Knochentumor beim Hund

Bei einem Knochentumor beim Hund handelt es sich um eine Neubildung, die vom Knochen selbst ausgeht (primärer Knochentumor) oder als Tochtergeschwulst (Metastase) eines anderen Tumors im Knochen entsteht. Die mit Abstand häufigste Form ist das Osteosarkom: Es macht etwa 85 % der primären Knochentumoren des Hundes aus. Dieser bösartige Tumor zeichnet sich durch aggressives, knochenzerstörendes Wachstum und eine ausgeprägte Neigung zur Metastasierung aus. Daneben kommen seltener andere bösartige Knochentumoren und — deutlich seltener — gutartige Formen vor.

Welche Knochentumoren gibt es?

Neben dem Osteosarkom gehören etwa 5 bis 10 % der primären Knochentumoren zu den anderen Sarkomen des Skeletts: am häufigsten Chondrosarkome (vom Knorpelgewebe ausgehend), Fibrosarkome und Hämangiosarkome; seltener Liposarkome, Lymphome oder Riesenzelltumoren. Gutartige Knochentumoren wie das Osteom oder das Osteochondrom sind beim Hund selten; sie wachsen langsam, zerstören den Knochen nicht und metastasieren nicht. Darüber hinaus können Tumoren anderer Organe — etwa Mamma-, Prostata- oder Blasentumoren — Metastasen in den Knochen setzen. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sich Behandlung und Prognose deutlich unterscheiden.

Ursachen und Risikofaktoren

Warum ein einzelner Hund an einem Knochentumor erkrankt, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Als wichtigste Risikofaktoren gelten Körpergröße und Körpergewicht: Groß- und Riesenrassen sind deutlich häufiger betroffen — beschrieben sind unter anderem Doggen, Bernhardiner, Rottweiler, Deutsche Schäferhunde und Irische Wolfshunde. Eine Untersuchung an Rottweilern fand zudem ein erhöhtes Risiko bei Tieren, die vor dem ersten Lebensjahr kastriert wurden (Cooley et al.). Rüden scheinen geringgradig häufiger zu erkranken als Hündinnen. In Einzelfällen werden Knochentumoren an Stellen früherer Knochenbrüche, Knocheninfarkte oder Implantate beschrieben; ein gesicherter ursächlicher Zusammenhang besteht dafür nicht.

Symptome

Die auffälligsten Anzeichen sind Lahmheit, Schmerzen und eine Schwellung (Umfangsvermehrung) der betroffenen Region — meist fällt zuerst eine Schonhaltung auf. Im weiteren Verlauf können unspezifische Symptome wie Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und allgemeine Schwäche hinzukommen; bei fortgeschrittener Zerstörung des Knochens sind Knochenbrüche ohne erkennbaren Anlass möglich. Eine ausführliche Übersicht bietet die Seite zu den Symptomen des Osteosarkoms, zum Umgang mit den oft erheblichen Schmerzen die Seite Schmerzen durch Knochenkrebs.

Knochentumor am Bein

Am häufigsten entstehen Knochentumoren an den Gliedmaßen: gelenknah an den langen Röhrenknochen, an der Vordergliedmaße vor allem oberhalb des Vorderfußwurzelgelenks und am Oberarm, an der Hintergliedmaße in der Nähe des Kniegelenks. Ein Knochentumor am Bein macht sich in der Regel durch eine zunächst wechselnde, später anhaltende Lahmheit und eine schmerzhafte Schwellung bemerkbar. Da diese Anzeichen einer Verstauchung oder Arthrose ähneln, sollte eine Lahmheit, die auf Schonung und Schmerzmittel nicht dauerhaft anspricht, röntgenologisch abgeklärt werden — insbesondere bei Hunden großer Rassen.

Diagnose

Den ersten Hinweis liefert die Röntgenuntersuchung: Typisch für bösartige Knochentumoren sind die Auflösung der Knochenstruktur (Osteolyse) und unregelmäßige Knochenzubildungen; eine Computertomographie kann die Ausdehnung genauer darstellen. Die endgültige Diagnose wird durch eine Biopsie (Entnahme von Gewebe zur feingeweblichen Untersuchung) gesichert. Die Biopsie ist mit geringen Risiken verbunden — selten kommt es zu Knocheninfektionen, und der ohnehin geschwächte Knochen kann zusätzlich instabil werden —, sie ist aber die Grundlage jeder Therapieentscheidung. Zum Staging (der Ermittlung des Krankheitsstadiums) gehören bildgebende Untersuchungen des Brustkorbs, da bösartige Knochentumoren bevorzugt in die Lunge streuen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Tumorart. Beim Osteosarkom ist die Amputation der betroffenen Gliedmaße mit anschließender Chemotherapie der am besten belegte Weg; ist eine Amputation nicht möglich, steht eine gliedmaßenerhaltende Kombination aus Bestrahlung, Bisphosphonaten (Medikamenten, die den Knochenabbau hemmen) und immunologischer Behandlung zur Verfügung. Nach der operativen Entfernung ist die dendritische Zelltherapie eine sinnvolle Ergänzung, um das Immunsystem gegen verbliebene Tumorzellen zu aktivieren; sie wird beim Haustierarzt durchgeführt und ist gut mit den etablierten Verfahren kombinierbar. Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit beim Knochentumor des Hundes liegen bislang nicht vor. Die Behandlungswege mit den belegten Überlebenszeiten sind ausführlich auf der Seite zum Osteosarkom beim Hund dargestellt. Gutartige Knochentumoren sind mit der vollständigen chirurgischen Entfernung in der Regel geheilt; bei den übrigen Sarkomen stützt sich die Behandlung ebenfalls auf Chirurgie, teils ergänzt um Bestrahlung.

Quellen

Ehrhart NP, Christensen NI, Fan TM (2020): Tumors of the Skeletal System. In: Vail DM, Thamm DH, Liptak JM (Hrsg.): Withrow & MacEwen’s Small Animal Clinical Oncology. 6. Aufl., St. Louis, MO, Elsevier, 524–564.

Scharvogel S, Kessler M (2022): Knochentumoren des Hundes. In: Kessler M (Hrsg.): Kleintieronkologie. 4. Aufl., Stuttgart, 617–624.

Cooley DM et al. (2002): Endogenous gonadal hormone exposure and bone sarcoma risk. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 11(11):1434–1440.

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