Schmerzen durch Knochenkrebs beim Hund

Schmerzen durch Knochenkrebs gehören beim Hund zu den stärksten Tumorschmerzen überhaupt — und sie bestehen über den gesamten Verlauf der Erkrankung, nicht erst im Endstadium. Ursache ist beim Osteosarkom, dem häufigsten bösartigen Knochentumor des Hundes, die fortschreitende Zerstörung der Knochensubstanz und der stark schmerzempfindlichen Knochenhaut (Periost). Eine konsequente Schmerzbehandlung ist deshalb von Beginn an ein zentraler Bestandteil der Therapie — sie erhält die Lebensqualität und scheint sogar Einfluss auf die Überlebenszeit zu haben.

Wie der Schmerz entsteht

Das Osteosarkom entsteht meist im Inneren der langen Röhrenknochen, gelenknah an Vorder- oder Hintergliedmaße. Der Tumor löst die Knochenstruktur auf (Osteolyse), dehnt die Knochenhaut und reizt die dort dicht liegenden Schmerzrezeptoren. Da gerade die Abschnitte betroffen sind, die bei jeder Bewegung belastet werden, nehmen die Schmerzen mit dem Tumorwachstum zu. Im fortgeschrittenen Stadium kann der geschwächte Knochen bereits bei geringer Belastung brechen (pathologische Fraktur) — ein zusätzliches, akut sehr schmerzhaftes Ereignis.

Woran Schmerzen erkennbar sind

Hunde zeigen Knochenschmerz vor allem über das Gangbild: von einer kaum sichtbaren Lahmheit über eine deutliche Schonhaltung bis zum Laufen auf drei Beinen und ausgeprägter Bewegungsunlust. Weitere Hinweise sind Belecken der schmerzhaften Stelle, Unruhe, Hecheln, verminderter Appetit und Wesensveränderungen — manche Hunde ziehen sich zurück, andere reagieren gereizt auf Berührung. Die weiteren Symptome des Osteosarkoms sind auf einer eigenen Seite beschrieben.

Schmerzmittel

Am Anfang der Behandlung stehen in der Regel nichtsteroidale Entzündungshemmer (NSAIDs), bei stärkeren Schmerzen kombiniert mit weiteren Wirkstoffen in einem mehrstufigen Schema. Nicht jeder Hund verträgt jedes Präparat: Treten etwa Erbrechen oder Appetitverlust auf, sollte gemeinsam mit dem Tierarzt auf eine Alternative gewechselt werden. Wichtig zu wissen: Schmerzmittel unterdrücken die Beschwerden oft zunächst gut — die Ursache müssen sie deshalb umso dringlicher abgeklärt werden lassen.

Amputation als Schmerzbehandlung

Die wirksamste Schmerzbehandlung beim Osteosarkom der Gliedmaßen ist die Amputation — sie entfernt die Schmerzquelle vollständig, und die meisten Hunde kommen nach einer Eingewöhnungszeit auf drei Beinen gut zurecht. Bemerkenswert ist der Befund von Nolan et al. an 284 Hunden: Tiere, die rund um die Amputation eine intensive Schmerzausschaltung erhielten (Entzündungshemmer plus örtliche Dauerbetäubung der Wunde), lebten im Median deutlich länger als Tiere mit einfacher Schmerzabdeckung — 378 gegenüber 252 Tagen. Eine gute Analgesie ist damit mehr als Komfort.

Bestrahlung und Bisphosphonate

Kommt eine Amputation nicht in Frage, ist die palliative Strahlentherapie die am besten belegte Schmerzbehandlung: Sie lindert die Schmerzen bei etwa drei Viertel der Hunde (Ramirez et al., 95 Hunde), im Median für gut zwei Monate, und kann wiederholt werden. Bei fein fraktionierten Bestrahlungsschemata wurden allerdings deutlich häufigere Knochenbrüche beobachtet als bei grob fraktionierten (Norquest et al.) — das Schema sollte deshalb mit dem bestrahlenden Spezialisten sorgfältig gewählt werden. Bisphosphonate (Medikamente, die den Knochenabbau hemmen, etwa Pamidronat oder Zoledronat) können ergänzend eingesetzt werden; die Studienlage ist uneinheitlich: Als alleinige Behandlung linderte Pamidronat bei 28 % der Hunde die Schmerzen über mehr als vier Monate (Fan et al. 2007), ein Zusatznutzen zur palliativen Standardtherapie ließ sich in einer placebokontrollierten Studie jedoch nicht belegen (Fan et al. 2009).

Weitere Möglichkeiten

Für schwer kontrollierbare Tumorschmerzen beschreiben Iocolano et al. ambulante Ketamin-Lidocain-Infusionen: Bei 76 % der behandelten Tiere — häufigste Indikation war das Osteosarkom des Hundes — besserten sich die Beschwerden nach der ersten Infusion; die Behandlung wurde gut vertragen. Unabhängig vom gewählten Weg gilt: Die Schmerzbehandlung ersetzt nicht die Tumorbehandlung. Welche Kombination aus Operation, Bestrahlung, Chemotherapie und immunologischer Behandlung sinnvoll ist, ist auf der Übersichtsseite zum Osteosarkom beim Hund dargestellt.

Quellen

Ramirez O et al. (1999): Palliative radiotherapy of appendicular osteosarcoma in 95 dogs. Vet Radiol Ultrasound 40(5):517–522.

Norquest CJ et al. (2022): Fracture rate and time to fracture in dogs with appendicular osteosarcoma receiving finely fractionated compared to coarsely fractionated radiation therapy: A single institution study. Vet Med Sci 8(3):1013–1024.

Fan TM et al. (2007): Evaluation of intravenous pamidronate administration in 33 cancer-bearing dogs with primary or secondary bone involvement. J Vet Intern Med 21(3):431–439.

Fan TM et al. (2009): Double-blind placebo-controlled trial of adjuvant pamidronate with palliative radiotherapy and intravenous doxorubicin for canine appendicular osteosarcoma bone pain. J Vet Intern Med 23(1):152–160.

Nolan MW et al. (2022): Intensity of perioperative analgesia but not pre-treatment pain is predictive of survival in dogs undergoing amputation plus chemotherapy for extremity osteosarcoma. Vet Comp Oncol 20(3):568–576.

Iocolano KE et al. (2025): Retrospective evaluation of outpatient intravenous ketamine-lidocaine infusions for the palliation of cancer pain in dogs and cats. J Am Vet Med Assoc 263(4):499–506.

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