Malignes Lymphom beim Hund
Bei einem Lymphom beim Hund handelt es sich um eine bösartige Erkrankung des lymphatischen Gewebes, die von entarteten Lymphozyten ausgeht — einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die zur körpereigenen Abwehr gehört. Für dasselbe Krankheitsbild sind mehrere Bezeichnungen gebräuchlich: Lymphdrüsenkrebs, Lymphknotenkrebs, malignes Lymphom und das heute veraltete Lymphosarkom meinen dieselbe Erkrankung. Das Lymphom zählt zu den häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen des Hundes.
Anders als ein solider Tumor, der zunächst an einer Stelle wächst und erst später Tochtergeschwülste in andere Organe streut, ist das Lymphom von Anfang an eine systemische Erkrankung — also eine Erkrankung, die den gesamten Organismus betrifft. Lymphatisches Gewebe findet sich überall im Körper: in den Lymphknoten, der Milz, der Leber, dem Knochenmark, der Darmwand und der Haut. Infolgedessen liegt die Erkrankung bei der Diagnosestellung in der Regel bereits an mehreren Stellen gleichzeitig vor. Von den Leukämien wird sie unter anderem über das Ausmaß des Knochenmarkbefalls abgegrenzt.
- Vorkommen
- Formen des Lymphoms
- B-Zell- und T-Zell-Lymphome
- Symptome
- Stadien I bis V
- Diagnose
- Verlauf und Prognose
- Behandlung
- Quellen
Vorkommen: Alter und Rassedispositionen
Ein Lymphdrüsenkrebs kann bei Hunden jeden Alters auftreten. Betroffen sind überwiegend Tiere mittleren bis höheren Alters; die Lehrbuchliteratur gibt einen Altersgipfel etwa zwischen dem sechsten und neunten Lebensjahr an (Vail et al. 2020). Eine eindeutige Ursache ist bislang nicht bekannt — diskutiert werden genetische Faktoren, Umwelteinflüsse und Störungen der Immunregulation.
Eine Rassedisposition, also eine erhöhte Erkrankungsneigung bestimmter Rassen, gilt dagegen als gesichert. Am besten belegt sind:
- Boxer
- Golden Retriever
- Rottweiler
- Scottish Terrier
- Deutscher Schäferhund
Dabei ist zu beachten, dass die Rasselisten je nach Untersuchung, Land und Erhebungszeitraum deutlich schwanken; die genannten Rassen tauchen lediglich am häufigsten auf. Ein erhöhtes Risiko bedeutet zudem nicht, dass Hunde anderer Rassen oder Mischlinge nicht erkranken. Die verbreitete Vermutung, kastrierte Hündinnen seien häufiger betroffen, hat sich bislang nicht bestätigen lassen.
Formen des Lymphoms beim Hund
Nach der Lokalisation, also der Verteilung im Körper, werden fünf Formen unterschieden:
- Multizentrische (generalisierte) Form: mit Abstand die häufigste, etwa 80 % der Fälle. Betroffen sind gleichzeitig mehrere oder alle äußerlich tastbaren Lymphknoten, häufig zusätzlich Milz und Leber. Wenn umgangssprachlich von Lymphknotenkrebs beim Hund die Rede ist, ist meist diese Form gemeint.
- Gastrointestinale Form: Befall von Magen und Darm sowie der zugehörigen Lymphknoten, vorrangig mit Verdauungsstörungen — beschrieben unter intestinales Lymphom.
- Thymisch-mediastinale Form: betroffen ist der vordere Brustraum, insbesondere der Thymus (Bries) und die Lymphknoten des Mittelfellraums (Mediastinum). Typisch sind Atembeschwerden.
- Kutane Form: das Lymphom der Haut. Häufigste Variante ist das epitheliotrope Lymphom, bei dem die entarteten Lymphozyten in die Oberhaut einwandern.
- Extranodale Form: extranodal bedeutet „außerhalb der Lymphknoten“. Ausgangspunkt ist ein einzelnes Organ — etwa Auge, Niere, Herz oder das zentrale Nervensystem. Diese Form ist selten.
B-Zell- und T-Zell-Lymphome
B-Lymphozyten reifen im Knochenmark heran — daher das B, abgeleitet vom englischen bone marrow — und bilden vor allem Antikörper; T-Lymphozyten reifen im Thymus und tragen die zellvermittelte Abwehr. Je nachdem, aus welcher Gruppe die entarteten Zellen hervorgehen, spricht man von einem B-Zell-Lymphom oder einem T-Zell-Lymphom.
Die Verteilung ist inzwischen gut untersucht. Harris et al. (2020) werteten 11.746 Hunde mit Lymphknotenbefall aus: Bei 70,9 % lag ein B-Zell-Lymphom vor, auf die T-Zell-Lymphome entfielen zusammen knapp 30 % — davon 13,2 % CD4-positive Formen, 10,9 % T-Zonen-Lymphome, 2,6 % CD4- und CD8-negative sowie 2,3 % CD8-positive Formen.
Häufig ist zu lesen, T-Zell-Lymphome hätten grundsätzlich die schlechtere Prognose. Diese Pauschalisierung greift zu kurz. Zutreffend ist, dass hochmaligne, also aggressive T-Zell-Lymphome tendenziell kürzer auf eine Chemotherapie ansprechen als hochmaligne B-Zell-Lymphome. Das indolente — langsam und wenig aggressiv verlaufende — T-Zonen-Lymphom verhält sich dagegen umgekehrt: In der Übersichtsarbeit von Sayag et al. (2018) wies es mit einer medianen Überlebenszeit von 412 Tagen den längsten Wert aller ausgewerteten Morphotypen auf. Zum Vergleich: zentroblastisches B-Zell-Lymphom 213 Tage, immunoblastisches B-Zell-Lymphom 308 Tage, peripheres T-Zell-Lymphom 162 Tage, lymphoblastisches Lymphom 160 Tage. Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die Datenlage uneinheitlich ist und die Werte aus Einzelstudien unterschiedlicher Qualität stammen. Maßgeblich ist im Einzelfall daher nicht allein der Immunphänotyp, sondern das Zusammenspiel aus Immunphänotyp, Malignitätsgrad und Stadium.
Symptome des Lymphoms beim Hund
Leitsymptom der multizentrischen Form ist die Schwellung der äußerlich tastbaren Lymphknoten — unter dem Kiefer, vor dem Schulterblatt, in den Achselhöhlen, in der Leiste und in den Kniekehlen. Diese Schwellung ist beim Lymphom typischerweise nicht schmerzhaft: Die Lymphknoten fühlen sich derb bis prall-elastisch an und lassen sich ohne Abwehrreaktion des Hundes betasten. Das ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber der entzündlichen Lymphknotenschwellung, die in der Regel druckempfindlich ist.
Viele Hunde wirken zum Zeitpunkt der ersten Schwellung noch unauffällig. Erst im weiteren Verlauf treten unspezifische Allgemeinsymptome hinzu: verminderte Futteraufnahme, Gewichtsverlust, Mattigkeit, vermehrtes Trinken und Harnabsatz, Erbrechen, Durchfall, Umfangsvermehrung des Bauches und Fieber. Ausführlich dargestellt sind die Anzeichen unter Symptome beim Lymphom des Hundes.
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Stadien I bis V nach WHO
Der Verlauf des malignen Lymphoms wird nach der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in fünf Stadien eingeteilt. Diese Stadieneinteilung (Staging) beschreibt die Ausbreitung im Körper und ist strikt vom Grading zu unterscheiden, das die Aggressivität der Tumorzellen beurteilt und zwischen low grade und high grade trennt — ein Hund kann also im Stadium IV ein low-grade-Lymphom haben und umgekehrt.
| Stadium | Ausbreitung |
|---|---|
| I | Befall eines einzelnen Lymphknotens oder des lymphatischen Gewebes eines einzelnen Organs (ohne Knochenmark) |
| II | Befall mehrerer Lymphknoten innerhalb einer Körperregion, zum Beispiel am Hals oder in den Achselhöhlen |
| III | generalisierter Befall: alle oder nahezu alle Lymphknoten des Körpers sind vergrößert |
| IV | zusätzlich Beteiligung von Leber und/oder Milz (Hepatomegalie und Splenomegalie, also Leber- und Milzvergrößerung) |
| V | Befall von Blut und Knochenmark und/oder weiterer Organsysteme, etwa Nervengewebe, Haut oder Magen-Darm-Trakt |
Die meisten Hunde werden erst im Stadium III oder IV vorgestellt, da die Erkrankung bis dahin oft unbemerkt bleibt.
Diagnose
Die Verdachtsdiagnose eines Lymphdrüsenkrebses ergibt sich aus dem Abtasten der Lymphknoten und dem Allgemeinbefund. Gesichert wird sie in vielen Fällen bereits durch eine Feinnadelaspiration: Mit einer dünnen Kanüle werden Zellen aus einem veränderten Lymphknoten entnommen und mikroskopisch beurteilt (Zytologie). Bleibt das Ergebnis uneindeutig, ist eine Biopsie erforderlich — also die Entnahme eines Gewebestücks zur feingeweblichen Untersuchung.
Wichtig ist dabei ein oft missverstandener Punkt: Die Feinnadelaspiration unterscheidet B- und T-Zell-Lymphome nicht. Dafür sind weiterführende Untersuchungen notwendig — die Immunphänotypisierung (Anfärbung von Oberflächenmerkmalen der Zellen), die Durchflusszytometrie oder die PARR (PCR for Antigen Receptor Rearrangements), ein molekularbiologischer Test zum Nachweis klonaler, also von einer einzigen entarteten Zelle abstammender Zellpopulationen.
Abzugrenzen sind vor allem ausgedehnte Infektionen, immunvermittelte Erkrankungen und Lymphknotenmetastasen anderer Tumoren. Zum Staging gehören Blutbild, Blutchemie, Röntgen des Brustkorbs und Ultraschall des Bauchraums. Das Vorgehen ist unter Diagnose beim Lymphom des Hundes beschrieben.
Verlauf und Prognose
Unbehandelt verläuft das multizentrische Lymphom in der Regel rasch fortschreitend; die Überlebenszeit liegt dann meist im Bereich weniger Wochen bis weniger Monate. Unter einem vollständigen Chemotherapieprotokoll wird ein medianes Überleben im Bereich von etwa einem Jahr erreicht.
Realistisches Behandlungsziel ist die Remission, also der weitgehende oder vollständige Rückgang der Tumorzellen mit Abschwellen der Lymphknoten und Rückkehr eines normalen Allgemeinbefindens. Eine dauerhafte Heilung ist beim multizentrischen Lymphom dagegen die Ausnahme; verlässliche Zahlen dazu liegen für den Hund nicht vor. In den meisten Fällen kommt es nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung früher oder später zu einem Rezidiv, also zum Wiederauftreten der Erkrankung.
Weitere Angaben zu Einflussfaktoren und Überlebenszeiten finden Sie unter Lebenserwartung beim Lymphom des Hundes, Anzeichen für ein Fortschreiten in die letzte Krankheitsphase unter Endstadium beim Lymphom des Hundes.
Behandlung des Lymphoms beim Hund
Welche Verfahren beim Lymphdrüsenkrebs infrage kommen, richtet sich nach Form, Stadium und Allgemeinbefinden des Hundes.
Chemotherapie
Die Chemotherapie ist beim multizentrischen Lymphom der Behandlungsstandard. Weil die Erkrankung systemisch ist, muss auch die Behandlung systemisch wirken. Am gebräuchlichsten sind Kombinationsprotokolle nach dem CHOP-Schema, benannt nach seinen Bestandteilen: Cyclophosphamid, Hydroxydaunorubicin (Doxorubicin), Oncovin (Vincristin) und Prednisolon. Die Substanzen werden in wöchentlich wechselnder Reihenfolge über in der Regel 13 bis 25 Wochen gegeben.
Spricht die Erkrankung nach einem Rückfall nicht mehr auf das Erstprotokoll an, kommen sogenannte Rescue-Protokolle zum Einsatz; Zimmerman et al. (2023) untersuchten dazu eine Kombination aus Mechlorethamin, Vinblastin, Procarbazin und Prednison. Ansprechrate und Remissionsdauer fallen dabei geringer aus als bei der Erstbehandlung. Nebenwirkungen sind beim Hund meist schwächer ausgeprägt als beim Menschen, treten aber auf. Einzelheiten finden sich unter Chemotherapie beim Lymphom des Hundes.
Cortison (Prednisolon)
Cortison spielt beim Lymphom eine doppelte Rolle, die häufig verwechselt wird. Prednisolon ist fester Bestandteil der gängigen CHOP-Protokolle — die Vorstellung, Cortison lasse sich nicht mit Chemotherapeutika verbinden, ist unzutreffend.
Etwas anderes gilt für die alleinige Cortisongabe. Als Monotherapie führt Prednisolon zwar rasch zu einem Abschwellen der Lymphknoten, die Wirkung hält jedoch in der Regel nur kurz an. Problematisch ist vor allem: Wird Cortison allein vor einer geplanten Chemotherapie gegeben, kann dies die Entwicklung einer Resistenz begünstigen und das spätere Ansprechen verschlechtern. Ist eine Chemotherapie beabsichtigt, sollte eine alleinige Cortisongabe daher möglichst nicht vorgeschaltet werden; als rein palliative Maßnahme bleibt sie dagegen eine sinnvolle Option. Mehr dazu unter Cortison beim Lymphom des Hundes.
Operation
Beim multizentrischen Lymphom spielt die Chirurgie keine Rolle: Da die Erkrankung von vornherein den ganzen Körper betrifft, lässt sich durch die Entfernung einzelner Lymphknoten kein Behandlungserfolg erzielen. Anders liegt der Fall bei lokalisierten Formen — ein einzelner kutaner Herd oder ein fokaler, also örtlich begrenzter Befall des Magen-Darm-Trakts kann operativ angegangen werden. Auch dann ersetzt der Eingriff jedoch keine systemische Behandlung.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie wirkt ausschließlich lokal und kommt daher vor allem bei umschriebenen Befunden in Betracht — etwa bei einem einzelnen extranodalen Herd oder ergänzend zur Chemotherapie. Beim generalisierten Lymphom ist ihr Stellenwert begrenzt.
Dendritische Zelltherapie
Die dendritische Zelltherapie ist eine immunologische Behandlung und beim Lymphom des Hundes eine sinnvoll zu erwägende Option. Dendritische Zellen sind die Wächterzellen des Immunsystems: Sie nehmen Tumormerkmale auf und präsentieren sie den T-Lymphozyten, die daraufhin gegen die entsprechenden Zellen vorgehen können. Genau diese Erkennungsleistung soll die Behandlung anstoßen.
Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und lässt sich mit den etablierten Verfahren kombinieren. Dabei gilt ein sachlicher Vorbehalt: Dendritische Zelltherapie und Chemotherapie werden nicht gleichzeitig durchgeführt. Zwischen beiden ist ein zeitlicher Abstand einzuhalten, da die Chemotherapie die Zellen des Immunsystems beeinträchtigt, auf deren Funktion die Immuntherapie angewiesen ist. Mit einer Cortisongabe ist sie dagegen kombinierbar.
Kontrollierte Studien, die einen Überlebensvorteil der dendritischen Zelltherapie beim Lymphom des Hundes belegen, liegen bislang nicht vor. Aussagen über eine Verkleinerung der Tumormasse oder eine Verlängerung der Lebenszeit lassen sich daher gegenwärtig nicht belastbar treffen. Beschrieben sind geringe Nebenwirkungen wie vorübergehende Abgeschlagenheit oder eine leicht erhöhte Körpertemperatur.
Begleitende Maßnahmen
Gewichtsverlust und nachlassender Appetit gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen — durch die Erkrankung selbst wie durch die Behandlung. Hinweise dazu finden sich unter Ernährung beim Lymphom des Hundes. Dabei gilt: Lebensqualität und Futteraufnahme gehen einer strikten Einhaltung von Diätregeln vor.
Quellen
- Vail DM et al. (2020): Hematopoietic Tumors, Section A: Canine Lymphoma and Lymphocytic Leukemias, in: Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 688–715
- Schmidt JM, Meichner K (2022), in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 753–773
- Harris LJ, Rout ED, Labadie JD et al. (2020): Clinical features of canine nodal T-cell lymphomas classified as CD8+ or CD4−CD8− by flow cytometry, Vet Comp Oncol 18:416–427, doi 10.1111/vco.12568
- Sayag D, Fournel-Fleury C, Ponce F (2018): Prognostic significance of morphotypes in canine lymphomas: A systematic review of literature, Vet Comp Oncol 16:12–19, doi 10.1111/vco.12320
- Zimmerman K et al. (2023): Evaluation of mechlorethamine, vinblastine, procarbazine, and prednisone for the treatment of resistant multicentric canine lymphoma, Vet Comp Oncol, doi 10.1111/vco.12913
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