Tumorerkrankung
Lymphom beim Pferd
Bei einem Lymphom beim Pferd handelt es sich um einen häufig bösartigen Tumor der lymphatischen Organe beziehungsweise des Lymphsystems, also des körpereigenen Abwehrsystems. Es wird auch als Lymphosarkom, equines Lymphom oder — je nach Differenzierung der Erkrankung — equines malignes Lymphom bezeichnet. Umgangssprachlich sprechen viele Pferdebesitzer von Lymphdrüsenkrebs; gemeint ist dieselbe Erkrankung.
In einer britischen Untersuchung, für die 964 pathologisch-histologische Berichte ausgewertet wurden, war das Lymphom mit einem Anteil von 14 % die dritthäufigste Tumorart beim Pferd — nach dem Equinen Sarkoid und dem Plattenepithelkarzinom. Es zählt damit zu den häufigsten Tumorerkrankungen dieser Tierart.
Formen des Lymphoms beim Pferd
Beim Lymphom des Pferdes wird zwischen vier verschiedenen Formen unterschieden. Am häufigsten tritt die multizentrische Form auf. Das bedeutet, dass das Lymphom an vielen lymphatischen Organen gleichzeitig vorkommt; in den meisten Fällen sind dabei die Lymphknoten, die Milz und die Leber betroffen. Am zweithäufigsten ist das intestinale Lymphom, das auf den Magen-Darm-Trakt beschränkt bleibt. Darauf folgt das mediastinale Lymphom, das im Brustkorb der Pferde vorkommt, auch im Bereich von Mediastinum (Mittelfellraum) und Thymus. Die seltenste Form ist das zentralnervöse Lymphom: Hier befinden sich die Tumorzellen im Gehirnwasser.
Einzeln auftretend oder ohne eine Lymphknotenbeteiligung finden sich Formen im Bereich Milz und Leber, am Auge, im Nasen-Schlund-Bereich sowie als neurologische Form. Das Lymphom kann beim Pferd außerdem auf der Haut als kutanes Lymphom entstehen. Die Tumoren können aus B- oder T-Zellen hervorgehen, also aus zwei Untergruppen der weißen Abwehrzellen; B-Zell-Lymphome bilden dabei die große Mehrzahl der Fälle.
Das Lymphom kann in jedem Lebensalter eines Pferdes auftreten, die meisten Tiere sind aber zwischen 4 und 10 Jahren alt. Beide Geschlechter sind gleich oft betroffen. Zur Rasseverteilung ist die Datenlage uneinheitlich: In einigen Untersuchungen wird eine Häufung bei Vollblütern berichtet, in anderen wird keine Rassedisposition gesehen.
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung bei Tumorerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Symptome eines Lymphoms beim Pferd
Die Symptome eines malignen Lymphoms beim Pferd sind in der Regel sehr schwer zu erkennen und zunächst unspezifisch. Anzeichen wie eine Abmagerung treten zwar auf, werden aber häufig erst zu einem späten Zeitpunkt mit der Erkrankung in Verbindung gebracht. Erschwerend kommt hinzu, dass viele andere Erkrankungen eine ganz ähnliche Symptomatik entwickeln.
Bei vielen Pferden fallen zunächst tastbare Schwellungen auf, das heißt, die betroffenen Lymphknoten schwellen an. Diese Vergrößerung kann in jedem Stadium auftreten, äußert sich allerdings vermehrt in späteren Stadien. Weitere Symptome eines Lymphoms beim Pferd sind:
- Mattheit und beginnende Konditionsschwäche
- Appetitlosigkeit
- Fieber, bleibend oder wiederkehrend
- chronische Abmagerung und Gewichtsverlust
- Ödeme, also Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe
- Veränderungen des Blutbildes: Anämie (Blutarmut), Hyperproteinämie und Hypoalbuminämie (zu viel Gesamteiweiß bei zu wenig Albumin) sowie eine Hyperfibrinogenämie ohne Entzündungsanzeichen
Solche Fernwirkungen des Tumors auf den gesamten Organismus, die nicht von der physischen Präsenz des Lymphoms selbst herrühren, werden als paraneoplastisches Syndrom bezeichnet; auch Hyperkalzämie zählt beim Pferd dazu. Eine Übersicht der verschiedenen Syndrome gibt die Seite Das paraneoplastische Syndrom des Pferdes.
Die Symptome eines kutanen Lymphoms, also der Hautform, sind offensichtlicher: Häufig zeigen sich knötchenartige Hautveränderungen, die an unterschiedlichen Stellen des Körpers auftreten können.
Beulen und Schwellungen unter der Haut
Ein deutlicheres Symptom des Lymphoms beim Pferd sind die Beulen und Anschwellungen unter der Haut, die sich im Laufe der Erkrankung bilden. Diese können sowohl im Anfangsstadium als auch erst sehr spät auftreten und überall am Pferdekörper vorkommen — häufig etwa am Unterbauch.
Treten die Beulen früh auf, sind sie meist die einzigen erkennbaren Symptome; ein Leistungsabfall oder ähnliche Auffälligkeiten sind am Anfang in den meisten Fällen noch nicht zu beobachten. Dadurch stufen viele Pferdebesitzer die Beulen als ungefährlich ein und lassen sie nicht oder erst sehr spät untersuchen. Hinzu kommt, dass die Beulen nicht immer tastbar sind: In einigen Fällen liegen sie im Körperinneren, beispielsweise im Rachenraum. Eine regelmäßige Kontrolle durch den Tierarzt ist deshalb sehr wichtig.
Leistungsfähigkeit
Im Verlauf der Erkrankung kommt es oft zu einem starken Abbau der Leistungsfähigkeit. Das ist besonders bei Sportpferden schnell erkennbar. Bei einigen Pferden handelt es sich eher um einen schleichenden Prozess, bei dem das Tier über viele Monate hinweg immer mehr an Leistung abbaut. Bei anderen Tieren wiederum kommt es zu einem sehr plötzlichen Leistungsabfall.
Diagnose
Eine Diagnose kann nur der Tierarzt stellen. Er führt in der Regel zunächst eine klinische Untersuchung der vermeintlich betroffenen Organe durch, wobei möglichst Gewebeproben zur Analyse entnommen werden. Gesichert wird die Erkrankung durch einen histopathologischen oder zytologischen Nachweis, das heißt durch die Untersuchung von Gewebe- oder Zellproben. Häufig wird außerdem eine rektale Untersuchung durchgeführt, um die inneren Organe auch mittels Ultraschall beurteilen zu können.
Da die Symptome zunächst schleichend eintreten und erst bei akuter Verschlimmerung deutlich auf eine Erkrankung hindeuten, bleibt es ohne eingehende Diagnostik schnell bei einer Verdachtsdiagnose. Je früher ein Lymphom diagnostiziert und behandelt wird, desto besser fällt in der Regel die Prognose aus.
Behandlung
Es gibt nur wenige Möglichkeiten, das equine Lymphom zu behandeln. Beschrieben sind Behandlungsversuche mit Chemotherapie und Bestrahlung. Darüber hinaus ist eine chirurgische Entfernung des betroffenen Gewebes eine mögliche Therapiemethode, vor allem bei lokalen Tumoren. Diese Maßnahmen können die Lebenserwartung der Pferde erhöhen, das Tier aber nicht heilen; sie sind deshalb als palliative, also lindernde Behandlungsversuche zu werten. Zudem kann es vorkommen, dass durch die Behandlung weitere Beschwerden in Form von Nebenwirkungen auftreten.
Dendritische Zelltherapie
Die dendritische Zelltherapie ist eine Immuntherapie zur schonenden Behandlung von Tumoren und eine Ergänzung zu den herkömmlichen Behandlungsmethoden. Aus körpereigenen Zellen, die dem Tier entnommen werden, wird ein Vakzin hergestellt; mit dessen Hilfe soll das Immunsystem Ihres Pferdes wieder aufgebaut und der körpereigene Kampf gegen das Lymphom wieder aufgenommen werden. Anders als bei der Chemotherapie kommen dabei keine Zellgifte zum Einsatz, die Nebenwirkungen sind gering.
Ziel ist es, die Lebenserwartung Ihres Pferdes zu erhöhen und gleichzeitig die Lebensqualität zu verbessern. Ist ein Lymphom schwer zu lokalisieren, kann die Immuntherapie dennoch zu einer Verringerung der Tumorzellen führen und einer Metastasierung, also der Bildung von Tochtergeschwülsten, entgegenwirken. Auch in einem späten Stadium bleibt sie eine Möglichkeit, Symptome und Schmerzen zu lindern.
Prognose
Insgesamt ist die Prognose beim Lymphom des Pferdes sehr vorsichtig zu stellen. Durch eine frühzeitige Behandlung kann das Pferd weitgehend von den Krankheitszeichen verschont bleiben, sicher ist das jedoch nicht.
Für Sie als Besitzer ist eine solche Diagnose eine schwere Nachricht — gerade weil sie oft erst spät gestellt wird. Auch dann bleibt aber fast immer etwas zu tun, was Ihrem Pferd das Leben mit dem Tumor erleichtert und ihm gute Zeit auf der Weide zurückgibt.
Quellen
- Knottenbelt DC et al. (2015): Clinical Equine Oncology, Edinburgh, 524-536
- Giesecke A, Unkrüer B (2022): Diagnose Lymphom — eine klinische Herausforderung, Der Praktische Tierarzt 103, 604-616, DOI: 10.2376/0032-681X-2223
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung bei Tumorerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Häufige Fragen
Was ist ein Lymphom beim Pferd?
Das Lymphom, auch Lymphosarkom oder equines Lymphom genannt, ist ein häufig bösartiger Tumor der lymphatischen Organe beziehungsweise des Lymphsystems, also des körpereigenen Abwehrsystems. Umgangssprachlich wird es auch Lymphdrüsenkrebs genannt. In einer britischen Untersuchung war es mit 14 % die dritthäufigste Tumorart beim Pferd.
Welche Formen des Lymphoms gibt es beim Pferd?
Unterschieden werden vier Formen: Am häufigsten ist die multizentrische Form, bei der das Lymphom an vielen lymphatischen Organen gleichzeitig vorkommt, meist an Lymphknoten, Milz und Leber. Es folgen das intestinale Lymphom, das auf den Magen-Darm-Trakt beschränkt bleibt, und das mediastinale Lymphom im Brustkorb; die seltenste Form ist das zentralnervöse Lymphom. Daneben kann das Lymphom als kutanes Lymphom auf der Haut entstehen.
Woran erkenne ich ein Lymphom bei meinem Pferd?
Die Symptome sind zunächst unspezifisch: Mattheit, Appetitlosigkeit, bleibendes oder wiederkehrendes Fieber, chronische Abmagerung, Ödeme, also Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe, sowie Veränderungen des Blutbildes wie eine Anämie (Blutarmut). Bei vielen Pferden fallen zudem tastbare Schwellungen der betroffenen Lymphknoten auf, vermehrt in späteren Stadien.
Sind Beulen unter der Haut bei meinem Pferd gefährlich?
Beulen und Anschwellungen unter der Haut, häufig am Unterbauch, gehören zu den deutlicheren Anzeichen. Treten sie früh auf, sind sie meist die einzigen erkennbaren Symptome, weshalb viele Besitzer sie als ungefährlich einstufen. Sie sind zudem nicht immer tastbar, sondern können auch im Körperinneren liegen, etwa im Rachenraum — eine regelmäßige Kontrolle durch den Tierarzt ist daher wichtig.
Verliert ein Pferd mit Lymphom an Leistung?
Im Verlauf der Erkrankung kommt es oft zu einem starken Abbau der Leistungsfähigkeit, was besonders bei Sportpferden schnell auffällt. Bei einigen Pferden ist es ein schleichender Prozess über viele Monate, bei anderen kommt es zu einem sehr plötzlichen Leistungsabfall.
Wie wird ein Lymphom beim Pferd festgestellt?
Die Diagnose kann nur der Tierarzt stellen. In der Regel folgt auf die klinische Untersuchung der betroffenen Organe die Entnahme von Gewebeproben; gesichert wird die Erkrankung durch einen histopathologischen oder zytologischen Nachweis, also die Untersuchung von Gewebe- oder Zellproben. Häufig wird zusätzlich rektal untersucht, um die inneren Organe mittels Ultraschall beurteilen zu können.
Ist ein Lymphom beim Pferd heilbar?
Es gibt nur wenige Behandlungsmöglichkeiten: Beschrieben sind Versuche mit Chemotherapie und Bestrahlung sowie die chirurgische Entfernung des betroffenen Gewebes, vor allem bei lokalen Tumoren. Diese Maßnahmen können die Lebenserwartung erhöhen, das Pferd aber nicht heilen, und die Prognose ist sehr vorsichtig zu stellen. Ergänzend kann die dendritische Zelltherapie eingesetzt werden, die auf eine höhere Lebenserwartung und eine bessere Lebensqualität zielt.