Die Vaskulitis bei Hunden
Bei den Vaskulitiden des Hundes handelt es sich um eine Gruppe entzündlicher Gefäßerkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen die eigenen Blutgefäße richtet. Betroffen sind vor allem die kleinen Gefäße — Arteriolen, Venolen und Kapillaren.
Die Folge ist immer dieselbe Grundstörung: Entzündete Gefäße können das Gewebe, das sie versorgen, nicht mehr ausreichend mit Blut erreichen. Welche Krankheitszeichen daraus entstehen, hängt allein davon ab, wo diese Gefäße liegen — und deshalb sieht eine Vaskulitis bei zwei Hunden völlig unterschiedlich aus.
Notfallzeichen und typisches Bild
Lassen Sie Ihren Hund zeitnah untersuchen, wenn Sie eines der folgenden Zeichen bemerken:
- dunkelrote bis violette Flecken an Ohrrändern, Nasenspiegel, Pfoten oder Hodensack, die sich nicht wegdrücken lassen
- offene, verkrustete Stellen an den Körperspitzen, die von selbst entstanden sind
- schwarz verfärbte Bezirke an Ohrspitze oder Schwanzspitze — ein Zeichen für absterbendes Gewebe
- Fieber mit steifem, schmerzhaftem Gang ohne erkennbare Verletzung
- Ödeme, also Schwellungen, an den Gliedmaßen
Die Erklärung für diese Verteilung ist einfach und einleuchtend: Ohrmuscheln, Nasenspiegel, Pfoten, Schwanzspitze und Hodensack haben von Natur aus eine eingeschränkte Ersatzdurchblutung. Fällt ein Gefäß aus, kann kein Nachbargefäß einspringen — hier wird der Schaden zuerst sichtbar.
Wie eine Vaskulitis entsteht
Es wird angenommen, dass die meisten Fälle das Ergebnis einer Typ-III-Überempfindlichkeitsreaktion auf Immunkomplexe sind. Immunkomplexe sind Verbindungen aus einem Antigen und dem dagegen gerichteten Antikörper. Diese lagern sich in den Wänden kleiner und mittelgroßer Blutgefäße ab.
Die anschließende Komplementaktivierung — also die Aktivierung eines Eiweißsystems des Blutes, das Entzündungen anstößt — führt zu einem Zustrom neutrophiler Granulozyten. Diese setzen gewebeabbauende Enzyme und aggressive Sauerstoffverbindungen frei und schädigen damit genau jene Gefäßwand, in der die Komplexe liegen.
In einigen Fällen entsteht dasselbe Bild über einen anderen Weg: durch eine von zytotoxischen T-Zellen vermittelte Überempfindlichkeitsreaktion vom Typ IV.
Ursachen: primär und sekundär
Primäre Formen beruhen vermutlich auf Autoantikörpern gegen die Zellen der inneren Gefäßwand oder auf Antikörpern gegen neutrophile Granulozyten — den antineutrophilen zytoplasmatischen Antikörpern (ANCA).
Sekundäre Formen haben zahlreiche bekannte Auslöser:
- Infektionen durch Bakterien, Pilze, Protozoen oder Viren, darunter Rickettsiosen und die Bartonellose
- durch Zecken übertragene Erkrankungen wie Leishmaniose, Anaplasmose und Babesiose
- Virusinfektionen der Katze, insbesondere durch das feline Immundefizienz-Virus und das feline Coronavirus
- örtlich begrenzte Infektionen und Blutvergiftungen, die eine generalisierte Vaskulitis auslösen können
- Arzneimittelreaktionen und Impfungen
- Futtermittelunverträglichkeiten
- Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus
- die Kälteagglutinin-Krankheit als besondere Form
- Tumorerkrankungen: Die paraneoplastische Vaskulitis kann sich entwickeln, bevor der Tumor selbst klinisch sichtbar wird
Bei manchen Infektionen durchdringen die Erreger die Gefäßwand unmittelbar. Löst das Tier daraufhin eine angeborene Immunreaktion aus, kann die entstehende Entzündung zu einer örtlichen Thrombose oder zu Blutungen führen.
Weil die auslösenden Antigene oft schwer zu identifizieren sind, bleiben mehr als die Hälfte der Vaskulitiden beim Hund idiopathisch, also ursächlich ungeklärt.
Welche Hunde betroffen sind
Eine Vaskulitis kann bei jeder Hunderasse und ebenso bei Mischlingen auftreten. Prädisponiert, also mit erhöhter Neigung, scheinen zu sein:
- Dackel
- Rottweiler
- Collie und Sheltie
- Jack Russell Terrier
Die impfstoffbedingte Form tritt vor allem bei kleinen Hunderassen auf. Daneben gibt es mehrere Rassen mit einer eigenen, rassetypischen Ausprägung — sie sind in einem eigenen Beitrag zu den rassespezifischen Vaskulitiden bei Hunden dargestellt.
Symptome der drei Verlaufsformen
Akute Vaskulitis der Haut. Betroffen sind die exponierten Körperstellen: Gliedmaßen, Ohrmuscheln, Nase, Schwanzspitze und Hodensack, mitunter auch Maulhöhle und Schleimhäute. Als Folge der örtlichen Ischämie — der Minderdurchblutung — zeigen sich:
- Erytheme (Rötungen), Ekchymosen und Purpura, also flächige und punktförmige Einblutungen. Sie entstehen durch den Austritt roter Blutkörperchen ins Gewebe und ähneln einem Bluterguss.
- hämorrhagische Bullae, das heißt mit Blut gefüllte Blasen
- Nekrosen, also absterbendes Gewebe, mit anschließenden Geschwüren, Nässen und Krustenbildung
Sitzt die Vaskulitis in der Unterhaut, ist sie weniger auffällig: Dann sind nur tastbare, feste knotige Veränderungen und Schwellungen vorhanden. Einige betroffene Hunde haben erhebliche Schmerzen.
Systemische Vaskulitis. Die Anzeichen hängen von den betroffenen Organsystemen und dem Ausmaß des abgestorbenen Gewebes ab:
- reduziertes Allgemeinbefinden, Fieber, Lethargie, Appetitlosigkeit
- generalisierte Muskel- und Gelenkschmerzen
- Lymphadenopathie, also Lymphknotenschwellung
- Ödeme an den Gliedmaßen
Ein schwerer Verlauf kann zu einer Gerinnung innerhalb der Gefäße und zum Schock führen.
Chronische Vaskulitis. Sie entwickelt sich langsam und führt zu einer geringgradigen Minderdurchblutung mit fleckigem Haarausfall, Schuppung, Rötung und Hyperpigmentierung — wieder bevorzugt an Stellen mit eingeschränkter Ersatzdurchblutung. Bei einigen Tieren treten gleichzeitig Gelenk-, Muskel- und Nervenveränderungen auf.
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Was im Gewebe geschieht
In der Gefäßwand selbst entwickelt sich eine akute Entzündung; je nach Schweregrad sind die Wände verdickt und ödematös, es können Bereiche mit Hyalinisierung — also glasiger Umwandlung — und Nekrose entstehen. Die Endothelzellen, welche die Gefäße von innen auskleiden, werden geschädigt, was zu Schwellung, Blutungen und Absterben von Gewebe führt.
Die Zusammensetzung der eingewanderten Entzündungszellen bestimmt die Untergruppe:
- Leukozytoklastische Form: Sind viele der Zellen zerfallende Neutrophile und sammelt sich um die Gefäße herum Kerntrümmer-Material („Kernstaub”) an, ist das ein beweisendes Zeichen. Dies ist die beim Hund am häufigsten beobachtete Form.
- Lymphozytäre Form: Manschetten aus CD8-positiven T-Zellen umgeben kleine Arteriolen.
- Granulomatöse Form: Sie spiegelt wahrscheinlich ein subakutes oder chronisches Stadium der neutrophilen Reaktion wider.
Wichtig zu wissen: Die Zusammensetzung des Infiltrats kann sich im Laufe der Zeit ändern. Der Befund einer Biopsie beschreibt daher einen Zeitpunkt, nicht zwingend die gesamte Erkrankung.
Laborbefunde
Begleitend finden sich häufig:
- Anämie, Thrombozytopenie und Lymphopenie — also verminderte rote Blutkörperchen, Blutplättchen und Lymphozyten
- eine neutrophile Linksverschiebung, das heißt vermehrt unreife weiße Blutkörperchen
- mäßig erhöhte Leberenzyme
- bei immunvermittelten Formen zirkulierende Immunkomplexe im Blut
- in der Plasmaanalyse eine Hypergammaglobulinämie und verminderte Komplementspiegel
Die leukozytoklastische Vaskulitis
Die leukozytoklastische Vaskulitis ist eine nekrotisierende Entzündungsreaktion der Wände kleiner Blutgefäße und die häufigste Form beim Hund. Sie tritt in einer Hautform und in einer systemischen Form auf.
Zugrunde liegt eine Typ-III-Überempfindlichkeitsreaktion: Immunkomplexe lagern sich in oder an den Gefäßwänden ab und treten dort mit Blutplättchen und neutrophilen Granulozyten in Wechselwirkung. Die daraus entstehende Entzündung und Gerinnselbildung kann zu Ödemen, Blutungen und Immunthrombosen führen.
Im klinischen Bild zeigen betroffene Hunde Appetitlosigkeit, reduziertes Allgemeinbefinden, Unwohlsein und Fieber. An Ohrmuscheln, Maulschleimhaut und Lefzen bilden sich Geschwüre; am häufigsten ist die Haut der Gliedmaßen betroffen, einschließlich Pfoten und Sprunggelenken. Häufig beginnen die Veränderungen an der Ohrspitze und breiten sich über die Innenfläche der Ohrmuschel aus. Besonders in der Anfangsphase ist die befallene Haut sehr schmerzhaft.
Die Veränderungen entwickeln sich über Tage weiter — aus anfänglichen Flecken werden Geschwüre. Bei ausgedehnten Nekrosen können bakterielle Infektionen und Pilzinfektionen in die offene Haut eindringen. Unbehandelte Geschwüre an den Ohrmuscheln führen zu Verformungen und Einkerbungen des Ohrrandes, die bleiben. Viele Tiere entwickeln purpurfarbene Plaques, Blutungen, Knötchen und Ödeme; die purpurfarbenen Veränderungen dunkeln mit der Zeit nach.
Häufig geht die Erkrankung mit Anämie, Thrombozytopenie oder Neutropenie einher, dazu mit einer proteinverlierenden Nephropathie, also einem Eiweißverlust über die Nieren, sowie mit Veränderungen an Muskeln und Gelenken. Eine vaskulitisbedingte disseminierte intravasale Gerinnung kann die Thrombozytopenie erklären.
Impfstoffbedingte Vaskulopathie
In seltenen Fällen entwickelt sich nach einer Tollwutimpfung bei Hunden und Katzen an der Injektionsstelle eine lymphoplasmazytäre Vaskulitis, die zu einer ischämischen Dermatitis führt — einer Hautentzündung durch Minderdurchblutung. Das virale Antigen lässt sich in den Wänden der Hautgefäße an der Injektionsstelle und im Epithel benachbarter Haarfollikel nachweisen.
Diagnostiziert wird diese Reaktion am häufigsten bei kleinen Rassen: Toy- und Zwergpudel, Shih Tzu, Sheltie, Lhasa Apso, Bichon Frisé sowie Yorkshire und Silky Terrier. Bei großen Rassen wird sie nur selten beobachtet; eine Alters- oder Geschlechtsbindung besteht nicht.
Die Veränderung entwickelt sich 1 bis 4 Monate nach der Impfung, in der Regel langsam, als haarloser Bezirk mit unregelmäßigem Rand. Die Stelle wird schuppig, verhärtet und pigmentiert, während die sichtbare Entzündung gering bleibt. In der Umgebung können kleinere Herde hinzukommen, in schweren Fällen entstehen Erosionen und Geschwüre. Ein Teil dieser Hunde entwickelt im Verlauf eine generalisierte impfstoffbedingte ischämische Dermatopathie — meist besteht dann zusätzlich die umschriebene Veränderung an der Injektionsstelle. Der örtliche Muskelschwund kann erheblich sein, und die Hunde können mit Lethargie, reduziertem Allgemeinbefinden und Fieber reagieren.
Das Nachwachsen der Haare kann bis zu einem Jahr dauern und mit Veränderungen der Hautpigmentierung einhergehen, sodass die Haarfarbe an dieser Stelle sichtbar anders ist. Vergleichbare Reaktionen wurden auch nach einer Leptospirose-Impfung beobachtet.
Diagnose und Behandlung. Die Veränderung sollte durch eine Biopsie untersucht werden. Feingeweblich zeigen sich die Zeichen einer langfristigen Minderversorgung mit Sauerstoff: Blässe der Haut, Einschmelzung und ausgeprägter Schwund der Haarfollikel in der oberflächlichen Haut, dazu in den tieferen Schichten Ansammlungen von Lymphozyten, Monozyten und gelegentlich Plasmazellen um die Blutgefäße. Hinweise auf eine Vaskulitis und einzelne Blutungen können vorhanden sein, ebenso eine sekundäre Blasenbildung.
Behandelt wird entzündungshemmend und immunsuppressiv; wirksam ist Prednisolon, ergänzt durch Pentoxifyllin, daneben können örtliche Glukokortikoide nützlich sein. Weitere Impfungen sollten bei betroffenen Tieren sorgfältig abgewogen werden.
Arzneimittelbedingte Vaskulitis
Unerwünschte Reaktionen auf bestimmte Arzneimittel können eine immunvermittelte Vaskulitis auslösen. Eine neutrophile Vaskulitis entsteht, wenn ein Arzneimittel die Bildung von Antikörpern anstößt und dadurch große Mengen an Immunkomplexen entstehen. Diese lagern sich bevorzugt in den Gefäßwänden der Haut ab. Die enthaltenen Antigene können vom Ausgangsarzneimittel oder von dessen Abbauprodukten stammen. Der Schweregrad reicht von leicht bis lebensbedrohlich.
Ein zeitlicher Zusammenhang mit einer Arzneimittelgabe lässt sich häufig herstellen; welches Präparat genau verantwortlich ist, bleibt bei gleichzeitiger Gabe mehrerer Medikamente jedoch oft unklar. Zu den häufig verwendeten Wirkstoffen, die bei Hunden und Katzen eine Hautvaskulitis auslösen können, gehören Itraconazol, Fenbendazol und Meloxicam. Bei Hunden mit Sulfonamid-Allergie wurden antineutrophile Antikörper nachgewiesen.
Davon abzugrenzen sind fixe Arzneimitteleruptionen: umschriebene gerötete Veränderungen, die sich zu einem örtlichen Ödem und schließlich zu Blasen entwickeln, die aufbrechen können.
Der Weg zur Diagnose
Eine histologische Untersuchung von Hautbiopsien ist erforderlich, um eine Vaskulitis überhaupt festzustellen. Die neutrophile Vaskulitis ist dabei in der Regel leukozytoklastisch — es zeigt sich also die Zerstörung der Gefäßwand durch zerfallende weiße Blutkörperchen.
Ist die Vaskulitis gesichert, beginnt der zweite, oft mühsamere Teil: die Suche nach der Ursache. Infrage kommen:
- Arzneimittelallergien
- Insekten- und Zeckenstiche
- Infektionen
- unerwünschte Futtermittelreaktionen
- einige Autoimmunerkrankungen
Bei der Durchsicht der Krankengeschichte sollten alle verabreichten Medikamente und Impfstoffe sowie die vollständige Fütterung einschließlich Ergänzungsmitteln erfasst werden. Besteht Verdacht auf eine infektiöse Ursache, sind Blutkulturen anzufertigen.
Sie können hier viel beitragen: Eine schriftliche Liste aller Medikamente, Impfungen, Wurmkuren, Zeckenmittel, Futtersorten und Leckerlis der vergangenen Monate ist bei dieser Erkrankung oft wertvoller als jede zusätzliche Laboruntersuchung.
Behandlung
Der erste Schritt besteht darin, den Kontakt mit dem auslösenden Arzneimittel oder Antigen zu vermeiden, sofern das möglich ist. Ist die Diagnose feingeweblich bestätigt, werden Behandlung und Nachsorge auf das einzelne Tier zugeschnitten:
- Glukokortikoide oder Ciclosporin in immunsuppressiver Dosierung. Um eine Remission herbeizuführen, sind diese hohen Dosen erforderlich; Rückfälle sind nicht ungewöhnlich.
- Kortikosteroide zusammen mit Cyclophosphamid haben bei der Überempfindlichkeitsvaskulitis des Hundes zu ermutigenden Ergebnissen geführt.
- Pentoxifyllin, ein Phosphodiesterase-Hemmer, ist bei der Hautvaskulitis wirksam: Es wirkt entzündungshemmend und verringert das Anhaften neutrophiler Granulozyten an der Gefäßinnenwand. Beim Hund scheint die Kombination aus Glukokortikoiden und Pentoxifyllin die besten Ergebnisse zu erzielen — allerdings wirkt Pentoxifyllin nur langsam, und es ist Geduld erforderlich.
- Begleitend: Schmerzbehandlung, Wundversorgung der offenen Bezirke und Kontrolle bakterieller Zweitinfektionen.
Eine Behandlung mit dendritischen Zellen kann dazu beitragen, die notwendige immunsuppressive Medikation zu verringern. Dabei werden aus einer Blutprobe des Hundes körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken, und lassen sich mit der bestehenden Medikation kombinieren.
Prognose
Mit immunsuppressiven Dosierungen lässt sich in vielen Fällen eine Remission erreichen, also ein Zurückdrängen der Krankheitszeichen. Rückfälle sind jedoch nicht ungewöhnlich, und weil Pentoxifyllin langsam wirkt, dauert es oft mehrere Wochen, bis sich der Erfolg zeigt.
Zwei Dinge bestimmen den Verlauf: Findet man einen Auslöser und kann diesen beseitigen, und wie groß ist der bereits erlittene Gewebeverlust? Nekrosen an Ohrrändern oder Schwanzspitze bilden sich nicht zurück — was dort abgestorben ist, bleibt. Umso mehr lohnt es sich, bei den ersten dunklen Flecken zu handeln statt abzuwarten, ob sie von selbst verschwinden.
Verwandte Krankheitsbilder mit Beteiligung der Gefäße sind die Polyarteriitis nodosa von Hund und Katze, die vor allem bei jungen Beagles auftretende juvenile Polyarteriitis, die Dermatomyositis des Hundes sowie die Vaskulitis beim Pferd. Ähnliche Autoantikörper-Mechanismen sind auch am Herzen beschrieben, etwa bei der autoimmunen Herzerkrankung des Hundes.
Eine Einordnung in die Gruppe der übrigen Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd finden Sie auf der Übersichtsseite.
Quellen
Tizard IR (2023): Canine Vasculitis. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 231–235
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Häufige Fragen
Was ist eine Vaskulitis beim Hund?
Die Vaskulitis gehört zu den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, bei denen sich das Immunsystem gegen die körpereigenen Blutgefäße richtet. Betroffen sind vor allem die kleinen Gefäße, also Arteriolen, Venolen und Kapillaren. Die Folge können Durchblutungsstörungen sein, die je nach betroffenen Gefäßen sehr unterschiedliche Krankheitserscheinungen hervorrufen.
Woran erkenne ich eine Vaskulitis bei meinem Hund?
Bei der akuten Hautform sind häufig die exponierten Körperstellen betroffen, also Gliedmaßen, Ohrmuscheln, Nase, Schwanzspitze und Hodensack. Typisch sind Rötungen, Einblutungen in die Haut (Purpura, ähnlich einem Bluterguss), Blasen, absterbendes Gewebe (Nekrosen) und Geschwüre mit Krustenbildung. Bei der systemischen Form kommen Fieber, Lethargie, Appetitlosigkeit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen hinzu; einige Hunde zeigen erhebliche Schmerzen.
Welche Ursachen hat eine Vaskulitis beim Hund?
Neben primären, also eigenständigen Autoimmunformen sind viele Auslöser einer sekundären Vaskulitis bekannt: Infektionen durch Bakterien, Pilze, Protozoen oder Viren, darunter auch von Zecken übertragene Erkrankungen wie Leishmaniose, Anaplasmose oder Babesiose. Ebenso kommen Arzneimittelreaktionen, Impfungen, Nahrungsmittelallergien und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus infrage. Da die auslösenden Antigene oft schwer zu identifizieren sind, bleibt mehr als die Hälfte der Vaskulitiden bei Hunden idiopathisch, das heißt ohne erkennbare Ursache.
Wie wird eine Vaskulitis beim Hund diagnostiziert?
Um das Vorliegen einer Vaskulitis festzustellen, ist eine histologische Untersuchung von Hautbiopsien (feingewebliche Untersuchung entnommener Hautproben) erforderlich. Anschließend muss die Ursache ermittelt werden: Dazu werden alle verabreichten Medikamente und Impfstoffe sowie die Ernährung einschließlich Nahrungsergänzungsmitteln erfasst. Besteht der Verdacht auf eine infektiöse Ursache, werden Blutkulturen angefertigt.
Wie wird eine Vaskulitis beim Hund behandelt?
Der erste Schritt besteht darin, den Kontakt mit dem auslösenden Medikament oder Antigen zu vermeiden, sofern dies möglich ist. In der Regel werden Glukokortikoide (Kortison) oder Cyclosporin in immunsuppressiven, also das Immunsystem dämpfenden Dosen eingesetzt; bei Hunden scheint die Kombination aus Glukokortikoiden und Pentoxifyllin, einem entzündungshemmend wirkenden Phosphodiesterase-Hemmer, die besten Ergebnisse zu erzielen. Eine immunologische Behandlung kann zusätzlich dazu beitragen, die notwendige immunsuppressive Medikation zu verringern.
Ist eine Vaskulitis beim Hund heilbar?
Mit immunsuppressiven Medikamentendosen lässt sich in vielen Fällen eine Remission, also ein Zurückdrängen der Krankheitszeichen, herbeiführen; Rückfälle sind jedoch nicht ungewöhnlich. Pentoxifyllin wirkt zudem nur langsam, sodass Geduld erforderlich ist. Behandlung und Nachsorge sollten daher auf das jeweilige Tier zugeschnitten werden.