Die Polyarteriitis nodosa von Hund und Katze
Bei der Polyarteriitis nodosa handelt es sich um eine Gefäßerkrankung, die bei Hunden und Katzen, aber auch beim Menschen und beim Schwein auftritt. Kennzeichnend ist ein weit verbreitetes, herdförmiges Absterben der mittleren Wandschicht kleiner und mittelgroßer Arterien — der sogenannten Tunica media, jener muskulären Schicht, die den Blutdruck in der Arterie reguliert.
Diese Veränderungen finden sich in vielen Organen gleichzeitig; besonders betroffen ist die Niere. Anders als bei den meisten Hautvaskulitiden spielt sich die Erkrankung damit überwiegend im Körperinneren ab — und genau das macht sie schwer fassbar.
Was im Gewebe geschieht
Der Name ist beschreibend: „Poly” für die Beteiligung mehrerer Arterien, „Arteriitis” für deren Entzündung, „nodosa” für die knotigen Verdickungen, die dabei entlang der Gefäße entstehen.
Gelegentlich bilden sich zusätzlich umschriebene Veränderungen in kleinen Blutgefäßen im ganzen Körper, vor allem in der Haut. Diese Veränderungen sind durch die Einwanderung neutrophiler Granulozyten gekennzeichnet — jener Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die auch bei den anderen Formen der Vaskulitis im Vordergrund steht.
Symptome
Betroffene Hunde können zeigen:
- mukokutane Ulzera, also Geschwüre an den Übergängen von Haut zu Schleimhaut
- Bläschenbildung und Ödeme in diesen Bereichen
- eine Polyarthropathie, das heißt Veränderungen an mehreren Gelenken
- eine Myopathie, also eine Erkrankung der Muskulatur
- Appetitlosigkeit, wiederkehrendes Fieber und zunehmende Lethargie
- Augenveränderungen, wenn die Arterien des Auges betroffen sind
Die Kombination aus wiederkehrendem Fieber, wechselnder Lahmheit und Muskelschmerz ohne erkennbare Ursache ist das Muster, bei dem an diese Erkrankung gedacht werden sollte. Für Halter fühlt es sich an, als sei der Hund „immer wieder mal krank” — und genau diese Formulierung ist ein Hinweis, den man ernst nehmen sollte.
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Warum sie oft übersehen wird
Die Polyarteriitis nodosa wird nicht selten erst als Zufallsbefund bei der Sektion entdeckt. Dafür gibt es drei Gründe:
- Die betroffenen Arterien liegen überwiegend im Körperinneren, wo Veränderungen nicht sichtbar und nur schwer zu beproben sind.
- Die Krankheitszeichen sind unspezifisch und schwanken; zwischen den Schüben wirken die Tiere gesund.
- Es gibt keinen einfachen Bluttest, der die Diagnose stellt.
Dieser Umstand gehört auf eine Informationsseite, weil er die Erwartung ordnet: Ein unauffälliges Blutbild schließt diese Erkrankung nicht aus.
Ursache
Die Ursachen der Polyarteriitis nodosa und der verwandten Überempfindlichkeitsvaskulitis sind unbekannt. Obwohl die Erkrankung als Überempfindlichkeitsvaskulitis bezeichnet wird, lässt sich nur bei einem kleinen Teil der Fälle ein fremdes Antigen nachweisen.
Die feingeweblichen Befunde legen nahe, dass eine Überempfindlichkeitsreaktion vom Typ III zugrunde liegt — also die Ablagerung von Immunkomplexen in der Gefäßwand —, möglicherweise ausgelöst durch einen Infektionserreger.
Der Weg zur Diagnose
Die Diagnose stützt sich auf die Zusammenschau aus klinischem Bild, Laborbefunden und, wo möglich, einer Gewebeprobe. Sind Hautveränderungen vorhanden, sollte eine Biopsie erfolgen — sie ist der zugänglichste Weg zum feingeweblichen Nachweis.
Ergänzend gehören dazu: ein vollständiges Blutbild, Organwerte einschließlich der Nierenwerte, eine Harnuntersuchung auf Eiweißverlust, die Untersuchung von Gelenkflüssigkeit bei Lahmheit sowie eine bildgebende Untersuchung von Bauch und Brustkorb.
Abzugrenzen sind die übrigen Vaskulitisformen, insbesondere die juvenile Polyarteriitis des Hundes, die vor allem junge Beagles betrifft, sowie Infektionskrankheiten mit Gefäßbeteiligung und Tumorerkrankungen.
Behandlung
Grundlage ist die Immunsuppression, also die gezielte Dämpfung der fehlgeleiteten Immunreaktion. Die Kombination von Glukokortikoiden mit Cyclophosphamid hat bei der Behandlung der Überempfindlichkeitsvaskulitis des Hundes zu ermutigenden Ergebnissen geführt.
Cyclophosphamid ist allerdings ein Chemotherapeutikum, das auch die Blutbildung im Knochenmark unterdrückt. Eine Behandlung mit dendritischen Zellen kommt deshalb nicht begleitend zur Cyclophosphamid-Gabe infrage, sondern erst mit deutlichem zeitlichem Abstand: frühestens vier Wochen nach der letzten Gabe und nach Kontrolle des Blutbilds. In dieser Erhaltungsphase kann sie erwogen werden, um den weiteren Bedarf an Immunsuppressiva zu senken. Dabei werden aus einer Blutprobe des Tieres körpereigene Zellen so aufbereitet, dass sie toleranzfördernd wirken — sie zielen darauf ab, die fehlgeleitete Immunreaktion zu normalisieren, statt die Abwehr insgesamt zu unterdrücken.
Begleitend sind eine Schmerzbehandlung sowie die Überwachung der Nierenwerte wichtig, da die Niere das am häufigsten betroffene Organ ist.
Prognose
Belastbare Zahlen zum Verlauf liegen bei dieser seltenen Erkrankung nicht vor — das gehört offen gesagt. Die Prognose richtet sich vor allem danach, wie ausgedehnt die Gefäßveränderungen sind und ob die Nierenfunktion bereits beeinträchtigt ist.
Was sich sagen lässt: Eine früh erkannte und konsequent behandelte Polyarteriitis nodosa lässt sich bei einem Teil der Tiere über längere Zeit unter Kontrolle behalten. Der wichtigste Beitrag, den Sie leisten können, ist das Erkennen des Musters: häufig wiederkehrendes Fieber, einhergehend mit Lahmheit und Mattigkeit. Dies ist kein Zufall und kein „empfindlicher Hund”, sondern sollte abgeklärt werden.
Eine weitere seltene Autoimmunerkrankung, die ebenfalls bei Hund und Katze auftritt, sind die rezidivierenden Entzündungen des Knorpelgewebes: Bei dieser Polychondritis richtet sich die Immunreaktion statt gegen die Blutgefäße gegen den Knorpel und andere proteoglykanreiche Gewebe. Eine Einordnung aller Krankheitsbilder gibt die Übersichtsseite Autoimmunerkrankungen bei Hund, Katze und Pferd.
Quellen
Tizard IR (2023): Polyarteritis Nodosa. In: Autoimmune Diseases in Domestic Animals, Elsevier, St. Louis, MO, 229
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Häufige Fragen
Was ist die Polyarteriitis nodosa bei Hund und Katze?
Die Polyarteriitis nodosa ist eine Gefäßerkrankung, die bei Hunden und Katzen, aber auch beim Menschen und bei Schweinen auftritt. Sie ist durch eine weit verbreitete, fokale, also örtlich begrenzte Nekrose (Absterben von Gewebe) der mittleren Wandanteile kleiner und mittelgroßer Arterien gekennzeichnet. Diese Veränderungen finden sich in vielen Organen; insbesondere die Niere ist betroffen.
Welche Symptome zeigt die Polyarteriitis nodosa?
Betroffene Hunde können mukokutane Ulzera, also Geschwüre an den Haut-Schleimhaut-Übergängen, sowie Bläschenbildung und Ödeme in diesen Bereichen zeigen. Das Krankheitsbild ist zudem durch eine Polyarthropathie (Veränderungen an mehreren Gelenken) und eine Myopathie (Muskelerkrankung) gekennzeichnet; im weiteren Verlauf entwickeln sich Appetitlosigkeit, intermittierendes Fieber und zunehmende Lethargie. Sind die Arterien des Auges betroffen, kann es auch zu klinischen Defekten am Auge kommen.
Was ist die Ursache der Polyarteriitis nodosa?
Die Ursachen der Polyarteriitis nodosa sind unbekannt; obwohl sie als Überempfindlichkeitsvaskulitis bezeichnet wird, lässt sich nur in einem kleinen Teil der Fälle ein fremdes Antigen nachweisen. Die feingewebliche Untersuchung (Histopathologie) lässt vermuten, dass es sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion vom Typ III handelt, die möglicherweise durch einen Infektionserreger ausgelöst wurde. Nicht selten wird die Erkrankung erst als Zufallsbefund bei der Sektion entdeckt.
Wie wird die Polyarteriitis nodosa bei Hund und Katze behandelt?
Zum Einsatz kommt in der Regel eine Immunsuppression, also eine gezielte Dämpfung des Immunsystems. Die Kombination von Glukokortikoiden (Kortison) mit Cyclophosphamid hat bei der Behandlung der Hypersensitivitätsvaskulitis bei Hunden zu ermutigenden Ergebnissen geführt.