Entzündliche Darmerkrankungen bei Pferden (IBD)
Bei den entzündlichen Darmerkrankungen des Pferdes — im Englischen Inflammatory Bowel Disease, kurz IBD — handelt es sich um eine Gruppe chronischer Entzündungen der Darmwand. Entzündungszellen durchsetzen die Schleimhaut, die Zotten bilden sich zurück, und die Aufnahme von Nährstoffen wird gestört. Wie beim Hund sind wahrscheinlich verschiedene angeborene und erworbene Immunmechanismen beteiligt.
Die zellulären Infiltrate des Darms können eosinophil, lymphoplasmazytisch oder granulomatös sein — benannt nach den jeweils vorherrschenden Entzündungszellen. Diese Erkrankungen betreffen in erster Linie den Dünndarm, können sich in schweren Fällen aber auch auf den Dickdarm ausweiten.
Für Besitzer ist die IBD eine der frustrierendsten Diagnosen der Pferdemedizin: Das Pferd magert ab, obwohl es frisst, und die naheliegenden Erklärungen — Zähne, Würmer, Futterqualität — greifen nicht.
Anzeichen
Die klinischen Symptome reichen von leichten Verdauungsstörungen bis hin zu schweren, anhaltenden Koliken und chronischem Durchfall. In der Regel spiegeln sie Malabsorptionsprobleme wider — eine gestörte Nährstoffaufnahme im Darm:
- Inappetenz, also Fressunlust, oder wählerisches Fressen
- Gewichtsverlust trotz erhaltener Futteraufnahme
- Ödeme — angelaufene Beine, Unterbauch- oder Brustödem
- Hypoalbuminämie, also Eiweißmangel im Blut
- wiederkehrende Koliken, vor allem bei Beteiligung der tieferen Darmwandschichten
- chronischer Durchfall, wenn der Dickdarm mitbetroffen ist
- Leistungsabfall, stumpfes Fell, Mattigkeit
Warmblut- und Vollblutpferde scheinen für diese Erkrankungen prädisponiert zu sein.
Die Ödeme verdienen dabei besondere Aufmerksamkeit: Angelaufene Beine bei einem abmagernden Pferd sind kein Bewegungsmangel, sondern in aller Regel ein Zeichen für den Eiweißverlust über den Darm.
Die lymphoplasmazytische Form
Die lymphoplasmazytische Enteritis ähnelt der beim Hund beobachteten Form; ihre Ursache und die zugrunde liegenden Faktoren sind unbekannt.
Bei dieser selteneren Erkrankung findet sich ein lymphoplasmazytisches Infiltrat in der Lamina propria des Darms. Sie führt zu einer chronischen Enterokolitis und zu einer abschnittsweisen oder durchgehenden Verdickung des Dünndarms. In der Regel liegt eine Zottenatrophie vor — die Darmzotten, die die aufnehmende Oberfläche vielfach vergrößern, bilden sich zurück.
Eine offensichtliche rasse- oder geschlechtsspezifische Veranlagung besteht nicht, und Pferde jeden Alters können betroffen sein. Die Tiere sind abgemagert, lethargisch, in ihrem Verhalten verändert und leiden unter chronischem Durchfall. Sie sind in der Regel hypoproteinämisch und hypoalbuminämisch.
Die Diagnose erfordert eine Gewebeprobe und ist am lebenden Pferd schwer zu stellen. Es wurde vermutet, dass es sich bei dieser Erkrankung um ein frühes Entwicklungsstadium eines Darmlymphosarkoms handeln könnte — ein Grund mehr, den Verlauf sorgfältig zu begleiten.
Die eosinophile Form
Eine eosinophile Enteritis wird üblicherweise auf Parasiten und die damit verbundenen allergischen Reaktionen zurückgeführt. Das ist praktisch bedeutsam, weil hier eine ursächliche Behandlung möglich ist.
Eosinophile Enterokolitis. Bei ihr kommt es zu einer massiven Infiltration der Schleimhaut mit eosinophilen Granulozyten sowie Lymphozyten und Makrophagen. Je nachdem, welche Schleimhautschicht betroffen ist, führt das eher zu wiederkehrenden Koliken als zu Durchfall. Die Infiltrate können durchgehend oder abschnittsweise auftreten. Es können sich auch ringförmige Wandbänder entwickeln, die zu einem Darmverschluss führen — eine chirurgisch relevante Komplikation. Die Veränderungen sind in diesen Fällen in der Regel auf den Magen-Darm-Trakt beschränkt, und die betroffenen Tiere entwickeln nicht zwangsläufig eine Eosinophilie im Blutbild. Ein unauffälliges Blutbild schließt diese Form also nicht aus.
Multisystemische eosinophile epitheliotrope Erkrankung. Diese Form wurde bei jungen Pferden festgestellt. Sie entwickeln eine eosinophile Infiltration mehrerer Organe: Haut, Mundhöhle, Speiseröhre, Speicheldrüsen, Leber, Lunge und mesenteriale Lymphknoten — zusätzlich zum Darmtrakt. Die Veränderungen können auch Lymphozyten und Makrophagen enthalten.
Betroffene Pferde können zudem an einer nässenden Hautentzündung leiden, die Gesicht, Gliedmaßen und den unteren Bauchbereich betrifft und dem Pemphigus foliaceus ähnelt. Auch das System aus Leber und Gallenwegen kann betroffen sein, entsprechend verändert zeigen sich die Blutwerte. Die Diagnose wird durch eine Gewebeprobe der betroffenen Organe gestellt.
Ein junges Pferd mit gleichzeitigen Haut- und Verdauungsproblemen ist damit ein Fall, bei dem an ein gemeinsames Grundgeschehen zu denken ist — nicht an zwei zufällig zusammentreffende Erkrankungen.
Die granulomatöse Enteritis
Die granulomatöse Enteritis kann örtlich begrenzt oder den ganzen Körper betreffend auftreten und wird bevorzugt bei Standardrassen beobachtet. In vielen Fällen ist sie Ausdruck einer chronischen Infektion mit Mykobakterien, Listerien oder Salmonellen — hier steht also ein Erreger am Anfang, nicht eine reine Fehlsteuerung des Immunsystems.
Die Tiere haben in der Regel durchgehende Veränderungen im Dünndarm und leiden an einer Zottenatrophie. Die Läsionen bestehen aus Ansammlungen von Makrophagen und Epitheloidzellen; gelegentlich sind auch Riesenzellen vorhanden. In vielerlei Hinsicht ähnelt das Bild der Paratuberkulose des Rindes.
Die Konsequenz für die Praxis ist eindeutig: Vor jeder immundämpfenden Behandlung muss ein Erregernachweis versucht werden, da sich eine mykobakterielle Infektion unter Kortison rapide verschlechtern würde.
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Gluten und Transglutaminase — was die Forschung zeigt
Es werden zunehmend Untersuchungen vorgenommen, um die Ursachen der IBD beim Pferd aufzuklären. In einer Studie von Van der Kolk und Kollegen (2012) wurde untersucht, ob betroffene Pferde Antikörper gegen das Gluten-Abbauprodukt Gliadin und gegen das Autoantigen Transglutaminase 2 aufweisen.
Das Ergebnis war differenziert: Einige Pferde wiesen tatsächlich Antikörper gegen Transglutaminase 2 auf — darunter sowohl an IBD erkrankte Pferde als auch solche, die eine glutenreiche Ration erhielten. Ein signifikanter Unterschied in den Antikörpertitern zwischen IBD-Pferden und den mit Gluten gefütterten Kontrolltieren bestand jedoch nicht.
Interessanterweise wies ein einziges IBD-Pferd hohe Werte an Autoantikörpern auf, und zwar nicht nur gegen Transglutaminase 2, sondern auch gegen deamidierte Glutenpeptide und equines Endomysium. Nach einer sechsmonatigen glutenfreien Fütterung erholte sich dieses Pferd klinisch, und die Gewebeuntersuchung des Zwölffingerdarms verbesserte sich deutlich.
Was folgt daraus? Eine allgemeine Empfehlung für eine glutenfreie Fütterung lässt sich aus einem Einzelfall nicht ableiten — der Befund ist ein Hinweis, keine Leitlinie. Bei einem Pferd, das auf die üblichen Behandlungen nicht anspricht, kann ein zeitlich begrenzter, konsequent durchgeführter Fütterungsversuch dennoch eine vertretbare Option sein.
Diagnose
Die Diagnose der IBD beim Pferd ist eine Ausschlussdiagnose. Erforderlich sind:
- Blutuntersuchung — eine Hypoproteinämie ist ein häufiger Befund; ergänzend Entzündungsmarker wie Serum-Amyloid A
- Kotuntersuchung auf Wurmeier — die Bestimmung der Eizahl je Gramm Kot
- bakteriologische Untersuchung, insbesondere zum Nachweis von Salmonellen
- rektale Untersuchung — verdickte Darmwände können tastbar sein
- Ultraschall durch die Bauchdecke — so sind verdickte Darmwände oder vergrößerte Lymphknoten darstellbar
- rektale Biopsie — sie ist bei etwa einem Drittel der Patienten diagnostisch; eine unauffällige Probe schließt die Erkrankung aber nicht aus
Der orale Glukose-Toleranz-Test
Als weiterführender, indirekter Hinweis dient der orale Glukose-Toleranz-Test (OGTT). Dem nüchternen Pferd wird über eine Nasenschlundsonde eine Zuckerlösung verabreicht; anschließend wird der Blutzucker über mehrere Stunden gemessen. Steigt er nur flach an, spricht das für eine verminderte Aufnahme von Nahrungsbestandteilen aus dem Darm.
Der Test ist einfach durchzuführen und macht die Malabsorption sichtbar — mehr aber auch nicht. In einer retrospektiven Auswertung von Boshuizen und Kollegen war der OGTT bei über 70 Prozent der Pferde mit IBD-Verdacht auffällig, ließ sich jedoch weder mit den Gewebebefunden noch mit dem weiteren Verlauf in Beziehung setzen. Ein auffälliger OGTT begründet den Verdacht, er sichert die Diagnose nicht.
Die Vollwandbiopsie
Gesichert wird die Diagnose letztlich nur durch eine Gewebeprobe, die alle Schichten der Darmwand erfasst — die Vollwandbiopsie —, mit anschließender Untersuchung im spezialisierten Labor. Wegen des damit verbundenen Eingriffs am Bauchraum scheuen viele Tierärzte diesen Schritt und begnügen sich mit der rektalen Untersuchung und der Bestimmung der Darmwandstärke im Ultraschall.
Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar, hat aber einen Preis: Ohne Gewebebefund bleibt unklar, welche Form vorliegt — und damit auch, ob überhaupt eine IBD und nicht ein Darmlymphom oder eine chronische Infektion behandelt wird. Bei einem Pferd, das über Monate Kortison erhalten soll, ist diese Unterscheidung elementar und keine rein akademische Frage.
Behandlung
Zur Behandlung dieser Erkrankungen wurden verschiedene Medikamente eingesetzt, die jedoch oft nicht erfolgreich sind:
- Steroide — Dexamethason oder Prednisolon
- Antibiotika
- Hydroxychloroquin
- Metronidazol
- Sulfasalazin
Eine langwierige Behandlung ist erforderlich. Zu bedenken ist beim Pferd außerdem das Risiko einer Hufrehe unter systemischen Glukokortikoiden — es ist ein wesentlicher Grund, die Dosis so niedrig wie möglich zu halten und den Stoffwechselstatus vorab abzuklären.
Ergänzend kommen folgende Maßnahmen in Betracht:
- Unterstützende Maßnahmen: In akuten Durchfallphasen lindert eine Infusionsbehandlung die Folgen des Flüssigkeits- und Elektrolytverlusts; zugleich wird versucht, die Darmbewegung wieder in geordnete Bahnen zu lenken.
- Wurmmittel: Ist die eosinophile Erkrankung auf Parasiten zurückzuführen, können Anthelminthika helfen. Ein selektives Entwurmungskonzept nach Kotbefund gehört bei diesen Pferden zum Standard.
- Ernährungsumstellung: Einige Pferde reagieren positiv darauf.
- Immunologische Behandlung: Eine immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen sollte eingeleitet werden, um die Symptomatik der IBD herunterzufahren.
Dendritische Zellen sind die Regisseure der Immunantwort: Gerade im Darm entscheiden sie darüber, ob ein Antigen toleriert oder bekämpft wird. Aus dem Blut des Pferdes gewonnen und entsprechend aufbereitet, können sie die Toleranz gegenüber harmlosen Antigenen fördern. Bei einer Erkrankung, deren medikamentöse Behandlung häufig nur teilweise anschlägt und deren Dauerbehandlung mit Kortison beim Pferd ein eigenes Risiko trägt, ist dieser Weg eine ernsthafte Überlegung wert. Wie die Behandlung im Einzelnen abläuft, ist unter Dendritische Zelltherapie bei Autoimmunerkrankungen beschrieben.
Prognose
Die Prognose der IBD gilt als vorsichtig — die vorliegenden Auswertungen zeichnen jedoch ein weniger düsteres Bild, als der Ruf der Erkrankung vermuten lässt.
Der aussagekräftigste Maßstab ist das Ansprechen in den ersten Wochen. In einer Untersuchung von 149 Pferden mit passenden Gewebebefunden lebte nach einem Jahr rund drei Viertel der Tiere, die sich innerhalb von sechs Wochen klinisch gebessert hatten — gegenüber knapp einem Viertel der Pferde ohne Besserung (Kranenburg et al. 2024). Bemerkenswert ist, was in dieser Auswertung nicht vorhersagbar war: Weder das Alter noch die Art des Entzündungsinfiltrats, weder Durchfall noch der Eiweißwert im Blut ließen auf den Verlauf schließen. Auch eine zweite Gewebeprobe erwies sich als schlechter Vorhersagewert.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine multizentrische Auswertung von 97 Fällen aus den Jahren 2006 bis 2020 (Tanquerel et al. 2024): Auch hier waren es der klinische Verlauf und das Ansprechen auf die Behandlung, die sich mit dem Überleben in Beziehung setzen ließen, während einzelne Gewebemerkmale für sich genommen wenig aussagten.
In der Auswertung von Boshuizen und Kollegen starben 10 von 39 Pferden innerhalb eines Jahres an Folgen der Erkrankung.
Diese Zahlen stammen aus rückblickenden Fallserien mit begrenzter Tierzahl; sie geben eine Orientierung, keine Sicherheit. Für die Praxis lässt sich daraus dennoch eine klare Linie ableiten: Die ersten sechs Wochen der Behandlung sind die entscheidende Wegmarke. Bessert sich das Pferd in dieser Zeit, stehen die Aussichten gut. Bessert es sich nicht, ist das der Zeitpunkt, das Behandlungskonzept zu überdenken — nicht der Zeitpunkt, unverändert weiterzumachen.
Fütterung und Stallmanagement
- hochwertiges, staubarmes Raufutter in kleinen Portionen über den Tag verteilt
- Kraftfutter reduzieren und, wenn nötig, auf leicht verdauliche Energiequellen umstellen
- Futterumstellungen langsam über zwei bis drei Wochen vornehmen
- Gewicht regelmäßig erfassen — Maßband oder Waage, immer zur gleichen Tageszeit
- Beine und Unterbauch täglich prüfen — neue Ödeme sind ein Warnzeichen
- selektive Entwurmung nach Kotbefund statt schematischer Kuren
- Wasseraufnahme sichern, besonders bei Durchfall
- Stress und Haltungswechsel vermeiden, soweit möglich
Ein Pferd, das trotz guter Fütterung abmagert, stellt Besitzer auf eine harte Geduldsprobe — zumal die Behandlung Monate braucht und Rückschläge dazugehören. Was hilft, ist ein nüchterner Blick auf messbare Größen: Gewicht, Eiweißwert, Ödeme. Sie zeigen früher als der allgemeine Eindruck, ob die Richtung stimmt.
Quellen
- Boshuizen B, Ploeg M, Dewulf J, Klooster S, de Bruijn M, Picavet M-T, Palmers K, Plancke L, De Cock H, Theelen M, Delesalle C (2018): Inflammatory bowel disease (IBD) in horses: a retrospective study exploring the value of different diagnostic approaches. BMC Veterinary Research 14: 21. DOI: 10.1186/s12917-018-1343-1
- Kranenburg LC, Bouwmeester BF, van den Boom R (2024): Findings and Prognosis in 149 Horses with Histological Changes Compatible with Inflammatory Bowel Disease. Animals 14(11): 1638. DOI: 10.3390/ani14111638
- Tanquerel L et al. (2024): Clinical and histological features associated with survival in equine inflammatory bowel disease: a multicentric retrospective study of 97 cases (2006–2020). https://hal.science/hal-04480637v1/document
- Van der Kolk JH, van Putten LA, Mulder CJ, Grinwis GCM, Reijm M, Butler CM, von Blomberg BME (2012): Gluten-dependent antibodies in horses with inflammatory small bowel disease (ISBD). Veterinary Quarterly 32(1), 3–11. DOI: 10.1080/01652176.2012.675636
- Vitale V (2021): Inflammatory bowel diseases in horses: What do we know? Equine Veterinary Education. DOI: 10.1111/eve.13537
- Tizard IR (2023): Equine Inflammatory Bowel Disease. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals. Elsevier, St. Louis, MO, S. 248–250
- Reed SM, Bayly WM, Sellon DC (Hrsg.) (2018): Equine Internal Medicine. 4. Auflage, Elsevier, St. Louis, MO
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung bei Autoimmunerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine IBD bei meinem Pferd?
Die klinischen Symptome reichen von leichten Verdauungsstörungen bis hin zu schweren, anhaltenden Koliken und chronischem Durchfall. In der Regel spiegeln sie Malabsorptionsprobleme wider, also eine gestörte Nährstoffaufnahme im Darm, die sich in Inappetenz (Fressunlust), Gewichtsverlust mit Ödemen und Hypoalbuminämie (Eiweißmangel im Blut) äußert. Angelaufene Beine bei einem abmagernden Pferd sind dabei ein Warnzeichen für den Eiweißverlust über den Darm.
Welche Formen der IBD gibt es beim Pferd?
Die zellulären Infiltrate des Darms können eosinophil, lymphoplasmazytisch oder granulomatös sein — benannt nach den jeweils vorherrschenden Entzündungszellen. Die Erkrankungen betreffen in erster Linie den Dünndarm, können sich in schweren Fällen aber auch auf den Dickdarm ausweiten. Eine eosinophile Enteritis wird üblicherweise auf Parasiten und damit verbundene allergische Reaktionen zurückgeführt.
Welche Pferde sind besonders anfällig für eine IBD?
Warmblut- und Vollblutpferde scheinen für diese Erkrankungen prädisponiert, also besonders anfällig, zu sein. Die granulomatöse Enteritis tritt bevorzugt bei Standardrassen auf und ist in vielen Fällen Ausdruck einer chronischen Infektion mit Mykobakterien, Listerien oder Salmonellen.
Wie wird eine IBD beim Pferd diagnostiziert?
Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose, das heißt, andere Ursachen müssen zunächst ausgeschlossen werden. Dazu gehören eine Blutuntersuchung, eine Bestimmung der Wurmeizahl im Kot und bakteriologische Untersuchungen, insbesondere zum Nachweis von Salmonellen. Die rektale Untersuchung und ein Ultraschall durch die Bauchdecke können eine verdickte Darmwand aufzeigen; als indirekter Hinweis dient der orale Glukose-Toleranz-Test. Gesichert wird die Diagnose nur durch eine Gewebeprobe.
Was ist der orale Glukose-Toleranz-Test und was sagt er aus?
Beim oralen Glukose-Toleranz-Test wird dem Pferd eine Zuckerlösung über eine Nasenschlundsonde verabreicht und anschließend der Blutzuckerverlauf gemessen. Steigt er nur flach an, spricht das für eine verminderte Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm. Der Test ist ein Hinweis, kein Beweis: In einer Auswertung von Boshuizen und Kollegen war er bei über 70 Prozent der verdächtigen Pferde auffällig, sagte aber nichts über den weiteren Verlauf aus.
Kann eine glutenfreie Diät bei der IBD des Pferdes helfen?
In einer Studie wiesen einige Pferde Antikörper gegen das Autoantigen Transglutaminase 2 auf, allerdings ohne signifikanten Unterschied zwischen IBD-Pferden und glutenreich gefütterten Kontrolltieren. Ein einzelnes IBD-Pferd mit hohen Autoantikörperwerten erholte sich nach einer sechsmonatigen glutenfreien Diät klinisch, und die Gewebeuntersuchung des Zwölffingerdarms verbesserte sich deutlich. Eine allgemeine Empfehlung lässt sich daraus bisher nicht ableiten.
Wie wird die IBD beim Pferd behandelt?
Eingesetzt werden unter anderem Steroide (Dexamethason oder Prednisolon), Antibiotika, Hydroxychloroquin, Metronidazol und Sulfasalazin; diese Medikamente sind jedoch oft nicht erfolgreich, und eine langwierige Behandlung ist erforderlich. Ist eine eosinophile Erkrankung auf Parasiten zurückzuführen, können Anthelminthika (Wurmmittel) helfen, und einige Pferde reagieren positiv auf eine Ernährungsumstellung. Ergänzend kann eine immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen sinnvoll sein, um die Symptomatik der IBD herunterzufahren.
Wie ist die Prognose bei einer IBD des Pferdes?
Entscheidend ist, ob das Pferd auf die Behandlung anspricht: In einer Auswertung von 149 Pferden lebte nach einem Jahr rund drei Viertel der Tiere, die sich innerhalb von sechs Wochen gebessert hatten, gegenüber knapp einem Viertel der Pferde ohne Besserung. Alter, Art des Entzündungsinfiltrats, Durchfall und Eiweißwert ließen den Verlauf in dieser Untersuchung nicht vorhersagen. Die ersten Wochen der Behandlung sind damit der aussagekräftigste Maßstab.