Autoimmunerkrankung

Das Sweet-Syndrom des Hundes

Beim Sweet-Syndrom handelt es sich um eine akute fieberhafte neutrophile Dermatose — also um eine mit Fieber einhergehende Hauterkrankung, bei der sich neutrophile Granulozyten (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen) massenhaft in der Haut ansammeln. Entscheidend ist dabei ein Umstand, der dem Bild seinen Charakter gibt: Diese Entzündung läuft steril ab, das heißt ohne Beteiligung von Bakterien oder anderen Erregern.

Ursprünglich beim Menschen beschrieben, wird ein entsprechendes Krankheitsbild auch beim Hund beobachtet. Es ist selten, zeigt aber ein starkes Krankheitsbild: ein Hund mit hohem Fieber, geschwollenen Lymphknoten, einem alarmierenden Blutbild und offenen, verkrusteten Hautbezirken. Schönbach et al. (2024) beschreiben drei solcher Fälle aus der Kleintierklinik der Universität Gießen, bei denen die Erkrankung nach klinischer, labordiagnostischer und feingeweblicher Untersuchung als kanine sterile neutrophile Dermatose eingeordnet wurde.

Was dem Syndrom zugrunde liegt

Das Sweet-Syndrom entsteht durch eine Überproduktion entzündungsfördernder Zytokine, also von Botenstoffen des Immunsystems. Im Vordergrund steht dabei der Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktor (G-CSF) — jener Botenstoff, der das Knochenmark anweist, neutrophile Granulozyten zu bilden.

Ist er im Übermaß vorhanden, produziert der Körper diese Zellen in großer Zahl und schwemmt sie ins Gewebe. Infolgedessen kommt es zu einer massiven, sterilen Entzündungsreaktion: Die Haut wird von reifen neutrophilen Granulozyten geradezu überflutet, ohne dass es dort etwas zu bekämpfen gäbe.

Die drei Formen

Wie beim Menschen werden auch beim Hund drei Ausprägungen unterschieden, und diese Unterscheidung ist wichtig zu erkennen — sie entscheidet darüber, wonach gesucht werden muss:

  • Klassisches Sweet-Syndrom: Es entsteht ohne erkennbare Ursache.
  • Medikamentenassoziierte Form: Ein Arzneimittel löst die Reaktion aus. Beim Hund sind entsprechende Fälle unter anderem nach Gabe des Schmerzmittels Carprofen beschrieben. Bei jedem betroffenen Hund gehört deshalb eine vollständige Aufstellung der zuletzt gegebenen Arzneimittel an den Anfang der Abklärung.
  • Paraneoplastische Form: Die Hautveränderungen sind Begleiterscheinung eines im Körper vorhandenen Tumors. Spricht ein Hund auf die Behandlung nur unzureichend an oder kehrt die Erkrankung nach dem Absetzen sofort zurück, sollte deshalb auch nach einer zugrunde liegenden Tumorerkrankung gesucht werden.

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Symptome beim Hund

Betroffene Tiere zeigen ein Bild, das zunächst an eine schwere Infektion denken lässt:

  • Fieber, häufig hoch und anhaltend
  • Schwellung der Lymphknoten
  • schwere Leukozytose, also eine ausgeprägte Erhöhung der Zahl weißer Blutkörperchen
  • Hautveränderungen: gerötete Bezirke (Erytheme), Geschwüre (Ulzerationen) und Krustenbildung

Die Hautveränderungen entwickeln sich über einen Zeitraum von etwa drei bis vier Wochen. Häufig fallen zuerst das Fieber und die Mattigkeit auf, die Haut folgt.

Beteiligung anderer Organe

Das Sweet-Syndrom bleibt nicht immer auf die Haut beschränkt. Beschrieben sind unter anderem:

  • eine Vaskulitis, also eine Entzündung der Blutgefäße
  • eine immunvermittelte hämolytische Anämie — eine Blutarmut durch den vorzeitigen Zerfall roter Blutkörperchen
  • eine Thrombozytopenie, das heißt ein Mangel an Blutplättchen
  • Lebererkrankungen

Diese Begleitbefunde erklären, warum bei einem Hund mit Verdacht auf Sweet-Syndrom nicht nur die Haut untersucht wird, sondern immer auch Blutbild, Organwerte und Gerinnung.

Der Weg zur Diagnose

Im Blutbild zeigt sich eine deutlich erhöhte Zahl neutrophiler Leukozyten. In der Haut findet sich feingeweblich ein diffuses Infiltrat aus reifen neutrophilen Granulozyten in der oberflächlichen Lederhaut.

Der entscheidende Punkt ist der Nachweis, dass diese Entzündung steril abläuft. Das Bild ähnelt einer tiefen bakteriellen Hautentzündung so sehr, dass die Unterscheidung ohne Labor kaum möglich ist — und die Behandlung geht in genau entgegengesetzte Richtungen: Antibiotika bei der einen, Immunsuppression bei der anderen. Erforderlich sind deshalb eine Gewebeprobe für die feingewebliche Untersuchung und eine bakteriologische Untersuchung mit Kultur.

Abzugrenzen sind neben der bakteriellen Pyodermie auch die sterile noduläre Pannikulitis, die sterile granulomatöse Dermatitis sowie arzneimittelbedingte Hautreaktionen.

Behandlung

Als wirksam erwiesen hat sich die Behandlung mit Dexamethason, einem Kortikoid als Entzündungshemmer, ergänzt durch das Immunsuppressivum Mycophenolatmofetil. Unter dieser Kombination gehen Fieber und Hautveränderungen in der Regel deutlich zurück.

Bei medikamentös ausgelösten Fällen kommt als entscheidender Schritt hinzu, das verantwortliche Arzneimittel abzusetzen und künftig zu meiden. Bei paraneoplastischen Fällen richtet sich die Behandlung nach dem zugrunde liegenden Tumor.

Weil die Erkrankung häufig eine über Wochen bis Monate fortgeführte Immunsuppression erfordert, kann ergänzend eine Behandlung mit dendritischen Zellen geprüft werden. Dabei werden aus einer Blutprobe des Hundes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken und die fehlgeleitete Entzündungsreaktion beruhigen sollen, statt die Abwehr insgesamt zu dämpfen.

Prognose

Die Prognose hängt vor allem davon ab, welche Form vorliegt. Wird ein auslösendes Arzneimittel erkannt und abgesetzt, sind die Aussichten gut. Auch die klassische Form spricht in der Regel auf die genannte Behandlung an, verlangt aber eine sorgfältige, ausschleichende Reduktion — zu schnelles Absetzen führt häufig zum Wiederaufflammen.

Ungünstiger ist die paraneoplastische Form: Hier bestimmt der zugrunde liegende Tumor den Verlauf, und die Haut wird erst dann dauerhaft ruhig, wenn er behandelt ist.

Für Sie als Halter ist wichtig zu wissen: Das dramatische Bild aus hohem Fieber und offenen Hautstellen ist beim Sweet-Syndrom kein Zeichen einer außer Kontrolle geratenen Infektion. Es ist eine überschießende Reaktion des eigenen Immunsystems — und die lässt sich behandeln.

Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.

Quellen

Tizard IR (2023): Sweet Syndrome. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 178

Schönbach S et al (2024): Kanine neutrophile Dermatose (Sweet-like Syndrom): Eine Beschreibung von 3 Fällen, Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 2024; 52(05): 288–299, DOI: 10.1055/a-2410-7191

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Häufige Fragen

Was ist das Sweet-Syndrom beim Hund?

Das Sweet-Syndrom ist eine ursprünglich beim Menschen beschriebene akute fieberhafte neutrophile Dermatose, also eine mit Fieber einhergehende Hauterkrankung, bei der sich neutrophile Granulozyten (eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen) massenhaft in der Haut ansammeln. Ein ähnliches Krankheitsbild wird auch bei Hunden beobachtet; es kommt dabei zu einer massiven sterilen, das heißt ohne Erreger ablaufenden Entzündungsreaktion.

Welche Ursachen hat das Sweet-Syndrom beim Hund?

Das Syndrom entsteht durch die Überexpression proinflammatorischer, also entzündungsfördernder Zytokine (Botenstoffe), insbesondere des Granulozyten-Kolonie-stimulierenden Faktors (G-CSF); dies verursacht eine übermäßige Produktion von Neutrophilen. Das klassische Sweet-Syndrom entsteht ohne erkennbare Ursache, andere Formen können medikamentös induziert oder paraneoplastisch sein, also im Zusammenhang mit einer Tumorbildung stehen. Bei Hunden können ähnliche Fälle durch unerwünschte Reaktionen auf das Medikament Carprofen entstehen.

Welche Symptome zeigt ein Hund mit Sweet-Syndrom?

Betroffene Tiere entwickeln Fieber, eine Schwellung der Lymphknoten und eine schwere Leukozytose, also eine Erhöhung der Zahl der weißen Blutkörperchen. Die Hautläsionen – eine sterile neutrophile Dermatitis, das heißt eine Hautentzündung ohne bakterielle Beteiligung – weisen Ulzerationen (Geschwüre), Erytheme (Rötungen) und Krustenbildung auf und entwickeln sich nach 3 bis 4 Wochen. Außerhalb der Haut können eine Vaskulitis (Entzündung der Blutgefäße), eine immunvermittelte hämolytische Anämie (Blutarmut durch Zerfall roter Blutkörperchen), eine Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) und Lebererkrankungen auftreten.

Wie wird das Sweet-Syndrom beim Hund festgestellt?

Die Untersuchung des Blutbildes zeigt eine erhöhte Anzahl neutrophiler Leukozyten beziehungsweise eine schwere Leukozytose. In der Haut findet sich ein diffuses reifes neutrophiles Infiltrat, also eine Einwanderung neutrophiler Granulozyten, in der oberflächlichen Lederhaut.

Wie wird das Sweet-Syndrom beim Hund behandelt?

Die Behandlung mit Dexamethason, einem Kortikoid als Entzündungshemmer, ergänzt durch das Immunsuppressivum Mycophenolatmofetil, hat sich als wirksam für eine Linderung der Veränderungen erwiesen. Bei medikamentös ausgelösten Fällen liegt es nahe, das auslösende Arzneimittel als Ursache zu berücksichtigen.

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