Übergewicht beim Hund

Übergewicht beim Hund ist die häufigste ernährungsbedingte Gesundheitsstörung überhaupt: Je nach Untersuchung ist etwa jeder dritte bis jeder zweite Hund zu schwer. Als Faustregel gilt ein Körpergewicht von mehr als etwa 10 % über dem Idealgewicht als Übergewicht, ab etwa 20 % spricht man von Fettleibigkeit (Adipositas). Weil sich viele übergewichtige Hunde scheinbar normal bewegen, wird das Problem oft unterschätzt — dabei ist der Zusammenhang mit der Lebenserwartung gut belegt: Schlanke Hunde leben messbar länger.

Übergewicht erkennen

Rassespezifische Gewichtstabellen sind nur ein grober Anhaltspunkt. Zuverlässiger ist der Blick- und Tastbefund, den auch der Tierarzt für den sogenannten Body Condition Score (eine standardisierte neunstufige Einstufung der Körperkondition) nutzt. Beim idealgewichtigen Hund gilt:

  • Die Rippen sind unter locker aufgelegten Händen leicht zu ertasten, aber nicht zu sehen.
  • Von oben betrachtet ist eine Taille hinter dem Brustkorb erkennbar.
  • Von der Seite betrachtet zieht sich die Bauchlinie hinter dem Brustkorb nach oben.

Fettpolster über Rücken und Schwanzansatz, eine fehlende Taille und Rippen, die sich nur mit Druck oder gar nicht ertasten lassen, sprechen dagegen für Übergewicht — ebenso nachlassende Bewegungsfreude und Konditionsverlust. Als weitere Faustregel kann das Gewicht am Ende der Wachstumsphase (mit etwa 12 Monaten) dienen: Es entspricht bei den meisten Hunden ungefähr dem Idealgewicht. Im Zweifel sollte der Tierarzt die Einstufung vornehmen.

Ursachen

Die mit Abstand häufigste Ursache ist eine zu hohe Energieaufnahme: zu große Rationen, Mahlzeiten immer dann, wenn auch die Familie isst, Reste vom Tisch — und vor allem Leckerlis, die sich als Belohnungssystem durch das ganze Hundeleben ziehen. Hinzu kommt häufig Bewegungsmangel. Auch die Kastration erhöht das Risiko, weil der Energiebedarf danach sinkt. Als besonders anfällig gelten unter anderem Labrador Retriever, Golden Retriever, Beagle und Cocker Spaniel. Daneben können Erkrankungen ein Übergewicht begünstigen — vor allem die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und das Cushing-Syndrom (eine Überproduktion von Kortisol). Vor jeder Diät sollte der Tierarzt solche Ursachen ausschließen.

Folgen

Übergewicht belastet den gesamten Organismus. Im Vordergrund stehen Schäden am Bewegungsapparat: Die Gelenke nutzen sich schneller ab, das Risiko für Arthrose und Kreuzbandriss steigt. Hinzu kommen Atemprobleme, Herz-Kreislauf-Belastung, ein erhöhtes Narkoserisiko und Stoffwechselstörungen. Manche Folgeerkrankungen sind chronisch — sie bleiben auch dann bestehen, wenn der Hund später wieder abnimmt. Darüber hinaus wird ein Zusammenhang zwischen Übergewicht im Junghundalter und einem erhöhten Risiko für Mammatumoren beschrieben (Sonnenschein et al.). Übergewichtige Hunde sind also keine Tiere mit einem Schönheitsfehler, sondern Risikopatienten.

Schlank lebt länger — die Studienlage

Der Zusammenhang zwischen Gewicht und Lebenserwartung ist ungewöhnlich gut belegt. In der klassischen Lebenszeitstudie von Kealy et al. wurden 48 Labrador Retriever paarweise über ihr gesamtes Leben verfolgt: Die restriktiv gefütterten, schlanken Hunde lebten im Median 13,0 Jahre, ihre normal gefütterten Wurfgeschwister 11,2 Jahre — ein Unterschied von fast zwei Jahren; auch chronische Erkrankungen traten bei den schlanken Hunden später auf. Eine große Auswertung von über 50.000 Hunden zwölf verschiedener Rassen (Salt et al.) bestätigte das Bild: Übergewichtige Hunde hatten je nach Rasse eine um bis zu zweieinhalb Jahre kürzere Lebenserwartung. Es gibt wenige Maßnahmen, mit denen Besitzer so viel für ein langes Hundeleben tun können wie mit der Gewichtskontrolle.

Behandlung

Am Anfang steht der Tierarztbesuch: Er klärt, ob eine Erkrankung hinter dem Übergewicht steckt, legt das Zielgewicht fest und hilft beim Aufstellen eines Ernährungsplans. Die Behandlung selbst ruht auf zwei Säulen — einer angepassten, kalorienreduzierten Fütterung und ausreichend Bewegung, beides langsam und konsequent umgesetzt. Wie das im Alltag gelingt — vom Ernährungsplan über Diätfutter bis zu den wichtigsten Tipps —, ist ausführlich auf der Seite So kann Ihr Hund abnehmen beschrieben.

Quellen

Kealy RD et al. (2002): Effects of diet restriction on life span and age-related changes in dogs. J Am Vet Med Assoc 220(9):1315–1320.

Salt C, Morris PJ, Wilson D, Lund EM, German AJ (2019): Association between life span and body condition in neutered client-owned dogs. J Vet Intern Med 33(1):89–99.

German AJ (2006): The growing problem of obesity in dogs and cats. J Nutr 136(7):1940S–1946S.

Sonnenschein EG et al. (1991): Body conformation, diet, and risk of breast cancer in pet dogs: a case-control study. Am J Epidemiol 133(7):694–703.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich, ob mein Hund zu dick ist?

Zuverlässiger als Gewichtstabellen ist der Blick- und Tastbefund: Beim idealgewichtigen Hund sind die Rippen unter locker aufgelegten Händen leicht zu ertasten, aber nicht zu sehen, von oben ist eine Taille erkennbar und von der Seite zieht sich die Bauchlinie hinter dem Brustkorb nach oben. Fettpolster über Rücken und Schwanzansatz, eine fehlende Taille und Rippen, die sich nur mit Druck ertasten lassen, sprechen dagegen für Übergewicht. Im Zweifel sollte der Tierarzt die Einstufung vornehmen, etwa über den Body Condition Score (eine standardisierte neunstufige Einstufung der Körperkondition).

Ab wann gilt ein Hund als übergewichtig?

Als Faustregel gilt ein Körpergewicht von mehr als etwa 10 % über dem Idealgewicht als Übergewicht; ab etwa 20 % spricht man von Fettleibigkeit (Adipositas). Je nach Untersuchung ist etwa jeder dritte bis jeder zweite Hund zu schwer — Übergewicht ist damit die häufigste ernährungsbedingte Gesundheitsstörung überhaupt.

Was sind die häufigsten Ursachen für Übergewicht beim Hund?

Die mit Abstand häufigste Ursache ist eine zu hohe Energieaufnahme: zu große Rationen, Reste vom Tisch und vor allem Leckerlis, dazu häufig Bewegungsmangel. Auch die Kastration erhöht das Risiko, weil der Energiebedarf danach sinkt; als besonders anfällig gelten unter anderem Labrador Retriever, Golden Retriever, Beagle und Cocker Spaniel. Daneben können Erkrankungen wie die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder das Cushing-Syndrom (eine Überproduktion von Kortisol) ein Übergewicht begünstigen — vor jeder Diät sollte der Tierarzt solche Ursachen ausschließen.

Ist Übergewicht beim Hund wirklich gefährlich?

Ja, übergewichtige Hunde gelten als Risikopatienten. Im Vordergrund stehen Schäden am Bewegungsapparat mit erhöhtem Risiko für Arthrose und Kreuzbandriss, dazu kommen Atemprobleme, Herz-Kreislauf-Belastung, ein erhöhtes Narkoserisiko und Stoffwechselstörungen. Manche Folgeerkrankungen sind chronisch und bleiben auch nach dem Abnehmen bestehen; darüber hinaus wird ein Zusammenhang zwischen Übergewicht im Junghundalter und einem erhöhten Risiko für Mammatumoren beschrieben.

Leben schlanke Hunde wirklich länger?

Der Zusammenhang ist ungewöhnlich gut belegt. In der Lebenszeitstudie von Kealy et al. lebten restriktiv gefütterte, schlanke Labrador Retriever im Median 13,0 Jahre, ihre normal gefütterten Wurfgeschwister 11,2 Jahre — ein Unterschied von fast zwei Jahren. Eine große Auswertung von über 50.000 Hunden (Salt et al.) bestätigte das Bild: Übergewichtige Hunde hatten je nach Rasse eine um bis zu zweieinhalb Jahre kürzere Lebenserwartung.

Wie hilft mein Hund am besten beim Abnehmen — wo fange ich an?

Am Anfang steht der Tierarztbesuch: Er klärt, ob eine Erkrankung hinter dem Übergewicht steckt, legt das Zielgewicht fest und hilft beim Aufstellen eines Ernährungsplans. Die Behandlung selbst ruht auf zwei Säulen — einer angepassten, kalorienreduzierten Fütterung und ausreichend Bewegung, beides langsam und konsequent umgesetzt.

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