Blasentumor beim Hund

Bei einem Blasentumor beim Hund handelt es sich um eine Neubildung der Harnblasenwand — im Sprachgebrauch wird auch von Blasenkrebs gesprochen. Die mit Abstand häufigste Form ist das Übergangszellkarzinom (ÜZK, heute meist Urothelkarzinom genannt): Es macht über 90 % der Blasentumoren aus und entspricht etwa 1,5 bis 2 % aller Tumorerkrankungen des Hundes. Seltener finden sich Plattenepithelkarzinome, Adenokarzinome, Rhabdomyosarkome, Lymphome, Hämangiosarkome und andere mesenchymale Tumoren. Bevorzugter Entstehungsort ist das Blasendreieck (Trigonum) — der Bereich, in dem die Harnleiter einmünden und die Harnröhre abgeht. Genau diese Lage macht die vollständige operative Entfernung häufig schwierig.

Vorkommen und Risikofaktoren

Betroffen sind vor allem ältere Hunde; Hündinnen erkranken etwa doppelt so häufig wie Rüden. Deutlich ausgeprägt ist die Rassedisposition: Für den Scottish Terrier wird ein rund 18- bis 20-fach erhöhtes Risiko gegenüber Mischlingen beschrieben (Knapp et al.), für Shetland Sheepdog und West Highland White Terrier ein etwa sechsfaches, für Beagle und Wire Fox Terrier ein etwa drei- bis fünffaches. Auch Eskimohund, Keeshond, Samojede und Dalmatiner werden genannt.

Als Risikofaktoren gelten:

  • Herbizide und Pflanzenschutzmittel: In einer Fall-Kontroll-Studie an Scottish Terriern war der Zugang zu Rasenflächen, die mit Herbiziden und Insektiziden behandelt worden waren, mit einem etwa siebenfach erhöhten Risiko verbunden (Glickman et al. 2004).
  • Ältere Insektizide zur Flohbekämpfung — für moderne Wirkstoffe wie Fipronil oder Imidacloprid ist dagegen kein erhöhtes Risiko beschrieben.
  • Übergewicht — es erhöhte das Risiko in der Untersuchung von Glickman et al. 1989 unabhängig von der Insektizid-Exposition.
  • Weibliches Geschlecht und die genannte Rassedisposition.
  • Für das Chemotherapeutikum Cyclophosphamid wird ein Zusammenhang diskutiert; belastbare Zahlen für den Hund liegen dazu nicht vor.

Symptome

Im Vordergrund stehen Harnabsatzstörungen: häufiger Harndrang mit kleinen Mengen, Pressen, Schmerzen beim Urinieren, Blut im Urin und mitunter Inkontinenz. Diese Anzeichen ähneln denen einer Blasenentzündung — spricht eine antibiotische Behandlung nicht dauerhaft an oder kehren die Beschwerden immer wieder, muss an einen Tumor gedacht werden. Eine ausführliche Übersicht bietet die Seite zu den Symptomen des Blasentumors.

Diagnose

Der erste Schritt ist die Ultraschalluntersuchung der Blase, die eine Umfangsvermehrung von einer reinen Entzündung abgrenzt. Die Urinuntersuchung zeigt Blut und Entzündungszellen; Tumorzellen im Urinsediment sind ein Hinweis, aber nicht beweisend. Die endgültige Diagnose liefert eine Gewebeprobe — meist als Saugbiopsie über einen Katheter unter Ultraschallkontrolle oder endoskopisch (Zystoskopie). Von einer Biopsie durch die Bauchdecke wird abgeraten, weil dabei Tumorzellen verschleppt werden können. Ergänzend steht ein Urintest auf die BRAF-Mutation V595E zur Verfügung, die bei einem Großteil der caninen Urothelkarzinome nachweisbar ist. Zum Staging (der Ermittlung des Krankheitsstadiums) gehören die Untersuchung der Bauchlymphknoten und Röntgenaufnahmen des Brustkorbs.

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Stadieneinteilung

T — Primärtumor
T isCarcinoma in situ
T0kein Hinweis auf einen Primärtumor
T1oberflächlicher, gestielter Tumor
T2Tumor in die Blasenwand eingewachsen
T3Tumor in Nachbarorgane eingewachsen (Prostata, Gebärmutter, Scheide, Beckenkanal)
N — regionale Lymphknoten (Beckenlymphknoten)
N0keine Lymphknotenbeteiligung
N1regionale Lymphknotenbeteiligung
N2regionale und gegenüberliegende Lymphknotenbeteiligung
M — Metastasen
M0keine Fernmetastasen
M1Fernmetastasen vorhanden

Bei Diagnosestellung haben etwa 16 % der Hunde bereits Lymphknoten- oder Fernmetastasen; bei mehr als der Hälfte ist die Harnröhre mitbetroffen, bei knapp einem Drittel der Rüden auch die Prostata (Knapp et al.). Eine lymphatische Invasion verschlechtert die Prognose (Govoni et al.).

Behandlung

Wo die Lage es zulässt, steht die chirurgische Entfernung an erster Stelle — bei Tumoren im Trigonum ist sie allerdings oft nicht vollständig möglich. Minimalinvasive Verfahren wie die Laserchirurgie und die photodynamische Therapie werden zunehmend eingesetzt (Pantke). Der medikamentöse Standard beruht auf nichtsteroidalen Entzündungshemmern und Chemotherapie:

  • Piroxicam allein erreichte in der klassischen Untersuchung von Knapp et al. eine mediane Überlebenszeit von 181 Tagen; in einer größeren Serie derselben Arbeitsgruppe 244 Tage.
  • Mitoxantron plus Piroxicam erzielte in der Untersuchung von Henry et al. eine mediane Überlebenszeit von 350 Tagen; eine randomisierte Studie fand 249 Tage.
  • Für Vinblastin (mit Piroxicam 299 Tage) und metronomisch dosiertes Chlorambucil (221 Tage) liegen ebenfalls Daten vor.
  • Eine Bestrahlung kann bei nicht operablen Tumoren erwogen werden.

Ausführliche Zahlen und Prognosefaktoren finden sich auf der Seite zur Lebenserwartung beim Blasentumor.

Prognose

Die Prognose hängt von der Lage des Tumors (nur Blase oder auch Harnröhre und Prostata), vom Lymphknotenstatus und von der gewählten Behandlung ab. Unbehandelt schreitet die Erkrankung rasch fort; unter Behandlung sind mediane Überlebenszeiten um ein Jahr beschrieben, einzelne Hunde leben deutlich länger. Nach Fulkerson und Knapp spricht ein erheblicher Teil der Tumoren auf die Behandlung an — mit Stillstand der Erkrankung oder Rückbildung.

Dendritische Zelltherapie

Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Aus dem Blut des Hundes werden dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen, im Labor aufbereitet und dem Tier per Injektion zurückgegeben. Nach der bestmöglichen operativen oder laserchirurgischen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Blasentumor des Hundes liegen bislang nicht vor. Für Tierärzte fasst die Seite Tumoren im Harntrakt bei Hunden und Katzen die Studienlage zusammen.

Quellen

Fulkerson CM, Knapp DW (2020): Tumors of the Urinary System. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 645–656.

Knapp DW et al. (2014): Urinary bladder cancer in dogs, a naturally occurring model for cancer biology and drug development. ILAR J 55(1):100–118.

Knapp DW et al. (2019): Naturally-occurring invasive urothelial carcinoma in dogs, a unique model to drive advances in managing muscle invasive bladder cancer in humans. Front Oncol 9:1493.

Glickman LT et al. (2004): Herbicide exposure and the risk of transitional cell carcinoma of the urinary bladder in Scottish Terriers. J Am Vet Med Assoc 224(8):1290–1297.

Glickman LT et al. (1989): Epidemiologic study of insecticide exposures, obesity, and risk of bladder cancer in household dogs. J Toxicol Environ Health 28(4):407–414.

Knapp DW et al. (1994): Piroxicam therapy in 34 dogs with transitional cell carcinoma of the urinary bladder. J Vet Intern Med 8(4):273–278.

Henry CJ et al. (2003): Clinical evaluation of mitoxantrone and piroxicam in a canine model of human invasive urinary bladder carcinoma. Clin Cancer Res 9(2):906–911.

Allstadt SD et al. (2015): Randomized phase III trial of piroxicam in combination with mitoxantrone or carboplatin for first-line treatment of urogenital tract transitional cell carcinoma in dogs. J Vet Intern Med 29(1):261–267.

Govoni VM et al. (2022): Lymphatic invasion is a significant indicator of poor patient outcome in canine bladder urothelial carcinoma. Open Vet J 11(4):656–662.

Pantke P (2018): Diagnostik und Therapie des Übergangszellkarzinoms des unteren Harntrakts beim Hund. Kleintierpraxis 63:76–94.

Schmidt J, Kessler M (2022): Harnblasentumoren des Hundes. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie. 4. Aufl., Stuttgart, 544–554.

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