Ameloblastom beim Hund

Beim Ameloblastom des Hundes handelt es sich um einen Tumor des odontogenen Epithels — also des Gewebes, aus dem sich beim Zahnkeim der Zahnschmelz entwickelt. Ameloblastome treten in den zahntragenden Abschnitten von Ober- und Unterkiefer auf. Sie sind gutartig, metastasieren also praktisch nie — die akanthomatöse Form verhält sich örtlich aber aggressiv und zerstört den Kieferknochen. Nach vollständiger Entfernung ist die Prognose ausgezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Zwei Formen

Akanthomatöses Ameloblastom: die deutlich häufigere Form, früher als akanthomatöse Epulis bezeichnet. Sie wächst vom Zahnfleisch aus in den Kieferknochen ein und zerstört ihn örtlich — bei gutartigem feingeweblichem Bild. Auf sie entfallen etwa 5 % der oralen Tumoren des Hundes.

Konventionelles Ameloblastom: die seltenere Form, die innerhalb des Knochens (intraossär) wächst. Eine Auswertung von 20 Fällen (Tjepkema et al. 2020) zeichnet ihr Bild: langsames, gut abgegrenztes, örtlich destruktives Wachstum — häufiger im Oberkiefer (13 von 20) als im Unterkiefer —, gemischt knochenauflösende und knochenbildende Veränderungen in der Bildgebung, keine erkennbare Alters-, Rasse- oder Geschlechtshäufung. Bemerkenswert: Bei keinem der nachverfolgten Hunde trat ein Rezidiv auf, auch nicht nach knappen Schnitträndern.

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Symptome

  • Zubildung am Zahnfleisch oder umschriebene, derbe Schwellung am Kiefer
  • lockere, verschobene oder ausfallende Zähne im betroffenen Abschnitt
  • mitunter Blutungen oder Mundgeruch
  • Allgemeinbefinden und Appetit bleiben meist lange ungestört

Diagnose

Zahnröntgen und Computertomographie (CT) zeigen die Ausdehnung im Knochen; die Diagnose sichert die Gewebeprobe mit feingeweblicher Untersuchung. Die wichtigste Abgrenzung ist die zum Plattenepithelkarzinom, dem das akanthomatöse Ameloblastom unter dem Mikroskop ähneln kann: Hier hilft neben der Erfahrung des Pathologen der Ki67-Index — ein Maß für die Zellteilungsrate, das beim gutartigen Ameloblastom deutlich niedriger liegt (Peralta et al. 2019).

Behandlung

Die Behandlung der Wahl ist die vollständige chirurgische Entfernung einschließlich des betroffenen Knochenabschnitts — beim akanthomatösen Ameloblastom wie bei einem bösartigen Tumor mit Sicherheitsabstand, weil zurückbleibendes Tumorgewebe örtlich weiterwächst. Das akanthomatöse Ameloblastom gilt zudem als ausgesprochen strahlenempfindlich; die Bestrahlung ist eine Option, wenn eine Operation nicht in Frage kommt. Eine Chemotherapie ist nicht angezeigt. Da der Tumor nicht metastasiert, ist eine über die örtliche Kontrolle hinausgehende Behandlung in der Regel nicht erforderlich.

Prognose

Nach vollständiger Entfernung ist die Prognose ausgezeichnet: Die Rezidivrate ist niedrig, die berichteten medianen Überlebenszeiten liegen bei 28 bis 64 Monaten mit Ein-Jahres-Überlebensraten von 72 bis 100 % — die meisten Hunde sterben später an anderen Ursachen. Eine Gegenüberstellung mit den bösartigen Maultumoren bietet die Seite zur Lebenserwartung beim Maulhöhlentumor; zu den gutartigen Zahnfleischveränderungen insgesamt informiert die Seite zum Zahnfleischtumor beim Hund.

Quellen

  • Tjepkema J, Bell CM, Soukup JW (2020): Presentation, diagnostic imaging, and clinical outcome of conventional ameloblastoma in dogs, J Vet Dent 37(1):6–13, doi: 10.1177/0898756420924847
  • Peralta S, Grenier JK, McCleary-Wheeler AL, Duhamel GE (2019): Ki67 Labelling Index of Neoplastic Epithelial Cells Differentiates Canine Acanthomatous Ameloblastoma from Oral Squamous Cell Carcinoma, J Comp Pathol 171:59–69, doi: 10.1016/j.jcpa.2019.08.001
  • Liptak JM (2020): Oral Tumors, in: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.), Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 432–448
  • American Veterinary Dental College: Nomenklatur der odontogenen Tumoren (avdc.org)

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