Tumorerkrankung
Osteosarkom der Katze
Bei einem Osteosarkom der Katze — umgangssprachlich Knochenkrebs — handelt es sich um einen bösartigen Tumor, der von knochenbildenden Zellen ausgeht. Primäre Knochentumoren sind bei der Katze insgesamt selten (die geschätzte Häufigkeit liegt bei rund 5 Erkrankungen je 100.000 Katzen); unter ihnen ist das Osteosarkom mit etwa 70 bis 80 % die mit Abstand häufigste Form. Betroffen sind vor allem ältere Tiere um das zehnte Lebensjahr. Die wichtigste Botschaft für Katzenbesitzer: Das Osteosarkom der Katze verhält sich deutlich weniger aggressiv als das des Hundes — nach einer Amputation sind lange Überlebenszeiten belegt.
Vorkommen
Katzen erkranken im Mittel mit etwa 10 Jahren — rund drei Jahre später als Hunde. Eine Geschlechtsdisposition ist nicht gesichert; für Siamkatzen wird eine Rassedisposition beschrieben. Anders als beim Hund, bei dem vor allem die langen Röhrenknochen der Gliedmaßen erkranken, verteilt sich das Osteosarkom der Katze etwa hälftig auf das Gliedmaßenskelett und die platten Knochen des Stammskeletts: In einer deutschen Auswertung von 78 Katzen (Kessler et al.) lagen 46 % der Tumoren an den Gliedmaßen und 54 % am übrigen Skelett — häufigster axialer Sitz war der Schädel, insbesondere die Maulhöhle. An den Gliedmaßen sind die Hintergliedmaßen und bei manchen Serien die Vordergliedmaßen bevorzugt beschrieben; die Angaben schwanken. Andere primäre Knochentumoren wie Fibrosarkome, Chondrosarkome und Hämangiosarkome sind deutlich seltener.
Anzeichen
Das Krankheitsbild hängt vom Sitz des Tumors ab. An den Gliedmaßen fallen eine zunehmende Lahmheit, Bewegungsunlust und eine schmerzhafte, feste Schwellung (Umfangsvermehrung) auf; betroffene Katzen springen nicht mehr oder gehen unsicher. Am Schädel und im Kieferbereich können Auftreibungen, Schwierigkeiten beim Fressen, Nasenausfluss oder Nasenbluten und Atemgeräusche auftreten. An der Wirbelsäule sind neurologische Ausfälle möglich. Beim Betasten zeigen die Tiere Schmerzäußerungen; im fortgeschrittenen Stadium kann der zerstörte Knochen brechen.
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Diagnose
Zunächst müssen andere Ursachen — vor allem entzündliche Vorgänge und Verletzungen — ausgeschlossen werden. Dazu dienen die allgemeine Untersuchung, Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren (Röntgen, Computertomographie, gegebenenfalls Magnetresonanztomographie). Die endgültige Diagnose wird durch eine Biopsie gesichert: Unter Narkose wird Gewebe aus dem veränderten Bereich entnommen und feingeweblich untersucht. Der Pathologe findet bei der Katze teils andere histologische Merkmale als beim Hund — es kommen Untertypen vor, deren Zellen anderen Sarkomen ähneln; auf die Prognose scheint das keinen wesentlichen Einfluss zu haben. Für das Staging (die Ermittlung des Krankheitsstadiums) sollten Röntgenaufnahmen oder eine Computertomographie des Brustraums angefertigt werden.
Metastasierung
Das feline Osteosarkom metastasiert deutlich seltener und später als das des Hundes. Klassisch werden Metastasierungsraten von nur 5 bis 10 % angegeben (Dimopoulou et al.); in neueren Fallserien mit längerer Nachbeobachtung lagen die Raten allerdings höher — zwischen 30 und 46 % (Marconato et al.; Nakano et al.; Kimura et al.). Häufigste Zielorgane sind die Lunge, seltener Lymphknoten und weitere Knochen. Nach unvollständiger örtlicher Entfernung sind Lokalrezidive (das Wiederauftreten am selben Ort) das größere Problem: Nach örtlicher Tumorentfernung ohne Amputation wurden Rezidivraten um 44 % beschrieben.
Behandlung
Die Behandlung der Wahl ist die bestmögliche chirurgische Entfernung: An den Gliedmaßen wird die Amputation empfohlen — Katzen kommen auf drei Beinen in aller Regel sehr gut zurecht, und die vollständige Entfernung beugt dem Lokalrezidiv vor. Am Stammskelett sollte eine möglichst vollständige Exzision erfolgen; sie ist dort allerdings oft schwieriger. Die Überlebenszeiten nach Amputation sind vergleichsweise gut: In der Serie von Nakano et al. (67 Katzen) betrug die mediane Überlebenszeit 527 Tage, bei Kimura et al. (76 Katzen mit primären Knochentumoren der Gliedmaßen) 469 Tage; in der italienischen SIONCOV-Serie (Marconato et al., 56 Katzen) war die mediane Überlebenszeit der operierten Katzen zum Studienende noch nicht erreicht. Eine adjuvante Chemotherapie wird bei der Katze bislang nicht routinemäßig empfohlen; angesichts der höheren Metastasierungsraten in neueren Serien wird ihr Stellenwert jedoch diskutiert — die Studienlage ist offen. Strahlen- und Chemotherapie haben beim felinen Osteosarkom insgesamt einen geringen Stellenwert. Bei nicht operierbaren Tumoren kann der Einsatz von Bisphosphonaten (Medikamenten, die den Knochenabbau hemmen, etwa Zoledronat) zur Stabilisierung und Schmerzlinderung erwogen werden; kontrollierte Daten dazu fehlen. Belegte Zahlen zur Prognose sind auf der Seite zur Lebenserwartung beim Osteosarkom der Katze zusammengestellt.
Dendritische Zelltherapie
Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie: Aus dem Blut der Katze werden dendritische Zellen (spezialisierte Zellen des Immunsystems) gewonnen, im Labor aufbereitet und dem Tier per Injektion zurückgegeben. Nach der Amputation oder der bestmöglichen operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren. Sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Osteosarkom der Katze liegen bislang nicht vor.
Einen Überblick zu allen Formen finden Sie auf der Seite Tumorarten bei Katzen.
Quellen
Ehrhart NP, Christensen NI, Fan TM (2020): Tumors of the Skeletal System. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 524–564.
Kessler M (2022): Primäre Knochentumoren der Katze. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie. 4. Aufl., Stuttgart, 643–646.
Kessler M, Tassani-Prell M, von Bomhard D, Matis U (1997): Osteosarkome bei der Katze: Epidemiologische, klinische und röntgenologische Befunde bei 78 Tieren (1990–1995). Tierärztl Prax 25(3):275–283.
Heldmann E et al. (2000): Feline osteosarcoma: 145 cases (1990–1995). J Am Anim Hosp Assoc 36(6):518–521.
Dimopoulou M et al. (2008): Histologic prognosticators in feline osteosarcoma: a comparison with phenotypically similar canine osteosarcoma. Vet Surg 37(5):466–471.
Nakano Y et al. (2022): Outcome of appendicular or scapular osteosarcoma treated by limb amputation in cats: 67 cases (1997–2018). J Am Vet Med Assoc 260(S1):S24–S28.
Marconato L et al. (2024): A retrospective Italian Society of Veterinary Oncology (SIONCOV) study of 56 cats with appendicular osteosarcoma. Vet Comp Oncol 22(2):198–203.
Kimura S et al. (2026): Diagnosis and clinical outcome of cats with primary appendicular bone tumors: 76 cases. J Am Vet Med Assoc 264(8):1005–1013.
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Häufige Fragen
Wie häufig ist ein Osteosarkom bei der Katze?
Primäre Knochentumoren sind bei der Katze insgesamt selten — die geschätzte Häufigkeit liegt bei rund 5 Erkrankungen je 100.000 Katzen. Unter ihnen ist das Osteosarkom (ein bösartiger Tumor, der von knochenbildenden Zellen ausgeht) mit etwa 70 bis 80 % die mit Abstand häufigste Form. Betroffen sind vor allem ältere Tiere um das zehnte Lebensjahr; für Siamkatzen wird eine Rassedisposition beschrieben.
Welche Symptome zeigt eine Katze mit Knochenkrebs?
Das Krankheitsbild hängt vom Sitz des Tumors ab: An den Gliedmaßen fallen eine zunehmende Lahmheit, Bewegungsunlust und eine schmerzhafte, feste Schwellung (Umfangsvermehrung) auf — betroffene Katzen springen nicht mehr oder gehen unsicher. Am Schädel und im Kieferbereich können Auftreibungen, Schwierigkeiten beim Fressen, Nasenausfluss oder Nasenbluten und Atemgeräusche auftreten, an der Wirbelsäule sind neurologische Ausfälle möglich. Im fortgeschrittenen Stadium kann der zerstörte Knochen brechen.
Wie wird ein Osteosarkom bei der Katze festgestellt?
Zunächst müssen andere Ursachen wie entzündliche Vorgänge und Verletzungen ausgeschlossen werden — durch die allgemeine Untersuchung, Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren (Röntgen, Computertomographie, gegebenenfalls Magnetresonanztomographie). Die endgültige Diagnose wird durch eine Biopsie gesichert, das heißt durch die feingewebliche Untersuchung einer unter Narkose entnommenen Gewebeprobe. Für das Staging (die Ermittlung des Krankheitsstadiums) sollten Röntgenaufnahmen oder eine Computertomographie des Brustraums angefertigt werden.
Ist das Osteosarkom bei der Katze so aggressiv wie beim Hund?
Nein, das Osteosarkom der Katze verhält sich deutlich weniger aggressiv als das des Hundes und metastasiert seltener und später. Klassisch werden Metastasierungsraten von nur 5 bis 10 % angegeben; in neueren Fallserien mit längerer Nachbeobachtung lagen die Raten allerdings zwischen 30 und 46 %, häufigstes Zielorgan ist die Lunge. Nach unvollständiger örtlicher Entfernung sind Lokalrezidive (das Wiederauftreten am selben Ort) das größere Problem — nach örtlicher Tumorentfernung ohne Amputation wurden Rezidivraten um 44 % beschrieben.
Wie wird ein Osteosarkom bei der Katze behandelt?
Die Behandlung der Wahl ist die bestmögliche chirurgische Entfernung: An den Gliedmaßen wird die Amputation empfohlen — Katzen kommen auf drei Beinen in aller Regel sehr gut zurecht, und die vollständige Entfernung beugt dem Lokalrezidiv vor. Strahlen- und Chemotherapie haben beim felinen Osteosarkom insgesamt einen geringen Stellenwert; bei nicht operierbaren Tumoren kann der Einsatz von Bisphosphonaten (Medikamenten, die den Knochenabbau hemmen) zur Stabilisierung und Schmerzlinderung erwogen werden. Nach der Amputation oder der bestmöglichen operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie — eine Immuntherapie mit körpereigenen, im Labor aufbereiteten Immunzellen — eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren.
Wie lange lebt eine Katze mit einem Osteosarkom?
Die Überlebenszeiten nach Amputation sind vergleichsweise gut: In der Serie von Nakano et al. (67 Katzen) betrug die mediane Überlebenszeit 527 Tage, bei Kimura et al. (76 Katzen mit primären Knochentumoren der Gliedmaßen) 469 Tage. In der italienischen SIONCOV-Serie war die mediane Überlebenszeit der operierten Katzen zum Studienende noch nicht erreicht — mehr als die Hälfte der Tiere lebte also noch. Die Prognose hängt in der Regel vom Sitz des Tumors und der Vollständigkeit der Entfernung ab.