Hämangiosarkom am Herz beim Hund

Bei einem Hämangiosarkom am Herz beim Hund handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Blutgefäßzellen, der im Herzen entsteht — bevorzugt im rechten Vorhof oder im rechten Herzohr, einer Aussackung des Vorhofs. Das Hämangiosarkom ist mit etwa 69 % der häufigste Herztumor des Hundes (Ware und Hopper 1999). Die Symptome sind lange unspezifisch; gefährlich wird der Tumor vor allem durch Blutungen in den Herzbeutel.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen

Das kardiale — also das Herz betreffende — Hämangiosarkom tritt vorwiegend bei älteren Hunden auf. Eine Rassedisposition besteht unter anderem für Deutschen Schäferhund, Golden Retriever und Labrador Retriever. Das Herz ist nach der Milz die zweithäufigste Lokalisation; nicht selten sind Milz und Herz gleichzeitig betroffen. Deshalb gehört zur Abklärung eines Milztumors ein Herzultraschall — und umgekehrt zur Abklärung eines Herztumors ein Ultraschall des Bauchraums.

Symptome

Die Beschwerden entwickeln sich oft schleichend und sind unspezifisch:

  • Leistungsabfall, Mattigkeit und Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
  • gelegentliches Erbrechen oder Durchfall
  • plötzliche Schwächeepisoden bis hin zum kurzzeitigen Zusammenbrechen (Synkopen)

Darüber hinaus können eine Blutarmut (Anämie), eine verminderte Zahl an Blutplättchen und Gerinnungsstörungen auffallen. Viele dieser Zeichen erklären sich durch den Herzbeutelerguss.

Der Herzbeutelerguss

Blutet der Tumor in den Herzbeutel (Perikard), sammelt sich dort Flüssigkeit an — ein Perikarderguss. Der Druck hindert das Herz daran, sich zu füllen; im Extremfall entsteht eine Herzbeuteltamponade, ein akuter Notfall. Typische Folgen sind leise Herztöne, ein schwacher Puls, Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum (Aszites) und plötzliche Schwäche. Entlastet wird der Erguss durch eine Punktion des Herzbeutels (Perikardiozentese): Über eine Nadel wird die Flüssigkeit abgezogen, das Herz kann wieder arbeiten. Der Eingriff behandelt allerdings nur die Folge, nicht den Tumor — der Erguss kann wiederkehren.

Diagnose

Das wichtigste Verfahren ist der Herzultraschall (Echokardiographie), idealerweise bei einer Kardiologin oder einem Kardiologen: Er zeigt den Erguss und in vielen Fällen die Umfangsvermehrung am rechten Vorhof. Eine Gewebeprobe aus dem Herzen ist riskant und wird in der Praxis meist nicht entnommen; die Diagnose bleibt deshalb häufig eine Verdachtsdiagnose („präsumtives Hämangiosarkom”). Zur Ausbreitungsdiagnostik gehören Röntgenaufnahmen des Brustkorbs, ein Ultraschall des Bauchraums und gegebenenfalls eine Computertomographie (CT) — Metastasen finden sich bevorzugt in Lunge und Leber. Auch ein Tumor an der Herzbasis kommt als Ursache eines Perikardergusses in Frage und sollte abgegrenzt werden.

Behandlung

Eine Heilung ist beim kardialen Hämangiosarkom in aller Regel nicht zu erreichen; Ziel der Behandlung sind Lebensqualität und gewonnene Zeit.

Perikardiozentese: Die wiederholte Entlastung des Herzbeutels lindert die akuten Beschwerden und ist oft der erste Schritt. Ergänzend wird teils eine Perikardektomie erwogen, die teilweise Entfernung des Herzbeutels, damit sich das Blut nicht mehr unter Druck ansammelt.

Chirurgie: In geeigneten Fällen — Tumor auf das rechte Herzohr begrenzt, keine erkennbaren Metastasen — kann der Tumor mit dem Herzohr entfernt werden. Weisse et al. (2005) berichteten nach der Operation eine mediane Überlebenszeit von 42 Tagen; erhielten die Hunde zusätzlich eine Chemotherapie, waren es 175 Tage.

Chemotherapie: Bei nicht operablen Tumoren untersuchten Mullin et al. (2016) eine alleinige doxorubicinbasierte Chemotherapie an 64 Hunden mit präsumtivem kardialem Hämangiosarkom: Die mediane Überlebenszeit betrug 116 Tage, rund 41 % der auswertbaren Tumoren sprachen an.

Bestrahlung: Eine palliative Strahlentherapie kann die Häufigkeit der Ergussbildung senken. In der Pilotstudie von Nolan et al. (2017) sank die Frequenz der nötigen Herzbeutelpunktionen nach einer einmaligen Bestrahlung mit 12 Gray deutlich; die mediane Überlebenszeit der sechs Hunde lag bei 79 Tagen. Wakamatsu et al. (2025) werteten 27 Hunde nach palliativer Bestrahlung — teils mit, teils ohne Chemotherapie — aus und fanden eine mediane Überlebenszeit von 137 Tagen; auch hier gingen die nötigen Punktionen deutlich zurück. Ein Vergleich mit unbehandelten Tieren fehlt in beiden Untersuchungen.

Dendritische Zelltherapie: Die dendritische Zelltherapie kann beim kardialen Hämangiosarkom als ergänzende immunologische Behandlung eingesetzt werden, um das Immunsystem gegen den Tumor zu aktivieren; sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist mit den übrigen Verfahren kombinierbar. Da eine Gewebeprobe am Herzen meist nicht gewonnen wird, kommen dabei in der Praxis ungeprimte dendritische Zellen zum Einsatz — Zellen, die ohne Tumormaterial des Patienten hergestellt werden. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim kardialen Hämangiosarkom liegen bislang nicht vor; prospektive Daten existieren für das Hämangiosarkom der Milz (Spiller et al. 2024).

Propranolol: Zum Betablocker Propranolol beim Hämangiosarkom informiert die Seite Propranolol zur Behandlung von Hunden mit Hämangiosarkom.

Prognose

Unbehandelt ist die Überlebenszeit nach Diagnose eines kardialen Hämangiosarkoms kurz — in der Vergleichsgruppe von Mullin et al. (2016) lag sie im Median bei 12 Tagen. Mit Behandlung bewegen sich die berichteten medianen Überlebenszeiten zwischen etwa 42 Tagen (Operation allein) und 175 Tagen (Operation mit Chemotherapie); Bestrahlungskonzepte erreichten 79 bis 137 Tage. Alle diese Werte sind Gruppenmediane aus kleinen bis mittelgroßen, nicht randomisierten Untersuchungen — für das einzelne Tier sind sie eine Orientierung, keine Vorhersage.

Quellen

  • Ware WA, Hopper DL (1999): Cardiac tumors in dogs: 1982–1995, J Vet Intern Med 13(2):95–103
  • Weisse C et al. (2005): Survival times in dogs with right atrial hemangiosarcoma treated by means of surgical resection with or without adjuvant chemotherapy: 23 cases (1986–2000), J Am Vet Med Assoc 226(4):575–579
  • Mullin CM et al. (2016): Doxorubicin chemotherapy for presumptive cardiac hemangiosarcoma in dogs, Vet Comp Oncol 14(4):e171–e183, doi: 10.1111/vco.12131
  • Nolan MW et al. (2017): Pilot study to determine the feasibility of radiation therapy for dogs with right atrial masses and hemorrhagic pericardial effusion, J Vet Cardiol 19(2):132–143, doi: 10.1016/j.jvc.2016.12.001
  • Wakamatsu CN et al. (2025): Retrospective Study Evaluating Outcomes Following Palliative Radiotherapy With or Without Chemotherapy for Dogs With Presumed Cardiac Hemangiosarcoma, Vet Comp Oncol 23(3):432–441, doi: 10.1111/vco.13068
  • Mullin C, Clifford CA (2020): Hemangiosarcoma, in: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.), Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology, 6th Ed., St. Louis, MO, 773–778
  • Spiller V, Vetter M, Dettmer-Richardt C, Grammel T (2024): Prospective study of successful autologous dendritic cell therapy in dogs with splenic stage II hemangiosarcoma, The Veterinary Journal 306:106196, doi: 10.1016/j.tvjl.2024.106196

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