Pseudopelade als autoimmune Erkrankung bei Hunden
Bei der Pseudopelade handelt es sich um eine seltene Autoimmunerkrankung der Haarfollikel von Hund und Katze. Das Wort „pelade” kommt aus dem Französischen und bedeutet Kahlheit oder Haarausfall; die Vorsilbe „pseudo” verweist darauf, dass die Erkrankung der Alopecia areata äußerlich ähnelt, ihr aber nicht gleicht.
Der Unterschied liegt im Detail — und er ist entscheidend. Bei der Pseudopelade dringen mononukleäre Zellen, hauptsächlich CD8-positive zytotoxische Lymphozyten (eine Form von Abwehrzellen), in den Haarfollikel-Isthmus ein, also in den mittleren Abschnitt des Follikels. Betroffene Tiere bilden zudem Autoantikörper gegen Haarkeratine und Trichohyalin, das heißt gegen Strukturproteine des Haares.
Warum der Haarverlust bleibt
Der Isthmus ist nicht irgendein Abschnitt des Haarfollikels. Dort liegt jene Region, aus der sich der Follikel bei jedem Haarwechsel neu aufbaut — gewissermaßen die Werkstatt des Haares. Wird sie zerstört, fehlt dem Follikel die Grundlage, ein neues Haar zu bilden.
Infolgedessen kommt es zu einer Atrophie, also einem Gewebeschwund, sowohl des Haarfollikels als auch der zugehörigen Talgdrüse. Was zurückbleibt, ist eine fokale, das heißt örtlich begrenzte, dauerhafte Alopezie. Genau dieser Mechanismus erklärt, warum bei der Pseudopelade Medikamente wenig ausrichten: Sie können eine Entzündung dämpfen, aber keine zerstörte Struktur ersetzen.
Unterschied zur Alopecia areata
Beide Erkrankungen greifen den Haarfollikel an, aber an unterschiedlicher Stelle:
- Bei der Alopecia areata richtet sich der Angriff gegen die Haarfollikelzwiebel, also den unteren, wachstumsaktiven Teil. Die Stammzellregion bleibt verschont, und das Haar kann nachwachsen.
- Bei der Pseudopelade ist die Haarfollikelzwiebel gerade nicht betroffen — der Angriff sitzt höher, im Isthmus. Der Verlust ist deshalb endgültig.
Von außen sieht man diesen Unterschied nicht. Er lässt sich ausschließlich am feingeweblichen Bild ablesen — und er ist der Grund, warum eine Gewebeprobe bei kahlen Stellen unklarer Ursache mehr wert ist, als es zunächst scheint.
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung bei Autoimmunerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Symptome
Kennzeichnend sind scharf begrenzte, haarlose Bezirke, die sich in der Regel ohne auffällige Entzündungszeichen entwickeln: keine Rötung, keine Krusten, kein Juckreiz. Die betroffene Haut wirkt zunächst unauffällig, im weiteren Verlauf kann sie glatt und dünn erscheinen, weil auch die Talgdrüsen verloren gehen.
Die kahlen Bezirke breiten sich langsam aus oder kommen an weiteren Stellen hinzu. Allgemeine Krankheitszeichen fehlen — Hunde und Katzen mit Pseudopelade sind ansonsten gesund, fressen normal und haben keine Schmerzen.
Der Weg zur Diagnose
Die Diagnose wird über die Histopathologie gestellt, also die feingewebliche Untersuchung von Hautproben. Aussagekräftig sind Biopsien aus dem Randbereich frischer, noch aktiver Bezirke, in denen das entzündliche Infiltrat rund um den Isthmus noch nachweisbar ist. Aus einer schon länger bestehenden kahlen Stelle lässt sich häufig nur noch der Endzustand ablesen — Follikelschwund ohne erkennbare Ursache.
Wenn Sie also eine haarlose Stelle bemerken, die sich langsam vergrößert, ist frühes Abklären der bessere Weg als Abwarten: Nur so lässt sich klären, ob eine Form vorliegt, bei der sich mit einer Behandlung noch etwas retten lässt.
Was sonst dahinterstecken kann
Umschriebene kahle Stellen haben viele Ursachen, die deutlich häufiger sind als die Pseudopelade:
- die Alopecia areata und die Talgdrüsenadenitis
- Demodikose (Haarbalgmilbenbefall) und Dermatophytose (Hautpilz)
- bakterielle Follikulitis, also eine Entzündung der Haarbälge
- narbige Haarverluste nach Verletzungen, Injektionen oder Durchblutungsstörungen der Haut
- hormonell bedingter Haarausfall, etwa bei Schilddrüsenunterfunktion
Behandlung und Prognose
Hier ist Offenheit die ehrlichste Auskunft: Die fokale Alopezie der Pseudopelade spricht nicht auf eine immunsuppressive Therapie an, also nicht auf Medikamente, die das fehlgeleitete Immunsystem dämpfen. Der Haarausfall bleibt bestehen. Auch eine immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen wurde bei dieser Erkrankung bislang nicht erprobt — eine belastbare Aussage zur Wirksamkeit lässt sich deshalb nicht treffen.
Was zählt, ist die zweite Hälfte der Nachricht: Die Pseudopelade ist eine rein kosmetische Erkrankung. Sie greift keine inneren Organe an, sie tut nicht weh, sie verkürzt das Leben nicht. Für Ihren Hund oder Ihre Katze bedeutet sie im Alltag praktisch nichts — anders als für Sie, die die kahlen Stellen jeden Tag sehen.
Sinnvoll bleibt der praktische Schutz der unbehaarten Bezirke: Sonnenschutz im Sommer, weil ungeschützte Haut leichter verbrennt, und je nach Lage und Größe der Stellen ein Schutz vor Kälte und Nässe. Und es lohnt, die Diagnose sicher zu haben — allein deshalb, weil sie die Suche beendet und Ihnen weitere Behandlungsversuche erspart, die dieser Erkrankung nichts anhaben können.
Eine Übersicht über die verwandten Krankheitsbilder finden Sie unter Autoimmunerkrankungen der Haarfollikel bei Hunden, eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd auf der Übersichtsseite.
Quellen
Tizard IR (2023): Pseudopelade. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 131
Linek M: Pseudopelade, Vortrag, Back to the roots – Erkrankungen der Haarfollikel (2013), 14. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Veterinärdermatologie, 31. Mai bis 2. Juni 2013 in Augsburg
Schildern Sie uns den Fall Ihres Vierbeiners
Kostenlose Erstberatung bei Autoimmunerkrankungen durch unser tierärztliches Team — in der Regel innerhalb eines Werktages.
Lieber direkt sprechen? 05522 9182582, Montag bis Freitag 08:30–17:00 Uhr.
Häufige Fragen
Was ist Pseudopelade beim Hund?
Eine seltene Autoimmunerkrankung der Haarfollikel bei Hund und Katze. Zytotoxische Lymphozyten dringen in den Haarfollikel-Isthmus ein, also den mittleren Abschnitt des Follikels; zusätzlich bilden betroffene Tiere Autoantikörper gegen Haarkeratine und Trichohyalin, die Strukturproteine des Haares. „Pelade" ist französisch für Kahlheit.
Warum bleibt der Haarausfall bei der Pseudopelade dauerhaft?
Weil im Isthmus jene Region liegt, aus der sich der Haarfollikel bei jedem Haarwechsel neu aufbaut. Wird sie zerstört, fehlt dem Follikel die Grundlage für ein neues Haar; Follikel und zugehörige Talgdrüse schwinden. Medikamente können eine Entzündung dämpfen, aber keine zerstörte Struktur ersetzen.
Worin unterscheidet sich die Pseudopelade von der Alopecia areata?
Im Angriffsort innerhalb des Haarfollikels. Bei der Alopecia areata trifft es die Haarzwiebel, den unteren wachstumsaktiven Teil — die Stammzellregion bleibt verschont und das Haar kann nachwachsen. Bei der Pseudopelade ist die Haarzwiebel gerade nicht betroffen, der Angriff sitzt höher im Isthmus, und der Verlust ist endgültig. Von außen ist dieser Unterschied nicht zu sehen.
Welche Symptome zeigt die Pseudopelade?
Scharf begrenzte, haarlose Bezirke, die sich in der Regel ohne Rötung, Krusten oder Juckreiz entwickeln; im Verlauf kann die Haut glatt und dünn wirken, weil auch die Talgdrüsen verloren gehen. Die kahlen Stellen breiten sich langsam aus oder kommen an weiteren Stellen hinzu. Allgemeine Krankheitszeichen fehlen — die Tiere sind ansonsten gesund.
Wie wird die Pseudopelade festgestellt?
Über die feingewebliche Untersuchung von Hautproben. Aussagekräftig sind Biopsien aus dem Randbereich frischer, noch aktiver Bezirke, in denen das entzündliche Infiltrat rund um den Isthmus noch nachweisbar ist — aus einer länger bestehenden kahlen Stelle lässt sich oft nur noch der Endzustand ablesen. Zuvor sind Milbenbefall, Hautpilz, bakterielle Entzündungen und hormonelle Ursachen auszuschließen.
Ist der Haarausfall bei Pseudopelade heilbar?
Nein. Die örtlich begrenzte Alopezie spricht nicht auf eine immunsuppressive Behandlung an, der Haarausfall bleibt bestehen; eine immunologische Behandlung mit dendritischen Zellen wurde bei dieser Erkrankung bislang nicht erprobt. Die zweite Hälfte der Nachricht zählt aber genauso: Die Pseudopelade ist eine rein kosmetische Erkrankung, sie greift keine inneren Organe an, tut nicht weh und verkürzt das Leben nicht.