Tumorerkrankung
Fibrosarkom beim Hund in der Maulhöhle
Das Fibrosarkom beim Hund in der Maulhöhle — auch orales Fibrosarkom genannt — ist nach Melanom und Plattenepithelkarzinom der dritthäufigste bösartige Maulhöhlentumor des Hundes; auf ihn entfallen etwa 8 bis 25 % der oralen Tumoren. Der Tumor geht vom Bindegewebe aus und sitzt bevorzugt am Zahnfleisch des Oberkiefers und am harten Gaumen. Sein Kennzeichen ist das örtlich sehr aggressive, infiltrative Wachstum — Metastasen bildet er dagegen nur gelegentlich.
Vorkommen
Betroffen sind vor allem Hunde großer Rassen — beschrieben ist eine Häufung bei Golden und Labrador Retrievern — mit einem mittleren Erkrankungsalter von etwa 7 bis 9 Jahren; Rüden scheinen etwas häufiger zu erkranken. Etwa ein Viertel der Patienten ist jünger als fünf Jahre, sodass das orale Fibrosarkom auch bei jüngeren Hunden nicht ausgeschlossen werden darf.
Eine Besonderheit: „histologisch gutartig, biologisch bösartig”
Eine Eigenheit des oralen Fibrosarkoms verdient besondere Aufmerksamkeit: die Verlaufsform, die in der Fachliteratur als „histologically low-grade, biologically high-grade” beschrieben wird. Dabei sieht das Gewebe unter dem Mikroskop täuschend harmlos aus — mitunter wie ein gutartiges Fibrom —, während sich der Tumor im Patienten hochaggressiv verhält und rasch in Knochen und Nachbargewebe einwächst. Passen feingeweblicher Befund und klinisches Bild nicht zusammen, sollte deshalb der klinische Eindruck den Ausschlag geben und wie bei einem bösartigen Tumor behandelt werden.
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung bei Tumorerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Symptome
- derbe, flache oder knotige Umfangsvermehrung am Zahnfleisch, Gaumen oder an den Lefzen, oft mit offener Oberfläche
- Mundgeruch, vermehrtes oder blutiges Speicheln
- einseitiges Kauen, Meiden harter Kauartikel, verminderte Futteraufnahme
- lockere Zähne und Gesichtsschwellungen bei Einwachsen in den Kieferknochen
- bei Sitz im Oberkiefer auch Niesen oder Nasenausfluss durch Einbruch in die Nasenhöhle
Diagnose
Die Diagnose sichert eine ausreichend tiefe Gewebeprobe (Biopsie) — gerade wegen der beschriebenen Sonderform sollte sie großzügig entnommen werden. Eine Computertomographie (CT) klärt die Ausdehnung in Knochen und Nachbarstrukturen und ist Grundlage der Operationsplanung. Zum Staging gehören die Untersuchung der Unterkieferlymphknoten und Röntgen oder CT des Brustkorbs.
Behandlung
Chirurgie: Die Behandlung der Wahl ist die großzügige Entfernung im gesunden Gewebe — wegen des infiltrativen Wachstums in der Regel einschließlich des betroffenen Kieferknochenabschnitts. Der wünschenswerte breite Sicherheitsabstand ist in der Maulhöhle anatomisch oft nicht erreichbar; das erklärt die vergleichsweise hohe Rate örtlicher Rezidive.
Strahlentherapie: Das Fibrosarkom gilt als wenig strahlenempfindlich; die Bestrahlung wird vor allem ergänzend nach unvollständiger Entfernung eingesetzt.
Chemotherapie: Ein Nutzen ist nicht belegt; sie spielt eine untergeordnete Rolle.
Dendritische Zelltherapie: Gerade wenn der Tumor nicht mit ausreichendem Sicherheitsabstand entfernt werden konnte, ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim oralen Fibrosarkom liegen bislang nicht vor.
Prognose
Nach chirurgischer Behandlung liegen die medianen Überlebenszeiten bei 10 bis 12 Monaten, die Ein-Jahres-Überlebensrate bei 21 bis 50 %. Bestimmend ist die örtliche Tumorkontrolle: Rezidive sind häufiger als Metastasen. Je früher der Tumor entdeckt und je vollständiger er entfernt wird, desto besser die Aussichten. Eine Gegenüberstellung aller oralen Tumorarten bietet die Seite zur Lebenserwartung beim Maulhöhlentumor; allgemeine Informationen zur Tumorart auf der Seite zum Fibrosarkom beim Hund.
Quellen
- Liptak JM (2020): Oral Tumors, in: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.), Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 432–448
- Kessler M (2022): Tumoren der Maulhöhle, in: Kessler M, Kleintieronkologie, 4. Aufl., Stuttgart, 403 ff.
- Ciekot PA et al. (1994): Histologically low-grade, yet biologically high-grade, fibrosarcomas of the mandible and maxilla in dogs: 25 cases (1982–1991), J Am Vet Med Assoc 204(4):610–615
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung bei Tumorerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Häufige Fragen
Wie lange lebt ein Hund mit einem Fibrosarkom in der Maulhöhle?
Nach chirurgischer Behandlung liegen die medianen Überlebenszeiten bei etwa 10 bis 12 Monaten, die Ein-Jahres-Überlebensrate bei 21 bis 50 %. Bestimmend ist die örtliche Tumorkontrolle, also ob der Tumor an Ort und Stelle beherrscht werden kann: Rezidive (Wiederauftreten) sind häufiger als Metastasen. Je früher der Tumor entdeckt und je vollständiger er entfernt wird, desto besser sind in der Regel die Aussichten.
Streut das orale Fibrosarkom beim Hund?
Metastasen, also Absiedlungen in anderen Organen, bildet das orale Fibrosarkom nur gelegentlich. Sein Kennzeichen ist vielmehr das örtlich sehr aggressive, infiltrative Wachstum, das heißt, es wächst rasch in Kieferknochen und Nachbargewebe ein. Örtliche Rezidive sind daher häufiger als Metastasen.
Welche Symptome verursacht ein Fibrosarkom im Maul des Hundes?
Typisch ist eine derbe, flache oder knotige Umfangsvermehrung (Gewebszubildung) am Zahnfleisch, am Gaumen oder an den Lefzen, oft mit offener Oberfläche. Hinzu kommen häufig Mundgeruch, vermehrtes oder blutiges Speicheln, einseitiges Kauen und verminderte Futteraufnahme. Wächst der Tumor in den Kieferknochen ein, können sich Zähne lockern; bei Sitz im Oberkiefer sind auch Niesen oder Nasenausfluss möglich.
Wie wird ein Fibrosarkom in der Maulhöhle des Hundes behandelt?
Behandlung der Wahl ist die großzügige chirurgische Entfernung im gesunden Gewebe, wegen des infiltrativen Wachstums in der Regel einschließlich des betroffenen Kieferknochenabschnitts. Das Fibrosarkom gilt als wenig strahlenempfindlich; eine Bestrahlung wird vor allem ergänzend nach unvollständiger Entfernung eingesetzt. Ein Nutzen der Chemotherapie ist nicht belegt, sie spielt eine untergeordnete Rolle.
Was kann man tun, wenn der Tumor nicht vollständig entfernt werden konnte?
Der wünschenswerte breite Sicherheitsabstand ist in der Maulhöhle anatomisch oft nicht erreichbar, was die vergleichsweise hohe Rate örtlicher Rezidive erklärt. In dieser Situation kann ergänzend bestrahlt werden; außerdem ist die dendritische Zelltherapie, eine Immuntherapie aus körpereigenen Zellen, eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim oralen Fibrosarkom liegen bislang allerdings nicht vor.
Welche Hunde bekommen ein orales Fibrosarkom?
Betroffen sind vor allem Hunde großer Rassen, beschrieben ist eine Häufung bei Golden und Labrador Retrievern; Rüden scheinen etwas häufiger zu erkranken. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 7 bis 9 Jahren, etwa ein Viertel der Patienten ist jedoch jünger als fünf Jahre. Ein orales Fibrosarkom darf daher auch bei jüngeren Hunden nicht ausgeschlossen werden.