Schilddrüsenunterfunktion beim Hund (Hypothyreose)
Bei der Schilddrüsenunterfunktion des Hundes — fachlich Hypothyreose genannt — handelt es sich um eine Erkrankung, bei der die Schilddrüse nicht mehr genügend Schilddrüsenhormone bildet. Diese Hormone regulieren den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel und wirken auf nahezu alle Organe. Entsprechend breit und zunächst unspezifisch fällt das Beschwerdebild aus: Fell, Haut, Gewicht, Kondition und Verhalten verändern sich oft über Monate, bevor überhaupt ein Verdacht aufkommt. Eines lässt sich vorwegnehmen: Die Hypothyreose gehört zu den gut behandelbaren Erkrankungen, und die meisten Hunde erholen sich unter der Therapie deutlich.
Ursachen
Die Schilddrüsenunterfunktion tritt beim Hund in zwei Ausprägungen auf: als chronisch entzündliche Veränderung, die das Schilddrüsengewebe langsam zerstört und dabei meist völlig unbemerkt verläuft, und als autoimmune Thyreoiditis — also eine Schilddrüsenentzündung, bei der sich das eigene Abwehrsystem gegen den Körper richtet. Bei letzterer bildet der Organismus Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe und zerstört es. In beiden Fällen wird das verlorene Drüsengewebe durch nicht-hormonbildendes Gewebe ersetzt. Das macht eine langfristige Behandlung mit Schilddrüsentabletten notwendig.
Daneben gibt es Auslöser, die nur vorübergehend wirken. Bakterielle Entzündungen und bestimmte Medikamente können ebenfalls zu einer Unterfunktion führen; diese Form geht häufig vorüber, etwa wenn die verursachenden Medikamente wieder abgesetzt werden. Auch eine falsche Fütterung kommt als Ursache in Betracht — vor allem ein Mangel an den Spurenelementen Jod und Selen bei über lange Zeit selbst zusammengestellten Rationen.
Vorkommen
Es lässt sich nicht sagen, ob von einer Schilddrüsenunterfunktion häufiger männliche oder weibliche Hunde betroffen sind. Vorwiegend lässt sie sich jedoch bei mittelgroßen und großen Hunden beobachten. In der Vergangenheit konnte zudem eine Rassedisposition, also eine erbliche Neigung, bei Golden Retrievern und Boxern festgestellt werden. Auch Dackel sind oft betroffen und bilden als kleine Hunderasse die Ausnahme.
Symptome am Fell
Die Symptome konzentrieren sich in der Anfangszeit überwiegend auf das Fell. Dieses weist ein verlangsamtes Wachstum der Haare auf, wobei es auch zu Haarausfall kommen kann — häufig flächig und an beiden Körperseiten gleichmäßig. Das Fell wird trocken und brüchig, was eine vermehrte Schuppenbildung zur Folge hat. Außerdem kann es zu gehäuften Infektionen auf der Haut, zu Entzündungen der Ohren und zu Juckreiz kommen.
Unspezifische Symptome
Weil die Schilddrüsenhormone auf fast alle Organe wirken, bringt die Unterfunktion in der Regel auch eine ganze Reihe unspezifischer Symptome mit sich. Der Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel wird nicht mehr gut reguliert; das führt in vielen Fällen zunächst zu einer unerklärlichen Gewichtszunahme, obwohl die Futterration nicht verändert oder sogar verringert wurde. Viele betroffene Tiere leiden zudem an allgemeiner Bewegungsunlust, Antriebslosigkeit und verringerter Kondition.
Weitere Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion beim Hund sind
- Übermäßiger Hunger
- Gewichtszunahme
- Unregelmäßige Läufigkeit
- Herzrhythmusstörungen
- Nervenschäden
Hecheln, Leistungsabfall und Verhalten
Viele Halter bemerken zuerst, dass ihr Hund nicht mehr mithält. Spiel mit dem Besitzer oder mit Artgenossen ist bereits nach kurzer Zeit enorm anstrengend — erkennbar an schwerem Atmen und vermehrtem Hecheln. Diese Schlappheit fällt besonders bei sonst sehr aktiven und sportlichen Hunden auf.
Vermehrtes Hecheln ist für sich genommen kein Beweis für eine Schilddrüsenunterfunktion: Hunde hecheln auch bei Wärme, bei Aufregung, bei Schmerzen und bei Erkrankungen von Herz und Atemwegen. Aussagekräftig wird es, wenn es zusammen mit den anderen Zeichen auftritt — mit stumpfem, ausfallendem Fell, mit Gewichtszunahme ohne mehr Futter und mit deutlich nachlassender Ausdauer.
Auch das Wesen kann sich ändern. Neben Müdigkeit bis hin zur Teilnahmslosigkeit ist das genaue Gegenteil möglich: eine reduzierte Stresstoleranz, Angst und Nervosität oder plötzliche Aggression gegenüber Artgenossen und Menschen. Ausführlich beschrieben sind diese Veränderungen unter Verhalten eines Hundes mit Schilddrüsenunterfunktion.
Diagnose
Eine Diagnose kann nur der Tierarzt stellen. Dieser führt eine Blutentnahme durch und schickt die Probe in ein Speziallabor, wo verschiedene Blutparameter untersucht werden. Dazu gehören die Werte für T4 (Thyroxin), TSH (das Steuerhormon aus der Hirnanhangsdrüse), fT4 (freies, nicht an Eiweiß gebundenes Thyroxin), T3, fT3 und TAK (Antikörper gegen Schilddrüsengewebe). Ergänzend werden ein Organprofil, die Anamnese — also der Vorbericht des Besitzers — und alle Symptome gemeinsam beurteilt.
In diesem Zuge lässt sich auch feststellen, ob tatsächlich eine Unterfunktion der Schilddrüse vorliegt oder eine andere Erkrankung wie ein Schilddrüsentumor. Von einer Eigendiagnose und einer Behandlung auf eigene Faust ist abzuraten: Die Blutwerte lassen sich nur im Zusammenhang richtig deuten.
Behandlung
Die Schilddrüsenunterfunktion lässt sich gut behandeln. Die Hormone, die von der Schilddrüse nicht mehr ausreichend produziert werden, werden in Tablettenform ersetzt — man spricht von einer Substitutionstherapie, also dem Ersatz des Fehlenden. Erste Verbesserungen lassen sich bei den meisten Hunden schon nach ein bis zwei Wochen beobachten, mit einer sichtbaren und klaren Besserung ist in der Regel nach etwa sechs Wochen zu rechnen.
Da Schilddrüsenhormone beim Hund schneller verstoffwechselt und schlechter vom Darm aufgenommen werden als beim Menschen, unterscheiden sich die Dosierungen in Human- und Veterinärmedizin stark voneinander. Die Einstellung übernimmt deshalb der Tierarzt und kontrolliert sie über regelmäßige Blutuntersuchungen. Einzelheiten zu Wirkstoff, Eingabe und Nebenwirkungen finden Sie unter Schilddrüsentabletten für den Hund.
Für viele Halter ist die Erleichterung groß, wenn nach Wochen der Ratlosigkeit endlich ein Name für die Veränderungen da ist — und der Hund unter der Behandlung Stück für Stück wieder der wird, den sie kennen.
Ernährung
Begleitend zur Tablettengabe wird in der Regel die Ernährung umgestellt. Sinnvoll ist ein Futter mit optimiertem Jod- und Selengehalt, da beide Spurenelemente für Bildung und Verstoffwechslung der Schilddrüsenhormone gebraucht werden. Futter und Rationen müssen dabei individuell auf den einzelnen Hund zugeschnitten sein; pauschale Empfehlungen helfen hier nicht weiter. Ausführlich dazu: Ernährung von Hunden mit einer Schilddrüsenunterfunktion.
Wenn das Immunsystem die Ursache ist
Die autoimmune Thyreoiditis ist die häufigste Ursache der Schilddrüsenunterfunktion des Hundes — sie gehört damit zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen sich die körpereigene Abwehr gegen den eigenen Organismus richtet. Der Hormonersatz bleibt in diesem Fall die Grundlage der Behandlung; er ersetzt, was die Drüse nicht mehr bildet, hält aber den Angriff des Immunsystems nicht auf. Ergänzend kommt die dendritische Zelltherapie bei Autoimmunerkrankungen in Betracht, die auf eine Normalisierung der fehlgeleiteten Immunreaktion zielt — ob das im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom Befund und vom Verlauf ab.
Quellen
- Hypothyreose des Hundes. In: Schneider B, Ketter D, Hrsg. Verhaltensmedizin bei Hund und Katze. 1. Auflage. Stuttgart: Schattauer; 2016.
- Kohn B, Schwarz G, Hrsg. Praktikum der Hundeklinik. 12., aktualisierte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag; 2017. doi:10.1055/b-0037-147335
Häufige Fragen
Wie erkenne ich eine Schilddrüsenunterfunktion bei meinem Hund?
In der Anfangszeit konzentrieren sich die Symptome überwiegend auf das Fell: verlangsamtes Haarwachstum, Haarausfall, trockenes und brüchiges Fell mit vermehrter Schuppenbildung, dazu gehäufte Hautinfektionen, Ohrentzündungen und Juckreiz. Hinzu kommen unspezifische Zeichen wie Gewichtszunahme bei unveränderter Futtermenge, Bewegungsunlust und verringerte Kondition. Auch übermäßiger Hunger, unregelmäßige Läufigkeit, Herzrhythmusstörungen und Nervenschäden können auftreten.
Warum hechelt mein Hund mit Schilddrüsenunterfunktion so viel?
Betroffene Hunde verlieren an Ausdauer: Spiel mit dem Besitzer oder mit Artgenossen ist bereits nach kurzer Zeit enorm anstrengend, erkennbar an schwerem Atmen und vermehrtem Hecheln. Hecheln allein ist allerdings kein Beweis — Hunde hecheln auch bei Wärme, Aufregung, Schmerzen sowie bei Herz- und Atemwegserkrankungen. Aussagekräftig wird es zusammen mit stumpfem, ausfallendem Fell, Gewichtszunahme und nachlassender Kondition.
Welche Hunde sind besonders häufig betroffen?
Die Schilddrüsenunterfunktion lässt sich vorwiegend bei mittelgroßen und großen Hunden beobachten; ob männliche oder weibliche Tiere häufiger betroffen sind, lässt sich nicht sagen. In der Vergangenheit wurde eine Rassedisposition, also eine erbliche Neigung, bei Golden Retrievern und Boxern festgestellt. Auch Dackel sind oft betroffen und bilden als kleine Hunderasse die Ausnahme.
Welche Ursachen hat eine Hypothyreose beim Hund?
Zum einen die chronisch entzündliche Veränderung, die das Schilddrüsengewebe langsam zerstört, zum anderen die autoimmune Thyreoiditis, bei der der Körper Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe bildet. Beide erfordern eine langfristige Behandlung. Bakterielle Entzündungen und bestimmte Medikamente lösen dagegen häufig nur eine vorübergehende Unterfunktion aus, die nach dem Absetzen wieder abklingt; auch ein Jod- und Selenmangel durch selbst zusammengestellte Rationen kommt als Ursache in Betracht.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Nur durch den Tierarzt. Er nimmt Blut ab und lässt es im Speziallabor untersuchen — bestimmt werden unter anderem T4, TSH, fT4, T3, fT3 und TAK, dazu kommen ein Organprofil, der Vorbericht und die Beurteilung aller Symptome. Dabei lässt sich auch feststellen, ob tatsächlich eine Unterfunktion vorliegt oder eine andere Erkrankung wie ein Schilddrüsentumor.
Wie schnell wirkt die Behandlung?
Die fehlenden Hormone werden in Tablettenform ersetzt. Erste Verbesserungen zeigen sich bei den meisten Hunden nach ein bis zwei Wochen, eine sichtbare und klare Besserung in der Regel nach etwa sechs Wochen. Da Schilddrüsenhormone beim Hund schneller verstoffwechselt und schlechter vom Darm aufgenommen werden als beim Menschen, unterscheiden sich die Dosierungen in Human- und Veterinärmedizin stark.
Bleibt die Schilddrüsenunterfunktion ein Leben lang?
Wird das Schilddrüsengewebe zerstört und durch nicht-hormonbildendes Gewebe ersetzt, ist eine langfristige Behandlung mit Schilddrüsentabletten notwendig. Eine durch bakterielle Entzündungen oder ungeeignete Medikamente ausgelöste Unterfunktion geht dagegen häufig vorüber, etwa wenn die verursachenden Medikamente wieder abgesetzt werden.