Hodentumor beim Hund (Hodenkrebs)

Bei einem Hodentumor beim Hund handelt es sich um eine bösartige oder gutartige Neubildung im Gewebe des Hodens. Im Alltag wird dafür auch der Begriff Hodenkrebs verwendet — gemeint ist dieselbe Erkrankung; „Krebs” bezeichnet dabei streng genommen nur die bösartigen Formen. Betroffen ist entweder ein Hoden oder es sind beide betroffen.

Bei unkastrierten Rüden ist der Hodentumor der zweithäufigste Tumor überhaupt. Durch die tumoröse Veränderung wirken die Hoden oft knotig und hart und nehmen an Größe zu; bei einigen Tumorarten kann es dagegen zu einer Verkleinerung mit eher weichen Veränderungen kommen.

Vorkommen und Risikofaktoren

Hodentumoren treten vor allem bei älteren Hunden im Alter von 9 bis 11 Jahren auf, häufig ab dem 7. Lebensjahr. Deutlich jüngere Tiere können jedoch ebenfalls erkranken. Rassen wie Boxer, Deutsche Schäferhunde sowie Toy- und Zwergpudel gelten als besonders anfällig.

Kryptorchismus als größter Risikofaktor

Als größter Risikofaktor gilt der Kryptorchismus, auch Hodenhochstand genannt. Dabei handelt es sich um eine angeborene Lageanomalie: Ein Hoden oder beide Hoden liegen nicht außen im Hodensack, sondern in der Bauchhöhle beziehungsweise im Leistenspalt. Man nimmt an, dass die dort deutlich höhere Umgebungstemperatur die Entartung des Hodengewebes begünstigt.

Wird ein Kryptorchismus früh erkannt, wird der innenliegende Hoden in der Regel operativ entfernt — damit wird der Tumorbildung weitestgehend vorgebeugt. Als Rassen mit erhöhtem Risiko für einen Kryptorchismus gelten Boxer, Deutscher Schäferhund, Afghane, Weimaraner, Sheltie, Collie und Malteser. Flat Coated Retriever, Rottweiler, Bouvier des Flandres und Leonberger finden sich dagegen seltener im Krankengut.

Weitere Ursachen

Daneben kommen Schädigungen der Hodenstruktur durch Überhitzung, Verletzung, Strahlung oder vorangegangene Infektionen in Betracht. Auch eine erbliche Vorbelastung spielt eine Rolle, und verschiedene Umweltgifte stehen im Verdacht, die Tumorbildung zu begünstigen.

Welche Tumorarten kommen am Hoden vor?

Besonders häufig treten Leydigzelltumore, Seminome und Sertolizelltumore auf. Dabei kann es vorkommen, dass mehrere Tumorarten gleichzeitig in einem Hoden oder in beiden Hoden vorliegen. Verlauf und Prognose hängen wesentlich davon ab, welche Art vorliegt.

Der Leydigzelltumor

Der Leydigzelltumor ist ein kleiner, gut abgegrenzter und knotiger Tumor. Er geht von den Leydig-Zwischenzellen aus und produziert androgene Hormone, also männliche Geschlechtshormone. In der Regel ist er nicht bösartig und verursacht keine Prostatavergrößerung; zur Metastasierung kommt es selten. Häufig handelt es sich um einen Zufallsbefund.

Weil er hormonell aktiv ist, kann er das Wachstum von Tumoren der Perianaldrüsen fördern. Auf eine Vergrößerung der Perianaldrüsen sollte deshalb geachtet werden.

Das Seminom

Das Seminom entwickelt sich aus den Keimzellen in den Samenkanälchen. Im Verlauf kann es faustgroß werden. Wie der Leydigzelltumor verursacht es keine Prostatavergrößerung und wird oft zufällig entdeckt. Es ist jedoch gelegentlich bösartig, schmerzhaft und schnell wachsend. Bei bis zu 15 % der Patienten werden Nah- oder Fernmetastasen beschrieben; sie können zu Lethargie, also auffallender Trägheit, führen.

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Der Sertolizelltumor

Der Sertolizelltumor hat von den genannten Hodentumoren die größten Auswirkungen auf den Hund. Er wächst diffus, also ohne scharfe Abgrenzung, ist meist bösartig, und auch hier finden sich bei bis zu 15 % der Hunde Nah- oder Fernmetastasen.

Sein Kennzeichen ist die Produktion von Östrogenen, also weiblichen Geschlechtshormonen. Die Folge ist eine Feminisierung des Rüden: Der Hund verliert die Libido und wird für andere Rüden attraktiv, die Zitzen vergrößern sich, der Penis verkleinert sich. Zudem kann es zu einer Prostatavergrößerung kommen, wodurch der Hund Probleme beim Kot- und Urinabsatz bekommt.

Die schwerwiegendste Folge ist die Knochenmarksunterdrückung durch die anhaltende Östrogenwirkung. Sie führt zu einer Panzytopenie, also einer gleichzeitigen Verringerung von roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen. Der Hund wird blutarm, leistungsschwach und anfällig für Infektionen und Blutungen. Diese Situation ist ernst und muss dringend behandelt werden; Salyer et al. haben den Verlauf bei Hunden mit Knochenmarksunterdrückung infolge eines Sertolizelltumors untersucht.

Seltenere Formen

Seltener kommen am Hoden Fibrome, Leiomyome und Chondrome vor.

Symptome: Woran erkennen Sie einen Hodentumor?

Die Symptome sind teils spezifisch, teils unspezifisch. In den anfänglichen Stadien fallen sie häufig noch wenig ins Gewicht; im weiteren Verlauf werden sie in der Regel deutlicher, weil die Funktion des Organs zunehmend beeinträchtigt wird. Umso wichtiger ist eine frühe Diagnose.

Veränderungen an den Hoden

  • ein oder beide Hoden wirken knotig und hart und nehmen an Größe zu
  • bei einzelnen Tumorarten stattdessen Verkleinerung mit weicher Konsistenz
  • Größenunterschied zwischen beiden Hoden
  • Schmerzen, teilweise starke Lahmheit wegen der Hodenschwellung

Äußerlich sichtbare Symptome

  • Erschlaffung der Bauchdecke: Die Haut fällt ein, als hätte der Hund viel Gewicht verloren
  • symmetrischer, also beidseitiger Haarausfall vorwiegend an Schenkeln und Bauch
  • Hyperpigmentierung der haarlosen Stellen, also eine übermäßige Einlagerung des Farbstoffs Melanin
  • Juckreiz an den haarlosen Stellen und im Intimbereich
  • Verkleinerung des Penis
  • Vergrößerung der Zitzen
  • Probleme beim Absatz von Kot und Urin durch eine Prostatavergrößerung

Folgen der Knochenmarksunterdrückung

Hält die Östrogenausschüttung eines Sertolizelltumors länger an, unterdrückt sie das Knochenmark. Daraus ergeben sich:

  • Anämie, also Blutarmut, mit blassen Schleimhäuten
  • Leistungsschwäche
  • erhöhte Atemfrequenz und beschleunigter Herzschlag, die bei Bewegung früher einsetzen als zuvor
  • erhöhte Infektanfälligkeit und Neigung zu Blutungen

Unspezifische Symptome

Unspezifische Symptome sind Begleiterscheinung vieler Krebserkrankungen und lassen nur selten auf eine bestimmte Tumorart schließen. Dazu zählen Appetitlosigkeit bis hin zur Futterverweigerung, Gewichtsabnahme, allgemeine Lustlosigkeit und Bewegungsunlust sowie deutliche Bauchschmerzen, die durch Metastasen im Bauchraum entstehen können.

Metastasen beim Hodentumor

Viele Tumorarten breiten sich auf andere Organe und umliegendes Gewebe aus; man spricht dann von einer Metastasierung, also der Bildung von Tochtergeschwülsten. Beim Hodentumor des Hundes kommt das verhältnismäßig selten vor. Wenn, dann finden sich Metastasen zunächst in den regionalen Lymphknoten im Beckenbereich, danach in Leber und Lunge.

Ein erhöhtes Risiko besteht bei Seminomen und Sertolizelltumoren sowie bei Tumoren, die aus einem in der Bauchhöhle verbliebenen Hoden hervorgegangen sind.

Diagnose des Hodentumors

Durch regelmäßiges Abtasten der Hoden lässt sich ein Hodentumor frühzeitig erkennen. Fällt eine Veränderung auf, setzt der Tierarzt in der Regel zunächst bildgebende Verfahren wie den Ultraschall ein. Damit lässt sich beurteilen, ob eine tumoröse Veränderung vorliegt und wo sie sitzt.

Weiter wird geprüft, wie stark das verdächtige Gewebe durchblutet wird und ob nur der Hoden oder auch der Hodensack betroffen ist. Dazu dienen Durchflussmessungen und Dopplerverfahren. Auch die Lymphknoten im Beckenbereich werden untersucht. Bei Verdacht auf einen Sertolizelltumor gehört ein großes Blutbild dazu, um eine Knochenmarksunterdrückung frühzeitig zu erkennen. Die endgültige Zuordnung der Tumorart erfolgt nach der Operation durch die feingewebliche Untersuchung.

Behandlung des Hodentumors beim Hund

Kastration

Therapie der Wahl ist die vollständige operative Entfernung der Hoden, also die Kastration. Dabei sollten beide Hoden entfernt werden, auch wenn nur einer verändert ist: So wird ein späteres Auftreten am zweiten Hoden verhindert und zugleich die hormonelle Quelle beseitigt. Bei einem Sertolizelltumor bildet sich die Feminisierung nach der Operation in der Regel zurück, und auch das Knochenmark kann sich erholen, sofern die Unterdrückung nicht zu weit fortgeschritten ist.

Bestrahlung und Chemotherapie

Hat der Tumor bereits Metastasen gebildet, kann ergänzend eine Strahlentherapie oder eine Chemotherapie erfolgen.

Dendritische Zelltherapie

Um das Wiederauftreten des Tumors oder von Metastasen zu verhindern, empfiehlt es sich, unmittelbar nach der Operation mit der dendritischen Zelltherapie zu beginnen. Dabei wird das Immunsystem auf die Krebszellen aufmerksam gemacht — unabhängig davon, wo sie sich im Körper befinden, also auch dann, wenn sie bereits in andere Organe gewandert sind.

Die dendritische Zelltherapie wird häufig auch nach einer unvollständigen Entfernung des Tumors eingesetzt, um verbliebene Tumorzellen anzugreifen. Sie ist schonend, hat kaum Nebenwirkungen und kann beim gewohnten Haustierarzt durchgeführt werden; die Kosten sind mit denen einer Chemotherapie vergleichbar und häufig günstiger. In der Behandlung zeigt sich eine deutliche Verbesserung von Lebensqualität und Lebenserwartung der Patienten.

Prognose und Lebenserwartung

Der Hodentumor gehört zu den Tumorerkrankungen mit vergleichsweise günstiger Prognose. Weil das Organ vollständig entfernt werden kann und die Metastasierungsrate niedrig ist, ist ein rechtzeitig operierter Hund in vielen Fällen dauerhaft geheilt, und seine Lebenserwartung wird durch die Erkrankung nicht verkürzt.

Ungünstiger wird die Prognose, wenn bereits Metastasen in Lymphknoten, Leber oder Lunge nachweisbar sind oder wenn ein Sertolizelltumor über längere Zeit unbemerkt geblieben ist und das Knochenmark bereits schwer geschädigt hat. In diesem fortgeschrittenen Stadium stehen Blutarmut, Infektionen und Blutungsneigung im Vordergrund; die Belastbarkeit des Hundes ist dann deutlich eingeschränkt, und die Behandlung richtet sich zunächst auf die Stabilisierung des Blutbildes.

Wenn Sie bei Ihrem Hund eine Veränderung an den Hoden bemerken, warten Sie damit bitte nicht ab. Gerade beim Hodentumor lässt sich mit einem verhältnismäßig kleinen Eingriff sehr viel gewinnen.

Quellen

Lawrence JA, Saba CF (2020): Tumors of the Male Reproductive System. In: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., Elsevier, St. Louis, MO, 626–644

Salyer SA et al. (2022): Outcome of dogs with bone marrow suppression secondary to Sertoli cell tumour, Vet Comp Oncol 20:484–490, doi:10.1111/vco.12794

Kessler M (2022): Kleintieronkologie, 4. Auflage, Thieme, Stuttgart

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hodentumor und Hodenkrebs beim Hund?

Gemeint ist dieselbe Erkrankung: eine Neubildung im Hodengewebe des Rüden. Streng genommen bezeichnet "Krebs" nur die bösartigen Formen, während "Hodentumor" auch die gutartigen Veränderungen einschließt — etwa den meist gutartigen Leydigzelltumor.

Was ist der größte Risikofaktor für einen Hodentumor beim Hund?

Als größter Risikofaktor gilt der Kryptorchismus, also der Hodenhochstand — eine angeborene Lageanomalie, bei der ein oder beide Hoden nicht im Hodensack, sondern in der Bauchhöhle oder im Leistenspalt liegen. Wird der Kryptorchismus früh erkannt, wird der innenliegende Hoden in der Regel operativ entfernt und der Tumorbildung damit weitestgehend vorgebeugt.

Welche Symptome zeigt ein Hund mit Hodenkrebs?

Die Hoden wirken oft knotig und hart und nehmen an Größe zu. Äußerlich können eine erschlaffte Bauchdecke, symmetrischer Haarausfall an Schenkeln und Bauch, Juckreiz, eine Verkleinerung des Penis und vergrößerte Zitzen auffallen. Eine langandauernde Östrogenausschüttung kann zu Blutarmut mit blassen Schleimhäuten, Leistungsschwäche und erhöhter Atem- und Herzfrequenz führen.

Welche Tumorarten gibt es am Hoden des Hundes?

Am häufigsten sind Leydigzelltumor, Seminom und Sertolizelltumor. Der Leydigzelltumor ist in der Regel nicht bösartig und metastasiert selten. Das Seminom ist gelegentlich bösartig, schmerzhaft und schnell wachsend. Der Sertolizelltumor ist meist bösartig, bildet Östrogene und führt zu einer Feminisierung des Rüden; bei Seminom und Sertolizelltumor werden bei bis zu 15 % der Patienten Nah- oder Fernmetastasen beschrieben.

Warum wird mein Rüde weiblich, seit er einen Hodentumor hat?

Das ist typisch für den Sertolizelltumor: Er produziert Östrogene, also weibliche Geschlechtshormone. Die Folge ist eine Feminisierung — der Hund verliert die Libido und wird für andere Rüden attraktiv, die Zitzen vergrößern sich und der Penis verkleinert sich. Nach der Kastration bildet sich diese Veränderung in der Regel zurück.

Wie wird ein Hodentumor beim Hund behandelt?

Therapie der Wahl ist die Kastration mit Entfernung beider Hoden, auch wenn nur einer betroffen ist — so wird ein Auftreten am zweiten Hoden verhindert und die hormonelle Quelle beseitigt. Bei nachgewiesenen Metastasen kann ergänzend bestrahlt oder eine Chemotherapie durchgeführt werden. Direkt nach der Operation kann eine dendritische Zelltherapie begonnen werden, die das Abwehrsystem auf verbliebene Tumorzellen aufmerksam macht.

Wie ist die Lebenserwartung bei Hodenkrebs des Hundes?

Der Hodentumor gehört zu den Tumorerkrankungen mit vergleichsweise günstiger Prognose: Das Organ lässt sich vollständig entfernen und die Metastasierungsrate ist niedrig, sodass ein rechtzeitig operierter Hund in vielen Fällen dauerhaft geheilt ist. Ungünstiger wird es, wenn bereits Metastasen vorliegen oder ein Sertolizelltumor das Knochenmark über längere Zeit geschädigt hat.

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