Autoimmunerkrankung

Autoimmun bedingte Bauchspeicheldrüsenentzündung des Hundes

Bei der autoimmunen Pankreatitis Typ 1 handelt es sich um eine Immunglobulin-(IgG4-)abhängige Erkrankung, die vom Menschen bekannt ist und ebenso beim Hund auftritt. Sie ist eine systemische fibroinflammatorische Erkrankung — also eine Entzündung mit begleitendem bindegewebigem Umbau —, die durch die Infiltration des betroffenen Gewebes mit einer großen Anzahl IgG4-positiver Plasmazellen gekennzeichnet ist. Die Bauchspeicheldrüse scheint das bevorzugte Zielorgan zu sein, sodass Hunde typischerweise eine lymphoplasmazytische sklerosierende Bauchspeicheldrüsenentzündung entwickeln.

Der Name führt dabei leicht in die Irre: Diese Erkrankung ist keine örtliche Entzündung eines Organs, sondern eine Systemerkrankung, die sich bevorzugt an der Bauchspeicheldrüse zeigt. Wer nur dorthin schaut, übersieht die Hälfte des Bildes.

Was die Bauchspeicheldrüse leistet

Die Bauchspeicheldrüse erfüllt zwei völlig verschiedene Aufgaben in einem Organ:

  • Exokrin liefert sie die Verdauungsenzyme, die Fett, Eiweiß und Stärke im Dünndarm aufspalten. Dieser Teil macht den weit überwiegenden Anteil des Gewebes aus.
  • Endokrin produziert sie in den Langerhans-Inseln die Hormone Insulin und Glukagon, die den Blutzucker regeln.

Wird das Organ entzündlich zerstört, fallen beide Funktionen aus — allerdings nicht gleichzeitig. Weil der exokrine Anteil größer ist und erhebliche Reserven hat, zeigt sich der Enzymmangel erst, wenn ein Großteil des Gewebes verloren ist. Genau dann trifft es meist auch die Inseln, und der Diabetes kommt hinzu.

Was bei der IgG4-Erkrankung geschieht

Die Bauchspeicheldrüse ist mit einem dichten, vielschichtigen Infiltrat aus Plasmazellen durchsetzt, begleitet von Fibroseschichten und einem Venenverschluss. Die IgG4-positiven Plasmazellen können dabei mehr als 40 % aller Lymphozyten und Plasmazellen im Infiltrat ausmachen — ein Anteil, der diese Erkrankungsgruppe kennzeichnet.

Die Infiltration führt schließlich zu Gewebeschäden und zur Organfibrose, also zur bindegewebigen Vernarbung. Das ist der entscheidende Punkt für den Verlauf: Die Entzündung ist behandelbar, die Narbe nicht. Je früher die Behandlung beginnt, desto mehr funktionsfähiges Gewebe bleibt erhalten.

Betroffene Organe über die Bauchspeicheldrüse hinaus

Die Läsionen sind nicht auf die Bauchspeicheldrüse beschränkt. IgG4-positive B-Zellen können auch andere Organe infiltrieren:

  • Speicheldrüsen
  • periorbitales Gewebe, also das Gewebe um die Augenhöhle
  • Retroperitoneum, den Raum hinter dem Bauchfell
  • Niere
  • Gallenwege
  • Lunge
  • Schilddrüse

Bemerkenswert ist dabei, dass die Tränendrüsen äußerlich normal erscheinen können, obwohl sie bereits mit Plasmazellen infiltriert sind. Das erklärt, warum manche dieser Hunde ein trockenes Auge entwickeln, ohne dass am Auge zunächst etwas auffällt.

Bei einem Hund mit unklarer Kombination aus Verdauungsproblemen, Augenbeschwerden und veränderten Nieren- oder Leberwerten lohnt es sich deshalb, an ein gemeinsames Grundgeschehen zu denken, statt jedes Organ einzeln abzuarbeiten.

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Betroffene Rassen und Anzeichen

Die chronische Autoimmunpankreatitis Typ 1 tritt bei vielen Hunderassen auf. English Springer Spaniel und Cocker Spaniel sind dabei tendenziell überrepräsentiert.

Betroffene Hunde entwickeln in der Regel eine exokrine Pankreasinsuffizienz — einen Mangel an Verdauungsenzymen:

  • Fettstuhl — großvolumiger, hellgrauer, übelriechender, fettig glänzender Kot
  • Gewichtsverlust trotz oft gesteigertem Appetit
  • positive Reaktion auf die Gabe von Pankreasenzymen — sie ist zugleich ein diagnostischer Hinweis
  • Koprophagie und Fressen ungewöhnlicher Dinge, aus Nährstoffmangel
  • struppiges, glanzloses Fell

Hinzu kommen können:

  • Diabetes mellitus mit vermehrtem Trinken, erhöhter Urinausscheidung und anhaltender Hyperglykämie
  • Eiweißausscheidung im Urin und möglicherweise Ketonkörper im Urin
  • Keratoconjunctivitis sicca, also ein trockenes Auge, mit zähem Augenausfluss und geröteter Bindehaut

Die Kombination „magert ab, frisst gut, hat massigen fettigen Kot” ist das Leitmuster der exokrinen Pankreasinsuffizienz. Sie gehört abgeklärt, bevor über Futterunverträglichkeiten spekuliert wird.

Diagnose

Ultraschall. Die Erkrankung geht häufig mit einer vergrößerten, hypoechoischen — also im Bild dunkler erscheinenden — Bauchspeicheldrüse einher.

Funktionsprüfung. Der Nachweis der exokrinen Pankreasinsuffizienz erfolgt über die Bestimmung der Trypsin-ähnlichen Immunreaktivität im Blut; sie ist bei diesen Hunden stark erniedrigt. Ergänzend werden Vitamin B12 (Cobalamin) und Folsäure bestimmt, weil ein Mangel häufig ist und mitbehandelt werden muss.

Feingewebliche Untersuchung. Die endgültige Diagnose hängt vom Nachweis der charakteristischen Histopathologie und der erhöhten Anzahl IgG4-positiver Zellen in den betroffenen Geweben ab.

Abzugrenzen. Die IgG4-Erkrankung ähnelt im Bild dem Plasmazelltumor, dem multiplen Myelom. Diese Unterscheidung ist wesentlich, weil beide Erkrankungen völlig unterschiedlich behandelt werden. Ebenfalls abzugrenzen sind die gewöhnliche chronische Pankreatitis, Tumoren der Bauchspeicheldrüse und chronische Dünndarmerkrankungen.

Behandlung

Glukokortikoide. Tiere wie Menschen reagieren in der Regel positiv auf eine Behandlung mit Glukokortikoiden, die erforderlichenfalls durch Cyclophosphamid ergänzt wird. Das Ansprechen ist bei dieser Erkrankungsgruppe typischerweise gut und rasch — was zugleich ein diagnostisches Argument liefert.

Enzymersatz. Besteht bereits eine exokrine Pankreasinsuffizienz, werden Pankreasenzyme zu jeder Mahlzeit zugefüttert. Diese Behandlung ist lebenslang, sobald das Gewebe verloren ist.

Vitamin B12. Ein Cobalaminmangel ist bei diesen Hunden häufig und verhindert, dass die Darmschleimhaut sich erholt. Er gehört gezielt ausgeglichen — sonst bleibt der Behandlungserfolg trotz Enzymgabe aus.

Diabetesbehandlung. Ist der endokrine Anteil betroffen, kommt die Insulinbehandlung hinzu.

Immunologische Behandlung. Weil hier eine fehlgeleitete Immunreaktion und nicht ein Erreger das Geschehen antreibt, sollte eine immunologische Behandlung geprüft werden. Die dendritische Zelltherapie setzt an der Steuerung des Immunsystems an: Dendritische Zellen entscheiden mit darüber, ob ein Gewebe angegriffen oder toleriert wird. Aus dem Blut des Patienten gewonnen und entsprechend aufbereitet, können sie die Toleranz gegenüber körpereigenem Gewebe fördern. Bei einer Erkrankung, die sonst hochdosiertes Kortison über lange Zeit erfordert und in der Fibrose endet, ist das ein Ansatz, der sowohl das Gewebe als auch die Verträglichkeit im Blick hat.

Informationen zur autoimmun bedingten Pankreatitis Typ 2 des Hundes finden Sie auf einer eigenen Seite.

Ernährung und Alltag

  • Enzyme zu jeder Mahlzeit — kein Ausnahmetag, auch nicht bei Leckerlis in größerer Menge
  • mehrere kleine Mahlzeiten statt einer großen entlasten die Verdauung
  • fettreduzierte, leicht verdauliche Kost in Absprache mit der Praxis
  • Gewicht wöchentlich notieren — es ist der ehrlichste Erfolgsparameter
  • Kotbeschaffenheit dokumentieren — Menge, Farbe, Konsistenz zeigen früh, ob die Enzymdosis passt
  • Blutkontrollen einhalten — Cobalamin, Blutzucker, Nieren- und Leberwerte
  • Augen im Blick behalten — zäher Ausfluss und Rötung sind der erste Hinweis auf ein trockenes Auge

Ein Hund, der frisst und trotzdem abmagert, macht seinen Menschen Sorgen — und viele Halter haben schon mehrere Futtersorten durchprobiert, bevor die Diagnose steht. Die gute Nachricht: Sobald Enzyme, Vitamin B12 und, wo nötig, die Entzündungsbehandlung stehen, kommt bei den meisten dieser Hunde das Gewicht zurück. Was zuvor wie ein hoffnungsloser Fall aussah, wird dann oft binnen weniger Wochen ein ganz normaler Hund.

Quellen

  • Tizard IR (2023): Type 1 Autoimmune Pancreatitis. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals. Elsevier, St. Louis, MO, S. 180–181
  • Ettinger SJ, Feldman EC, Côté E (Hrsg.) (2017): Textbook of Veterinary Internal Medicine. 8. Auflage, Elsevier, St. Louis, MO
  • Washabau RJ, Day MJ (Hrsg.) (2013): Canine and Feline Gastroenterology. Elsevier, St. Louis, MO

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Häufige Fragen

Was ist eine autoimmune Pankreatitis Typ 1 beim Hund?

Die autoimmune Pankreatitis Typ 1 ist eine Immunglobulin-(IgG4-)abhängige, systemische fibroinflammatorische Erkrankung, also eine Entzündung mit begleitendem bindegewebigem Umbau. Kennzeichnend ist die Infiltration des betroffenen Gewebes mit einer großen Anzahl IgG4-positiver Plasmazellen (antikörperbildender Immunzellen). Die Bauchspeicheldrüse scheint das bevorzugte Zielorgan zu sein, sodass Hunde typischerweise eine lymphoplasmazytische sklerosierende Bauchspeicheldrüsenentzündung entwickeln.

Welche Hunde erkranken an der autoimmunen Bauchspeicheldrüsenentzündung?

Die chronische Autoimmunpankreatitis Typ 1 tritt bei vielen Hunderassen auf. English Springer Spaniels und Cocker Spaniels sind dabei tendenziell überrepräsentiert, also häufiger betroffen, als es ihrem Anteil entspricht.

Woran erkenne ich eine autoimmune Bauchspeicheldrüsenentzündung bei meinem Hund?

Betroffene Hunde entwickeln in der Regel eine exokrine Pankreasinsuffizienz, also einen Mangel an Verdauungsenzymen, mit Anzeichen wie Fettstuhl, Gewichtsverlust und einer positiven Reaktion auf die Gabe von Pankreasenzymen. Zusätzlich kann ein Diabetes mellitus mit vermehrtem Trinken, erhöhter Urinausscheidung und anhaltender Hyperglykämie (erhöhtem Blutzucker) entstehen. Einige Tiere entwickeln auch eine Keratoconjunctivitis sicca, das heißt eine trockene Binde- und Hornhautentzündung des Auges.

Betrifft die IgG4-Erkrankung nur die Bauchspeicheldrüse?

Nein, die Läsionen sind nicht auf die Bauchspeicheldrüse beschränkt. IgG4-positive B-Zellen können auch andere Organe infiltrieren, etwa die Speicheldrüsen, das periorbitale Gewebe (Gewebe um die Augenhöhle), das Retroperitoneum, die Niere, die Gallenwege, die Lunge und die Schilddrüse. Die Infiltration führt schließlich zu Gewebeschäden und Organfibrose, also einer bindegewebigen Vernarbung.

Wie wird die autoimmune Pankreatitis beim Hund diagnostiziert?

Die Erkrankung geht häufig mit einer vergrößerten, im Ultraschall hypoechoischen, also dunkler erscheinenden, Bauchspeicheldrüse einher. Die endgültige Diagnose hängt vom Nachweis der charakteristischen Histopathologie, also des feingeweblichen Befundes, und der erhöhten Anzahl IgG4-positiver Zellen in den betroffenen Geweben ab.

Wie wird die autoimmune Bauchspeicheldrüsenentzündung behandelt?

Tiere wie Menschen reagieren in der Regel positiv auf eine Behandlung mit Glukokortikoiden, also Kortisonpräparaten, die erforderlichenfalls durch Cyclophosphamid (ein das Immunsystem dämpfendes Medikament) ergänzt wird. Darüber hinaus sollte eine immunologische Behandlung geprüft werden.

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