Plattenepithelkarzinom beim Hund in der Maulhöhle

Das Plattenepithelkarzinom beim Hund in der Maulhöhle — auch orales Plattenepithelkarzinom genannt — ist der zweithäufigste bösartige Maulhöhlentumor des Hundes; auf ihn entfallen etwa 17 bis 25 % der oralen Tumoren. Der Tumor geht vom Plattenepithel der Maulschleimhaut aus. Er wächst örtlich aggressiv und greift häufig den Kieferknochen an, metastasiert aber — mit Ausnahme der Formen an Mandeln und Zungengrund — vergleichsweise selten. Wird er früh erkannt, hat er unter den bösartigen Maultumoren die günstigste Prognose.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen

Betroffen sind vor allem ältere Hunde mit einem mittleren Erkrankungsalter von 8 bis 10 Jahren; größere Rassen scheinen überrepräsentiert, eine gesicherte Rassedisposition ist nicht belegt. Bevorzugter Sitz ist der vordere Unterkiefer — eine für die Behandlung günstige Lage. Eine Sonderstellung nehmen die Plattenepithelkarzinome der Mandeln und des Zungengrundes ein: Sie verhalten sich deutlich aggressiver und metastasieren häufig. In der Forschung wurde bei der papillären Unterform eine wiederkehrende BRAF-Mutation nachgewiesen (Peralta et al. 2023) — ein Ansatzpunkt für künftige zielgerichtete Behandlungen, noch ohne Praxisbedeutung.

Symptome

  • geschwürartige, oft gerötete Wucherung — flach, gewölbt oder blumenkohlartig
  • offene, schlecht heilende Stellen in der Maulschleimhaut, teils mit Entzündung
  • Mundgeruch, vermehrtes Speicheln, Blutungen
  • verändertes Fressverhalten, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • lockere Zähne bei Beteiligung des Kieferknochens — sie ist beim Plattenepithelkarzinom besonders häufig

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Diagnose

Die Diagnose sichert die Gewebeprobe (Biopsie) mit feingeweblicher Untersuchung. Zahnröntgen und Computertomographie (CT) klären die — häufige — Knochenbeteiligung und die Ausdehnung. Zum Staging gehören die Untersuchung der Unterkieferlymphknoten sowie Röntgen oder CT des Brustkorbs; bei den Formen an Mandeln und Zungengrund ist die Metastasensuche besonders wichtig.

Behandlung

Chirurgie: Die vollständige Entfernung mit Sicherheitsabstand — wegen der Knochenbeteiligung häufig einschließlich eines Kieferabschnitts (Mandibulektomie oder Maxillektomie) — ist die Behandlung der Wahl und beim Sitz im vorderen Unterkiefer oft mit sehr guten Ergebnissen möglich.

Strahlentherapie: Sie kommt nach unvollständiger Entfernung oder bei inoperablen Tumoren in Betracht und lässt sich mit der Chirurgie kombinieren.

Elektrochemotherapie und photodynamische Therapie: lokale Verfahren, die bei kleineren Tumoren oder als Ergänzung eingesetzt werden; die Erfahrung ist auf spezialisierte Zentren begrenzt.

Chemotherapie: Das orale Plattenepithelkarzinom spricht auf klassische Chemotherapie schlecht an; sie spielt eine untergeordnete Rolle. Zu Erfahrungen mit dem Tyrosinkinasehemmer Toceranib informiert die Übersichtsseite zu Palladia.

Dendritische Zelltherapie: Nach der operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim oralen Plattenepithelkarzinom liegen bislang nicht vor.

Prognose

Nach chirurgischer Behandlung liegen die medianen Überlebenszeiten bei 9 bis 26 Monaten, die Ein-Jahres-Überlebensrate bei 57 bis 91 % — die günstigeren Werte gelten für Tumoren im vorderen Unterkiefer, die ungünstigeren für den Oberkiefer und rachennahe Lagen. Deutlich schlechter ist die Prognose bei den Formen an Mandeln und Zungengrund. Eine Gegenüberstellung aller oralen Tumorarten bietet die Seite zur Lebenserwartung beim Maulhöhlentumor; allgemeine Informationen zur Tumorart auf der Seite zum Plattenepithelkarzinom beim Hund.

Quellen

  • Liptak JM (2020): Oral Tumors, in: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.), Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 432–448
  • Kessler M (2022): Tumoren der Maulhöhle, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 403 ff.
  • Peralta S, Webb SM, Katt WP, Grenier JK, Duhamel GE (2023): Highly recurrent BRAF p.V595E mutation in canine papillary oral squamous cell carcinoma, Vet Comp Oncol 21(1):138–144, doi: 10.1111/vco.12869

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