und Folsäure bestimmt — siehe unten — sowie der Ausschluss chronischer Dünndarmerkrankungen und von Parasiten.
Behandlung
Enzymersatz. Die Behandlung der exokrinen Pankreasinsuffizienz erfolgt durch den oralen Ersatz von Pankreasenzymen. Unbeschichtete Tabletten, rohes gehacktes Pankreas und pulverisierte Formulierungen scheinen am wirksamsten zu sein. Die Enzyme werden zu jeder Mahlzeit gegeben und mit dem Futter vermischt.
Vorsicht bei rohem Pankreas. Rohes Schweinepankreas kann das Virus der Aujeszkyschen Krankheit übertragen, die für Hunde ausnahmslos tödlich verläuft. Wird rohes Pankreas gefüttert, muss die Herkunft sicher sein — im Zweifel ist ein industriell hergestelltes Enzympräparat der sichere Weg.
Immunologische Behandlung. Eine Wirkung der immunologischen Behandlung mit dendritischen Zellen müsste bei dieser Erkrankung noch geprüft werden. Der Ansatz — die Toleranz gegenüber körpereigenem Gewebe wiederherzustellen — passt zum Mechanismus, denn hier zerstören T-Zellen gezielt ein bestimmtes Gewebe. Der Zeitpunkt entscheidet allerdings über den möglichen Nutzen: Solange die Erkrankung subklinisch ist und noch Azinusgewebe vorhanden ist, gäbe es etwas zu bewahren. Ist die Drüse ausgebrannt, hilft nur noch der Enzymersatz. Bei Hunden aus betroffenen Linien, bei denen ein grenzwertiger TLI auffällt, ist diese Überlegung deshalb besonders naheliegend.
Vitamin B12 und die Darmflora
Zwei Begleitprobleme entscheiden häufig darüber, ob die Enzymbehandlung anschlägt.
Cobalaminmangel. Vitamin B12 wird nur mit Hilfe eines Faktors aufgenommen, den bei Hunden überwiegend die Bauchspeicheldrüse bildet. Fällt sie aus, sinkt der B12-Spiegel — und ohne B12 kann sich die Darmschleimhaut nicht erneuern. Ein Hund, der trotz korrekter Enzymgabe nicht zunimmt, hat sehr häufig einen unbehandelten B12-Mangel. Er gehört gezielt ausgeglichen und kontrolliert.
Veränderte Darmflora. Unverdaute Nährstoffe im Dünndarm sind Nahrung für Bakterien. Die daraus entstehende Fehlbesiedlung unterhält Durchfall und Blähungen auch dann noch, wenn die Enzyme bereits wirken. In solchen Fällen ist eine zeitlich begrenzte antibiotische Behandlung sinnvoll — begleitet, nicht auf Verdacht.
Fütterung und Alltag
- Enzyme zu jeder Mahlzeit und gut untermischen; keine Ausnahmen
- kleine, häufige Mahlzeiten statt einer großen Portion
- leicht verdauliche, moderat fettreduzierte Kost in Absprache mit der Praxis
- Gewicht wöchentlich notieren — der ehrlichste Erfolgsparameter
- Kot dokumentieren — Menge, Farbe, Konsistenz zeigen, ob die Enzymdosis passt
- Cobalamin kontrollieren lassen und die Substitution durchziehen
- Geduld in den ersten Wochen — der Aufbau braucht Zeit, das Fell am längsten
Ein junger Hund, der frisst und trotzdem abmagert, macht seinen Menschen zu Recht Sorgen — viele Halter haben zu diesem Zeitpunkt schon einige Futtersorten und Kuren hinter sich. Die gute Nachricht ist, dass diese Erkrankung nach der Diagnose sehr gut zu führen ist: Enzyme, Vitamin B12 und eine passende Fütterung bringen die meisten dieser Hunde in wenigen Wochen zurück auf ihr Normalgewicht — und dort bleiben sie dann auch.
Quellen
- Tizard IR (2023): Type 2 Autoimmune Pancreatitis. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals. Elsevier, St. Louis, MO, S. 181–183
- Washabau RJ, Day MJ (Hrsg.) (2013): Canine and Feline Gastroenterology. Elsevier, St. Louis, MO
- Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E (Hrsg.) (2017): Textbook of Veterinary Internal Medicine. 8. Auflage, Elsevier, St. Louis, MO
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Häufige Fragen
Was ist die autoimmune Bauchspeicheldrüsenentzündung Typ 2 beim Hund?
Es handelt sich um die häufigste Ursache der exokrinen Pankreasinsuffizienz beim Hund, also eines Mangels an Verdauungsenzymen. Dabei verkümmert die Bauchspeicheldrüse in Verbindung mit einer Infiltration von Lymphozyten und Plasmazellen (Abwehr- und Antikörperzellen). Der Autoimmunangriff zerstört selektiv die Azinuszellen, das heißt die Zellen, die die Verdauungsenzyme produzieren; im Endstadium ist in der Regel kein Azinusgewebe mehr vorhanden.
Ist die Pankreasinsuffizienz Typ 2 beim Hund erblich?
Die Krankheit hat eine hohe Erblichkeit, wie ihr Vorkommen bei Deutschen Schäferhunden und Rauhhaar-Collies zeigt; sie wurde auch bei jugendlichen Windhunden, Beagles und English Settern festgestellt. Genetische Studien haben ergeben, dass bestimmte MHC-Gene, darunter ein neuartiges DLA-88-Allel, in hohem Maße mit der Krankheit assoziiert sind, während andere Haplotypen (Genvarianten-Kombinationen) möglicherweise schützen. Offensichtliche geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es nicht.
Woran erkenne ich die Bauchspeicheldrüsenentzündung Typ 2 bei meinem Hund?
Die Anzeichen treten in der Regel im Alter von 1 bis 5 Jahren auf: Die Hunde zeigen Bauchbeschwerden und eine unzureichende Verdauung und verlieren trotz guten Appetits an Gewicht. Typisch sind Durchfall mit Blähungen sowie Fettkot oder weicher, lockerer Stuhlgang von blasser, gelblicher oder grauer Farbe. Viele Fälle bleiben subklinisch, also ohne erkennbare Symptome, solange noch ausreichend Azinusgewebe vorhanden ist.
Worin unterscheidet sich die Typ-2- von der Typ-1-Pankreatitis?
Die Typ-2-Pankreatitis geht nicht mit Anomalien im IgG4-Spiegel einher und betrifft keine anderen Organe als die Bauchspeicheldrüse. Bei den infiltrierenden Zellen handelt es sich hauptsächlich um CD4+- und CD8+-T-Zellen, also bestimmte Abwehrzellen, wobei die zytotoxischen T-Zellen in den Bereichen überwiegen, in denen die Azinuszellen zerstört sind.
Wie wird die exokrine Pankreasinsuffizienz beim Hund diagnostiziert?
Am besten eignen sich Pankreasfunktionstests aus dem Blut. Der TLI-Test (Trypsin-ähnliche Immunreaktivität) misst das aus der Bauchspeicheldrüse in den Blutkreislauf gelangte Trypsinogen; niedrige Werte weisen auf eine Pankreasinsuffizienz hin, teils schon bevor eine klinische Erkrankung auftritt. Der PLI-Test (Pankreaslipase-Immunreaktivität) gilt als der beste Test, um den Schweregrad der Entzündung zu messen, da die Lipase aus geschädigten Azinuszellen ins Blut austritt.
Wie wird die Bauchspeicheldrüsenentzündung Typ 2 des Hundes behandelt?
Die Behandlung erfolgt durch den oralen Ersatz von Pankreasenzymen, also die Zuführung der fehlenden Verdauungsenzyme mit dem Futter; unbeschichtete Tabletten, rohes gehacktes Pankreas und pulverisierte Formulierungen scheinen am wirksamsten zu sein. Ergänzend kann eine immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen — körpereigenen, regulierend wirkenden Immunzellen — in Betracht gezogen werden; ihre Wirkung bei dieser Erkrankung müsste allerdings noch geprüft werden.