Tumorerkrankung
Equines Sarkoid beim Pferd
Beim Equinen Sarkoid handelt es sich um einen Bindegewebstumor der Haut — er ist der häufigste Tumor bei Equiden (Pferdeartigen) weltweit und wird bei Pferden, Eseln, Maultieren und Mauleseln sowie bei Zebras beobachtet. Eine erste Bildung wird in der Regel bei Pferden im Alter von 3 bis 6 Jahren berichtet. Rund 40 % der Pferde weltweit erkranken im Lauf ihres Lebens daran.
Das Equine Sarkoid bildet keine Metastasen, also keine Tochtergeschwülste in den inneren Organen, breitet sich aber auf der Haut des Tieres aus. Deshalb wird es als „semimaligne” eingeordnet: nicht lebensbedrohlich im eigentlichen Sinn, aber aggressiv wachsend und stark zum Wiederauftreten neigend. Für den Behandlungserfolg ist ein früher Beginn entscheidend.
Das Equine Sarkoid beim Pferd
Eine genaue Aufklärung, zu welchem Krankheitsbild dieser Bindegewebstumor gehört, ist bis heute nicht gelungen. Man geht jedoch davon aus, dass eine Kombination mehrerer Auslöser für die Zubildung verantwortlich ist. Trotz langer Forschung sind viele Zusammenhänge nicht abschließend geklärt, weshalb man mit einer endgültigen Hypothese zur Entstehung vorsichtig sein muss. Die Entwicklung eines Equinen Sarkoids wird begünstigt durch:
- das Bovine Papillomavirus (BPV) — also das Warzenvirus der Rinder; ist Rinderhaltung in der Nähe?
- ein geschwächtes Immunsystem
- kleinere Verletzungen (Hautschäden, Insektenstiche)
- eine genetische Veranlagung
Da sich die einzelnen Auslöser praktisch nicht voneinander trennen lassen, ist im konkreten Fall schwer zu sagen, warum ein Pferd erkrankt ist. Das Bovine Papillomavirus gelangt über kleinste Wunden oder durch Insekten in die Haut. Rund 40 % aller Pferde hatten Kontakt zu diesem Virus, dennoch kommt es nicht immer zum Ausbruch eines Equinen Sarkoids. Ein geschwächtes Immunsystem kann dafür sorgen, dass das Virus ausbricht; auch genetische Problematiken durch Inzucht sollten in Betracht gezogen werden. Anzeichen für ein geschwächtes Immunsystem können
- Abgeschlagenheit,
- Kraftlosigkeit,
- Müdigkeit und
- Magen-Darm-Probleme
sein. Dabei sollten Sie bedenken, dass 80 % der Immunzellen im Darm zu finden sind. Ein gesundes Verdauungssystem ist also eine der Grundlagen für ein gut funktionierendes Immunsystem.
Ein geschwächtes Immunsystem wird bei Pferden unter anderem durch Stress und eine nicht artgerechte Haltung hervorgerufen. Darunter fallen das Füttern falscher Mengen, das Füttern des falschen Futters oder das Halten des Pferdes in zu feuchten Ställen. Das geschieht häufig unbeabsichtigt im Winter, wenn die Pferde über eine längere Zeit aufgestallt bleiben und weniger Zugang zur Weide bekommen: Sie haben wenig Bewegung und kaum frische Luft. Eine hohe Luftfeuchtigkeit in schlecht belüfteten Ställen belastet zusätzlich die Atemwege und kann Atemwegsinfektionen hervorrufen, was das Immunsystem weiter strapaziert.
Als dritter Auslöser spielt die genetische Grundveranlagung eine Rolle. Eine rassetypische Häufung ist insofern bekannt, als Quarter Horses, Appaloosa und Araber öfter betroffen sind als Vollblutpferde — allerdings kann dies auch am engeren Zusammenleben auf Farmen mit Rinderhaltung liegen.
Prädestinierte Stellen, an denen das Sarkoid entsteht, sind der Unterbauch, die Vorderbrust, die Leistengegend, die Hintergliedmaßen, das Augenlid, die Innenschenkel sowie der Schlauch. Grundsätzlich können Sarkoide am gesamten Körper auftreten, vornehmlich aber im Kopfbereich, am Unterbauch, an der Brust, an den Beinen und zwischen den Vorderbeinen.
Für den Menschen ist das Equine Sarkoid übrigens nicht ansteckend.
Symptome: Woran Sie ein Equines Sarkoid erkennen
Da das Equine Sarkoid ein Tumor der Haut ist, zeigen sich dort auch die ersten Symptome. Sie äußern sich in der Regel als kleine Hautveränderungen, die zunächst wie Warzen wirken. Es kann sich aber auch um kreisrunde, schuppige Stellen ohne Haare handeln. Anfangs sind sie sehr klein, können im Krankheitsverlauf jedoch die Größe einer menschlichen Faust erreichen.
Das Sarkoid kann sowohl unter als auch auf der Haut auftreten. Sitzt es auf der Haut, erleichtert Ihnen das als Halter das Erkennen — allerdings reißen die betroffenen Stellen dann auch schneller auf, wodurch es zu Blutungen und daraus folgenden Vergrößerungen kommt. Stellen Sie also Blutungen oder Blutflecke fest, ohne dass Ihnen dafür ein Grund bekannt ist, untersuchen Sie die Haut Ihres Pferdes auf Unregelmäßigkeiten.
Neben den sicht- und tastbaren Anzeichen finden sich unspezifische Symptome, die nicht eindeutig auf das Sarkoid schließen lassen: Abgeschlagenheit, lange Krankheitsphasen, Kraftlosigkeit, Müdigkeit und Magen-Darm-Probleme.
Schon im Anfangsstadium, wenn oft nur kleine, warzenähnliche Erhebungen zu sehen sind, sollte der Tierarzt zur Kontrolle und Diagnostik hinzugezogen werden. Denn je kleiner die Zubildung, desto einfacher ist in der Regel die Behandlung — und die frühe Untersuchung ermöglicht den Vergleich im weiteren Verlauf.
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Phänotypen des Equinen Sarkoids
Nachfolgend sind die verschiedenen Erscheinungsformen nach ihrer Erkrankungsstärke aufgelistet. Bleibt ein Equines Sarkoid unbehandelt, kann es selbstständig wachsen und sich zur nächsthöheren, maligneren Form weiterentwickeln. Ebenso kann eine Verletzung der betroffenen Stelle — genau wie eine Operation oder Resektion — dazu führen, dass der Tumor aggressiver wächst, sich vermehrt und neue Tumormasse bildet.
Okkultes (verborgenes) Sarkoid
Man erkennt das okkulte Sarkoid an einem abgegrenzten kahlen Fleck im Fell, unter dem sich der Tumor befindet; fährt man mit dem Finger darüber, fühlt er sich an wie Hornhaut. Bei diesem Fleck ist genau zu beobachten, ob er sich ausdehnt, größer wird oder unverändert bleibt. Grund dafür ist, dass sich die Haut an dieser Stelle zu warzenartigem Gewebe verändern und schuppig und verhornt werden kann. Wichtig zu wissen: Das unauffällige Aussehen des okkulten Sarkoids wird häufig mit leichten Hautabschürfungen oder allergischen Reaktionen verwechselt. Behandelt man es nicht, kann es aggressiver werden und sich zu einer anderen Form weiterentwickeln.
Verruköses (warzenartiges) Sarkoid
Das verruköse Sarkoid ist zunächst ebenfalls wenig aggressiv, kann sich jedoch in aggressivere Formen umwandeln und auch tiefere Schichten befallen. Die Hautoberfläche ist dann grau und warzenartig verändert, meist mit vielen kleinen, warzenähnlichen Punkten überzogen. Wird das verruköse Sarkoid zu groß, teilt es sich; wird es durch äußere Einflüsse beschädigt, kann es sich zum fibroblastischen Sarkoid weiterentwickeln.
Fibroblastisches Sarkoid
Die Diagnose ist beim fibroblastischen Sarkoid unproblematisch, auch wenn Verwechslungsgefahr mit Warzen, Flecken und zahlreichen anderen Tumorarten besteht. Sie erkennen es daran, dass es häufig gestielt, stark durchblutet und auffallend rot ist: ein speckig aussehender, von Bakterien besiedelter Knoten mit blumenkohlartiger Oberfläche, der häufig ulzeriert — also aufplatzt — und zum Bluten neigt. Es bildet sich aus anderen Sarkoiden, die gereizt oder verletzt wurden.
Noduläres (knotenartiges) Sarkoid
Diese Form tritt an den Kahlstellen des Pferdes auf — beispielsweise am Kopf, an den Lippen, den Augenlidern oder im Genitalbereich. Es handelt sich um kleine, dichte Knötchen, die in oder unter der Haut sitzen und sich leicht verschieben lassen; die Form muss nicht kreisförmig sein, sondern kann auch einem lang gezogenen Stiel gleichen. Ein weiteres Zeichen ist die Haarlosigkeit an den betroffenen Stellen. Das noduläre Sarkoid ist generell gutartig und lässt sich chirurgisch gut behandeln.
Misch-Typ
Es gibt einen Misch-Typ, der die Merkmale des verrukösen, fibroblastischen und nodulären Sarkoids zeigt. Ihr Tierarzt kann Ihnen bei einer Untersuchung sagen, in welchem Stadium sich das Sarkoid befindet.
Malevolentes (bösartiges) Sarkoid
Dieses bösartige Equine Sarkoid breitet sich in den Lymphbahnen aus und wächst aggressiver als die anderen Sarkoide. Die Haut des Pferdes wird dann strangartig und knotig verdickt.
Prognose und Rezidivrisiko
Die Prognose lässt sich nicht pauschal bestimmen, sie hängt von der Art des Sarkoids ab. Der Krankheitsverlauf ist in der Regel nicht tödlich — dennoch sollte die Tumorerkrankung behandelt werden, da sie die Lebensqualität des Tieres stark mindern kann.
Entscheidend ist das Rezidivrisiko: Equine Sarkoide neigen sehr stark dazu, nach einer Entfernung durch eine Operation wieder aufzutreten. Fast alle Formen rezidivieren häufig. Durch eine frühe und gezielte Behandlung lässt sich die Prognose deutlich verbessern; das Risiko eines Rezidivs kann durch die dendritische Zelltherapie reduziert werden.
Die Behandlung des Equinen Sarkoids
Welche Therapie im Einzelfall gewählt wird, hängt von der Lokalisation des Tumors, seiner Größe und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Tieres ab.
Operation. Das Equine Sarkoid sollte, solange es möglich ist, chirurgisch großflächig entfernt werden. Das erweist sich zunächst meist als wirksam, besonders wenn das Sarkoid an gut zugänglichen Stellen sitzt und in der Regel nicht invasiv wächst. Leider befinden sich Sarkoide häufig an Körperstellen, die chirurgisch schwer zu erreichen sind. Warten Sie zu lange, wächst der Tumor auf eine Größe, bei der eine Operation nicht mehr möglich ist. Weil das Sarkoid ein hochgradig rezidivierender Tumor ist, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass eine Operation allein den Tumor nachhaltig beseitigt — eine Nachbehandlung ist deshalb die Regel, nicht die Ausnahme.
Bestrahlung. Die Strahlentherapie ist effektiver als die Chemotherapie, hat aber den Nachteil, dass in Vollnarkose behandelt wird. Zudem wird sie landesweit nur in wenigen Kliniken angeboten und kann beim Vorkommen mehrerer Sarkoide nicht eingesetzt werden.
Chemotherapie. Eine Chemotherapie ist möglich, wirkt beim Equinen Sarkoid allerdings selten.
Elektrochemotherapie. Gelegentlich wird diese Behandlungsform genutzt; auch sie erfordert normalerweise eine Vollnarkose. Zur verwandten Kalziumelektroporation haben wir die Datenlage gesondert zusammengestellt.
Was Sie nicht tun sollten
Vom „Abbinden” des Equinen Sarkoids sollten Sie absehen: Es löst das Problem des Tumors nicht und kann Ihrem Pferd Schmerzen bereiten. Ein bloßes Beobachten hilft ebenso wenig.
Auch das Herumdoktern mit Salben ist keine Lösung — dazu gehört die häufig empfohlene Xxterra-Salbe ebenso wie azyklovirhaltige Präparate. Nach Forschungsergebnissen der Veterinärmedizinischen Fakultät in Gent (Belgien) hat es keinen Sinn, ein Equines Sarkoid mit einer aciclovirhaltigen Salbe zu behandeln: Die Viren werden vom Wirkmechanismus des Aciclovirs nicht erreicht, entsprechend waren die Behandlungsversuche im Vergleich zu Placebo nicht erfolgreich. Welche Salben tatsächlich diskutiert werden und was sie leisten, haben wir auf einer eigenen Seite zusammengefasst.
Lassen Sie den Tumor stattdessen von Ihrem Tierarzt beurteilen und planen Sie gemeinsam eine aussichtsreiche Behandlung. Auch eine Verletzung oder Reizung des Tumors kann dazu führen, dass er aggressiver wächst.
Begleitende Maßnahmen: Immunsystem und Fütterung
Begleitend und vor allem in der Nachsorge sollten die Abwehrkräfte gestärkt werden. Viele Pferde, die an Sarkoiden leiden, weisen einen ähnlichen Problemkomplex auf: Muskelverspannungen, Leberprobleme, eine berührungsempfindliche Haut und eine psychische Belastung.
Eine bedarfsgerechte Ernährung ist wichtig, um den Tumor nicht weiter zu fördern. Lebensnotwendige Nährstoffe wie Mineralien und Vitamine sollten ausreichend geliefert, Zucker dagegen reduziert werden, da er das Tumorwachstum begünstigen kann. In herkömmlichem Futter wie Heu, Hafer, Kräutern oder Müsli sind wichtige Nährstoffe oft nicht ausreichend enthalten. Da Sarkoide zu Rezidiven neigen, ist es sinnvoll, die Fütterung auch nach der eigentlichen Behandlung — gegebenenfalls in abgeschwächter Form — weiter darauf auszurichten. Ausführlich beschreiben wir das auf der Seite zur Fütterung beim Equinen Sarkoid.
Behandlungsansätze aus der Homöopathie können Sie in der Regel begleitend zur konventionellen Behandlung verfolgen; sie zielen darauf ab, das Immunsystem zu stärken und Ihr Pferd in der Zeit nach der Operation zu unterstützen.
Behandlung mit der dendritischen Zelltherapie
Die dendritische Zelltherapie wurde im Veterinärbereich zuerst bei Equinen Sarkoiden eingesetzt und erforscht. Zwei Doktorarbeiten, die an der Pferdeklinik der FU Berlin und an der TiHo Hannover angefertigt wurden, zeigen, dass sich das Risiko für ein Rezidiv durch die dendritische Zelltherapie reduzieren lässt.
Die Immuntherapie arbeitet mit körpereigenen dendritischen Zellen, die das Immunsystem des Pferdes anregen, eigenständig gegen den Tumor vorzugehen. Sie bekämpft damit nicht nur die Symptome, sondern setzt an der Ursache an. Auch Tumoren, die nicht chirurgisch entfernt werden können, schrumpfen unter der Behandlung — dadurch verbessert sich die Lebensqualität des Pferdes, und eine Operation wird gegebenenfalls doch wieder möglich. Die Behandlung kann allein oder in Kombination mit anderen Therapien eingesetzt werden; insbesondere in der Nachbehandlung nach einer vollständigen oder teilweisen chirurgischen Entfernung ist sie angezeigt.
Hier finden Sie ein Behandlungsbeispiel für ein Pferd mit Equinem Sarkoid. Weitere Erfolgsgeschichten zur Behandlung mit der dendritischen Zelltherapie finden Sie auf der Seite der Pferdepraxis Reinfeld.
Kann man ein Equines Sarkoid über eine Blutuntersuchung feststellen?
Unter dem Begriff „Liquid Biopsy” wird beim Menschen immer häufiger der Versuch unternommen, auf relativ einfache Art das Auftreten und Wiederauftreten einer Tumorerkrankung zu untersuchen. Dazu werden Blutproben auf im Blutkreislauf kreisende Tumorbruchstücke und sogenannte freie RNA — Erbgut-Abschnitte veränderter Zellen — untersucht. In speziellen Sequenzierungsmaschinen wird dabei eine sehr hohe Anzahl an Sequenzierungen durchgeführt, also Untersuchungen der normalen Zellstruktur im Vergleich zu verändertem Zellmaterial.
Erstmals Studie beim Pferd vorgestellt
Wissenschaftler des Schweizer Instituts für Pferdemedizin und damit der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern haben sich der Frage gewidmet, ob sich im Blut von an Equinem Sarkoid erkrankten Pferden Hinweise auf die Erkrankung finden lassen. Dazu wurden den Tieren Blutproben (Serumproben und Vollblut) entnommen; auch Tumorabschnitte wurden im Labor für die Untersuchung im Sequenzer aufgearbeitet. Als Kontrolle diente Blut gesunder Pferde.
Ergebnisse lassen hoffen
Bei den erkrankten Pferden konnten die Forscher einen sogenannten MicroRNA-Fingerprint finden, also Tumorbruchstücke feststellen. Bei den gesunden Pferden fanden sich keine solchen Veränderungen im Blut. Im Vollblut zeigte sich eine weitaus bessere Ausbeute an veränderten Zellen als in den Serumproben.
Für die Zukunft sollten weitere Untersuchungen bei tumorkranken Pferden — ähnlich wie beim Menschen — dazu führen, dass die Liquid Biopsy eine Standardkontrolluntersuchung für den Krankheitsverlauf wird. Sie hat den Vorteil, nichtinvasiv zu sein, und lässt sich einfach im Stall durch eine Blutentnahme einleiten.
Quellen:
Knottenbelt DC (2015): Sarcoids in: Equine Clinical Oncology, Edinburgh, 203-219
Angelos J et al. (1988): Evaluation of breed as a risk factor for sarcoid and uveitis in horses. Anim Genet 19:417-425
Rothacker C (2015): Autologous vaccination for the treatment of equine sarcoids: 18 cases (2009-2014), Can Vet J 2015 Jul;56(7):709-14
Unger L et al. (2019): RNA fingerprints in serum and whole blood of sarcoid affected horses as potential non invasive diagnostic biomarkers, Vet Comp Oncol 17:107-117
Bischoff S (2008): Therapie equiner Sarkoide unter Verwendung dendritischer Zellen — eine klinische Studie, Diss FU Berlin, http://dx.doi.org/10.17169/refubium-9068
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Häufige Fragen
Was ist ein Equines Sarkoid?
Das Equine Sarkoid ist ein Bindegewebstumor der Haut und der häufigste Tumor bei Equiden (Pferdeartigen) weltweit; er wird bei Pferden, Eseln, Maultieren und Mauleseln sowie bei Zebras beobachtet. Eine erste Bildung wird in der Regel bei Pferden im Alter von 3 bis 6 Jahren berichtet, rund 40 % der Pferde erkranken im Lauf ihres Lebens daran. Für den Menschen ist die Erkrankung nicht ansteckend.
Woran erkenne ich ein Equines Sarkoid bei meinem Pferd?
Die ersten Symptome zeigen sich als kleine Hautveränderungen, die zunächst wie Warzen wirken; es kann sich aber auch um kreisrunde, schuppige Stellen ohne Haare handeln. Anfangs sind sie sehr klein, können im Verlauf aber faustgroß werden. Sarkoide auf der Haut reißen leicht auf — stellen Sie Blutungen oder Blutflecke ohne erkennbaren Grund fest, sollten Sie die Haut Ihres Pferdes gründlich untersuchen.
Welche Formen des Equinen Sarkoids gibt es?
Es werden sechs Erscheinungsformen unterschieden: das okkulte Sarkoid (kahler Fleck, hornhautartig), das verruköse Sarkoid (grau, warzenartig), das noduläre Sarkoid (kleine feste Knötchen unter der Haut), das fibroblastische Sarkoid (blumenkohlartig, stark durchblutet, blutet leicht), der Misch-Typ sowie das malevolente Sarkoid, das die Lymphbahnen befällt und am aggressivsten wächst.
Welche Ursachen hat ein Equines Sarkoid beim Pferd?
Es wird angenommen, dass eine Kombination mehrerer Auslöser verantwortlich ist: das Bovine Papillomavirus (das Warzenvirus der Rinder), ein geschwächtes Immunsystem, kleinere Verletzungen wie Hautschäden oder Insektenstiche sowie eine genetische Veranlagung. Rund 40 % aller Pferde hatten Kontakt zu diesem Virus, dennoch kommt es nicht immer zum Ausbruch. Quarter Horses, Appaloosa und Araber sind öfter betroffen als Vollblutpferde.
Wie ist die Prognose beim Equinen Sarkoid?
Die Prognose hängt von der Art des Sarkoids ab; der Krankheitsverlauf ist in der Regel nicht tödlich, da der Tumor keine Metastasen in den Organen bildet. Fast alle Formen neigen jedoch stark dazu zu rezidivieren, also wieder aufzutreten. Durch eine frühe und gezielte Behandlung lässt sich die Prognose deutlich verbessern.
Wie wird ein Equines Sarkoid behandelt?
Therapie der Wahl ist die großflächige chirurgische Entfernung, solange die Größe das zulässt. Weil das Sarkoid hochgradig rezidiviert, ist eine Nachbehandlung die Regel. Die Bestrahlung ist effektiver als die Chemotherapie, erfordert aber Vollnarkose und wird nur in wenigen Kliniken angeboten; die Chemotherapie wirkt beim Sarkoid selten. Ergänzend werden Elektrochemotherapie und vor allem die dendritische Zelltherapie eingesetzt.
Hilft Aciclovir-Salbe beim Equinen Sarkoid?
Nach Forschungsergebnissen der Veterinärmedizinischen Fakultät in Gent (Belgien) hat es keinen Sinn, ein Equines Sarkoid mit aciclovirhaltiger Salbe zu behandeln, da die Viren vom Wirkmechanismus des Aciclovirs nicht erreicht werden; die Behandlungsversuche waren im Vergleich zu Placebo nicht erfolgreich. Auch vom Abbinden des Sarkoids ist abzuraten — es löst das Problem nicht und bereitet dem Pferd Schmerzen.
Kommt ein Equines Sarkoid nach der Operation wieder?
Equine Sarkoide neigen sehr stark dazu, nach einer Entfernung wieder aufzutreten. Zwei Doktorarbeiten, die an der Pferdeklinik der FU Berlin und an der TiHo Hannover angefertigt wurden, zeigen, dass sich das Rezidivrisiko durch die dendritische Zelltherapie reduzieren lässt; auch nicht operable Sarkoide schrumpfen unter dieser Behandlung, wodurch eine Operation gegebenenfalls wieder möglich wird.
Kann man ein Equines Sarkoid über eine Blutuntersuchung feststellen?
In einer Studie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern ließ sich bei erkrankten Pferden ein sogenannter MicroRNA-Fingerprint, also Tumorbruchstücke im Blut, nachweisen, während gesunde Pferde diese Veränderungen nicht zeigten. Diese Liquid Biopsy hat den Vorteil, nichtinvasiv zu sein, und könnte künftig eine Standardkontrolluntersuchung für den Krankheitsverlauf werden; im Vollblut fand sich eine weitaus bessere Ausbeute an veränderten Zellen als in Serumproben.